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Archiv - Musical

Andrew Lloyd Webber: Hauptsache ein Jesus, egal ob Mann oder Frau

Andrew Lloyd Webber weiß, wie er die Einschaltquoten steigern kann. Für eine Neuproduktion seiner Rockoper »Jesus Christ Superstar« sucht er demnächt auf ITV einen Darsteller für die Rolle des Jesus. Mittlerweile ließ er verlautbaren, dass es auch eine Darstellerin sein darf, denn, so Webber, “it’s all about talent”.

Ein Sprecher von ITV erklärt dazu:

The role was written by Tim Rice and Andrew Lloyd Webber for a great rock tenor 42 years ago. It was first performed by Ian Gillan – one of the greatest rock tenors of our time. Our auditions are open to anyone and we’re all very excited to meet potential auditionees.

Die potentielle Jesus-Darstellerin würde freilich nicht Geschichte schreiben. Das besorgten schon die kanadische Electroclash-Sängerin Peaches 2010 mit ihrer Show »Peaches Christ Superstar« in Berlin, und auch Amy Ray, die Sängerin der Indigo Girls, in einer Produktion von 1994 (siehe –> hier).

Link
- list.co.uk: Andrew Lloyd Webber could find female Jesus
- web.orange.co.uk: Lloyd-Webber widens the search for Jesus

Wien: “Pension Schöller” – das neue Metropol-Musical

11. April 2012
20:00bis22:30

Am 11. April 2012 (Beginn: 20:00 Uhr) feiert im Wiener Metropol Carl Laufs‘ und Wilhelm Jacobys Bühnenklassiker »Pension Schöller« in einer Musicalfassung von Peter Hofbauer/Stefan Vögel (Buch) und Peter Uwira (Musik) Premiere.

Inhalt

Ein begüterter Privatier macht die finanzielle Unterstützung seines Neffens davon abhängig, dass ihm dieser eine Irrenanstalt von Innen zeigt. In seiner Not führt der Neffe seinen Onkel in die Pension Schöller ein. Und siehe da: Onkelchen amüsiert sich prächtig, weil er, getreu seiner vorgefassten Meinung, die dort versammelten Pensionsgäste tatsächlich für Irre hält.

Carl Laufs’ und Wilhelm Jacobys höchst turbulente Komödie ist ein Klassiker der Unterhaltungskunst. Rasant, schräg und mit einem Augenzwinkern. In der Musicalfassung wurde der historische Hintergrund aus der Kaiserzeit in die Zweite Republik verlegt, genauer gesagt: ins österreichische Staatsvertrags-Jahr 1955. Im Zentrum des Geschehens: »Onkel« Klapproth, der nicht bemerkt, dass er »im falschen Film« ist, gespielt von Hubert Wolf, bekannt als »Papa Putz« aus der Fernsehwerbung für XXX-Lutz.

Leading Team
Buch: Peter Hofbauer & Stefan Vögel
Komposition: Peter Uwira
Bühnenbild und Kostüm: TOTO
Musikalische Leitung: Max Hagler
Regie: Thomas Enzinger

Cast
Maxi Blaha, Missy May, Dunja Sowinetz, Martin Bermoser, Stephan Paryla-Raki, Alfred Pfeifer, Alfons Noventa & Hubert Wolf

Tickets –> hier.

Thomas Drozda gedeutet: Kathrin Zechner ist gescheitert!

In einem Interview mit der Zeitung »Der Standard« beantwortete VBW-Chef Thomas Drozda einige Fragen, die provokant gemeint waren und dann ein bisschen mit zu wenig Biss nachverfolgt wurden. Freilich reichen die Antworten auch so, um aus dem Kaffeesud zu deuten.

Thema Kathrin Zechner

STANDARD: Kathrin Zechner, die zurück zum ORF ging, wurde bei ihrem Abschied mit Lob überhäuft. Ist sie nicht mit ihrem Konzept eines urbanen Musiktheaters gescheitert?

Drozda: Es war leider nicht finanzierbar. Mehrere Produktionen pro Jahr zu spielen verursacht erheblich höhere Kosten. Gleichzeitig gibt es aufgrund der Schließzeiten zwischen den Produktionen einen Einnahmenentgang. Wenn ich täglich 40.000 Euro einnehmen muss und am Wochenende 50.000 Euro pro Tag, dann verliere ich in zwei Wochen eine halbe Million. Daher mussten wir wieder auf Longrun-Produktionen in beiden Häusern umsteigen.

Fazit: Ja, sie hat versagt. Aber nicht nur sie.

Thema Wien als Abspielstation von Lizenzproduktionen der Stage Entertainment

STANDARD: In beiden laufen seit Monaten Lizenzproduktionen von Stage. Ist Wien nur mehr Abspielstation bereits erprobter Musicals?

Drozda: Sie vergessen: Lizenzen sind keine Einbahnstraße. In Stuttgart läuft Rebecca, in Berlin Tanz der Vampire. Also: Wir haben zwei Produktionen von Stage Entertainment - und Stage hat zwei Produktionen von uns.

STANDARD: Es macht aber einen Unterschied, ob je eine Produktion in Berlin und Stuttgart läuft - oder ob zwei in Wien laufen.

Drozda: Das ist richtig, aber es wäre falsch, einen interessanten Stoff nicht zu bringen, nur weil er von einem bestimmten Lizenzgeber kommt. Dass wir in dem internationalen Lizenzvergabekonzert mitspielen: Das ist doch erfreulich! Und: Die Wiener Version von Sister Act ist von der Qualität viel besser als die Version in Hamburg.

STANDARD: “Sister Act” wurde und wird in mehreren Städten Europas gezeigt, auch in Mailand. Wenn ich Ihnen die Fotos von allen Produktionen vorlege: Sie könnten sie nicht voneinander unterscheiden.

Drozda: Das Kriterium ist ja nicht das Bühnenbild. Auch die Inszenierungen werden sich nicht fundamental unterscheiden. Aber es geht um das Musikalische. Und da ist unsere Produktion auf dem höchsten Niveau. Ich weiß nicht, ob wir auch mit der Mailänder Version auf 97 Prozent Auslastung kommen würden nach bereits 120 Vorstellungen. Und ich weiß nicht, ob wir uns mit der Mailänder Version über die erstklassigen Kartenvorbestellungen für das erste Quartal freuen könnten, das ja ein besonderes schwieriges ist, weil wir gegen Cats antreten.

STANDARD: Die Veranstalter von “Cats” bauen ein großes Zelt auf - und verdienen Geld.

Drozda: Aber diese Tourneeproduktion hat für den Tourismus in Wien keine Relevanz. Und es gibt praktisch keine Umwegrentabilität. Wir hingegen bringen in historischen Spielstätten, die natürlich ein geringeres Platzangebot haben, Produktionen in höchster Qualität heraus. Man kommt wegen uns nach Wien.

STANDARD: Dann sollten Sie die Subvention doch bitte aus dem Tourismustopf bekommen.

Drozda: Ich bin sofort dafür! Ich habe mehrfach vorgeschlagen: Finanziert die Oper im Theater an der Wien und das Orchester aus dem Kulturbudget - und das Musical über die Wirtschaftsförderung. Auch deshalb, weil 1,2 Millionen Menschen im Ausland Elisabeth gesehen haben. Und Elisabeth verbindet man mit Wien.

Fazit: Nicht nachvollziehbare Antworten. Beispielsweise:

- Welche Touristen möchten die VBW mit abgespielten deutschen Produktionen nach Wien locken? Umwegrentabilität? Klar, früher, als man sich traute, Eigenes auf die Beine zu stellen. Die Umwegrentabilität ist mit Sicherheit durch die künstlerische Bankrotterkärung der letzten Jahre dramatisch gesunken und mit der Ära Zechner hat sie ein Minimum erreicht.
- »Sister Act« ist von der Qualität her besser? Drozda erwähnt sogar den Begriff »das Musikalische«. Können wir alle einmal gemeinsam üben? Es ist gar nicht so schwer: Das ORCHESTER unter der Leitung von Koen Schoots, und gleich zwei Mal wiederholen am besten. Ja, das ist ein Argument, Musical - Musik. Aber es reicht nicht, um Schwachsinn zu rechtfertigen. Es ist ein absoluter Alptraum, Musiker die Sinnlosigkeit auf »hohem Niveau« exekutieren zu hören, nur weil in den Chefetagen der VBW kein Mensch weiß, wie man Musicals von Qualität so vermarktet, dass man eben auch den ökonomischen Zwängen gerecht wird.
- »Cats« hat sehr wohl Relevanz, denn es lockt Musicalfans aus ganz Österreich an, und am besten wäre es, wenn es zwei Jahre in Wien gespielt werden würde. Dann könnten wir mal schauen, ob den VBW nicht doch etwas Sinnvolleres einfallen müsste, als das Repertoire der 90er Jahre in einem immer wiederkehrenden Rhythmus abzufeiern.

Und so weiter und so fort. Jeder möge seine eigenen Schlüsse ziehen.

Link
Der Standard: “Das Jubeln hab’ ich mir abgewöhnt”

Peter Weck: “Das ist einfallslos.”

Aus einem Interview von »inwien« mit Peter Weck:

inwien: Mit »Cats« ist Wien als Musicalstadt gestartet. Was hat sich seither in der Musicalszene getan?
Peter Weck: Das ist eine schwierige Frage. Ich bin nicht jemand, der Fehler sucht. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn manche Häuser zu Zweitbühnen werden und Produktionen übernehmen. Das ist einfallslos. Man könnte natürlich sagen, dass ich das auch gemacht habe, weil »Cats« aus England gekommen ist. Aber das stimmt nicht, das war eine eigene Produktion und kein Gastspiel eines anderen Theaters. Wir waren bahnbrechend.

Link
- inwien

Kammerspiele: “Non(n)sens” – das Musical – das Original

12. Mai 2012
20:00bis22:30

Am 12. Mai 2012 kommt der originale Sister Act nach Wien: »Non(n)sens« (»Nunsense«), ein Musical von Dan Goggin (Buch/Musik/Texte), das am 12. Dezember 1985 im Cherry Lane Theatre seine Off-Broadway-Premiere feierte und 3672 Vorstellungen in diesem Theater und später im Douglas Fairbanks Theater erlebte. Christine Anderson, Vicki Belmonte, Marilyn Farine, Semina De Laurentis und Suzi Winson begeisterten ihr Publikum, rund zehn Jahre war »Nunsense« Off-Broadway ein Hit. Die Show war und ist nach wie vor weltweit erfolgreich und erlebt dutzende Produktionen jedes Jahr, mehr als 8000 bis dato weltweit. Das Musical bricht in vielen Häusern Zuschauerrekorde, mehr als 25.000 Darstellerinnen sind in all den Shows in die Rollen der Nonnen geschlüpft, über 500 Millionen Dollar konnten all die Produktionen weltweit einspielen. Und das, obwohl man »Nunsense« auch so charakterisieren kann:

Not bad for a one-joke show with a forgetable score (Thomas S. Hischak)

Der Inhalt von »Non(n)sens« ist schnell erzählt:

Die harmlose, aber leider auch völlig unfähige Köchin eines Klosters hat nichtsahnend 52 ihrer Ordensschwestern mit einer vergifteten Bouillabaisse vorzeitig gen Himmel gesandt. Die Aufregung ist groß, vor allem weil das Geld für die vielen Beerdigungen nicht reicht. Mit einer selbst einstudierten Benefizvorstellung versuchen nun die Mutter Oberin und die überlebenden Ordensschwestern Geld zu sammeln. Jede Schwester hat sich dafür die eine oder andere Nummer ausgedacht.

Es muss etwas dran sein, an Nonnen auf der Bühne (und im Film), generell. Das Erfolgsrezept von »Non(n)sens« und dem im Ronacher laufenden »Sister Act« scheint ident, bis hin zur musikalischen Ebene. Auch in Goggins Show sind die Songs kleine Pastiche-Stücke, etwa aus dem Gospelgenre (»Hollier Than Thou«), aus dem Country- & Western-Bereich (»I Could’ve Gone to Nashville«), Vaudeville (»Just a Coupla Sisters«) und so weiter – bis hin zur Step-Nummer »Tackle the Temptation with a Time Step« oder etwa der Popnummer »Growing Up Catholic«.

Tanzende, singende Nonnen – die Show war ein dermaßen großer Hit, dass mit »Nunsense 2: The Sequel« 1994, ebenfalls von Dan Goggin, ein Nachfolger Off-Broadway produziert wurde, der aber nur 149 Vorstellungen erlebte. Für die Cast-CD benannte man die Show um in »Nunsense II: The Second Coming«. Das sollte es noch lange nicht gewesen sein. Es kam eine ganze Reihe weiterer Sequels auf die Bühne: eine Country & Western-Version (»Sister Amnesia’s Country Western Nunsense Jambore«), eine TV-Christmas-Musical-Version (»Nuncrackers: The Nunsense Christmas Musical«), weiters »Meshuggah-Nuns!”, »Nunsensations: The Nunsense Vegas Revue« und »Nunset Boulevard« (2009).
1998 brachte Dan Goggin einen Drag-Ableger seiner Show mit dem Titel »A-Men!« Off-Broadway ins 47th Theatre, weitere Spin-offs: »Nunsense. The Mega-Musical« und »Sister Robert Anne’s Cabaret Class«.

Die Wiener Kammerspiele setzen bei ihrer Version des Musicals durchwegs auf bekannte Namen, angefangen bei Regisseur Werner Sobotka, Choreograf Ramesh Nair, dem musikalischen Leiter Christian Frank – bis hin zu den Stars der Produktion: Marianne Mendt, Sandra Cervik, Sona McDonald, Ruth Brauer-Kvam und Hanna Kastner.

Non(n)sens
Buch/Musik/Texte: Dan Goggin
Regie: Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair
Bühnenbild: Lothar Hüttling
Kostüme: Elisabeth Gressel

Cast
Mutter Oberin: Marianne Mendt
Schwester Maria Hubert: Sandra Cervik
Schwester Robert Anna: Sona MacDonald
Schwester Maria Amnesia: Ruth Brauer-Kvam
Schwester Maria Leo: Hanna Kastner

Link
- Kammerspiele/Non(n)sens
- Nunsense.com

Wien: “Gustav Klimt” - das Musical im Künstlerhaus

1. September 2012
19:30bis22:00

cache_2411748198.jpgAm 1. September 2012 feiert »Gustav Klimt – das Musical« seine Wien-Premiere. Der 150. Geburtstag Klimts ist ein willkommener Anlass – die Spielstätte, das Wiener Künstlerhaus, war im Leben Klimts bedeutend. Vom 6. Juli bis 2. September 2012 widmet sich eine eigene Ausstellung im Wiener Künstlerhaus, quasi im Vorfeld des musicalischen Events, diesem Thema (»Gustav Klimt und das Künstlerhaus«)

Das Musical »Gustav Klimt« erzählt die Geschichte des berühmtesten österreichischen Malers von seinen Jugendtagen, den erfolgreichen Jahren mit der »Künstler Compagnie« und den Schicksalsschlägen des Todes seines geliebten Bruders und seines zweiten Sohnes, bis zu den erotischen Amouren mit seinen Modellen und der platonischen Lebens-Liebes-Beziehung mit Emilie Flöge. Das Spannungsfeld aus den Bildern von Gustav Klimt, den wunderschönen Jugendstil-Kostümen und der Musical-Rock-Musik lässt die Zuschauer eine Melange der Künste erleben.

Leading Team
Musik: Gerald Gratzer
Buch/Texte: Sissi Gruber/Birgit Nawrata/Niki Neuspiel
Produzent: Niki Neuspiel/Ernst Neuspiel
Regie: Dean Welterlen
Kostüme: Uschi Heinzl
Bühnenbild: Eduard Neversal
Motiondesign/Videoprojektion: Norbert Wuchte
Lichtdesign: Michael Grundner
Ton: Elias Kern
Musikalische Einstudierung: Herwig Gratzer
Choreografie: Cedric Lee Bradley
Regieassistenz/Abendspielleitung: Alex Riff

Cast
Gustav Klimt: Andrà© Bauer
Emilie Flöge: Sabine Neibersch/Regina Mallinger
Genius: Linda Geider
Franz Matsch: Lucius Wolter
Ernst Klimt: Georg Prohazka
Mizzi Zimmermann: Anna Carina Buchegger
Kulturminister von Hartel: Dennis Kozeluh
Kolo Moser: Harald Tauber
Mutter Klimt: Bettina Soriat
Serne Lederer: Bettina Soriat
Modell Traudl: Dani Lehner
Freifrau von Elenauer: Dani Lehner
Gerichtsbeamter: Markus Hareter/Nicolas Christahl

Ensemble:
Bettina Soriat, Dani Lehner, Markus Hareter, Nicolas Christahl

Vorstellungstermine
1. September bis 7. Oktober 2012
Mittwoch bis Montag, Dienstag spielfrei

In Deutsch: Donnerstag bis Montag um 19:30, Sonntag um 18:00
Mittwoch: Vorstellung in Englisch

Link
- Künstlerhaus Wien: Gustav Klimt – das Musical
- Das Klimtjahr 2012

Broadway: Aus für “Rebecca” – Nächste Saison, nächster Versuch?

Broadwayworld.com:

The producers of REBECCA, the new musical based on the classic novel by Daphne Du Maurier novel (later turned into an Oscar-winning film by Alfred Hitchcock) announced this morning that the production has been postponed until next season. REBECCA was slated to open Sunday, April 22 at the Broadhurst Theatre, with previews beginning March 27.

Said lead producer Ben Sprecher, «It is with great disappointment that we have made the decision to postpone the Broadway debut of this phenomenal musical until next season. REBECCA is a grand and spectacular musical requiring substantial capitalization, and it’s no secret that in this very negative economic climate, raising money for Broadway has become even more difficult and laborious than it has historically always been. We are very close to meeting our financial goal, but we just ran short of time to complete capitalization with rehearsals slated to begin in two weeks. We feel that REBECCA is too special of a musical to short change in any way. It is our responsibility to the creators of this show, to our cast, our partners, our investors and our vendors that the complete financing is in place before rehearsals begin. REBECCA on Broadway must have the proper chance to continue the successful track record it currently enjoys worldwide. My co-producers and I remain very committed to bringing this wonderful show to New York next season.”

Links
- BroadwayWorld.com: Broadway’s REBECCA Cancelled for Spring! Aiming for 2012-2013
- The New York Times: Without Money in Place, ‘Rebecca’ Postpones Broadway Opening Until Next Season
- APA: REBECCA: Broadway-Premiere auf Herbst verschoben
- Musical Vienna: REBECCA - Broadway-Premiere auf Herbst verschoben
- Chicago Tribune: Broadway stumble for ‘Rebecca’: Musical cancels spring opening amid fund-raising problem

111 - and we wonder why!

Ich bins mal wieder, der Spaßverderber. Heute erreichte all jene Redaktionen des deutschsprachigen Raumes, die in Erwägung ziehen, über Musicals zu berichten, die Meldung, dass die Vereinigten Bühnen Wien die 111. Vorstellung von »Sister Act« gefeiert haben. Ich habe keinen Überblick, in welchen Medien die Meldung auch publiziert wurde, mich beschäftigt eher die Frage, ob diese Aussendung nicht einfach nur ein Trottel-Test war. Wer ist so bescheuert und druckt ab oder stellt online eine Meldung, dass eine Show 111 Mal aufgeführt wurde? Die andere Frage: Was könnte gefeiert werden?

Eine Möglichkeit würde darin bestehen, dass seit dem Abgang Kathi Zechners die Numerologen das Ruder übernommen haben, was wohl kein großer Unterschied wäre. Was lässt sich also über die Zahl 111 sagen. In einem Esoterikforum kann man darüber lesen:

Sie ist der volle Zahlenwert des ersten hebräischen Zeichens, der Aleph (woher sich übrigens auch das Alphabet ableitet, denn die Griechen übernahmen dies von den Hebräern).
Die 1 auf allen drei Ebenen, der Einerebene, der Zehnerebene und der Hunderterebene.
Es ist die Zahl 1, die Gott symbolisiert. Und der unoffenbarte Gott betritt durch einen dreifachen Ring aus Nichts die Schöpfung und erblüht einer Drei-Einheit. Das ist die 111 …

Hat’s bis hierher jemand geschafft? Nein, keine Sorge, auch das war kein Trottel-Test. Eine letzte Erklärung wäre noch möglich, lesen wir doch in der Presseaussendung:

Gestern Abend gab es im Ronacher allen Grund zu feiern: SISTER ACT erlebte seine 111. Vorstellung!
Im Beisein von Generaldirektor Mag. Thomas Drozda, der künstlerischen Betriebsdirektorin Mag. Brigitta Thelen und dem gesamten Ensemble wurde im Anschluss an die Show auf der Bühne auf diesen erfreulichen Anlass angestoßen.

Wieder hab ich keinen Überblick, seit wann die künstlerische Betriebsdirektorin an der Seite von Herrn Drozda den Medien so deutlich präsentiert wird. Ich schätze fast, sie ist die präsumtive interimistische Nachfolgerin Kathi Zechners als jene weibliche Führungskraft, die die Rolle der Leading Lady des Hauses, aber ebenfalls ohne Kompetenzen, derzeit innehat.

Das alles sind keine beabsichtigten Sottisen, man fragt sich halt. Aber wie auch immer, freuen wir uns auf die 666. Vorstellung. Und bitte, o Herr, lass es an diesem Tag keine Schlangen oder andere biblische Symbole regnen. Amen!

Rolf Kutschera (1916-2012)

Rolf Kutschera, geboren 1916 in Wien, prägte das Musicalgenre in Wien nachhaltig. Der Pianist, Textautor, Komponist für Kabarett und von Chansons, Schauspieler und Regisseur übernahm 1965 das herabgewirtschaftete Theater an der Wien, etablierte das Musical als Genre in Wien, revolutionierte hier auf seine Weise den Spielbetrieb und leitete es bis 1982.

2010 erschien »Glück gehabt – Meine Erinnerungen«, die Autobiographie des Musicalmachers. In den 32 Kapiteln des Musicalteils seines Buches spannt Kutschera den Bogen vom 21. Dezember 1965, der Premiere von »Wie man was wird im Leben, ohne sich anzustrengen«, bis zum 8. Dezember 1981, der Premiere von »Jesus Christ Superstar«. Kutschera über das Ende »seiner« Musicalzeit:

‘Jesus Christ Superstar‘ war das erste Musical in meiner Direktionszeit, wo alle Schauspieler mit Mikroports und Verstärkern sangen. […] Mit ‚Jesus Christ Superstar‘ und den weiteren Werken von Andrew Lloyd Webber begann die Zeit des elektronischen Musicals, wodurch sich ein vollkommen neuer Darstellungs- und Gesangsstil entwickelte. Meine Zeit des Musicals mit direktem Spiel und Gesang der Schauspieler, ohne elektronische Tonverstärkung, war vorbei.

Marcel Prawy schrieb über Kutschera:

Du aber hast den Augen Wiens die Welt erschlossen. Man sah amerikanische Spitzenwerke und erfuhr, dass es britische, französische, italienische Musicals gibt. Du hast österreichische wie »Helden« erschaffen, deine Besetzungen waren eine unwiederholbare Starparade – deine Produktionen für Wien, deine Änderungen haben »Gigi”, in den USA ein Durchfall, zum Triumph geführt, neu erschaffene Inszenierungen.
Ich durfte einmal unter dir arbeiten – bei der Robert Stolz Revue hier und am Berliner Theater des Westens, da habe ich deine hervorstechendste private Eigenschaft kennen gelernt: deine »Zärtlichkeit«. Mit Zärtlichkeit hast du deinen Hund Petzi über den Naschmarkt geführt – und es lag geradezu »Zärtlichkeit« in deiner grausamen Brutalität, wenn du Dinge, die dir nicht gefielen, mit einem Fußtritt von der Bühne fegtest, der fast den unersetzlichen Direktor Häussler erzittern ließ.

Unter Kutschera erlebte man am Theater an der Wien Premieren von unter anderem folgenden Musicals:
Jesus Christ Superstar (8.12.1981)
Evita (16.1.1981)
Chicago (21.2.1979)
Mayflower (2.12.1977)
Das Glas Wasser oder Barock und Roll (20.2.1977)
Evviva Amico (19.11.1976)
Billy (19.2.1976)
Das Lächeln einer Sommernacht (14.2.1975)
Gigi (24.10.1974)
Pippin (10.2.1974)
Das Appartement (8.11.1973)
Kiss me, Kate (9.2.1973)
Helden, Helden (27.10.1972)
Pinkville (16.3.1972)
Sorbas (28.1.1971)
Cabaret (14.11.1970)
My Fair Lady (18.11.1969)
Anatevka (15.2.1969)
Hello Dolly! (10.9.1968)
Can-Can (2.3.1968)
Der Mann von La Mancha (4.1.1968)
Polterabend (1.3.1967)
Der König und ich (20.12.1966)
Heimweh nach St. Pauli (29.9.1966)
Irma La Douce (9.3.1966)
Wie man was wird im Leben, ohne sich anzustrengen (21.12.1965)

Michael Heltau über Rolf Kutschera:

Kutscheras Spielplan, seine Besetzungen, wurzelten im Wiener Theater. (…) Marika Rökk, Zarah Leander, Susanne von Almassy, Vilma Degischer, Blanche Aubry, Irmgard Seefried (…) Johannes Heesters, Josef Meinrad, Fritz Muliar, Harald Juhnke.
Wenn Rolf Kutschera für die Produktionen seiner Ära, die, soweit ich mich erinnere, immer Erstaufführungen, Uraufführungen für das Theater an der Wien waren, diese hochkarätigen Namen gewinnen konnte, dann war seine Absicht ganz klar, sich den glanzvollen Zeiten des Theaters an der Wien vergangener Jahrzehnte verpflichtet zu fühlen und ebenso den besten Vorstellungen, den Maßstäben des Burgtheaters, der Volksoper, des Theaters in der Josefstadt, des Volkstheaters. So war das Theater an der Wien nicht nur dieses berühmte Haus, das glücklicherweise in Wien steht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein Wiener Theater.

Links
- orf.at: Rolf Kutschera verstorben
- Der Standard: Theatermacher Rolf Kutschera gestorben
- Live-PR: Trauer um Rolf Kutschera bei VEREINIGTE BÜHNEN WIEN
- APA: Trauer um Rolf Kutschera bei VEREINIGTE BÜHNEN WIEN
- Kurier: Begründer der Wiener Musical-Ära ist tot
- relevant.at: Theatermacher Rolf Kutschera gestorben
- news.at: Theatermacher tot
- diepresse.com: Theater an der Wien: Rolf Kutschera gestorben
- Salzburger Nachrichten: Theatermacher Rolf Kutschera gestorben
- Die Presse: Nachruf: Rolf Kutschera, Musical-Pionier

profil/VBW: Die Brauner-Connection und die Intendanten-Juxwahl

In einem Artikel in der neuesten Ausgabe des Magazins »profil« (siehe –> hier) bringt Redakteurin Karin Cerny einige interessante Informationen zum Thema »Vereinigte Bühnen Wien« ans Tageslicht, so schildert sie etwa, wie, ihren Recherchen zufolge, die Wahl Kathrin Zechners zur Intendantin 2004 über die Verbindung SPÖ – Renate Brauner – Michael Häupl erfolgt sein soll. Und ebenfalls, wie sich ihr Abgang, der, so Cerny, »nicht freiwillig« erfolgte, abgespielt hat.
Details gibt es auch über die Bewerber für den Posten, für den Kathrin Zechner zuletzt ein Jahresgehalt von »250.000 Euro (exklusive Prämien)« bezogen hat. profil:

»Insider sagen dem heimischen Entertainer Alfons Haider aufgrund fehlender internationaler Kontakte wenig Chancen auf den Job nach. Auch Schauspielerin Marika Lichter, ebenfalls mit Renate Brauner befreundet, oder Musicalstar Uwe Kröger, die sich beworben haben, werden nicht als Favoriten gehandelt. Unter den internationalen Bewerbungen sei, wie man hört, vor allem eine Alternative problematisch: jemand, der mit dem deutschen Unterhaltungsindustrie-Giganten Stage Entertainment eng verbunden wäre. Der Hamburger Konzern dominiert schon jetzt den deutschsprachigen Markt – ein verstärkter Einfluss auf Wien wäre für die Unabhängigkeit der VBW gefährlich.«

Aber es wäre nicht Wien, würde es sich bei dieser Wahl nicht ohnedies, zumindest theoretisch, um eine reine Juxwahl handeln, eine Wahl, die man halt ausschreiben muss, weil uns nix erspart bleibt, aber machen tun wir doch eh, was mir wolln, oder?

profil: Kulturstadtrat Mailath-Pokorny meinte jüngst in dem Wochenmagazin NEWS, dass der neue Musical-Chef nicht aus der Liste der Bewerber kommen müsste.
Drozda: Tatsächlich ist es formal richtig, dass wir uns auch für jemanden entscheiden könnten, der sich formal nicht beworben hat. Es wäre nur ein seltsamer Vorgang und würde alle desavouieren, die das Prozedere ernst genommen und seitenlange interessante Konzepte erarbeitet haben, wenn man jemand anderen suchen würde.

Viele Worte, dabei wäre doch die Antwort so einfach: »Nein, das wird definitiv nicht der Fall sein.« Oder?

Obwohl, der neue Intendant wird de facto ohnedies nicht viel mehr entscheiden können. Man hat ja Zeit. Drozda:

Ich gehe davon aus, dass im Februar eine Entscheidung fällt. Wir stehen zwar nicht unter Druck, weil wir intern so gut aufgestellt sind, dass wir einstweilen auch ohne Intendanz auskommen könnten. Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Entscheidungen, bei denen ich die neue Leitung einbinden möchte. Es soll ja nicht so sein, dass jemand kommt und vor vollendeten Tatsachen steht. Und die Programmierung der nächsten zwei, drei Jahre womöglich gar nicht mehr beeinflussen könnte.

Link
- profil: Tanz der Mormonen

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