Archiv - Musical
Martin Bruny am Donnerstag, den
3. August 2006 um 23:34 · gespeichert in West End, Musical
Wenn es nach Andrew Lloyd Webber geht, muss sich am Londoner West End in den nächsten fünf Jahren einiges ändern. Er selbst habe kein großes Bedürfnis, ein neues Musical zu schreiben, meint der Komponist in einem Interview. Das moderne Musical, so Webber, sei in den letzten Jahren zur reinen Feel-good-Show verkommen. Ein interessantes neues Musical? Webber fällt da keines ein: “Nur drei Produktionen machen am West End Gewinn: ‘Billy Elliot’, ‘The Phantom of the Opera’ und ‘The Lion King’. Einige Shows fahren einen wöchentlichen Verlust von 100.000 Pfund ein.”
Andrew Lloyd Webber jedenfalls geht auf Nummer Sicher und investiert vorerst mal in Bekanntes: “The Sound of Music” feiert seine West-End-Premiere im Herbst.[Originalartikel]
Martin Bruny am Sonntag, den
30. Juli 2006 um 01:10 · gespeichert in Netz, Musical

Es gibt einige “Star Wars”-Musicals da draußen im Universum, sagt man. Wenn man die Quellen im Internet dann recherchiert, landet man auf toten Planeten oder im Narrenhaus. Aber halt, es gibt doch ein “wirkliches” Star Wars-Musical. Aufgeführt wurde es zwar noch nie, aber wer Lust hat, kann sich eine Demo-CD (als ZIP-File) gratis aus dem Netz runterladen. Was gibt es noch? Beispielsweise einen Filmclip, der von der Titelnummer “One Season More” produziert wurde und bei den Star Wars Fan Film Awards den ersten Preis gewonnen hat. Fanart der etwas ulkigeren Art.
Martin Bruny am Samstag, den
29. Juli 2006 um 01:13 · gespeichert in West End, Musical
Blenden wir zurück ins Jahr 2004. Am West End, der Theatermeile Londons, gab es im Herbst 2004 drei große Musical-Premieren: “The Producers”, “The Woman in White” und “Mary Poppins”. Ging man im West End spazieren, vor allem im Sommer, flanierte man an einem geschlossenen Thetaer nach dem anderen vorbei. Trübe Aussichten.
2006 - nur zwei Jahre später - haben wir am West End das, was man nicht anders als einen Musicalboom bezeichnen kann: 20 neue Musical-Produktionen werden 2006 am West End zu sehen, eines der produktivsten Jahre der Londoner Musicalszene zeichnet sich ab. Laut einer Befragung von 1000 Theaterfans, in Auftrag gegeben von Whatsonstage.com, sind 71 Prozent der Interviewten mit dem Angebot sehr zufrieden, 42 Prozent meinten, zu viele Musicals könne es gar nicht geben.
Was läuft also derzeit am West End ab? Von den 20 neuen Produktionen sind nicht weniger als 12 Revivals, beispielsweise “Evita” oder “Sunday in The Park With George”, und 8 brandneue Shows, darunter “Spamalot” und “Wicked”.
Für fast drei Viertel aller Befragten ist “Wicked” (Premiere im September) jene Show, auf die sie sich am meisten freuen. Auch auf der Must-See-Liste: “Avenue Q” und “Spamalot”.
Mehr als ein Drittel aller Befragten würde gerne mehr Londoner Uraufführungen statt Broadway-Importe sehen, für weniger Revivals stimmen 46 Prozent. Gar 68 Prozent sind der Ansicht, dass es zu viele Jukebox-Musicals wie “Mamma Mia!” und “We Will Rock You” gibt.
10 Prozent der Interviewten gaben an, sich alle neuen Stücke ansehen zu wollen, und das bei Kartenpreisen bis 55 Pfund.
Eine Übersicht der West End-Produktpalette 2006:
Bereits wieder Geschichte:
* Movin’ Out - Apollo Victoria Theatre
* Mack and Mabel - Criterion
* Show Boat - Royal Albert Hall
* The Rocky Horror Show - Playhouse
Premiere 2006 und noch am Spielplan:
* Sinatra - London Palladium
* Whistle Down the Wind - Palace
* Footloose - Novello
* Sunday in the Park with George - Wyndham’s
* Evita - Adelphi
* Avenue Q - Noel Coward Theatre
* The Boy Friend - Open Air Theatre, Regent’s Park
Open End:
* Billy Elliot - Victoria Palace
* Lion King - Lyceum
* The Producers - Theatre Royal Drury Lane
* Phantom of the Opera - Her Majesty’s Theatre
* Mary Poppins - Prince Edward
* Mamma Mia! - Prince of Wales
* We Will Rock You - Dominion
* Les Miserables - Queens Theatre
* Guys and Dolls - Piccadilly
* Blood Brothers - Phoenix
* Chicago - Cambridge
* The Rat Pack - Savoy
* Dancing in the Streets - Playhouse
Premiere im Herbst:
* Wicked - Apollo Victoria
* Spamalot - Palace
* Cabaret - Lyric
* The Sound of Music - London Palladium
* Dirty Dancing - Aldwych
* Porgy and Bess - Savoy
* Daddy Cool - Shaftesbury Theatre
* Seven Brides for Seven Brothers - Theatre Royal Haymarket
Martin Bruny am Freitag, den
28. Juli 2006 um 01:14 · gespeichert in Musical, Wien, Castingshows
Ganz eigene Ansichten hat “Cats”-Pappi Sir Andrew Lloyd Webber in Bezug auf Darstellerschmieden. Er meint an der Performance jedes Absolventen (fast) erkennen zu können, an welcher Schule dieser seine Ausbildung abgeschlossen hat. Im Originalwortlaut:
Stage schools tend to turn out performers with a certain patina. There is a certain sameness. You can almost tell which school they have come from.
Lloyd Webber geht daher einen ganz eigenen Weg beim Casting für die Hauptrolle in der Londoner Neuproduktion von The Sound of Music. Mit der Sendung How Do You Solve A Problem Like Maria? will der Komponist im Rahmen einer Castingshow seine ideale Erstbesetzung finden. 4 Millionen Pfund kostet der Spaß, der ab dem 29. Juli 2006 über die Bühne gehen und von BBC1 ausgestrahlt wird. Der Gewinnerin der Show winkt ein Vertrag für sechs Monate, für 6 Shows pro Woche.
Lloyd Webber betreibt für seine Londoner Produktion von “The Sound of Music” Promotion der etwas anderen Art. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn er im Rahmen einer Castingshow neue Talente entdecken will. Schließlich ist das nichts Neues. Josh Strickland, derzeit als “Tarzan” in der blutleeren Broadway-Produktion des Disney-Musicals zu sehen, wurde im Rahmen der US-Castingshow “American Idol” entdeckt, Jennifer Hudson, ebenfalls “American Idol”-Teilnehmerin, wurde für die Verfilmung des Kultmusicals “Dreamgirls” gecastet, Lukas Perman hat einen Gutteil seiner Publicity ebenfalls einer Castingshow (”Starmania”) zu verdanken, wenngleich er eine fundierte Musicalausbildung hat, und das sind nur einige Beispiele.
Die Art und Weise, wie Llyod Webber generell die Musicalausbildung in seinem Heimatland England diskreditiert, hat viele der Verantwortlichen auf die sprichwörtlichen Barrikaden getrieben. Allein die Vorstellung, dass jemand ohne Ausbildung 6 Shows pro Woche durchsteht, ist völlig illusorisch. Wer wird sich also bewerben? Kommt die große Überraschung erst im Ernstfall, wenn die Auserwählte nach zwei Wochen dann nicht mehr kann. Sie wäre kein Einzelfall. Vor ein paar Jahren erst erlebte Martine McCutcheon in einer Londoner Produktion von “My Fair Lady” ihr ganz persönliches Waterloo, brachte es aufgrund ihrer angeschlagenen Stimme auf weniger Vorstellungen als ihre Understudies und musste ihre Verpflichtung vorzeitig beenden. Promotion also für ein “neues” Sendungsformat, okay, aber nicht auf Kosten jener Studenten, die jahrelang hart trainieren und oft am Existenzminimum leben, nur um dann bei einem Casting mitgeteilt zu bekommen, dass sie zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn oder sonstwie nicht geeignet sind. So kontert denn auch Gerry Tebbutt, seines Zeichens “Head of Musical Theatre and Performance” am GSA Conservatoire von Guildford:
What is his point of reference? He should come here and see for himself, we seek out the individual and we look out for what is unique. We may not know what that is when they arrive, but we do when they leave.
Martin Bruny am Donnerstag, den
27. Juli 2006 um 01:16 · gespeichert in Musical, Wien
Im Herbst erst feiert Rebecca, das neue Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze, seine Premiere im Wiener Raimund Theater. In den Wiener Rosenhügel Studios haben dieser Tage die Proben begonnen. Erste Eindrücke davon bietet die TV-Sendung “Wien Heute”. Der Videostream ist online.
Martin Bruny am Donnerstag, den
27. Juli 2006 um 01:15 · gespeichert in Musical
Vom 27. Januar 2007 bis 04. März 2007 ist eine Tourproduktion von AIDA, einem Musical von Elton John und Tim Rice, im Festspielhaus Bregenz zu sehen, als erste “Langzeitproduktion” im völlig neu gestalteten Festspielhaus. STAGE ENTERTAINMENT tastet sich langsam an Österreich heran.
Termine: Di, Do & Fr: 20:00 Uhr, Mi 18:30 Uhr, Sa 15:00 + 20:00 Uhr, So 14:30 + 19:00 Uhr/Preise: 29,90 - 84,90 Euro (zzgl. Vorverkaufsgebühr und 2,- Euro Systemgebühr)/Karten: bei den bekannten Vorverkaufsstellen oder im Internet unter www.aida-on-tour.de/
Martin Bruny am Sonntag, den
23. Juli 2006 um 01:18 · gespeichert in Netz, Musical, Deutschland
Am 30. Dezember 1948 ging am Broadway im New Century Theatre die Uraufführung von Kiss me, Kate über die Bühne. In den Hauptrollen: Alfred Drake (Fred Graham/Petruchio), Patricia Morison (Lilli Vanessi/Katharine), Lisa Kirk (Lois Lane/Bianca) und Harold Lang (Bill Calhoun/Lucentio). Diese erste Produktion brachte es auf insgesamt 1077 Aufführungen, die Dernià¨re fand am 28. Juli 1951 statt. Bei den Tony Awards 1949 war “Kiss me, Kate” der Abräumer: 5 Auszeichnungen konnte die Produktion für sich entscheiden: Best Musical, Best Author (Bella Spewack, Samuel Spewack), Best Composer (Cole Porter), Best Costume Design (Lemuel Ayers), Best Producer (Saint Subber, Lemuel Ayers).
Die Deutschsprachige Erstaufführung fand am 19. November 1955 in Frankfurt/Main (Städtische Bühnen) statt und seit damals ist das Musical aus den Spielplänen vieler Bühnen Deutschlands und Österreichs kaum wegzudenken. 2006 beispielsweise ist “Kiss me, Kate” in einer Produktion der Luisenburger Festspiele zu sehen. Die Besetzung: Gudrun Schade, Sissy Staudinger, Ina Nadine Wagler, Kai Bronisch, Wolfgang Haubner, Axel Herrig, Gerry Hungbauer, Mario Mariano, Manfred Molitorisz, Stephan Wapenhans, Frank Wünsche, sowie Sophie Blümel, Susanna Kratsch, Thorsten Kugler, Kerstin Löcker, Korbinian Reile, Barbara Schmid, Walter Spanny, Uwe Schwalbe, Christian Zmek,und Wolfgang Fellinger, Stephan Först, Christian Frank, Martin Grünzweig, Matthias Klausberger, Hans Lassnig, Bernd Leichtfried, Markus Leinholz, Klaus Lippitsch, Primus Sitter und Heimo Trixner. Für einige Vorstellungen konnte als Stargast Rainhard Fendrich verpflichtet werden. Zu sehen ist er noch in den Vorstellungen am 4. und 5. August.
Wer es nicht nach Wunsiedel schafft, kann sich per Webcam einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre verschaffen. Die wird allerdings nur alle 30 Minuten aktualisiert, aber immerhin. Interessante Backstage- und Szenenfotos sind auf der Website von Thorsten Kugler (unter “News” zu finden), der selbst bei der Produktion im Ensemble mitwirkt.
Martin Bruny am Freitag, den
21. Juli 2006 um 10:08 · gespeichert in Musical, Skurriles
Juli 2006: Uwe Kröger, einer der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Musicalstars möchte man meinen, gibt in Essen die Rolle des Phantoms in Andrew Lloyd Webbers Musical “Das Phantom der Oper”.
In einem Interview mit dem Donaukurier nimmt er Stellung zu einigen Drohbriefen, die man ihm freundlicherweise zukommen ließ:
Wie ist denn die bisherige Resonanz mit Ihnen in der Rolle des Phantoms?
Kröger: Die Resonanz war sensationell, selbst ein bekannter Regisseur, der im Publikum saß, sagte mir anschließend, dass er nie gedacht hätte, dass es so spannend sein könnte. Allerdings bekam ich im Vorfeld auch einige anonyme Drohbriefe von einschlägigen Phantom-Fans, die mit dem Boykott der Premiere drohten.
Belastet Sie so etwas?
Kröger: Anfangs ja, weil mir Briefe, in denen mir gesagt wird, dass ich meines Lebens nicht mehr froh werde, Angst machen und ich so etwas geradezu erschreckend finde. Doch letztlich sind solch feige Briefe nicht nur unverschämt, sondern sogar anmaßend. Man kann nicht jedem gefallen und das will ich auch gar nicht. Zum Glück überwog die positive Resonanz.
Der Fan, das unbekannte Wesen. Und täglich schrauben sie die Grenzen etwas weiter runter.
Martin Bruny am Donnerstag, den
20. Juli 2006 um 10:03 · gespeichert in Musical, Broadway

Das Hilton Theater, gelegen am Broadway, New York, war die letzten drei Monate Aufführungsort der Musicalproduktion Hot Feet. 1821 Sitzplätze bietet das Hilton - in keiner einzigen Aufführungswoche schaffte die Show, die mit Songs der legendären R&B-Truppe “Earth, Wind & Fire” punkten wollte, eine Auslastung von mehr als 50 Prozent. Konsequenz: Letzter Vorhang nach 109 Vorstellungen nächsten Samstag. So geht es den meisten Shows am Broadway. Hits sind die Ausnahmen. So ist das eben.
Ein Flop tut weh, am meisten wohl den Produzenten, sollte man meinen. 8 Millionen Dollar hat Hot Feet gekostet, 4 Millionen davon stammen vom “Financial Services”-Unternehmen TransAmerica. Ein Verlustgeschäft? Mitnichten. “Hot Feet” ist das, was TransAmerica “gutes Investment” nennt. Sicher, aus Ticketverkäufen konnte man wenig Einnahmen erzielen, aber aus der Sicht des Unternehmens ist eine Broadway-Produktion, egal ob erfolgreich oder nicht, ein perfektes Tool, die eigene Marke noch bekannter zu machen, Branding nennt man das im Fachjargon. TransAmerica Presents Hot Feet - ein paar Tausend Theaterbesucher sind an den Schildern an der 42nd Street vorbeiflaniert und haben sie gelesen, ob sie es wollten oder nicht, in Magazinen, Zeitschriften, auf Websites, in Rezensionen - “TransAmerica Presents Hot Feet”. “Klar wärs super, wenn die Show erfolgreicher gewesen wäre”, meint Lon Olejniczak, Chief Distribution Officer von Transamerica Capital Inc. Aber letztlich stammt das Kapital, das für die Show notwendig war, aus dem Marketingbudget, eine simple Ausgabe, alles durchkalkuliert.
Die Idee, eine Show als Marketingtool einzusetzen, hatte Hollywood-Dealmaker Rudy Durand. Durand - ein Tausendsassa mit vielen Jobs, angefangen von Drehbuchautor über Musikproduzent bis hin zu Werbespot-Regisseur. Er spielt Golf mit Jack Nicholson und taucht in den gleichen Klatschkolumnen auf wie Warren Beatty oder Annette Benning. Er ist einer, der viele kennt und Deals schmiedet wie kein anderer. Durand: “Wenn man 50 Millionen Dollar in Werbung investiert, Print, Radio, was auch immer, sind diese 50 Millionen weg. Was, wenn man eine Broadway-Show finanziert und die zum Hit wird?”
Gesagt, getan. 2003 investierte TransAmerica auf Anraten Durands 1 Million Dollar in “Like Jazz”, ein Musical von Larry Gelbart (Buch)/Cy Coleman (Musik)/Alan & Marilyn Bergman (Lyrics). Die Produktion lief in Los Angeles 10 Wochen, ein Broadway-Transfer kam nicht zustande.
2004 investierte TransAmerica in Brooklyn: The Musical. Als einer der Investoren nur Wochen vor der Broadway-Premiere zurückzog, sprang TransAmerica ein.
Noch ist TransAmerica der große Broadway-Hit verwehrt geblieben, aber die Sache mit “Hot Feet ist noch nicht gegessen. Eine Tour durch die USA ist in Planung. Japan, Singapur und Australien sind an dem Musical interessiert. Auch ein “Hot Feet”-Trainingsvideo wird in Erwägung gezogen. “Hot Feet” - ein Broadway-Flop? Mag sein, aber Verlustgeschäft sicher keines.
Die nächste Frage, die sich stellt: Welche Musicals präsentieren uns demnächst Visa, McDonald’s und Mercedes-Benz?
Martin Bruny am Sonntag, den
16. Juli 2006 um 10:06 · gespeichert in Musical, Rezensionen, Tonträger, 2006

Im April 1994 startete “The Walt Disney Company” das “Unternehmen Broadway”. Manche bezeichnen jene Produktionen, die seit damals alle paar Jahre den Broadway entern, lieber als “Theatrical Shows”, um den Begriff “Musical” zu vermeiden, aber letzten Endes, was solls.
“Beauty And The Beast” (1994)
Die erste Produktion - mit 9 Tony Award-Nominierungen war der Beginn gar nicht übel. Gewonnen wurde zwar nur eine Trophäe für “Best Costumes”, aber man konnte sich wenigstens damit trösten, dass der Tony für “Best Musical” tatsächlich an ein solches gegangen ist: “Passion”, von Stephen Sondheim, und: “Beauty And The Beast” läuft auch heute noch am Great White Way.
[Musik: Alan Menken/Lyrics: Howard Ashman; Tim Rice]
“The Lion King” (1997)
11 Tony Award-Nominierungen, 6 davon konnte man für sich entscheiden, darunter “Best Musical”. Auch “The Lion King” läuft nach wie vor am Broadway.
[Musik: Elton John/Lyrics: Tim Rice]
“Aida” (2000)
Was für ein Desaster. “Aida” schickte man vor dem Broadway-Start nach Atlanta zum Try-out, wo die Show schlichtweg geschlachtet wurde. Dabei hatte man es doch so gut bzw. innovativ gemeint und zum ersten Mal ein Musical produziert, das nicht auf einem Film basiert. Mit viel Mühe konnte man die Show doch an den Broadway bringen, 5 Tony Award-Nominierungen waren die Belohnung, allerdings wurde die Produktion nicht für die Kategorie “Best Musical” zugelassen. 4 Awards konnte man einfahren, darunter “Best Score”. “Aida” läuft längst nicht mehr am Broadway.
[Musik: Elton John/Lyrics: Tim Rice]
“Tarzan” (2006)
Tarzan ist nach der deutschen Produktion “Der Glöckner von Notre-Dame” [Musik: Alan Menken/Lyrics: Stephen Schwartz] und dem Tour-Musical “On the Record” die jüngste Disney-Show am Broadway. Als Komponist konnte man den Oscar- und Grammy-Preisträger Phil Collins gewinnen. Der hat 1999 für den Zeichentrickfilm “Tarzan” 5 Songs komponiert: “Two Worlds”, “Son of a man”, “Trashin’ the cam”, “Strangers Like Me” und “You’ll Be In My Heart”.
“You’ll Be In My Heart” holte sich 2000 den Oscar als “Song of the Year” und belegte in den USA 10 Wochen den Spitzenplatz der Billboard Adult Contemporary Charts, in weltweit 14 Ländern war der Song Nr. 1. Der Soundtrack erreichte in den USA Doppelplatin, der Film: ein internationaler Erfolg; Einspielergebnis: weltweit 447 Millionen Dollar. Von der DVD konte man 13 Millionen Einheiten absetzen.
Für sein Broadway-Musical ließ sich Collins 9 weitere Songs einfallen: “Who Better Than Me”, “For the First Time”, “Everything That I Am”, “Waiting for This Moment”, “No Other Way”, “I Need to Know”, “Sure as Sun Turns to Moon”, “Different” und “Like No Man I?ve Ever Seen”.
“Tarzan”, die Cast-CD
Disney ist ein Medienunternehemn, das seine Produkte meistens perfekt vermarktet. Kein Wunder also, dass die “Tarzan” Cast-CD seit 27. Juni (USA) bzw. 14. Juli (Europa), also bereits wenige Wochen nach der Uraufführung (10. Mai 2006), erhältlich ist. Für Theaterbesucher zum Beispiel neben einem Kaffeebecher ideal.
Ich muss gestehen, dass ich kein übergroßer Phil Collins-Fan bin und mit seinem “You’ll Be In My Heart”, einer Endlos-Leier eines mediokren Refrains, nicht viel anfangen kann. Ich mag Balladen, aber sie sollten einen gewissen Spannungsaufbau haben, dem Interpreten Möglichkeit geben, etwas daraus zu machen und nicht nur einfach lauter werden, das hat die Haus- und Hoftruppe von Phil Collins, Genesis, früher einmal ganz gut verstanden, aber bei diversen Collins-Solosingles stellt sich bei mir vor allem eines ein: Langeweile. Und auch gefühlvoll gesungene Langeweile ist letzten Endes eines: Langeweile. Genau so hört sich auch der Titelsong auf der “Tarzan” Cast-CD (”You’ll Be In My Heart”, Track 2) an. Merle Dandridge (als Kala) interpretiert ihn, als würde sie einen Schnellkurs im Fach “Wie singe ich besonders kitschklebrig” belegt haben. Sie versucht noch gefühlvoller als gefühlvoll zu singen und tut damit dem Lied nichts Gutes, und leider keinem einzigen Song, bei dem sie auf dieser CD beteiligt ist. Sie schleimt sich in jede Zeile des Refrains derart rein, dass das Schmalz schon nach 1 Minute alles flutet. Der Chor im Background macht den Song für Kiddies zur Einschlaf- und für den Rest wohl zur Lachnummer. Am Schluß seufzt bzw. stöhnt sie noch ein “Always” drauf. Das kann doch einfach nicht wahr sein! Alles Schlechte, was man je dem Genre “Musical” nachgesagt hat, es findet sich in diesem Song gebündelt wieder. Bei so viel falschem Schleim muss man erst einmal schlucken. Track 3, “Who better than me”, präsentiert uns den “jungen Tarzan”, ebenfalls mit einem völlig harmlosen, wenigstens etwas poppigeren Liedchen. Daniel Manche, auf diesem Track als junger Tarzan zu hören, singt wie die personifizierte amerikanische Barbiepuppe, ohne Gefühl, einfach nur quietschig.
“No other way” (Track 4), auch hier keine brauchbare Melodie. Shuler Hensley, Darsteller des Kerchak, hantelt sich von einem langgezogenen Ton zum nächsten, als müsse er sich auf einen Stock stützen, um den nächsten dieser elenden langgezogenen Töne zu schaffen; die aufgesetzte Pseudodramatik in der Intonation ist nervig. Kann ein Erwachsener derart schlecht und überzogen gespielte Dramatik wirklich ernstnehmen? Jeder (Mini-)Dialog auf dieser CD ist derart unecht, dass man den Eindruck gewinnt, es handle sich dann doch eher um die Persiflage einer Cast-CD eines Disney-”Musicals”.
Der junge Tarzan, diesmal Alex Rutherford, singt uns mit Track 5 ein Sololiedchen: “I need to know”. Wieder ein Nichts von einer Melodie, die Stimme des Jungen könnte auch ein geklonter R2D2 sein, ohne eigenen Charakter, piepsig, weiter nichts. Dass auf das langsame Nichts ein etwas rhythmischer dahinschlurfender Song kommt, war klar. “Son of man” nennt er sich. Viel Rhythmus, wieder eine 08/15-Melodie, die man schon dreitrillionenmal gehört hat, scheinbar billig mit Synthesizern produziert, zumindest hört es sich so an. (Gefakte) Bläser lassen an von Phil Collins gern verwendete sussudieske Schemata zurückdenken, aber selbst dazu reichts nicht. Allerdings kommt Chester Gregory II, Interpret des Terk, gut rüber und macht auch mit seinen anderen Songs auf dieser CD (”Trashin’ the Camp”, “Who better than me (Reprise)”) einen ausgezeichneten Eindruck.
Jenn Gambatese als Jane ist neben Chester Gregory II die positive Überraschung auf dieser Cast-CD. Mit “The First Time” hat sie einen Song, aus dem sich stimmlich zumindest ein wenig mehr als aus vielen anderen der Collins-Panzer machen lässt. Josh Strickland interpretiert seine Songs ganz angenehm, aber Wiedererkennungswert hat er nur bedingt.
Das Grundproblem der “Tarzan” Cast-CD ist die Unbrauchbarkeit der Collins-Kompositionen für ein Musical. Jeder Versuch, in seine Songs Dramatik “hineinzusingen” (beispielsweise in “Everything That I Am”), lässt sie kippen und unglaubwürdig erscheinen. So haben wir mehr oder weniger nur einen wirklich überzeugenden Song auf dieser CD: Track 19, “Everything That I Am”, ein Bonustrack, diesmal von Phil Collins selbst gesungen, und wenn man die Augen schließt, sieht man nicht Tarzan, Jane oder irgendwelche Affen, sondern man ist in einem Stadion, Phil Collins steht auf der Bühne, einfach als Phil Collins, und macht den Job, den er am besten kann - als Interpret der von ihm geschriebenen Songs, und wie heißt es so schön in “Everything That I Am”: “The future is clear for me to see, to be the man I’m meant to be.”
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