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Archiv - Wien

“Rebecca”-Pressekonferenz: Foto-Slideshow online

Eine Slideshow von rund 70 Fotos, die im Rahmen der “Rebecca”-Pressekonferenz entstanden sind, kann ab sofort hier abgerufen werden. Die Pics kann man sich auch einzeln ansehen, dann am besten hier klicken. Viel Spaß!

“Rebecca” ist gelandet

Am 19. April 2006 ist “Rebecca”, das neue Musical von Sylvester Levay & Michael Kunze, endgültig in Wien gelandet. Um 11 Uhr präsentierten Generaldirektor Franz Häussler, Intendantin Kathrin Zechner und Regisseurin Francesca Zambello auf der Bühne des Raimund Theaters die ersten Bühnenbild- und Kostümentwürfe sowie die Cast der Show.
Franz Häußler, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Kathrin Zechner, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Bei den Auditions in Wien, Hamburg und Köln, für die über 1000 Künstler angemeldet waren, wurden 470 Termine für ein Vorsingen vergeben. Nach den Callbacks stehen nun die 9 Solisten, 18 Ensemblemitglieder (neun weibliche, neun männliche) und sieben Swings (drei weibliche, vier männliche) fest. Probenstart ist am 18. Juli 2006, die Uraufführung am 28. September 2006 im Raimund Theater. Uwe Kröger wurde für die männliche Hauptrolle “Maxim de Winter” gewonnen, Wietske van Tongeren wird an seiner Seite die Hauptfigur “Ich” verkörpern. Die mysteriöse und bedrohliche “Mrs. Danvers” ist mit Susan Rigvava-Dumas besetzt.
Wietske van Tongeren, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Uwe Kröger, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Uwe Kröger, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Uwe Kröger, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Susan Rigvava-Dumas, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Susan Rigvava-Dumas, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
In weiteren Rollen: Carin Filipcic (Mrs. Van Hopper), Carsten Lepper (Jack Favell), Kerstin Ibald (Beatrice), Andrà© Bauer (Frank Crawley), Noberto Bertassi (Ben), Thomas Bayer (Oberst Julyan).
Andrà© Bauer, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Carin Filipcic & Carsten Lepper, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Rebecca-Cast 2006, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)

Das Leading Team: Francesca Zambello (Regie), Denni Sayers (Choreographie), Caspar Richter (Musikalische Leitung), Peter J. Davison (Bühnenbild), Birgit Hutter (Kostüme), Andrew Voller (Licht), Hendrik Maassen (Sounddesign).
Regisseurin Francesca Zambello vermittelte einen ersten Eindruck von Bühnenbild- (Peter Davison) und Kostümentwürfen (Birgit Hutter).
Rebecca-Kostümentwurf, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Die Show läuft in einer Vielzahl von Sets ab: in einem eleganten Hotel im noblen Monte Carlo von 1927, an der Küste von Cornwall, im Herrenhaus von Manderley, auf einem Golfplatz, im Zimmer von Rebecca - alle Sets bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen real und abstrakt. Rebecca, selbst nie auf der Bühne zu sehen, ist im Musical nur als Reflexion greifbar, beispielsweise als musikalisches Thema. Was das Bühnenbild betrifft, so lebt Rebecca in den Schatten des Herrenhauses von Manderley, sie ist Manderley und wird auf der Bühne symbolisiert durch Mrs. Danvers. Die ersten Entwürfe des Setdesign von Rebeccas Zimmer werden von riesigen Vorhängen dominiert, wie geschaffen dafür, Schatten zu werfen, jene Schatten, in denen Rebecca zu erahnen ist.
Rebeccas Zimmer/Entwurf, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Manderley, gleichzeitig aber das gesamte Setdesign, wird so zu einem faszinierenden Gebilde, einem “psychological Landscape”, das auf der einen Seite Schauplatz der realen Lovestory von Maxim de Winter und “Ich” ist, auf der anderen Seite ins Surreale abdriftet, in eine zweite Wahrnehmungswelt, einer abstrakten, die mit jener realen verschmilzt, ein surrealer Tanz zwischen den Welten.
Susan Rigvava-Dumas & Carsten Lepper, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Susan Rigvava-Dumas & Carsten Lepper, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)

Raimundtheater Wien: “Jesus Christ Superstar” 2006 - ein Abend großer Stimmen

 (Jesus Christ Superstar 2006; Foto: © Martin Bruny)
Das Rezept für eine Musical-Erfolgsproduktion ist ganz einfach: Man nehme “Jesus Christ Superstar” … aus, das wars schon. Mehr ist nicht nötig. Wann immer, wo immer - für eine beschränkte Anzahl von Shows ist Andrew Lloyd Webbers Rockoper aus dem Jahre 1971 stets für einen “Ausverkauft”-Rekord gut. Das wissen die Vereinigten Bühnen Wien und auch andere Konzertveranstalter, und das ist auch gut, dass sie es wissen, denn somit kommen Musicalfans nun schon einige Jahre, wenn die Glocken wegfliegen, in den Genuss konzertanter Versionen von “Jesus Christ Superstar”. Die diesjährige Vorstellungsserie ist - ausverkauft.
Von der VBW-Produktion des Vorjahres mit Serkan Kaya (Judas), Drew Sarich (Jesus) und Claudia Stangl (Maria) ist rechtzeitig zur diesjährigen Premiere am 14. April 2006 ein Mitschnitt auf CD erschienen. Eine gute Idee, und auch eine CD-Veröffentlichung der konzertanten “Mozart!”-Version, die vor ein paar Wochen im Raimundtheater zu sehen war, wäre fällig.
“Jesus” 2006 ist, ohne die anderen Produktionen schmälern zu wollen, die mit Abstand überwältigendste Version der Produktionen der letzten Jahre dieser größten Geschichte aller Zeiten. Ja sicher, grundlegend hat sich nun nicht allzu viel an der Inszenierung (Regie: Dennis Kozeluh) und musikalischen Konzeption (Caspar Richter) geändert, und doch, gerade Änderungen in den Details der musikalischen Umsetzung (Musikalische Einstudierung & Leitung: Walter Lochmann) hatten es in sich. Schon bei der Ouvertüre legt der Mann am Schlagzeug (Gerald Kratzer) los, als wäre er Drummer bei der E-Street-Band: hart, treibend, mitreissend - bei weitem härter und treibender als im Vorjahr. Die Darsteller treten aus dem Zuschauerraum kommend auf, Applaus brandet auf, Jesus-Darsteller Rob Fowler kommt von der Seitenbühne - Jesus Christ Superstar, das Leitmotiv. DAS ist ein Intro, wirkungsvoll inszeniert und packend gespielt.
 (Rob Fowler, Petr Gazdik & Tina Schöltzke; Foto: © Martin Bruny)
Die nächste Überraschung: Judas. Nicht viele kennen Petr Gazdik, um es mal nonchalant zu formulieren. Die Infos, die man im Internet findet, sind bescheiden. Er entert die Bühne des Raimundtheaters an diesem Abend mit der wilden Ausstrahlung eines Meat Loaf und einer ebenso fesselnden Stimmgewalt, gezügelt und fokussiert nur von seiner klassischen Ausbildung. Gewonnen hat er mit “Heaven on their minds” schon nach ein paar Sekunden. Er donnert den Song mit einer solchen Vehemenz in den Saal des Raimundtheaters, dass einem als Zuschauer die Luft wegbleibt. Seine Bühnenpräsenz ist erstaunlich. Ab da läuft die Show auf Schienen.
 (Rob Fowler; Foto: © Martin Bruny)
Rob Fowler (voriges Jahr als Simon/Annas) hat mit der Rolle des Jesus endlich einen Part in “Jesus Christ Superstar” gefunden, der seiner Stimme Raum gibt zu fliegen - er geht volles Risiko und scheint am Höhepunkt seiner stimmlichen Ausdruckskraft. Gazdik & Fowler fighten sich zwei Stunden lang, unterstützt von einem hervorragenden Ensemble, durch die Songs von Jesus Christ Superstar. Sie schenken sich nichts, beeindrucken mit fast stimmakrobatischer Phrasierung. Caroline Vasicek ist in ihrer Karriere an einem Punkt angelangt, an dem man ihr fast jede Rolle anvertrauen kann. Der Maria Magdalena verleiht sie eine wohltuende Zärtlichkeit, ohne ins zu süßlich Liebliche abzudriften. Reinwald Kranner überzeugt als Simon, Jacqueline Braun als Herodes ist immer wieder ein Vergnügen. Es ist der Abend der großen Stimmen. Walter Lochmann am Dirigentenpult treibt seine Leute zu einer Pump-up-the-Volume-Version des Jesus-Musicals. Andrà© Bauer als Pilatus, Dennis Kozeluh als Kaiphas, Kathleen Bauer und Tina Schöltzke als Soulgirls sowie der sympathische Roman Straka als Petrus begeistern mit ihrer ansteckenden Spielfreude. Ein Volltreffer.
 (Rob Fowler, Jacqueline Braun; Foto: © Martin Bruny)

Wer braucht schon das Wiener Off-Theater?

Theater haben es nicht leicht in der Ära Schüssel und ihrem ausführenden Organ, Kunststaatssekretär Franz Morak. Früher mal, früher mal, da war Franz Morak Schauspieler, Rebell, ein Rockstar, den man vor allem als “Ich möchte Rockstar sein (bins aber nich)” wahrgenommen hat, heute ist er ausführendes Organ einer politischen Partei.

Anno dazumal sang Franz Morak in “Sieger sehen anders aus“:

“Es ist ihr Spiel, sie sind am Drücker, und du wirst es nicht überstehn. Sie lassen dir nicht eine Chance,und bedienen dich extrem. Sie setzen hoch, sie schlagen tief. Und keiner kommt da raus. Nur ich hab sie gesehn, und ich weiß genau: Sieger sehen anders aus!”

In diesen Tagen hat das ausführende Organ eine für die Wiener Off-Theater-Szene folgenschwere Entscheidung getroffen: Fördersummen des Bundes wurden zum Teil völlig gestrichen. Das Odeon beispielsweise wurde bisher mit jährlich 160.000 Euro unterstützt. Nun wurde beschlossen, diese Fördersumme zu kürzen, auf exakt 0 Euro (Kosmos Theater: minus 184.000 Euro/ dietheater: minus 93.000 Euro / Ensembletheater: minus 135.000 Euro / Schauspielhaus: minus 36.000 Euro). Man mag ja zu staatlich geförderter Kunst stehen, wie man will, aber es hat etwas Kafkaeskes, wenn aufgrund eines “Kontrollamtsberichts” ein hochambitioniertes Theaterprojekt “gekillt” wird. Die Off-Theater-Szene ist kein Kunstbereich, in dem es viel zu verdienen gibt. Wer da wirkt, will etwas bewirken, auch wenn er keine nennenswerten Gagen einstreifen kann. Man sollte doch ein wenig mehr Achtung vor der Kunst haben und nicht wie ein Schlachter mit einer Sau umgehen und beschließen: So, heut bist dran. Sag doch einer mal dem Direktor der Wiener Staatsoper, dass er ab nächstem Jahr 100.000 Euro weniger zur Verfügung hat, er würde glatt seinen Spielplan für das Jahr 2020 umwerfen müssen.

Der Bund, so Morak vor einiger Zeit, wolle Wiener Kulturinstitutionen weniger fördern. Weniger Geld von der ÖVP-Regierung an die von der SPÖ regierte Stadt, so der Hintergrund. Auf der Strecke bleibt: die Kunst.

Dass nicht genug Geld da ist, daran kanns nicht liegen. Medienwirksam wurde in den vergangenen Tagen die bröckelnde Fassade der Volksoper präsentiert. Kostenpunkt der Renovierung: über eine Million Euro. Noch medienwirksamer wurde die Misere des Volkstheaters ans Tageslicht befördert. Hier hat Direktor Schottenberg einen Mehrbedarf von 3 Millionen erkennen lassen. Bei manchen Stücken beträgt die Auslastung im Wiener Volkstheater um die 50 Prozent und weniger - und dennoch schreit niemand wirklich auf. Schottenberg ist anerkannt, hat einen Namen. Wie ungleich leichter ist es da, einem Odeon einfach alle Fördergelder zu streichen. Selbst wenn da wer schreit, wen juckts? Renovieren wir die Volksoper, kaufen wir dem Volkstheater einen neuen Stern, verpassen wir dem Theater an der Wien noch eine neue Eingangstür, wer braucht schon das Wiener Off-Theater.

Andreas Biebers Lebensrolle: “Hedwig and the Angry Inch”

Andreas Bieber, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Damen und Herren, Hedwig ist in der Stadt. Lassen Sie sich nicht beirren durch krause Untertitel wie “Neo-Glam-Post-Punk-Rock-Musical”, das ist wie bei Starbucks, da können Sie auch einen “Super-Vanille-Latte-Spice-UndwasderDeibelno-Macchiatiodingsbums” bestellen, oder eben nen Espresso. “Hedwig and the Angry Inch”, das ist im Wesentlichen eine One-(Wo)Man-Show, eine Rockshow. Inhaltsmäßig informieren Sie sich bitte hier oder hier.
Andreas Bieber, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Stoßen Sie sich nicht daran, dass Platon zitiert wird oder andere große Namen, es ist schön, wenn Sie die kennen und was damit anzufangen wissen, genausogut können Sie sich auch ins Metropol fallen lassen mit dem Vorsatz, sich mal die Lebensgeschichte von Hansel erzählen zu lassen, einem vor dem Mauerfall in Ost-Berlin geborenen Jungen, der von nem Ami in den Westen mitgenommen wird, wenn, ja wenn er sich zur Frau umoperieren lässt. Wie es im Leben so ist, geht die OP schief, und Hansel, ab jetzt Hedwig, muss fortan mit nem hässlichen kleinen Überbleibsel, einem “anry inch”, zwischen seinen Beinen weiterleben.
Andreas Bieber, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Aber lassen Sie sich die Geschichte von Hedwig selbst, pardon, Andreas Bieber, erzählen. Er macht das famos, und mit Verlaub, es ist mit Abstand die Rolle seines Lebens. An seiner Seite ein tolles Team: Anke Fiedler, Harry Peller (Gitarre), Markus Adamer (Schlagzeug), Matthias Petereit (Bass) und Geheimtipp Bernhard Wagner (Gitarre, Keyboard).
Andreas Bieber, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)
Hereinspaziert, kommen Sie ins Metropol, haben Sie eine schöne Zeit und empfehlen Sie die Show weiter, denn die hats verdient. Sie dürfen auch gerne öfter kommen. Aber beeilen Sie sich, denn allzu viele Vorstellungen gibt es nicht.
Andreas Bieber, Wien 2006 (Foto: © Martin Bruny)

Jesus Christ Superstar - alle Jahre wieder

Jesus Christ Superstar, Wien 2006 (Foto: © Vereinigte Bühnen Wien)
“Jesus Christ Superstar” (als konzertante Aufführung in englischer Sprache), das wird in Wien, wo man Traditionen gerne begründet, bald zu einer ebensolchen … Ostertradition - wie Eiersuchen und sich an Schokohasen überessen. So steht also auch heuer zu Ostern wieder Andrew Lloyd Webbers Rockoper auf dem Spielplan der Vereinigten Bühnen Wien.
Gezeigt wird die Produktion im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Ronacher Mobile”. Um ihren Ruf als ernstzunehmende Player in der deutschsprachigen Musicallandschaft nach der Umwidmung des Theaters an der Wien in ein (selten bespieltes) Opernhaus und während der Renovierung des Ronacher (bis Ende 2007) nicht zu verlieren, möchten die VBW mit der “Ronacher Mobile”-Serie größere und kleinere Produktionen an unterschiedlichen Spielorten zeigen. “Jesus Christ Superstar” ist nach “The Little Match Girl” und “A tribute to BERNSTEIN” die dritte Veranstaltung im Rahmen von “Ronacher Mobile”.
Webbers moderne Version der Passionsgeschichte wird zu den Osterfeiertagen dreimal im RAIMUND THEATER zu sehen sein: am Freitag, den 14. April, um 19:30 Uhr; am Samstag, den 15. April, um 15:00 Uhr, und am Montag, den 17. April, um 19:30 Uhr.
Rob Fowler singt die Titelrolle, Petr Gazdik den Judas, und Caroline Vasicek die Maria Magdalena. In den weiteren Rollen stehen Andrà© Bauer, Reinwald Kranner, Roman Straka, Jacqueline Braun, Tina Schöltzke, Kathleen Bauer und Dennis Kozeluh auf der Bühne.
Auf Petr Gazdik darf man gespannt sein, ist er doch auf Wiener Musicalbrettern nicht gerade der bekannteste. Aber das wird sich rasch ändern, ist doch die hiesige Bühnentürlgesellschaft für ihre vorauseilende Götzenverehrung, um halbwegs im Duktus zu bleiben, bekannt, und nicht selten haben Darsteller schon eine Fan-Homepage, bevor sie noch einen Ton in Wien gesungen haben.
Wünschen wir also Petr Gazdik toi,toi, toi, “Jesus Christ” läuft in der Version der Vereinigten Bühnen Wien ohnedies auf Schienen und wird, da fährt die Eisenbahn drüber, ein Erfolg.

Kammeroper Wien: “Ain’t misbehavin’” - Fats Waller verleiht Flügel

Ain't misbehavin' (Foto: © Martin Bruny)
Die Musical-Revue Ain’t misbehavin’ feierte im Jahre 1978 ihre Broadway-Premiere. Vom 28. April 1978 bis zum 21. Februar 1982 brachte sie es auf 14 Previews und 1604 reguläre Vorstellungen. Nell Carter, Andrà© De Shields, Armelia McQueen, Ken Page und Charlaine Woodard bildeten die Premierenformation. Ihr Lohn: “Best Musical” bei den Tony Awards 1978, Nell Carter “Best Featured Actress in a Musical”, eine Nominierung in derselben Kategorie für ihre Kollegin Charlaine Woodward. Die Auszeichnung “Best Direction of a Musical” ging an Richard Maltby Jr., eine Nominierung für die Kategorie “Best Choreography” gab es für Arthur Faria. Weitere Auszeichnungen: 2 Theatre World Awards (Nell Carter und Armelia McQueen), 3 Drama Desk Awards (”Outstanding Musical, “Actor in a Musical” [Ken Page], “Outstanding Actress in a Musical” [Nell Carter]) sowie Nominierungen in 3 weiteren Kategorien. Outer Critics Circle Award 1978 als “Best Musical” und ein “Obie Award” in der Kategorie “Best Musical”.

In Wien feierte die Show am 8. Juni 1982 im Theater an der Wien im Rahmen der Wiener Festwochen ihre Premiere - es war das Jahr, in dem auch “Evita” und “Jesus Christ Superstar” im Theater an der Wien zu sehen waren.

Am 9. August 1988 ging der Vorhang zum Broadway-Revival der Show auf, doch nach 8 Previews und 176 regulären Vorstellungen war Schluss - immerhin gab es eine Nominierung für den Tony Award als bestes Revival, doch zum Zeitpunkt der Preisverleihung am 4. Juni 1989 war die Show schon Geschichte.

In der Wiener Kammeroper ging die Premiere von “Ain’t misbehavin” am 16. Februar 2006 über die Bühne. Noch bis zum 24. März 2006 steht die Show am Programm. Seit einigen Jahren produziert die Kammeroper in einer als “Kammer-Musical” benannten Programmnische durchwegs sehenswerte Musicals. Angefangen von der “Cole Porter Story” (2003) über Stephen Sondheims “Company” (2004) bis hin zum Vorjahreserfolg “Avenue X”.

“Ain’t Misbehavin’”, im Untertitel “The Fats Waller Musical Show” basiert auf einer Idee von Murray Horwitz und Richard Maltby Jr. Es handelt sich dabei nicht um ein herkömmliches Bio-Musical, das die Lebensgeschichte eines Künstlers anhand von gespielten Szenen nacherzählt, vielmehr werden die Zuschauer ins Harlem der 30er Jahre, in einen Nachtclub entführt, in die goldene Zeit des Jazz und Swing. Rund 30 Songs aus der guten alten Zeit des Jazz werden interpretiert, darunter 19 Kompositionen von Fats Waller (”Honeysuckle Rose”, “The Jitterbug Waltz”, “Black and Blue” u. v. a.). Die Lieder erzählen die Geschichte, die Performer lassen die Geschichte, das Flair der alten Jazzclubs durch ihre Interpretation der Songs lebendig werden.

Im Bühnenhintergrund sehen wir die 7-köpfige Band (deren Mitglieder im Programmheft und auf der Website nicht angeführt sind) unter der Leitung von Michael Schnack, der am Piano brilliert. Die Bühne (Ausstattung: Cordelia Matthes) kommt ohne großartige Requisiten aus. Eine Theke, ein paar Sessel, eine Discokugel, das wärs dann auch schon. Ein Glitzervorhang (eigentlich zwei davon) darf nicht fehlen, den Rest erledigt die großartige Lichtregie (Harry Michlits). Mal wird der Saal in eine dunkle, verruchte Atmosphäre getaucht, mal knallen weiße Spots auf die Protagonisten; eine clevere Mischung aus dem Flair eines Nachtclubs der 30er Jahre und modernem High-Tech-Lichtdesign in Black & Blue, White & Pink. Schlichtheit und Eleganz, kühle Präsenz und brodelnde Atmosphäre, eine wohl durchdachte Einheit von Ausstattung und Lichtdesign.

Fünf Darsteller tragen die Show: Carole Alston, Aisha Lindsey, Amanda Whitford, Alvin Le-Bass und Previn Moore.
Previn Moore (Foto: © Martin Bruny)
Previn Moore kennen Musical-Fans schon lange, und man schätzt ihn. Er hat die Fähigkeit, einen Song ins Magische zu treiben, er ist ein Meister der Mimik, der Gestik. Moore hat die seltene Gabe, die Spannung eines Songs sukzessive aufzubauen und dann mit vollem Körper- und Stimmeinsatz in Bruchteilen von Sekunden zu entladen. Previn Moore ist imstande, wie eine stimmliche Naturgewalt zu wirken, und das schaffen nicht viele im deutschsprachigen Raum arbeitende Künstler.
Alvin Le-Bass (Foto: © Martin Bruny)
Alvin Le-Bass zeigt im Laufe des Abends immer neue Facetten seiner Darstellungskunst. Seine seidensamtene Stimme, die in manchen Momenten ein wenig an Lou Rawls erinnert, ist im Ensemble die perfekte Ergänzung zu Previn Moore. Die Tanzszenen mit ihm, blendend choreografiert von Giorgio Madia, sind atemberaubend, “The Viper’s Drag” ist einer der Höhepunkte des Abends - eine hervorragende Komposition aus Lichtdesign, Regie, Bühnentechnik und Darstellerkunst. Le-Bass singt auf einem Sessel sitzend. Es ist fast dunkel im Saal. Langsam wird der Sessel hochgefahren, während der Darsteller über den Köpfen der Zuschauer seine laszive Interpretation abzieht. Perfekt.
Carole Alston (Foto: © Martin Bruny)
Carole Alston, die schon im Vorjahr bei “Avenue X” mitgewirkt hat, ist seit 1982 in Wien ansässig. Sie unterrichtet seit 1988 an der Ballettschule der Wiener Staatsoper. Als Sängerin reicht ihr Repertoire von “Kiss me Kate” über “West Side Story” und “Jesus Christ Superstar” bis zu Partien in zeitgenössischen Opern, so sang sie in Nancy Van der Vates Oper “Venal Vera” sowie die Partie der Lil in der Oper “Cocaine Lil”. 2004 verkörperte sie Billie Holiday in dem von ihr selbst konzipierten und geschriebenen Stück “Tribute to a Blue Lady” in Joe Zawinuls Birdland. 2005 präsentierte sie in ihrer Show “Ladies, you’re on!” Soul- und Jazzklassiker. Ihre Stimme wirkt in ihren besten Momenten, als würde sie von einem Klangkörper aufsteigen, der aus einem wogenden, unendlichen Meer geformt ist.
Amanda Whitford (Foto: © Martin Bruny)
Amanda Whitford, in New York geboren und aufgewachsen, studierte Journalismus und Gesang. Mit der Broadway European Tour “Little Shop of Horrors” kam sie nach Europa, blieb in Deutschland und ist seitdem freischaffend in vielen Musicalproduktionen zu erleben, wie z. B. in “West Side Story”, “Hair”, “Jesus Christ Superstar” und “Les Misà¨rables”. Dank ihrer deutschen Sprachkenntnisse tritt sie auch als Schauspielerin (”Hexenjagd”, “Kleiner Mann, was nun?”) auf. Soloprogramme mit ihrem Pianisten und ihrer Band sowie Galaabende mit Sarah Brightman gehören genauso zu ihrem Repertoire wie Bridget Fogels “The Gospel Experience”.
Aisha Lindsey (Foto: © Martin Bruny)
Aisha Lindsey ist ausgebildete Tänzerin und Sängerin aus New York. Sie war Mitglied der Duke Ellington Dance Company in Washington D. C. von 1993-1997. Aisha Lindsey absolvierte einen BA in Musik (Vocal performance) am New England Conservatory in Boston/Mass. von 1997-2002. Sie war Mitglied der Harlem Gospel Singers, hat als Background-Sängerin u. a. für Stevie Wonder und in verschiedenen Musicalproduktionen in den Vereinigten Staaten gesungen. 2004 hat Aisha Lindsey ihr Theaterdebut in Wien als “Sandrina” in der Mozart-Oper “Die Gärtnerin aus Liebe” am Schlosstheater Schönbrunn im Rahmen ihrer Weiterbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst gegeben.

Wäre “Ain’t misbehavin’” in Flaschen abgepackt erhältlich, könnte Red Bull einpacken. Es gibt kaum eine Show, die energiegeladener, witziger, berührender und so hemmungslos exaltiert ist wie dieses “Fats Waller Musical”. Gute Laune ist garantiert. Wäre Wien nicht Wien, hätten die Leute am Ende der Show auf den Stühlen getanzt, alte Omas würden mit ihren Krückstöcken zum Takt auf den Boden gestampft haben, ein paar völlig enthusiasmierte Fans wären auf die Bühne gestürmt, um mit den Performern Party zu machen. So aber gabs frenetischen Applaus, Bravo-Rufe und lautes Johlen, und hey, das ist für Wien gar nicht so übel!

“Once On This Island”: Slideshow der Derniere online

Nadine Denise Zeintl (Foto: © Martin Bruny)
Ein kleiner Rückblick auf “Once On This Island”, eine Produktion der Konservatorium Wien Privatuniversität, ist ab sofort online verfügbar. 39 Fotos der Derniere vom 2. Februar 2006 sind als Slideshow oder auch als Einzelfotos bei Flickr.com abrufbar.

“Mozart!”: Schlussapplausfotos online

Rasmus Borkowski (Foto: © Martin Bruny)
Einige wenige Schlussapplausfotos der konzertanten Mozart!-Produktion der Vereinigten Bühnen Wien sind nun als Slideshow und auch als Einzelfotos bei Flickr.com abrufbar. In den nächsten Wochen werden die Archive bei Flickr auch noch um Fotos älterer Events ergänzt.

“Mozart”! Musical in Concert” - Borkowskis Meisterstück

Rasmus Borkowski, 10.2.2006; Foto: © Martin Bruny
Eigentlich würde ich ja dazu tendieren, diese Site zur mozartfreien Enklave zu erklären … Aber dann gibt es doch musicalrelevante Events mit Mozartbezug, an denen man nur schwer vorbeikommt, wenn man das denn nun überhaupt möchte. Im Falle von Mozart! Musical in Concert kam ein Vorbeischwindeln eigentlich nie in Betracht. Hat es sich denn nun ausgezahlt, Prinzipien in spe aufzugeben? Ja, uneingeschränkt ja.
Die Mozart! Musical in Concert-Premiere ging am 4. Februar 2006 als überarbeitete, condensed Version der Wiener Originalproduktion von 1999 mit Einflüssen von diversen anderen Inszenierungen über die Bühne des Wiener Raimund Theaters und, wenn man so möchte, könnte man versucht sein zu prophezeien, wird dies irgendwann mal als jene Produktion gelten, mit der Rasmus Borkowski endgültig in die Liga der Leading Men Europas aufgestiegen ist. Er präsentiert einen Mozart, der auf der einen Seite in Gestik und Mimik sogar die springlebendige Performance eines Yngve Gasoy Romdal betulich wirken lässt (ohne dessen Leistung schmälern zu wollen), andererseits beweist er in manchen Szenen eine Feinfühligkeit, die, bei aller Abgebrühtheit, die man auf den Brettern dieses Theaters schon miterleben durfte, doch bemerkenswert ist. Seine Mozart!-Interpretation hat eine Verve, die ihn erstaunlich modern, stark und filigran gleichzeitig, wirken lässt. Die Kostüme, das Bühnenlicht, all das steuert ihr Übriges bei, um keine überbordende Musicalinszenierung abrollen zu lassen - man glaubt eher durch Mozarts Gefühlswelt gebeamt zu werden. Stimmlich ist im Bereich des Feintunings noch sicher Potenzial vorhanden, aber es gibt keine Stelle in dieser Aufführung, bei der man das Gefühl haben könnte, dass Borkowski unsicher ist. Man kann sich zurücklehnen und seine Performance genießen, was nicht bei allen Darstellern an diesem Abend der Fall war.
Eine Musicalperformance, so wie ich sie gerne habe, birgt in sich irgendwann, egal wann, einen Moment des Strahlens, einen Moment, da man meint, der Raum fülle sich mit Licht, mit der ganz besonderen Kraft, Darstellungskraft, Witz, Humor, unglaublichen Variationen in Gesang oder Ausdruck. Ein schönes Beispiel dafür bietet Carin Filipcic. Ihr “Gold von den Sternen” war nach einer eher blassen Performance von Harald Tauber so, als hätte jemand im Theater das Licht angeknipst, und dankbar feierte das Publikum ihr Solo mit dem stärksten und längsten Szenenapplaus - der Showstopper des Abends.
Andrà© Bauer, langjährig gedienter Elisabeth-Franzl erweckt in manchen Momenten den Eindruck, als würde er noch einmal mit seiner Sisi sprechen; Gestik, Mimik, wirken ab und an ein wenig zu deckungsgleich mit seiner Franzl-Performance. Wie auch immer, da steht ein Sänger auf der Bühne mit einer wunderbaren Stimme, und stünde mehr Einspielzeit zur Verfügung, so würde auch mehr an Eigenprofil rausspringen.
Jana Stelley legt ihre Rolle ein wenig zu Lolita-like an, so nimmt man ihr die Constanze in “Irgendwo wird immer getanzt” nicht so recht ab, ihr Duett mit Borkowski “Dich kennen heisst Dich lieben” allerdings wird zu einem der darstellerischen Highlights des Abends, leider ein wenig getrübt durch stimmliche Unsicherheiten bei Jana.
Dennis Kozeluh bietet eine pointierte, witzige Performance, immer am Punkt, im Rahmen dieser kleinen Rolle perfekt.
Uwe Kröger ist die Diva, der STAR des Abends, seine schauspielerische Leistung ist top, die Rolle des Colloredo wusste er schon immer sehr bühnenwirksam zu gestalten, daran hat sich auch in dieser Inszenierung nichts geändert. Die Szenen mit Borkowski sind vom Feinsten und voller Spannung.
Caroline Vasicek gibt ein da capo ihrer Interpretation von 1999, leider gibt die Rolle einfach nach wie vor und eher noch stärker zu wenig her, um wirklich beeindrucken zu können. In weiteren Rollen ein starkes Ensemble: Jacqueline Braun (Cäcilia Weber), Ines Hengl-Pirker (Aloysia Weber), Carmen Wiederstein (Josepha Weber), Tina Schöltzke (Sophie Weber), Oliver Mülich (Fridolin Weber); weiters: Lisette Groot, Kerstin Ibald, Noud Hell, Karsten Kammeier und Roman Straka.
Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der musikalischen Leitung von Caspar Richter. Regie & Adaption der Originalchoreographie: Doris-Marie Marlis; Kostüme: Yan Tax; Produktionsleitung: Robert Wann; Inspizienz: Hubert Auinger

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