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Archiv - Wien

Gebt den Schlussapplaus frei

Fast jeder von uns liebt es, sich von freudigen Ereignissen Andenken mitzunehmen, je persönlicher, desto besser, besser desto. Nichts eignet sich da mehr als zum Beispiel nette Fotos. Man zeigt die Fotos gerne Freunden, Bekannten, macht diesen wiederum Lust, das auf den Fotos Gesehene auch zu erleben … worauf ich hinauswill: Wenn Theaterunternehmen es verbieten, beim Schlussapplaus zu fotografieren, verderben sie nicht nur einem begeisterten Publikum das letzte Quentchen Freude, nämlich die Freude an einer ganz persönlichen Erinnerung, sie nehmen vielmehr auch sich selbst die Chance, an kostenlose Werbung zu kommen. Jeder Zuschauer, der ein Foto am Ende der Vorstellung knipsen möchte, ist für das Theater ein potentieller kostenloser Werbeträger. Zeigt man Freunden Fotos, sehen Freunde die Begeisterung auf den Fotos, ist der Impuls, Vorstellungen zu buchen, noch viel größer, als wenn man ihnen bloß den Nachmittagskaffee aus einem “Joseph”-Häferl serviert.
Was teilweise in den Theatern abgeht, ist sagenhaft. Da laufen aufgeschreckte Ordner wie wild durcheinander und blenden das Publikum mit ihren Taschenlampen, nur um jeden Schnappschuss zu verhindern. Auf rüde Art und Weise werden Touristen aufgefordert, ihre Filme abzugeben, Speicherchips zu löschen. Wozu? Dass es auch anders geht, hat bis zuletzt das Theater an der Wien bewiesen. Ein Grund mehr, diesem schönen Musicalhaus nachzutrauern.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass das Theater an der Wien wieder in ein Musicalhaus umgewidmet werden muss.

“Best of Musical 2006″ - Marika Lichters Pressecocktail

Joshua Denning, Marika Lichter, Jani Walsh-Weber, Uwe Kröger und Thomas Lüdicke; Foto: ©Karl Schöndorfer
Ins Wiener “Planters” lud Marika Lichter am 30. Januar Vertereter der heimischen Medien, um die Musicalgala Best of Musical 2006 zu präsentieren. Filmausschnitte aus den Originalproduktionen “König der Löwen”, “3 Musketiere”, “Mamma Mia”, “Elisabeth”, “Dirty Dancing” u. v. a. m. gaben einen Vorgeschmack darauf, was vom 31. März bis zum 2. April in der Wiener Stadthalle zu sehen sein wird.
Als Höhepunkt sang Uwe Kröger, der auch die Gala moderieren wird, in Kostüm und Maske aus dem “Phantom der Oper”, das er auch in Essen ab 14. Mai verkörpern wird.
Joshua Denning und Uwe Kröger; Foto: ©Karl Schöndorfer
Kröger: “Ich bin so froh, dass unsere Show neben München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und Leipzig auch in Wien zu sehen sein wird. Gestern hatte ich die letzte Vorstellung von “3 Musketiere” in Berlin und heute schon den ganzen Tag Proben für “Mozart in Concert”, ab 4. Februar im Raimundtheater zu sehen.”

Thornton Wilder goes Musical: Vienna Konservatorium spielt “Unsere kleine Stadt”

Foto: Unsere kleine Stadt
Thornton Wilder schrieb sein Drama “Unsere kleine Stadt” 1938 bei Zürich, in Rüschlikon. Bereits im März 1939 erlebte das Stück seine deutschsprachige Erstaufführung in Zürich. Aber erst 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, kam es mit beispiellosem Erfolg auf deutschsprachige Bühnen. 1938 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, wurde “Unsere kleine Stadt” eines der erfolgreichsten Werke im Stückekanon des 20. Jahrhunderts; eine Zeitlang war es allgegenwärtig auf den Spielplänen der Bühnen und auf den Lektüreplänen der Schulen.

“Auf den ersten Blick scheint das Stück eine Art Milieustudie über ein Dorf in New Hampshire zu sein. Genauer betrachtet ist es jedoch eine Meditation über die Schwierigkeit - wie es im Stück heißt -, das Leben zu verstehen, während man lebt.” (Thornton Wilder)

Der Inhalt des Werks ist an und für sich leicht wiederzugeben: Der Alltag der neuenglischen Kleinstadt steht im Zentrum des ersten Aktes, im zweiten sind es Liebe und Ehe der Nachbarskinder Emily Webb und George Gibbs. Der dritte Akt schildert das Begräbnis Emilys; sie ist bei der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben. Ihr Jedermann-Schicksal erleben die Menschen als Gegenwart, für Spielleiter und Publikum indes ist das Geschehen bereits Vergangenheit. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Zeitebenen artikuliert sich so ein Gleichnis von der Vergänglichkeit menschlicher Existenz. Der toten Emily ist es vergönnt, einen einzigen Erdentag, ihren zwölften Geburtstag, noch einmal erleben zu dürfen. Danach kehrt sie freiwillig und tief verunsichert von ihrem posthumen Ausflug zu den Toten zurück. Sie hat mitansehen müssen, wie sich ihre Familie im Alltag gleichsam verzettelt hat. Die Menschen haben zwar zufrieden und glücklich, aber blind gelebt; der Einmaligkeit ihrer Existenz sind sie sich nie bewußt geworden. “Begreifen die Menschen jemals das Leben, während sie’s leben - jeden, jeden Augenblick?” fragt Emily. “Nein”, entgegnet der Spielleiter. “Die Heiligen und die Dichter vielleicht - bis zu einem gewissen Grade.”

Als Musicalversion bringt Produzent, Schauspieler, Sänger und Musical-Abteilungsleiter des privaten Vienna Konservatorium Michael Perfler Thornton Wilders Drama vom 25. bis 28. Jänner 2006 auf die Bühne des Wiener Theater Brett. Seine Gedanken über die Bedeutung von Thornton Wilders Werk formuliert er folgendermaßen: “Jede Generation prägt ihre eigenen Werte, ihre eigene Kultur. Wir sollten auch endlich voneinander lernen und uns zuhören, uns respektieren, die Alten von den Jungen und umgekehrt. Vieles, das unter dem Deckmantel der “pädagogischen Maßnahmen”, der Erziehung, der Gesellschaft, der einseitig orientierten Interessensgemeinschaften, als Norm, dargestellt und uns eingeimpft wird, ist Ursache dafür, dass wir zumeist noch den Rest unseres Lebens daran leiden, oder zumindest lange Zeit nachdem unsere Kindheit plötzlich vorbei ist. Einen Ausweg müssen wir selber finden. Doch liegt gerade unsere ganze Hoffnung bei der Jugend, der nächsten Generation. Sie hat die beste Chance zu leben verdient! Vielleicht gelingt es gerade der Unvoreingenommenheit, dem Idealismus und der Spontaneität der Jugend, den rücksichtslosen, wirtschaftlichen Bestrebungen der Gesellschaft und dem abgeklärten Denken der Erwachsenen die Augen zu öffnen, um gemeinsam daran zu glauben, was für die reale Welt keinen berechenbaren Faktor darstellt; Träume, Liebe, glücklich sein.”

Regie bei dieser Produktion führt Dunja Tot. Wie ist sie an die Realisierung des “Musicals” herangegangen: “Das Drama ist 1938 erschienen, in einer Zeit, als in Europa schon der Krieg tobte, in Amerika aber noch die Illusion der “heilen, unantastbaren, unveränderlichen Welt” herrschte. Alte Werte versuchte man zu behalten, trotz der Warnung von außen. Nach kurzer Zeit, als Amerika an dem Krieg teilnahm und junge Menschen in dem Krieg Leben verloren haben, war diese Welt zu Ende. Nach dem Krieg, in den 50-er Jahren, in der Zeit des Wiederaufbaus Europas und des wirtschaftlichen Aufschwungs Amerikas, hat man in den USA versucht, alte Werte wieder zu beleben und zu erhalten. Man hat versucht, jungen Menschen die Illusion einer geschützten, ewigen Ordnung zu vermitteln, wo Gott, Fleiß und Familie im Alltag die wichtigste Rolle spielten. Doch die Veränderungen sind schon spürbar, besonders in der Musik. Neue Generationen verlangen nach anderen Rhythmen, nach anderen Werten, sie sehnen sich nach einer anderen Welt. Das war der Grund, warum ich mich entschlossen habe, das Stück in die 50-er- und Anfang der 60-er Jahre zu versetzen und als Musical, mit der Musik aus dieser Zeit, zu inszenieren. Weil gerade diese Epoche anfängt, die Fragen zu stellen und für die Ideen zu kämpfen, die uns noch heute beschäftigen.”

Thorsten Kugler, einer der Darsteller des Vienna Konservatoriums, über die Songs des vermusicalten Dramas: “Das Stück ist gespickt mit Musik-Stücken aus den 50-er, 60-er und 70-er Jahren, z. B. “Lolipop”, “Blue Velvet”, “Somewhere over the rainbow”.

Auch abseits der großen Musicalbühnen ist viel los. Reinzuschauen lohnt sich. Viel Spaß dabei!

Thornton Wilder: “Unsere kleine Stadt” / Theater Brett, 25.-28. Jänner 2006 um 20.00 Uhr, Preis: Euro 16,-/12,- / 29. Jänner 2006: Arbeitsgespräch über das Stück mit Publikum, Darstellern, Regie, usw. Preis: Euro 3,50 / Karten: Theater Brett, 6., Münzwardeingasse 2, Tel. 587 06 63, Fax. 586 91 55, theaterbrett@EUnet.at, http://www.theaterbrett.at

Once On This Island: Konservatorium Wien Privatuniversität präsentiert Kultmusical von Ahrens/Flaherty

Foto: Once On This Island
Vom 27. Jänner bis 2. Februar 2006 steht die Wiener Konservatorium Privatuniversität ganz im Zeichen karibischer Rhythmen. Als deutschsprachige Erstaufführung (deutsche Übersetzung: Johannes Glück) wird das Lynn Ahrens/Stephen Flaherty-Tanzmusical “Once On This Island” (basierend auf dem Roman “My love, my love: Or The Peasant Girl” von Rosa Guy) gegeben.

Mit “Once On This Island” feierten Lynn Ahrens und Stephen Flaherty 1990 ihren ersten großen Broadway-Erfolg (8 Tony-Nominierungen). Die Show startet mit “We Dance”, einem der mitreissendsten Intros der Musicalgeschichte: Auf einer nicht näher bezeichneten karibischen Insel beschreiben ärmliche Bauern ihre Welt - ihr Leben, das von den mächtigen Göttern gelenkt wird -, und ihre Insel - eine Insel, die regiert wird von den “grand hommes”. Die Bauern und die “grand hommes”, so heißt es im Eröffnungssong, “two different worlds, never meant to meet. But if the gods move our feet, we dance”. Damit sind die Zuschauer mitten im Szenario, und es kann losgehen mit der Story: Ein mächtiger Sturm tobt über die Insel. Die Geschichtenerzähler versuchen ein verängstigtes Kind mit einem Märchen zu beruhigen und erzählen von Ti Moune, dem armen Bauernmädchen, das sich in Daniel, einen Jungen der Upperclass, verliebt und dem sie nach einem Autounfall das Leben rettet. Die Götter der Erde, des Wassers, der Liebe und des Todes lenken das Schicksal der jungen Liebenden und senden Ti Moune auf eine Reise, die die Kraft ihrer Liebe auf die Probe stellt.

Songs der Broadway-Fassung:
We Dance - Storytellers
One Small Girl - Euralie, Julian, Little Ti Moune & Storytellers
Waiting For Life - Ti Moune, Storytellers
And the Gods Heard Her Prayer - Asaka, Agwe, Papa Ge, Erzulie
Rain - Agwe, Storytellers
Pray - Peasants with Ti Moune, Julian, Euralie, Guard
Forever Yours - Ti Moune, Papa Ge & Daniel
The Sad Tale of the Beauxhommes - Armand, Storytellers
Ti Moune - Euralie, Julian & Ti Moune
Mama Will Provide - Asaka, Agwe & Papa Ge & Storytellers
The Human Heart - Erzulie, Storytellers
Some Girls - Daniel
The Ball - Andrea, Daniel, Ti Moune, Storytellers
When We Are Wed - Andrea & Ti Moune, Daniel & Papa Ge
A Part Of Us - Euralie, Little Ti Moune, Julian and storytellers
Why We Tell This Story - Storytellers & Little Ti Moune

Foto: Lynn Ahrens
Lynn Ahrens’ wichtigste Arbeiten/Auszeichnungen:
Broadway:
- Ragtime (Tony, Drama Desk und Outer Critics Circle Awards, 2 Grammy-Nominierungen)
- Once On This Island (Olivier Award, Best Musical, 2 Tony-Nominierungen)
- A Christmas Carol (10 Jahre im Madison Square Garden)
- Seussical (Grammy-Nominierung)
Lincoln Center Theatre:
- My Favorite Year
- A Man of No Importance (Outer Critics Circle Award, Best Musical).
- Dessa Rose
Off-Broadway:
- Lucky Stiff (Helen Hayes Award)
Film:
- Anastasia (2 Oscar-Nominierungen, 2 Golden Globe-Nominierungen)
TV:
- H.E.L.P. (ABC-TV, Emmy-Award); 4 Emmy-Nominierungen

Foto: Once On This Island
Stephen Flahertys wichtigste Arbeiten/Auszeichnungen
Broadway:
- Ragtime (Tony, Drama Desk und Outer Critics Circle Awards, 2 Grammy-Nominierungen)
- Seussical (Drama Desk- und Grammy-Nominierungen)
- Once On This Island (Tony-Nominierung; Olivier Award in der Kategorie Best Musical, London)
- Proposals
Lincoln Center Theatre:
- My Favorite Year
- A Man Of No Importance (Outer Critics Circle award in der Kategorie Best Musical)
- Dessa Rose
Off-Broadway:
- Lucky Stiff
Film:
- Anastasia (2 Oscar-Nominierungen, 2 Golden Globe-Nominierungen).

“Once on this Island” (Konservatorium Wien Privatuniversität)
Regie: Wolfgang Groller
Musikalische Leitung: Peter Uwira
Choreografie: Ricarda R. Ludigkeit
Bühne: Sam Madwar
Kostüme: Doris Richter
Dauer: 80 Minuten (keine Pause)

TI MOUNE (Irena Flury/Nadine Denise Zeintl)
DANIEL (Oliver Arno/Rainer Bräuer)
MAMA (Sandra Högl/Elisabeth Heller)
TONTON (Peter Kratochvil/Richard Schmetterer)
ASAKA (Nicole Radeschnig/Andrea Frohn)
AGWE (Bernhard Viktorin/Otto Jaus)
PAPA GE (Richard Schmetterer/Peter Kratochvil)
ERZULIE (Elisabeth Sikora/Daniela Sukup)
ARMAND (Rainer Bräuer/Oliver Arno)
ANDREA (Birgit Radeschnig/Donja Anvie-Golpashin)

Konservatorium Wien Privatuniversität, Leonie-Rysanek-Saal; 1010 Wien, Johannesgasse 4a / 27., 28., 30. und 31. Jänner, 1. und 2. Februar 2006, jeweils 19:30 Uhr / Karten: Euro 15,-/9,- erm. an der Kassa der Konservatorium Wie Privatuniversität
Tel.: (01) 512 77 47-89329 od. E-Mail: p.prinzjakowitsch@konswien.at

“Once On This Island” has the integrity of genuine fairy tales in that it doesn’t lead to a saccharine ending, but to a catharsis, transcendent acceptance of the dust-to- dust continuity of life and death (Frank Rich, New York Times, 1990)

Mr. Flaherty immersed himself in Caribbean rythms and reshaped them through his prolific knack for melody … The result is a score that gets the body jumping and the feet tapping. Miss Ahrens has shown she can be as cerebral as needs be, but here she isn’t going as much for the head as for the soul … Instead of cleverness, she injects an emotional and elegant peasant poetry that is captivating (Hap Erstein, Washington Times, 1992)

Das Theater an der Wien - ein Nachruf

Foto: © Martin Bruny
Der 10. Dezember 2005 bedeutete das Aus für die Kunstform Musical im Theater an der Wien. Um 19:30 Uhr dieses Tages hob sich noch ein letztes Mal der Vorhang für “Musical Christmas”. Der Orchestergraben war schon geräumt, faserfrei präsentierte sich die gähnende Leere. Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien war ja, wie immer bei den Weihnachtskonzerten, auf der Bühne platziert. Der Eingangsbereich zum Theater - eine Baustelle. Schnell schnell muss man den Eingangsbereich für W. A. Mozart umgestalten. Ka schöne Leich.
Es ist müßig, all die Musicalproduktionen des Theaterhauses aufzulisten, es ist müßig, darauf hinzuweisen, dass das Haus immer geprägt war von einem gesunden Wechsel von Schauspiel, Oper, später Operette und Musical, nun wird das Theater an der Wien geschlossen, und nur fallweise, ca. 100 Mal im Jahr, für den Monokultur-Opernbetrieb geöffnet. Die Kartenpreise werden in manchen Kategorien mehr als verdoppelt, der Pool an potentiellem Publikum verengt sich auf die Staatsopern-Klientel, die nun einen zusätzlichen Opernabend pro Jahr einplanen darf.
Es stellt sich allerdings die Frage nach dem Sinn. Wo steckt der Sinn dahinter, ein täglich ausverkauftes Haus umzuwidmen? Macht es Sinn, ein technisch bestens ausgerüstetes Haus downzugraden auf den “Opernbedarf”? Macht es Sinn, ein Jahr lang nur Mozart aufzuführen, den armen Kerl endgültig zu Tode zu spielen? Macht es Sinn, ein gut gehendes Musicalhaus umzuwidmen ohne zu versuchen, die entsetzlich schlecht funktionierende Volksoper auf Vordermann zu bringen. Macht es also Sinn, in Wien ein zusätzliches Opernhaus zu installieren, wenn eines der bestehenden ohnedies so gar nicht funktioniert? Fragen über Fragen … Antworten sind müßig, denn das Ergebnis ist keine Folge von logischen Überlegungen. Lassen wir es dabei bewenden.
Musical am Theater an der Wien - das ist eine Geschichte von großen Momenten und so manch vergebener Chance. Nehmen wir Freudiana, die erste große Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien, als Angel- und Endpunkt. Was für ein wunderbarer Score, was für herrliche Lieder - eines der meist unterschätztesten Musicals, die je im Theater an der Wien gespielt wurden. Ein Revival ist längst überfällig, eine baldige konzertante Aufführung ein Muss. “Don’t let the moment pass” mag hier als letzter Tribut an das Theater an der Wien als Musicalhaus stehen. Auf Wiedersehen!

This golden day will be mine
For every moment in time
If time should lose her way

A symphony in the night
Of stars that dance in the light
And music far away

They say that love is but a dance
Don’t let the music fade away
Don’t let the moment pass

Without a reason or rhyme
The sweet bouquet of the wine
Will vanish in the air

The innocence of the rose
She leaves where ever she goes
That all the world may share

Some days when clouds are drifting by
I open my eyes to watch them go
And wonder where they fly

Some nights Orion runs too fast
I look to the stars as if to say
Don’t let the moment pass

But soon a golden age is past
Just when it seemed that miracles
Where not too much to ask

And though the world may turn too fast
If it should seem like paradise
Don’t let the moment pass
[Eric Woolfson/Lida Winiewicz und Brian Brolly]

Hosannah & Freudiana im Winter Wonderland - nie war das Weihnachtsglück so nah wie bei “Musical Christmas 2005″

Musical Christmas 2005 - Ruth Kraus, Kathleen Bauer, Andrà© Bauer, Tina Schöltzke, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Wenn man dieser Tage im Theater an der Wien das Gefühl hat mitten in einem prächtig ausgestatteten Film zu sitzen, wenn man die weihnachtliche Stimmung zwei Stunden lang so deutlich spürt, wie sonst vielleicht nicht mal am 24. Dezember oder das letzte Mal vor Jahren als kleines Kind, wenn alles überecht, aber vielleicht gerade deshalb so authentisch wirkt und Ohs und Ahs aus dem Publikum zu hören sind, weil sich gerade der Vorhang hebt und die gesamte Bühne von einem Riesenorchester besetzt ist, eingetaucht in fast schon magisch inszeniertes Licht - und wenn tatsächlich dann auch noch Theaterschnee auf die Bühne rieselt und Musicalstars eine große Show bieten -, dann sollte man das im Moment des Erlebens nicht groß hinterfragen, nicht drüber nachdenken, ob es nicht zu kitschig ist, sondern einfach die Stimmung genießen, sich fallen lassen.
Musical Christmas 2005, Caroline Vasicek, Fritz Schmid, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Was man gerade erlebt, ist Musical Christmas, ein Adventkonzert des Ensembles des Theaters an der Wien und des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien unter der Musikalischen Leitung von Caspar Richter.
Caspar Richter setzt bei dieser Adventskonzertserie voll auf die Stärke des Elisabeth-Ensembles - ein geniales Team von Künstlern, die zu einer Einheit zusammengewachsen sind, die es woanders in dieser Form, so Richter, überhaupt nicht mehr gibt.
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
“Musical Christmas 2005″ ist eine opulente, gefühlvolle, zärtliche und auch lustige Show - Filmmusik, Musical, Klassik, Tanz, Ballett und Lesung zugleich, wohldosiert und mit echten Highlights, wie zum Beispiel Luzia Nistlers wunderbarer Interpretation der Freudiana-Hymne “Nie war das Glück so nah”, Jacqueline Brauns intensiver Version von Joni Mitchells Lebenslied “Both sides now” oder Andrà© Bauers “Believe”. Ramesh Nair als Choreograph sowie Murray Grant als Dance Captain bringen in diversen Tanzszenen Schwung in die weihnachtliche Inszenierung. Else Ludwig führt durch das Programm und berührt mit Lesungen.
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Das Programm im Detail:
Winter Wonderland (Felix Bernard; 1934; Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
I Remember (Stephen Sondheim; 1966; Kerstin Ibald)
It’s beginning to look like Christmas (Meredith Wilson; 1951; Andrà© Bauer, Tina Schöltzke, Kathleen Bauer, Ruth Kraus)
I’ll be home for Christmas (James Kimball Gannon; 1943; Caroline Vasicek, Fritz Schmid)
Run, Rudolf, Run (Marvin Brodie/Johnny Marks; 1958; Jacqueline Braun, Rob Fowler, Sigrid Brandstetter, Claudia Kraxner, Melanie Gemeiner, Ruth Kraus, Martina Rumpf, Rita Sereinig)
Nie war das Glück so nah (Eric Woolfson/Lida Winiewicz/”Freudiana”; 1990; Luzia Nistler)
Die Heiligen Drei Königinnen (Alexander Wagendristel; 2004; Tina Schöltzke, Kathleen Bauer, Kerstin Ibald)
Who would imagine a King (Mervin Warren/Hallerin Hilton Hill; 1996; Caroline Vasicek)
Winter in New York (nach: “Fiddle Faddle” von Leroy Anderson; 1947; Tanzensemble)
Sleigh Ride (Leroy Anderson/Mitchell Parish; 1948; Jacqueline Braun)
Believe (Alan Silvestri/”The Polar Express”; Andrà© Bauer)
Xmas Rap (Hape Kerkeling; 1992; Luzia Nistler, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, Murray Grant, àkos Tihanyi und Ensemble)
Winter Wonderland (Felix Bernard/Richard B. Smith; 1934; Rob Fowler, Dennis Kozeluh)
White Christmas (Irvin Berlin/”Holiday Inn”, 1942; Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Musical Christmas 2005, Murray Grant, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Murray Grant, Kerstin Ibald, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Murray Grant, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
The Polar Express (Alan Silvestri/”The Polar Express”; 2004; Dennis Kozeluh und Ensemble)
When Christmas Comes to Town (Alan Silvestri/”The Polar Express”; 2004; Caroline Vasicek, Ruth Kraus und Ensemble)
Christmas Waltz (Jule Styne/Sammy Cahn; 1954; Kerstin Ibald mit Murray Grant & àkos Tihanyi)
O Holy night (Adolphe Adam/Chappeau de Roquemaure; 1840; Fritz Schmid, Andrà© Bauer)
Petersburger Schlittenfahrt (Trad./Polka schnell von Richard Eilenberg; Ensemble)
Both Sides Now (Joni Mitchell; 1968; Jacqueline Braun)
Somewhere in my memory (John Williams/”Home Alone I”; 1991; Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Rondeau und Badinerie (J. S. Bach/Ouvertüre Nr. 2, h-moll, BWV 1067; 1717)
Medley (Vom Himmel hoch, da komm ich her/Oh, Du Fröhliche/Fröhliche Weihnacht überall/Es ist ein Ros entsprungen/Oh, Tannenbaum; Tina Schölzke, Luzia Nistler, Andrà© Bauer, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Pastorale (Secret Garden; 1996; Claudia Kraxner, àkos Tihanyi)
Abide with me (Trad.; Fritz Schmid & Ensemble)
Merry Christmas (John Williams/Leslie Bricusse; “Home Alone II”; 1992; Melanie Gemeiner, Rita Sereinig, Murray Grant, àkos Tihanyi, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Stille Nacht (Fr. X. Gruber; 1818; Soli, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Weihnachtsgeschichten (Else Ludwig)
Musical Christmas 2005, Andrà© Bauer, Fritz Schmid, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Jacqueline Braun, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Solisten:
Jacqueline Braun, Kerstin Ibald, Luzia Nistler, Caroline Vasicek, Andrà© Bauer, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, Fritz Schmid
Moderation:
Else Ludwig
Das Ensemble:
Kathleen Bauer, Sigrid Brandstetter, Melanie Gemeiner, Ruth Kraus, Claudia Kraxner, Martina Rumpf, Tina Schöltzke, Rita Sereinig
Murray Grant, Noud Hell, Karsten Kammeier, Henrik Sehnert, Christoph Sommesguter, Lars Stockmann, Roman Straka, àkos Tihanyi
Musical Christmas 2005, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Bühne: Peter Bouchier, Martin Kindermann
Beleuchtung: Kurt Schöny, Gerhard Landauer
Ton: Alois Horak, Robert Macalik
Inspizienz: Cathrin Hauschildt, Gregory Fuller
Kostüme: Josef Sonnberger
Musical Christmas 2005, Jacqueline Braun, Rob Fowler, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Idee und Konzept: Caspar Richter, Michael Pinkerton, Wolfgang Hülbig
Musikalische Einstudierung: Caspar Richter und Walter Lochmann
Koordination: Elfriede Schrammel, Nadja Galil
Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien
Organisiation: Dieter Hnatek
Musikalische Leitung: Caspar Richter
Staging und Choreographie: Ramesh Nair
Dance Captain: Murray Grant
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, Else Ludwig, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Noch bis 10. Dezember ist die Adventshow im Theater an der Wien zu sehen. Danach trennt sich das Elisabeth-Ensemble und Wolferl zieht in das ehraltwürdige Haus ein. Ob es ein Wiedersehen bei “Musical Christmas 2006″ geben kann?

Baba, Sisi

Elisabeth, 4.12.2005; Foto: © Martin Bruny

Der letzte Kuss: Wien ohne “Elisabeth” ab 5.12.2005

Elisabeth, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Am 4.12.2005 ist es soweit: “Elisabeth” geht wieder mal in Musicalrente. Die Derniere geht als “Geschlossene Veranstaltung” pünktlich um 18:00 über die Bühne des Theater an der Wien. Tickets gibt es längst keine mehr. Um die letzten Plätze bangten in der Nacht von Freitag auf Samstag die treuesten Fans in eisiger Kälte.
Elisabeth, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Mit “Elisabeth” verlässt auch das Musical an sich das Theater an der Wien. Schon bald wird der Eingangsbereich des Gebäudes demoliert und danach mozarttauglich gemacht. Die Karten im Cercle, erste Reihe, kosten dann statt 95 Euro 190 Euro, es wird weniger Sitzplätze und ab und zu eine Vorstellung geben, freilich wird es weit mehr Schließtage als Spieltage geben; Wien ist anders, wir können uns das leisten.
Das Abenteuer Klassik wird sich im Theater an der Wien aber erstmal beweisen müssen, und die Kaiserin hat Zeit.

“Musical Mamis” - Entertainment & Benefiz

Am 23. November 2005 ging im Wiener Metropol ein Benefiz-Konzert der ganz besonderen Art über die Bühne: “Musical Mamis” - die Show zugunsten des Projekts Babydoll, einer Einrichtung des Krankenhauses Göttlicher Heiland.
“Babydoll” hilft angehenden Müttern und Vätern im Teenager-Alter, ihre Kinder mit Liebe und Verständnis auf die Welt zu bringen. Unbürokratisch, unentgeltlich, und im Bedarfsfall auch anonym. Seit dem Projektstart im Jahre 2003 kamen 135 Babydoll-Babies auf die Welt; über 3600 Jugendliche, meist Mädchen im Alter von 13 bis 20 Jahren, suchten Unterstützung und Hilfe in Beratungsgesprächen.
Durch den Abend führte gut gelaunt Musical-Franzl Dennis Kozeluh, und wenn man den Abend als gelungen werten möchte, was ich persönlich mache, dann hat die Moderation daran wesentlichen Anteil. Die charmant-ironischen Ansagen sorgten für gute Stimmung, bereiteten die Stimmung wohldosiert für den jeweils nächsten Act auf - und, was bei einem “Musical-Benefiz” auch wichtig ist, man hat gemerkt, dass endlich mal jemand moderiert, der für das Theater lebt, vom Fach ist und nicht aus der Volksmusikschublade rekrutiert wurde. Schlimm genug, wenn Musicalstars laufend bei Moik & Co aufkreuzen, um an den Quoten zu naschen.
Dennis Kozeluh, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Herausragend auch, um bei den Nicht-Mamis mal zu bleiben, zwei Tanz-Performances mit Todesengerl Murray Grant und Neo-Choreographie-Wunderwuzzi Ramesh Nair: Akt 1 startete mit einem blendend getanzten und gesungenen “All that Jazz”, im zweiten Teil
folgte ein atemberaubendes “I gotcha” (aus “Fosse”) mit Murray Grant, Rachel Colley und Ramesh Nair.
All that Jazz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Ramesh Nair, Rachel Colley & Murray Grant - I gotcha, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Einen Hauch glitzernden Broadway brachte Mary Illes ins Metropol, die für die erkrankte Kathleen Bauer einsprang und Jerome Kerns “All the things you are” interpretierte. Illes’ Performance sprengte die Kategorien dieses Abends. Keine Frage, wir erlebten an diesem Abend lauter wundervolle Talente, Mary Illes’ Stimme aber, ihre überirdisch stilvolle Performance schickte das Publikum in eine neue Dimension.
Mary Illes; Foto: © Martin Bruny
Grob gesagt lässt sich das restliche Programm in Lustiges und Musicalisches teilen. Für die Lacher sorgten Kathy Tanner (in dem Sketch “Aber!” von Mary Rogers und in der “Riverdance”-Parodie von Anne Weiner, gemeinsam mit Anne Weiner und Dennis Kozeluh), sowie Petra Kreuzer als weiblicher Heintje mit “Mama”.
Kathy Tanner & Anne Weiner, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Dennis Kozeluh & Anne Weiner, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Petra Kreuzer, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny

Musicalisches boten:
Lisa Gray: Somewhere that’s green (”Little Shop of Horrors”)
Lisa Gray, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Andrea Malek: Whistle down the wind (”Whistle down the wind”)
Andrea Malek, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Kudra Owens: Home (The Wiz”)
Kudra Owens, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Suzanne Carey: Anything can happen (Frank Wildhorn) und Conny Zenz: Ease on down the road (”The Wiz”)
Conny Zenz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Weiters zu hören:
Eva Maria Scholz: Baby-Toll-Performance (Eva Maria Scholz)
Eva Maria Scholz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Vivianne Vogà©: Komm her (Konigswerq)
Vivianne Vogà©, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Die Audition/Let’s hear it for the Boys: Suzanne Carey (Deniece Wiliams)
Suzanne Carey, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Susanne Ten Harmsen: Bauchgefühle (Susanne Ten Harmsen)
Susanne Ten Harmsen, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Sabine Mayer (feat. Rob Fowler, Zoltan Sebastian): Schritt für Schritt
Sabine Mayer, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Rob Fowler, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Ensemble: Greatest Love of All (Michael Masser)

“Musical Mamis” war für die Zuschauer Entertainment in Reinkultur, dem Projekt “Babydoll” brachte der Abend insgesamt eine Summe von 5740 Euro.

Verkaufts mei Gwand, i fohr in Himmel oder die “Elisabeth”-Pseudo-Derniere

Dernieren sind für Theaterfans etwas ganz Besonderes. Das gilt nicht nur für das Musical, sondern auch für das Sprechtheater, für das Theater allgemein. In Dernieren, das ist bekannt, findet man zu einem Großteil Theaterverrückte, die die betreffende Produktion viele Male, oft Hunderte Male, gesehen haben. Es ist ein Abschied, der mit Begeisterung gefeiert wird und immer in Wehmut endet, und ja, geweint wird bei Dernieren nicht selten, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Es ist zu einem großen Anteil ein Haufen Irrer, der sich noch einmal versammelt, um gemeinsam die Magie zu erleben, ein Haufen Kunst- und Kulturbegeisterter, der noch einmal zur Gefühlskulisse wird, ohne die die Kulissen der Bühne nur ein Haufen Pappmachà© und Metall blieben.
Gelten Premieren oft als Schickimicki-Events, für die man Prominenz braucht, um in die Schlagzeilen zu kommen, ist das bei Dernieren nicht wirklich der Fall. Hier ist alles gelaufen; sicher, Artikel in der Presse sind immer von Vorteil, aber Kartenvorverkauf muss keiner mehr angekurbelt werden. Namen von Promis sind nicht mehr nötig, um in irgendwelchen Klatschkolumnen Erwähnung zu finden. Es ist ein Abschiedsfest, bei dem man gemeinsam einer doch schönen Zeit “gedenkt”.
Anders im Fall von “Elisabeth”. Hier legt der Veranstalter scheinbar Wert darauf, zur Derniere am 4. Dezember 2005 Prominenz ins Theater an der Wien zu laden und, so vermutet man, große Kartenkontingente en gros & exklusiv zu verkaufen. Der allgemeine Kartenvorverkauf für die letzte Vorstellung von “Elisabeth” wurde nie eröffnet, die Show wurde vielmehr zur “Geschlossenen Veranstaltung” erklärt. Das kann man ganz nüchtern sehen, und vermutlich hat sich der für diese Entscheidung Verantwortliche etwas dabei gedacht. Vielleicht ist es aus buchhalterischen Gründen und zum Wohle des Geschäftsjahrs nötig, Gewinn zu lukrieren, wo es auch nur möglich ist.
Man kann das Ganze auch ein wenig weniger nüchtern sehen, man kann auch die Meinung vertreten, dass hier den Fans die Derniere geraubt wird. Natürlich ist das mit “Fans” immer so eine Sache. Mal liebt man sie, mal würde man sie am liebsten auf den Mond schießen. So manche Show wurde von allzu mitgerissenen Fans zur Farce zerschrien und zerjubelt, von den Exzessen und Gelagen am Bühnentürl gar nicht zu reden. Aber andererseits: Was wären Musicals ohne die hysterischen, ehthusiasmierten Musicalfans, die auch dann für Stimmung sorgen, wenn der Altersdurchschnitt im Saal bei 66 und das Stimmungsbarometer bei “Gähn” liegt. Natürlich verdient man nicht mit Leuten, die um 2,5 Euro die Stehplätze belagern, aber andererseits, wie ätzend leer ist ein Theater, wenn die “Fans” mal nicht da sind.
Ich muss gestehen, ich habe kein Verständnis für das Phänomen “Dernierenraub”. Ich habe keine Lust, um billige Restkarten zu betteln und dann in der Vorstellung zusehen zu müssen, wie in den ersten Reihen Baumeister einschlafen, Direktoren anderer Theater angewidert die Mundwinkel nach unten verziehen und Starlets sich bei ihren Begleitungen erkundigen, wer denn die arme Frau in Weiß eigentlich sei.
“Elisabeth” wird als das Musical in Wiens Theatergeschichte eingehen, das keine Derniere hatte. Das mag traurig sein, aber vielleicht passt es zur Story, denn auch der Habsburgerin blieb keine Zeit, in Würde Abschied von dieser Welt zu nehmen.

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