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Archiv - Wien

Bye bye, »Rudolf«

Frank Wildhorns Musical »Rudolf« ist seit Sonntag Geschichte. Wiener Geschichte. Die Geschichte eines Flops sozusagen. Eines Flops, den die Vereinigten Bühnen Wien auf die eigene Kappe nehmen müssen, denn die Show an sich funktioniert. Das beweist die Budapester, nennen wir sie die Originalversion. Natürlich kann man nun meinen, das Publikum habe diese tolle Show einfach nicht »verstanden«, nein, das war ja bei »The Producers« der Fall, da waren die Besucher freilich zusätzlich noch »nicht reif«. Überhaupt haben »The Producers« und »Rudolf« eine frappante Parallele. Beide Shows haben international bewiesen, dass sie funktionieren, nur die Wiener Produktionen konnten nicht überzeugen.

Bei »The Producers« kann man sich vonseiten der Vereinigten Bühnen Wien eine gewisse Portion Wagemut zuschreiben. Schwieriges Thema, trotzdem wollte man sozusagen eine Art Bildungsauftrag erfüllen. Selten lag man so weit daneben. Eine Nation, die mitten im Verdrängen und Vergessen steckt, und vom Verzeihen noch so weit entfernt ist, sollte mit Klamauk in eine nächste Evolutionsstufe der Verarbeitens gepusht werden. Das konnte nicht funktionieren.

Bei »Rudolf« machten die Wiener leider entscheidende Dinge falsch. Der größte Fehler: Man verzichtete auf den Puppenspieler, die melancholische Version des Lucheni aus »Elisabeth«. Nein, einen zweiten Lucheni, das wollte man nun wirklich nicht. Michael Kunze war ohnedies schon sauer genug, dass man nicht das »Sisi«-Erfolgsteam mit der Erstellung des Habsburger-Spin-offs beautragt hatte. So baute man die Show um und gruppierte entscheidende Teile um Graf Taaffe. Graf Taaffee besetzte man mit einem Wiener Publikumsliebling, und wir werden wohl nie erfahren, wie die Geschichte wirklich gelaufen ist. Wurde die Show wegen des Publikumslieblings umgeschrieben oder wurde sie umgeschrieben und dann ein Publikumsliebling gesucht. Als Glücksgriff hat sich die Besetzung nicht erwiesen, denn die Hauptfigur in »Rudolf« sollte eigentlich Rudolf sein und nicht der Widerling Taaffe. Sicher, als Rudolf engagierte man einen blendenden Sänger, aber wohl auch einen, der auf Selbstpromotion ungefähr so viel Wert legt wie auf eine raucherfreie Zone im Segafredo am Graben. Zwei Auftritte im ORF, das wars dann auch. Man kann ihm keinen Vorwurf machen, den VBW dürfte bekannt gewesen sein, dass hier kein zweiter Uwe Kröger ins Scheinwerferlicht scharwenzeln würde, und andererseits, was machen die VBW schon in puncto Promotion, wenn sie nicht gerade jemanden wie Herrn Kröger an der Hand haben, der gerne strahlen will, und das durchaus auch soll. Promotion für »Frühlings Erwachen«? Null, nada, nicht vorhanden. Zu »Willkommen Österreich« schickte man Julia Stemberger. Die ganze junge Cast, die mehr als nur bereit gewesen wäre für Promotion aller Art, ließ man im Ronacher vermodern. Aber wir driften ab. Ob nun Herr Kröger stimmlich immer in Bestform war oder nicht, daran dürfte »Rudolf« nicht gescheitert sein. Dass man aber die Figur des Puppenspielers gestrichen hat, postuliere ich für meinen Teil als einen der entscheidenden Faktoren.

Ein weiterer Faktor. Larger than life, bigger than life. Nun ja, nicht wirklich. Nicht wirklich in Wien, denn auf Budapest, ja, da trifft das zu. In Wien agierte man in den Arrangements etwas mehr sophisticated. Es ist zwar derzeit Mode, dass in deutschen Foren und neuen deutschen Musicalblogs Frank Wildhorns Shows als Schmonzetten gedisst werden, aber ernstnehmen sollte man das nicht. Musicals leben von starken Melodien, und wenn Frank Wildhorn eines wirklich kann, dann ist es das Komponieren von starken Melodien. Es mag ein Fehler der Wiener Produktion gewesen sein, dass man mit Zucker gespart hat, dass man die Power der Melodien nicht allzu plakativ dem Publikum aufs Aug drücken wollte. Den Ungarn macht das nichts aus. Da wird eine Ballade bis zum Exzess inszeniert und auf eine Zuckerschicht kommt dann noch ein Sahnehäubchen drauf. In Wien wollte man es etwas zurückhaltender und konnte eventuell daher nicht die Kritiker und auch Teile des Publikums nicht überzeugen, man konnte nicht den WOW-Effekt auf die Bühne zaubern, der es schafft, Mundpropaganda für die Show auszulösen. Ganz abgesehen davon, dass man teilweise Baustellen auf der Bühne inszenierte. Man ließ Carin Filipcic ein absolut desaströs übersetztes Lied interpretieren. Filipcic musste Abend für Abend einen Text singen, der unsingbar ist, weil er zu viele Silben in zu kurzer Zeit enthält.

Was man ebenfalls wohl nie dem Publikum erklären wird können, sind die diversen Streichungen und Kürzungen, die völlig unbedeutenden und absolut nichts bringenden Adaptionen, die man im vergangenen Jahr mitten während der Spielzeit an »Rudolf« vorgenommen hat. War es das verzweifelte Ringen um Aufmerksamkeit? Seht her, »Rudolf« geht jetzt in einer neuen Version an den Start? Frank Wildhorn jedenfalls schien die Wiener Version schon lange vor der Premiere nicht wirklich mehr interessiert zu haben. War ursprünglich von einem neuen Lied für Wien die Rede, so konnten sich die VBW das wohl schon recht bald abschminken.

Seit Sonntag ist es nun vorerst Schluss mit Musicals am Raimund Theater. Einzug hält demnächst eine Revue, in der es unter anderem um viel Schlagobers geht, und das ist schon das Positivste, was ich darüber sagen kann, ich mag Schlagobers.

Links
- Musical Awakening: Rudolf Derniere: “Good night, sweet prince…”

Wien: Musicals an den Kammerspielen - Noch mehr Sugar und dann ganz viel Cabaret

Die Wiener Kammeroper hat sich schon vor zwei Jahren, nach einer großartigen, aber leider nicht ausverkauften Spielserie von Jason Robert Browns “The Last 5 Years” vom Musicalgenre verabschiedet, einfach so, ohne jegliche Erklärung, Gerald Pichowetz scheint nach “Kiss me, Kate” in seinem Gloria Theater auch keinen Platz mehr für Musicals zu haben - fast könnte man meinen, die kleineren Häuser ziehen sich von diesem Genre peu à  peu zurück. Musicals als der finanzielle Heilsbringer am Spielplan, das funktioniert wohl nicht überall.

Wo es allerdings definitiv funktioniert: an den Wiener Kammerspielen. Da gingen in den letzten Wochen 60 ausverkaufte Vorstellungen von “Sugar - Manche mögen’s heiß” über die Bühne. Mirjam Weichselbraun, Boris Pfeifer, Martin Niedermair und Siegfried Walther konnten das Publikum begeistern, tun das noch bis 26. Jänner und werden es noch mal machen, und zwar von 25. Mai bis 2. Juni 2010 - da nämlich gibt es die vorerst letzte Chance, den Pulikumshit in den Kammerspielen zu sehen.

Ab Herbst 2010 steht dann Kander & Ebbs Kult-Musical “Cabaret” auf dem Spielplan. Die Auditions sind derzeit voll im Gange. Auf die Besetzung darf man gespannt sein.

Raimund Theater: Castpräsentation “Ich war noch niemals in New York” - die Fotos von Isabell Schatz

Am 11. Dezember 2009 ging im Wiener Raimund Theater die Castpräsentation der Produktion “Ich war noch niemals in New York” über die Bühne. Details zur Cast und zum Leading Team gibt es –> hier. Vor Ort hat die Fotografin Isabell Schatz Aufnahmen der Veranstaltung gemacht. Im Folgenden ein paar ihrer Bilder. Zur Website von Isabell Schatz gehts –> hier.

Copyright: Isabell Schatz
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Krawuuutzi Kapuutzi: TV-Premier zu Silvösta, glei noch da Pummerin

Otto Jaus und Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Ein gutes Händchen bei der Programmierung der Silvesternacht scheint der ORF zu haben, steigt doch am 1. 1. 2010 gleich um 0:10 Uhr die TV-Premiere des Wiener Musicalhits “Krawutzi Kaputzi”.

Mit: Pezi, Minki, Großvati, Helmi, Drache Dagobert, Mimi, Kasperl, Tintifax, Zwerg Bumsti und vielen anderen Helden aus unserer Kindheit.

Was ist aus den ihnen geworden? Was aus Pezi, dem Bären? Dem Großvati? Der Minki? Was ist aus Fips geworden und was aus Helmi? Wo ist der Drache Dagobert und wo der Kasperl höchstpersönlich? Hat Fortuna es gut gemeint mit ihnen? - Krawutzi Kaputzi !!

Unweit der Autobushaltestelle “Ratschkygasse” vom 15A befindet sich das Cafe ÖZGÜL, gleich neben der Trafik Petz - und dort sind sie alle, die Puppen aus dem Kinderfernsehen der 70er und 80er . Mittlerweile sind sie alle über 20 Jahre älter und nicht unbedingt auf die Butterseite des Lebens gefallen. Alle hat es in das selbe Grätzl im 12. Wiener Gemeindebezirk verschlagen, und wir sehen zwei Stunden Liebe, Laster,Leiden - Leben in Meidling mit eL !

Mitwirkende
Susanne Altschul, Claudia Rohnefeld, Sigrid Spörk, Roman Frankl, Otto Jaus, Artur Ortens, Ronald Seboth, Roman Straka, Ernst Vokurek

Buch: Johannes Glück
Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Bildregie: Fabienne Acs

Und wer das Ganze live sehen möchte, kann auch das 2010 machen. “Krawutzi Kaputzi”, mit Buch, Liedtexten und Musik von Johannes Glück, ist vom 16. Mai bis 27. Juni 2010 wieder am Programm des PALAIS NOWAK. Mit dabei die erfolgreiche Premierenbesetzung: Susanne Altschul, Claudia Rohnefeld, Sigrid Spörk, Roman Frankl, Otto Jaus, Ronald Seboth und Roman Straka.

Links
- Kabarett Simpl
- Palais Nowak

Raimund Theater: Castpräsentation “Ich war noch niemals in New York”

Am 11. Dezember 2009 ging im Wiener Raimund Theater die Castpräsentation der Produktion “Ich war noch niemals in New York” über die Bühne. Fotos dieser Veranstaltung gibt es demnächst, hier aber zuerst einmal die Namen der Darsteller und des Leading Teams:

Cast
Lisa Wartberg: Ann Mandrella
Axel Staudach: Andreas Lichtenberger
Maria Wartberg: Hertha Schell
Otto Staudach: Peter Fröhlich
Fred Hoffmann: Andreas Bieber
Costa: Gianni Meurer
Florian: 4 Buben im Alter von 12 bis 13 Jahren

Kapitän: Andrà© Bauer
Steward: Norbert Kohler
Frau Menzel: Natalya Bogdanis
Frau Dünnbügel: Ina Wagler

In weiteren Rollen:
Sabine Mayer, Sabrina Harper, Linda Geider, Daniella Foligno, Fanny Hoffmann, Birgit Wanka, Kathleen Bauer, Lorna Dawson, Nina Janke, Max Niemayer, Kai Peterson, Patrick Schenk, Dominik Hofbauer, Nicola Gravante, Steven Seal, Manuel Stoff, Wolfgang Postlbauer, Georg Prohazka

Leading Team
Musik: Udo Jürgens
Autor: Gabriel Barylli
Co-Autor: Christian Struppeck
Musikalische Leitung: Koen Schoots
Regie: Carline Brouwer (basierend auf der Hamburger Originalproduktion, Regie: Christian Struppeck & Glenn Casale)
Choreographie: Kim Duddy (Associate: Simon Eichenberger)
Musikalische Supervision: Michael Reed
Arrangements: Michael Reed & Roy Moore
Kostüme: Yan Tax
Bühnenbild: David Gallo (Associate: Evan Adamson)
Lichtdesign: Andrew Voller
Lichtprogrammierung: Christ Hirst
Videoprogrammierung: Arjen Klerx
Ton: Matthias Reithofer
Perücken: Sjoerd Didden

Songliste (alphabetisch)
Aber bitte mit Sahne
Alles im Griff
Bleib’ noch bis zum Frühstück
Buenos Dias, Argentina
Ein ehrenwertes Haus
Gib mir deine Angst
Griechischer Wein
Heute beginnt der Rest deines Lebens
Ich war noch niemals in New York
Ich weiß, was ich will
Immer wieder geht die Sonne auf
Merci, Cherie
Mit 66 Jahren
Schöne Grüße aus der Hölle
Siebzehn Jahr, blondes Haar
Tu alles, was gut tut
Vielen Dank für die Blumen
Was wichtig ist
Wie könnt’ ich von dir gehen
Vater und Sohn
Zeig mir den Platz an der Sonne

Raimund Theater: Premiere für “Wenn Rosenblätter fallen”

Im Januar 2010 wird in Wien “Wenn Rosenblätter fallen”, ein Musical von Rory Six & Kai Hüsgen, in einer überarbeiteten Fassung als Workshopproduktion unter dem Namen “Ein Leben ohne dich” an den Start gehen. Zum Abschluss wird das Stück am 18. und 19. Januar 2010 im Raimund Theater präsentiert.

Carin Filipcic, Leigh Klinger und Rory Six werden von vier Musikern unter der Leitung von Joachim Werner begleitet.

Theater des Augenblicks: “An Evening Without … Scott Alan” (2009)

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I have cried, laughed, had goosebumps ..

Die Idee ist so einfach wie genial. Man nehme die Songs des hierzulande zwar unbekannten, aber in den einschlägigen Kreisen doch schon fast verankerten Musicalkomponisten Scott Alan und stelle sie einem interessierten Publikum in Eigeninterpretationen vor. Wenn man etwas überspitzt formulieren wollte, wäre das sozusagen die Erfüllung des Bildungsauftrags, den die VBW eigentlich seit langer Zeit vernachlässigen, sagen wir seit der Bernstein-Veranstaltungsserie, die Caspar Richter im Raimund Theater vor einigen Jahren auf die Beine gestellt hat. Damals waren die VBW in einem Hoch, die Bernstein-Konzerte waren nicht wirklich ausverkauft, und prompt wurde keine einzige mehr der wirklich kreativen und spannenden Ideen des Musikalischen Direktors der VBW in die Tat umgesetzt. Man versuchte sich in den folgenden Jahren unter der Chiffre “RonacherMobile” an Mini-Nischenprodukten, die anfangs zwar innovativ anmuteten, aber eingekauft waren, dann produzierte man selbst und das mal mehr, mal weniger am Publikum vorbei und vor allem thematisch oft meilenweit vom Genre Musical entfernt.

Natürlich haben die VBW gar keinen Bildungsauftrag, aber wer subventioniert wird, sollte doch nicht von 5 Minuten vor 12 auf 4 Minuten auf 12 all seine so hehr anmutenden Ziele über Bord werfen und in eine See stechen, auf der nur mehr das typische Kreuzfahrtpublikum an Bord bleibt und der Rest lieber freiwillig über die Reling springt. Wechseln wir also lieber von der Kreuzschiff-Metapher zum Airline-Spektakel. Gar nicht so weit hergeholt, wie es klingen mag, denn das Team von “An Evening Without …” ist schon von der Zusammensetzung her bemerkenswert. Wir haben einen Reallife-Airline-Piloten an der Gitarre (Tom Delbeke) mit einer Stimme, die an Michael W. Smith erinnert, wir haben am Cello eine Flugbegleiterin (Hana Yamazaki), die irgendwann einmal auf einem Flug von hier nach da bemerkte, wie der Pilot in Noten blätterte und dann mit ihm auf einmal ganz andere Themen zu besprechen hatte, wir haben mit Bernd Leichtfried einen erfahrenen Pianisten, Arrangeur und Musikalischen Direktor, der souverän aus Solo-Songs Quartette macht und umgekehrt, und wir haben mit Sabrina Harper, Rita Sereinig, Philipp Hägeli und Jürgen Kapaun vier Musicaldarsteller, denen man anmerkt, dass sie mit viel Herz und voller Überzeugung hinter ihrem Projekt stehen.

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Die Macher von “An Evening without …” indes gehen sogar einen Schritt weiter als anno dazumal Caspar Richter mit seinem Bernstein-Abend. Sie riskieren es, völlig unbekannte Songs oder wenig bekannte Songs von wenig bekannten Komponisten auf die Bühne zu bringen. Was man im Showbusiness darüber sagt, wenn Entertainer “neue”, dem Publikum noch nicht vertraute Songs anstimmen, ist Legende. So meinte mal Barry Manilow zu seinem “Greatest Hits”-Konzertkonzept für Las Vegas sinngemäß: Wenn du brandneue Songs spielst, gehen sie auf die Toilette, du kannst richtig zusehen, wie sie in Scharen den Saal verlassen. Gib ihnen die Hits, und sie sind glücklich.

Wenn man, was nicht so selten passiert, über eine Show in einem gewissen zeitlichen Abstand schreibt, dann kommen die stärksten Eindrücke am schnellsten wieder ins Gedächtnis. Im Fall von “An Evening Without … Scott Alan” ist das beispielsweise ein starker, souveräner und selbstsicherer Philipp Hägeli, der mir so ausdrucksstark bis dahin noch nicht aufgefallen war. Die Qualität, dem Publikum das Gefühl zu geben, dass während einer Performance nichts schiefgehen kann, das Vermögen, stark zu beginnen und sich dann zu steigern und schließlich noch eins draufzusetzen, das alles hat Hägeli an diesem Abend eindrucksvoll demonstriert, einfach fabelhaft.

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Gebettet waren die Interpretationen der Songs von Scott Alan in einen fröhlich-unterhaltenden Moderationsteil, den die Darsteller abwechselnd oder gemeinsam in ihrer “Talkecke” gestalteten. Für das amüsanteste Element, an das man sich auch Wochen danach noch erinnern kann, in diesem Teil sorgte sicher Jürgen Kapaun, der ein Talent hat, unkompliziert sympathisch in Fettnäpfchen oder verschusterte Einsätze zu stolpern, ohne dass man als Publikum das Gefühl bekommen muss, über ihn zu lachen. Man lacht einfach mit ihm.

Ein paar kleine, informative Geschichtchen über den Komponisten, ein paar Anekdoten, wie sich die Interpreten zur Truppe rund um “An Evening without … ” formten, all das leichtfüßig und charmant präsentiert und genau richtig dosiert, um das Publikum in eine gutgelaunte aufnahmefähige Stimmung zu versetzen, das ist das Erfolgsrezept dieser Show. Dazwischen eingebettet, die Songs von Scott Alan, und nach der Show: gute Stimmung.

Was man in den “Talk-Blöcken” erfährt, ist informativ und gewinnend formuliert. So würde sich der Part über den Lebenslauf von Scott Alan folgendermaßen lesen:

Sabrina Harper: Scott Alan - ein Songwriter, Jahrgang 78. Er hat schon früh zu singen und Klavier spielen begonnen, es ist überliefert, dass er seinen Eltern ziemlich auf die Nerven gegangen ist damit. Man hat dann erst später sein Talent entdeckt. Er hat Musik, Theater und Gesang studiert und wollte aber eigentlich mehr im Popbusiness Fuß fassen. Er ging mit 20 nach L. A., wo er mit und für namhafte Komponisten und Sänger wie Toni Braxton, Luther Vandross, Boyz II Men gearbeitet hat, und er hat dabei aber immer zu hören bekommen, seine Musik sei zu theatralisch, zu dramatisch, und im Popbusiness eigentlich nicht richtig am Platz. Zurück zu seinen Wurzeln, hat er begonnen, Musicalsongs zu schreiben.

Philipp Hägeli: Diese Songs hat er, als er dann genug zusammenhatte, auch begonnen aufzunehmen auf CDs, und so sind wir in Berührung gekommen mit ihm. Er hat zwei CDs herausgegeben: letztes Jahr und das Jahr davor. “Dreaming Wide Awake” und “Keys”. Dabei hat er einen schlauen Trick angewendet. Er hat die Lieder nämlich nicht selbst eingesungen, sondern er hat sie von seinen Freunden und Bekannten einsingen lassen, alles bekannte oder aufstrebende Musicaldarsteller am Broadway, wie Josh Strickland, das ist der “Tarzan” vom Broadway, oder Shoshana Bean, eine total crazy Elphaba-Sängerin - könnt ihr auf YouTube angucken. Wahnsinnige Sachen. Der Trick daran: Wenn man das von solchen Leuten einsingen lässt, kann man sich sicher sein, dass die eine oder andere Musicalhusche, wie ich es gerne nenne, sich diese CDs dann auch anhört. Wir. Ja.

Rita Sereinig: Und eine andere Möglichkeit, bekannt zu werden, ist natürlich heutzutage auch YouTube. Wir haben geyoutubed, was das Zeug hält. Scott Alan in allen Varianten, und eigentlich immer, außer seine Blogs betreffend, im “Birdland” in New York. Dort hat er mit Kollegen “Monday New Voices” ins Leben gerufen. Er performed dort seine Songs, ganz plain auf einer kleinen Theaterbar, wo’s quasi nicht um schnickschnack geht, sondern um die Songs an sich.

Jürgen Kapaun: Ein Thema, ein Punkt bei Scott Alan, der uns sehr am Herzen liegt, sind seine Texte, weil im Gegensatz zu, nein, nicht anderen Komponisten, haben seine Texte auch Inhalt. Ganz toll. Und zwar sind das alltägliche Geschichten. Es werden Szenen beschrieben, und wo können Musicaldarsteller solche Geschichte, solche Szenen besser erzählen als auf einer Bühne. Und damit wollen wir auch beginnen mit seinen Songs. Die ersten beiden heißen “Behind these walls” und “Again” und handeln beide von beendeten Beziehungen, die allerdings für einen der beiden noch nicht abgeschlossen sind.”

Wenn man zurückdenkt an den Abend im Theater des Augenblicks, erinnert man sich natürlich auch an die Cellistin Hana Yamazaki, die förmlich vor guter Laune zersprungen ist, erfüllt von ansteckender Fröhlichkeit und dennoch immer sehr konzentriert. Sie hätte wohl liebsten bei jedem Lied mitgesungen. Man erinnert sich an Rita Sereinig, die allein mit ihren Augen ganze Geschichten erzählen kann und das auch wunderbar gemacht hat. An Sabrina Harper, die ihre Songs großartig vokal gestaltet hat und ähnlich wie Philipp Hägeli einer der Felsen in der Brandung war, und an Tom Delbeke, der stimmlich an Michael W. Smith erinnert und eine sehr angenehme, klare Stimme hat. Wäre interessant, Songs des populären Künstlers der Contemporary Christian Music von ihm gesungen zu hören.

Fazit: Es war ein unterhaltsamer, sehr schöner Abend, und das Eingangszitat, das aus einer Rezension einer der CDs von Scott Alan stammt, würden wohl viele Besucher unterschreiben. Man kann auch einfach sagen: Mehr davon. Mehr Shows noch über Scott Alan und viele Nachfolgeprogramme.

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Theater des Augenblicks: “An Evening Without … Scott Alan” (2009)
[Besuchte Vorstellung: 5. November 2009]

Setlist
- Let Love begin (Alle) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Behind These Walls (Sabrina) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- Again (Philipp) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- Never Neverland (Fly Away) (Jürgen, Rita) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Surrender (Tom, Jürgen) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Hold On (Philipp) (aus “Still … Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- How Did I End Up Here? (Jürgen) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- And There It Is (Rita) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- I’m A Star (Sabrina) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Say Goodbye (Jürgen, Rita, Tom) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Blessing (Alle) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)

- It’s Good To See You Again (Jürgen) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- Home (Sabrina, Rita) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Kiss The Air (Philipp) (aus “Still … Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Now (Tom) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- His Name (Rita) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- This Time (Sabrina, Philipp) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- Goodnight (Jürgen, Tom) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- The Journey (Jürgen, Philipp, Tom) (aus “Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)
- Always (Sabrina) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- The Distance You Have Come (Alle) (aus “Keys: The Music of Scott Alan”)
- If I OWn Today (Alle) (aus “Still … Dreaming Wide Awake: The Music of Scott Alan”)

Cast
Gesang: Sabrina Harper, Rita Sereinig, Tom Delbeke, Philipp Hägeli, Jürgen Kapaun
Piano: Bernd Leichtfried
Gitarre: Tom Delbeke
Cello: Hana Yamazaki

“Musical Rocks” - erste Soundproben online

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Vom 3. bis 5. Dezember 2009 geht im Wiener Arsenal (Obj. 221, Faradaygasse 3, 1030 Wien) die Show “Musical Rocks” über die Bühne - und was leicht chaotisch begonnen hat, könnte nun doch noch zu einer sehens- und hörenswerten Veranstaltung werden.

Nach wie vor sollte man den merkwürdig formulierten Marketingslogans Marke “radikale Verjüngung des Best-of-Segments mit den besten Solisten der neuen Generation” nicht allzu viel Beachtung schenken, vielmehr geht es, und das ist gut so, um die Musik - um alte Musicalhadern in neuem Gewand. Und genau das ist das Interessante an dieser Produktion. Wer einen kleinen ersten Vorgeschmack haben möchte, wie Musicalhits aus “Elisabeth”, “Tanz der Vampire” oder “Hair” neu vergrooft klingen können, kann sich ein Soundsample –> hier anhören. Martin Böhm und Ludwig Coss haben im Hauptquartier der MG-Sound-Studios den altbekannten Melodien überraschend aktuelle Stylings verpasst. Anders formuliert könnte man sagen, dass sie sie teilweise aus ihrem Musicalgewand gelöst haben und ganz neu gedressed auf eine Bühne stellen, auf der dem nun neuen Sound auch das passende Lichtdesign verpasst wird.

Auf der Bühne, das ist mittlerweile auch fixiert, werden zu sehen sein: Serkan Kaya, Mathias Edenborn, Jessica Kessler, Vincent Bueno, Anke Fiedler und Nadine Schreier sowie acht Tänzer. Dean Welterlen und Doris Marlis führen Regie und zeichnen für die Choroegrafie verantwortlich.

Event Info
3. bis 5.Dezember 2009, täglich ab 19.30 Uhr
110-minütige konzertante Aufführung
Sitzplätze an Galatischen
Arsenal Objekt 221, 1030 Wien, Faradaygasse 3

Links
- Website zu “Musical Rocks”
- MG-Sound

Frank Wildhorns “Rudolf” - die neue Nummer 1 der Ö3-Austria Top 40 Musik-DVD-Charts

In den “Ö3-Austria Top 40 - Musik-DVD-Charts” toppt die von MG-Sound produzierte DVD des Frank-Wildhorn-Musicals “Rudolf” in der zweiten Woche die Charts. Nach Platz 3 in der Vorwoche ist “Rudolf” ab diesem Freitag auf Platz 1 vor Michael Jackson zu finden.

“Musical Rocks”: Marketing —> Restart NOW

Also ich kenn mich nicht mehr aus. In einer Presseaussendung mit dem Titel “Musical-Rocks! mit Lloyd Webber’s nächster Generation” wurde heute die Musical-Konzertserie der Firma Event Marketing angekündigt, die ab 3. Dezember im Wiener Arsenal stattfinden soll. “Lloyd Webber’s” [sic] nächste Generation - was sollen wir dumme Anhänger des Musicalgenres uns darunter vorstellen? Werden etwa Songs einer neuen Komponistengeneration interpretiert? Natürlich nicht, denn auch wenn im Vergleich zur Vorwoche nun auf einmal ganz andere Interpreten bei den Shows im Wiener Arsenal zu sehen sein werden, sie interpretieren uralte Songs, urururalte Hadern aus “Hair” zum Beispiel, oder auch “Grease” und “The Rocky Horror Show”. Wo ist da eine “nächste Lloyd Webber-Generation” auszumachen?

Gehen wir nun davon aus, dass damit die Darsteller gemeint sind, so muss man sich schon fragen, ob Mathias Edenborn, Jessica Kessler oder Serkan Kaya noch als “neue” Generation etikettiert werden sollten. Vincent Bueno mag man als Mitglied einer “neuen Generation” titulieren, aber zwischen ihm und einem Mathias Edenborn liegen dann doch ein paar Jährchen.

Was an dieser Art Marketing am ärgerlichsten ist? Fast versteckt findet sich doch ein spannender USP dieser Veranstaltung, und zwar genau in folgendem Absatz:

Die Hitschmiede MG Sound hat sich der Musik angenommen und ihr ein zeitgemäßes Styling verpasst, ohne dass ihnen dabei die charakteristische Atmosphäre der jeweiligen Musicals abhanden gekommen ist. “Musikalische Entstaubung der ganz großen Musicalhits, von Rocky Horror über Hair bis Dirty Dancing. Neuer Sound, rockige Outfits und assoziative Visuals - Musical bores? Not this show! Musical rocks!” beschreibt Ludwig Coss, Produzent und Musikalischer
Direktor, begeistert das neue Projekt.

Wenn man das aber auf der offiziellen Website verschweigt und auch sonst nur mit völlig für das Zielpublikum haarsträubenden Slogans wie “Musical bores? Not this show!” an die Öffentlichkeit geht, dann ist es schade um die vergebene Chance, vielleicht doch so etwas wie eine interessante Show zu produzieren. Denn Musicals sind für diejenigen, die dieses Genre mögen, nicht langweilig, höchstens so manches Potpourri-Programm Marke “Best of Musical”.

Link
- Floppt “Musical Rocks”?

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