Archiv - Theater
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 10:54 · gespeichert in Musical, Theater, Event-Tipps
Marjan Shaki wird im Dezember 2007 mit den Proben für Maury Yestons “Phantom” beginnen. Als Mutter des Phantoms wird sie im Januar 2008 Premiere haben - in Japan. Die Show wird in japanischer Sprache mit einem japanischen Ensemble gespielt und durch Osaka, Nagoya und Tokio touren. [Story]
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 01:43 · gespeichert in Theater
1997 schrieb der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Patrick Marber das Theaterstück “closer”, das seit seiner Uraufführung am Royal National Theatre für heftige Diskussionen sorgt. So war in einer Rezension der “taz” anlässlich der deutschen Produktion von “Hautnah” anno 2000 im Oldenburgischen Staatstheater unter dem Titel “Wie das Lotterleben so spielt - sie fickten und sie schlugen sich” Folgendes zu lesen:
Männer lassen die Hosen runter, Frauen brechen durch eine riesige Leinwandvagina auf die Bühne. So hinterrücks defloriert prangen die gespreizten Schamlippen dem Oldenburger Publikum direkt ins Gesicht. Die Premiere von Patrick Marbers “Hautnah” löste unter der Regie von Urs Odermatt den Titel des Stückes ein und trennte dadurch nach der Pause im Oldenburgischen Staatstheater zartbesaitetere TheatergängerInnen von den aufgeschlosseneren. Die bildeten dann aber eine klare Mehrheit und quittierten die Inszenierung mit viel Beifall.
2004 kam eine Verfilmung des Stoffes in die Kinos, die ganz offensichtlich weit weniger unzüchtig angelegt war, dafür aber mit hübschen Darstellerinnen und Darstellern (Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen) sowie einem süffigen Soundtrack aufzuwarten hatte.
2007 feiert “closer” seine Wien-Premiere am Ensembletheater, einer kleinen, ambitionierten Wiener Bühne, die praktisch immer sehenswerte Produktionen bietet. Als Gastspiel des vienna theatre project geht die Premiere von “closer” (in englischer Sprache) am 7. Mai 2007 über die Bühne. Im Pressetext zur Produktion wird der Stil des Stücks von Marber wie folgt skizziert:
“Marber schreibt in “sound bites” … seine Sprache würde Uwe Kröger erröten lassen. Eines sollten Sie wissen: das ist kein viktorianisches Salondrama, das ist das Spiel zweier Paare – jede/r von ihnen ist in jemand anderen verliebt und fühlt sich gleichzeitig auch zum anderen des anderen hingezogen.
Nun, was “closer” auch nur im Ansatz mit Uwe Kröger zu tun hat, werden wir vermutlich nie erfahren, aber das macht nichts. Worum es in “closer” geht, kann man auch ohne Musicalbezug formulieren (denn mit Musical und Musicaldarstellern hat dieses Stück sowas von nichts zu tun):
Es beginnt in der Notaufnahme eines Krankenhauses, wohin Dan Alice brachte, nachdem er beobachtet hatte, wie sie auf der Blackfriars Bridge niedergefahren worden war. Dan schreibt Nachrufe, und sieht sich als zukünftiger Schriftsteller, der gerade auf der Suche nach einem passenden Thema ist. Alice ist eine junge, hübsche Stripperin, hinter deren verwundbarem Auftreten ein eherner emotionaler Absolutismus verborgen liegt. Dan zieht bei Alice ein, schreibt ein Buch über sie – und verfällt dann ganz der Photographin Anna, die für ihn Photos für die Werbekampagne seines Buches schießen soll.
Als er sich daraufhin im Internet als eine sexbesessene Phantasie-Anna ausgibt, steuert er sie unbeabsichtigt in eine Beziehung mit Larry, einem etwas ungehobelten, aber herzlichen Arzt – der rein zufällig Alice in der ersten Szene behandelt hatte.
So beginnt eine mitreißende und oft wilde Quadrille von Liebe und Betrug. Was Marbers Stück so besonders macht, ist seine schonungslose Darstellung der Brutalität von Beziehungen. Sexueller Neid und Eifersucht zeigen hier offen ihr hässliches Gesicht. Hilflos verfängt sich Larry in Grausamkeit und Selbsterniedrigung, als er zurückgewiesen wird. Dan und Anna werden als feige Lügner entlarvt. Nur Alice bleibt bis zum Ende ehrlich, wofür sie bezahlen muss. Marber deutet an manchen Stellen an, dass die fehlende Treue seiner Charaktere Ausdruck eines in der Gesellschaft unausweichlichen Kompromisses sei. Das wirkt doch sehr pessimistisch, aber »closer« ist nur selten so düster. Das Stück ist gespickt mit trockenem Humor und wahnwitzigen Verwicklungen.
»Closer«
von Patrick Marber
Ensemble Theater, Petersplatz 1, 1010 Wien
7. bis 19. Mai 2007 - Vorstellungsbeginn: 19.45 h.
Premiere: 7. Mai 2007, Spielfreie Tage: 13. und 14. Mai
Kreativteam
Prdn. Mgr: Alina Cibea
Lighting Design: Wolfram Zoettl
Photography: Ine Gundersveen
Asst. to the Director: Nina Kusche
Front of House Mgr: Sharron Aubrey
Lighting Technician: Ensemble Theater
Stage Manager: Pamela Schermann
PR, Sponsorship: Joanna Seidl, Sarah Hayes, Mariyana Radeva, Natalie Cantini
Teacher Material: Juliet Najjar
Teacher Liaison: Natalie Cantini
Cast
Michael Smulik (Dan)
Howard Nightingall (Larry)
Katharina Sporrer (Alice)
Heike Brunner (Anna)
Tickets ticket@viennatheatreproject.at
Martin Bruny am Freitag, den
6. April 2007 um 12:19 · gespeichert in Theater, Fotos

Na klar wird das ein Erfolg, kann man jetzt im Nachhinein sagen, angesichts all der ausverkauften Vorstellungen der Wiener Volksopern-Produktion “Tanzhommage an Queen” - und praktisch durchgehend positiven Kritiken nach der Premiere am 4. März 2007. Klar kann man mit Songs von Queen nur erfolgreich sein. Aber eine ganz so sichere Sache war es nun nicht wirklich. Die Musik von Queen ist zwar “in” wie nie - es gibt Musicalshows mit Queen-Songs, es gibt Events, bei denen ein Konzert der Gruppe auf riesigen Leinwänden in großen Konzerthallen gezeigt wird, durch die Planetarien der Welt tingelt eine Queen-Lasershow und und und - würde man aber all diese “Bearbeitungen” der Rockopernsongs von Queen besuchen, man wäre wohl vermutlich bald übersättigt - und auch von der extrem unterschiedlichen Qualität dieser Shows enttäuscht.
Was die Wiener Volksoper mit “Tanzhommage an Queen” bietet, zählt von der Idee und Umsetzung her sicher zu den Highlights all der von Queen inspirierten Performances.
Schon vor der Show merkt man, dass man es nicht mit dem, sagen wir mal “normalen” Volksopernpublikum zu tun hat. Das durchschnittliche Alter ist deutlich niederiger, ganz junge Kids stürmen geradezu die Shows und beleben das ganze Theater. Zu Beginn der Tanzhommage herrscht noch ein wenig Unsicherheit, so als würden sich manche fragen: Dürfen wir klatschen? Geht Szenenapplaus? Mit der zunehmend an Fahrt gewinnenden Vorstellung gehen diese Bendenken aber verloren. Szenenapplaus sowieso nach jedem Song, im zweiten Akt wird mitgeklatscht, was das Zeug hält.
Die nicht gar so beeindruckende Tonqualität der hausinternen Soundanlage stört im Laufe des Abends immer weniger, dafür sorgen die hervorragende Lichtregie und das einfallsreiche Set- und Videodesign von Dimitrij Simkin. Freddie Mercury ist praktisch die ganze Show über mehrfach auf der Bühne: durch seine Songs, als Projektion auf Leinwänden, als riesiges Abbild auf einem beweglichen Podest und verkörpert durch Darsteller. Eine weitere Dimension gewinnt das Spiel mit Queen durch die Variation mit Maßstäben. Mal zoomt man meterhoch in das auf Leinwände projizierte enthusiasmierte Gesicht von Mercury, mal liegt “er” überlebensgroß als Teil des Setdesign auf der Bühne, und die Darsteller tanzen auf seinen zur Landschaft geformten Knien.

Wenn dann am Beginn des zweiten Akts das Kinderballett zum Ballett der Wiener Volksoper und Staatsoper dazukommt, haben wir auch noch das dutzendfach personifizierte leibhaftige Kindchenschema auf der Bühne, und ab da ist auch das Publikum nicht mehr zu halten. Massenszenen auf der Bühne werden von der begeisterten Zuschauermasse gefeiert. Ist der eine oder andere am Anfang der Show vielleicht einen Moment lang enttäuscht, etwa weil bei der ersten Nummer “We Will Rock You” ein Tänzer tatsächlich selbst singt, und das nun nicht gerade wie Freddie Mercury, entwickelt die Show mit zunehmender Dauer auf so vielen Ebenen eine rasante Dynamik, dass man gar keine Zeit hat, um das, was man erlebt, zu hinterfragen. Man taucht einfach ein.
“Tanzhommage an Queen” ist in vieler Hinsicht eine Weiterentwicklung von Ideen, die in den Videos von “Queen” aufgetaucht sind, beispielsweise in den Szenen zu “Bicycle Race” oder “I want to break free”. Ganz ausgezeichnet sind aber jene Umsetzungen, die zwar auf der (Video-)Ästhetik Queens aufbauen, dann aber doch einen Crossover in eine völlig eigenständige tänzerische Gestaltung schlagen. Das gelingt beispielsweise mit “The Invisible Man” ganz hervorragend.
Star des Abends und der Sequenz “The Invisible Man” ist Daniil Simkin, in Ballettkreisen schon lange als “Wunderkind” gefeiert. Geboren 1987 in Nowosibirsk, hat er schon früh in Wien Wettbewerbe gewonnen und mit seinen nie endenwollenden Pirouetten und leichten Sprüngen sein Publikum begeistert. Seit vergangenen September ist er am Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper engagaiert. Bei der Produktion “Tanzhommage an Queen” ist es seinem Genie zu verdanken, dass dieser Abend für Momente ins Magische abhebt, wenn Tanzszenen von ihm auf die Bühne gezaubert werden, die man sonst nur von einer gefilmten Szene, reichlich nachbearbeitet mit Tricktechnik und ausgeklügelter Schnitttechnik, erwarten würde.
Gregor Hatala, Erster Solotänzer der Wiener Staatsoper, Mihail Sosnovschi, Halbsolist der Wiener Staatsoper, überzeugen vor allem in ihrer gemeinsamen Szene “Who Wants To Live Forever”.

Etwas viel Besseres kann man eigentlich nicht über eine Show sagen, als dass man während dieser kurzen Zeit, die viel zu schnell vergeht, alles andere um sich herum vergisst und am Ende bedauert, dass der Kartenschalter schon geschlossen ist und man die Tickets für die nächste Vorstellung erst frühestens am nächsten Tag kaufen kann. Die weiteren Vorstellungstermine: 11. April 2007, 20. Mai 2007, 14. Juni 2007.
Songs (Besetzung vom 13. März 2007):
God Save The Queen
Death On Two Legs
We Will Rock You (Patrick Hullmann, Ensemble)
Don’t Stop Me Now (Gregor Hatala, Ensemble)
Live At Wembley (Patrick Hullmann)
A Kind Of Magic (Patrick Hullmann, Karina Sarkissova, Dagmar Kronberger)
Crazy Little Thing Called Love (Emilia Baranowicz, Samuel Colombet, Andrà¡s Lukà¡cs, Ensemble)
My Melancholy Blues (Samuel Colombet, Emilia Baranowicz, Florian Hurler, Ensemble)
Love Of My life (Irina Tsymbal, Mihail Sosnovschi)
It’s A Hard Life (Mihail Sosnovschi, Ensemble)
Don’t Try So Hard (Daniil Simkin, Andrà¡s Lukà¡cs)
I Want To Break Free (Una Tubocic Vladimir Snizek)
You Take My Breath Away
Dear Friends (Mihail Sosnovschi)
Bohemian Rhapsody (Mihail Sosnovschi, Gregor Hatala, Karina Sarkissova, Ensemble)
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Innuendo
We Will Rock You (Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper)
Tie Your Mother Down
Lazing On A Sunday Afternoon (Vladimir Snizek)
Seaside Rendezvous (Vladimir Snizek, Ensemble)
Radio Ga Ga (Ensemble und Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper)
Killer Queen (Dagmar Kronberger, Andrà¡s Lukà¡cs)
Fat Bottomed Girls (Karina Sarkissova, Andrà¡s Lukà¡cs)
Bicycle Race (Ensemble und Studierende der Ballettschule der wiener Staatsoper)
The Invisible Man (Daniil Simkin)
Another One Bites The Dust (Daniil Simkin, Dagmar Kronberger, Ensemble)
In The Lap Of The Gods
Save me (Gregor Hatala, Mihail Sosnovschi)
Who Wants To Live Forever (Gregor Hatala, Mihail Sosnovschi)
Bijou
The Show Must Go On (Ensemble)
We Are The Champions (Ensemble)
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Choreographie, Inszenierung, Konzept, Kostüme: Ben van Cauwenbergh
Musik: Queen
Bühne, Konzept, Videoprojektion: Dimitrij Simkin
Licht: Thomas Märker, Manfred Straube
Choreographie des Kinderballetts: Nadia Deferm
Einstudierung: Ben van Cauwenbergh, Tom van Cauwenbergh; Michael Kropf (Kinderballett)
Es tanzen: das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper sowie Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper
Choreographische Assistenz und Abendspielleitung: Michael Kropf, Lukas Gaudernak, Ivan Jakus, Vesna Orlic
Regieassistenz und abendspielleitung: Rudolf Klaban
Inspizienz: Franziska Blauensteiner
Kinderbetreuung: Brigitte Lehr
Technische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Tontechnik, Videotechnik: Martin Lukesch, Wolfgang Vrbicky
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Stephanie Bäuerle
Dekorations- und Kostümwerkstätten der Theaterservice GMBH: Paul Zündel, Annette Beaufays
Premiere: 4. März
Martin Bruny am Freitag, den
30. März 2007 um 13:44 · gespeichert in Musical, Wien, Theater
Die österreichische Theaterzeitschrift “Bühne” bringt in Ihrer aktuellen Ausgabe ein Interview mit Musicaldarsteller Rasmus Borkowski, der von 6. bis 9. April 2007 im Wiener Raimund Theater als “Jesus” in Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” zu sehen sein wird. In diesem Interview wird unter anderem Borkowskis Einstellung zum Musicalbetrieb in Wien behandelt. Borkowski:
Es gibt Musicaldarsteller, die sich danach sehnen, irgendwann am Broadway aufzutreten. Ich möchte wieder nach Wien. Ich bin hier mit großartigen Schauspielern, Regisseuren, Produzenten in Kontakt gekommen, die sehr stark an junge Leute glauben. In Wien funktioniert das Musical nicht nur kommerziell, sondern auch künstlerisch. Man wird respektiert, auch von den Leuten aus dem Sprechtheater, und lernt ohne Ende. (…) Ich spiele [derzeit] erstmals in einer großen kommerziellen Produktion in Deutschland, und es ist toll: Aber es ist einfach etwas anderes, wenn du in einem Theater spielst, das eine Geschichte hat - oder in einem Gebäude auftrittst, das nur für diese Musicalproduktion erbaut wurde. Man bekommt eine ganz andere Energie.
Auch über seinen ersten Besuch in einem traditionellen Wiener Kaffeehaus weiß Borkowski eine nette Geschichte zu erzählen:
Ich bin ja sehr unvoreingenommen nach Wien gekommen. Mittlerweile kenne ich die Regeln, ich kenne auch den Wiener Schmäh. Als ich das erste Mal in Wien war, bin ich ins Cafà© gegangen und habe einen Kaffee bestellt. Wie man das in Deutschland so macht: mit Betonung auf dem a. Der Kellner hat sich einfach umgedreht und ist gegangen.
Das ganze Interview ist in der April-Ausgabe der Zeitschift “Bühne” (Seite 42f.) nachzulesen.
Martin Bruny am Mittwoch, den
28. März 2007 um 22:05 · gespeichert in Musical, Wien, Theater
Mehr als 20 Jahre ist es her, da begann in Wien ein Musicalboom sondergleichen. Es gab Zeiten, da standen dem Musical in Wien drei Bühnen zur Verfügung: das Theater an der Wien, das Ronacher und das Raimund Theater. Im Theater an der Wien regiert seit mehr als einem Jahr Schließtagskaiser Roland Geyer. Da gibt es zwar neben dem ursprünglich konzipierten Programm seit einiger Zeit auch Kabarett-Abende, aber natürlich kein Musical. Das Ronacher sollte umgebaut werden. Genau genommen wird es auch umgebaut, aber immer wieder werden die Realisierungsziele sozusagen neu fokussiert. Eine Eröffnung um Herbst 2007 war vor langer Zeit geplant, dann wurde ein Saisonstart im Februar 2008 angesteuert. Nun scheint es neue Verzögerungen zu geben, das meldet der Standard in seiner Online-Ausgabe vom 28. März. Mittlerweile scheint eine Eröffnung des Ronacher-Umbaus erst im Juni 2008 möglich zu sein beziehungsweise im Sommer 2008. Gleichzeitig wurden die Umbaupläne auf eine Sparvariante downgegradet: kein aufklappbares Dach mehr, weniger Räume im Bereich des Kellers.
Martin Bruny am Dienstag, den
6. März 2007 um 14:57 · gespeichert in Theater
Mitten in Wien, im 3. Bezirk, befindet sich das Arsenal, ein ehemaliger militärischer Gebäudekomplex, der aus Anlass der Märzrevolution 1848 von 1849 bis 1856 erbaut wurde und in dem heute unter anderem das Heeresgeschichtliche Museum, ein nicht öffentlich zugänglicher 155 Meter hoher Funkturm der Telekom, Dekorationswerkstätten der Bundestheater, eine Probebühne des Burgtheaters oder beispielsweise auch das Fernmeldezentralamt untergebracht sind.
Im Arsenal befand sich lange Jahre auch ein Forschungszentrum, das so genannte “Österreichische Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal”, das mittlerweile “arsenal research” heißt und nach Floridsdorf übersiedelt ist. Was also machen mit einem leerstehenden Forschungszentrum? Warum nicht einfach ein anderes Zentrum, eines, das der Unterhaltung dient? Gesagt, getan: “Arsenal 221″ war geboren. In einem mehrmonatigen Prozess wurde das Gebäude mit seinen drei riesigen Hallen (die insgesamt eine überdachte Fläche von mehr als 7.000m² bieten) in eine exklusive Veranstaltungslocation umgebaut.
Das “Arsenal 221″ bietet drei Veranstaltungshallen mit recht ungewöhnlichen Bzeichnungen:
1) Hochspannungshalle
Länge: 80 Meter/Breite: 20 Meter/Gesamtfläche: 1600m²
2) Turbinenhalle
Länge: 28 Meter/Breite: 14 Meter/Gesamtfläche: 392m²
3) Audimax
Länge: 15 Meter/Breite: 15 Meter/Gesamtfläche: 225m²
Das Bespielungskonzept reicht derzeit von Alexander Goebel bis zu “Kuddelmuddel und Gesprudel”, ein Konzert für Kinder mit Bernhard Fibich.
Martin Bruny am Sonntag, den
28. Januar 2007 um 16:19 · gespeichert in Musical, Theater, Skurriles
Roland Geyer, der Intendant der Oper im Theater an der Wien, muss lustig drauf gewesen sein, als er den Journalisten der Kronen Zeitung folgenden Satz ins Mikrofon diktierte:
“Wir bekommen 21,5 Millionen Euro, die Volksoper hingegen 33 Millionen Euro. Da müssen wir verhandeln.” [Kronen Zeitung, 28. Januar 2007, S. 34]
Na, das denke ich auch. Die Volksoper, das sollte man nicht vergessen, hat nicht 100, 200 oder sogar mehr Schließtage pro Jahr, so wie das Theater an der Wien in seiner post-Musical-Ära. Das sollte man bei Subventionen durchaus berücksichtigen und diese für die Oper im Theater an der Wien eventuell auf 5 bis 10 Millionen Euro zurückdrehen.
Martin Bruny am Montag, den
8. Januar 2007 um 13:09 · gespeichert in Theater, Skurriles
… und zwar sowohl über die Form als auch über den Inhalt.
“Die mehrjährige Dauer des Wiener Theaterreform-Prozesses mit all seinen Höhen und Tiefen macht deutlich, daß das Reformieren an sich ein zutiefst performativer Akt ist, der moderne theatrale Produktionsprozesse unter postmodernen Bedingungen neu gestaltet. Die Konsequenz dieser Theaterreform positioniert Wien im europäischen Städtvergleich - weit vor Berlin und Zürich mit ihren Reformationsmodellen - als Ort progressiver Umsetzung zeitgenössischen Theaterdiskurses.”
[Pressemeldung]
Martin Bruny am Freitag, den
29. Dezember 2006 um 13:47 · gespeichert in Listen, Theater
Andrew Lloyd Webber hat es an die Spitze einer Auflistung der einflussreichsten Theatermacher Englands geschafft. Das Fachmagazin “The Stage” reihte ihn ex aequo mit David Ian, den Erstplatzierten des Vorjahres, 2006 an die Spitze der Charts. 2006 haben Ian und Webber gemeinsam die umstrittene, aber sehr erfolgreiche Castingshow “How Do You Solve A Problem Like Maria?” produziert. 2007 wird es zwischen den beiden wohl einen offenen Kampf um die wahre Nummer 1 geben, denn Lloyd Webber geht auf BBC mit “Any Dream Will Do” an den Start und sucht für sein Frühwerk einen passenden Joseph; Ian dagegen sucht auf ITV mit der TV-Sendung “You’re The One That I Want!” Hauptrollenbesetzungen für das unverwüstliche Musical “Grease”.
Die Top 20
1= ANDREW LLOYD WEBBER
1= DAVID IAN
3 CAMERON MACKINTOSH
4 HOWARD PANTER AND ROSEMARY SQUIRE
5 NICA BURNS/MAX WEITZENHOFFER
6 MICHAEL BOYD
7 NICHOLAS HYTNER
8 JUDE KELLY
9 BILL KENWRIGHT
10 MICHAEL GRANDAGE
11 SONIA FRIEDMAN
12 HAROLD PINTER
13 JON CONWAY/ NICK THOMAS OF QDOS
14 KEVIN SPACEY/SALLY GREENE OF THE OLD VIC
15 DAVID LAN
16 GRAHAM SHEFFIELD
17 VICKY FEATHERSTONE/JOHN TIFFANY
18 JONATHAN CHURCH
19 RUFUS NORRIS
20 DOMINIC COOKE
Weitere wichtige Theatermacher
Producers
Bob Boyett/Bill Haber (Spamalot), Matt Byam Shaw/Nick Salmon (A Voyage Around My Father), Judy Craymer (Mamma Mia!), Mark Goucher (Footloose), Thelma Holt (The Crucible), Richard Jordan (Lunch with the Hamiltons), Phil McIntyre (We Will Rock You), David Pugh (Rebecca), Thomas Schumacher (The Lion King), Bill Taylor (Blue Man Group), Arielle Tepper Madover (Donmar Warehouse Transfers), Kevin Wood (First Family Entertainment)
Dance
Matthew Bourne (Edward Scissorhands), Javier de Frutos (Cabaret), Akram Khan für seine Arbeit mit Sylvie Guillem
Literary
Alan Ayckbourn (If I Were You), Alan Bennett (The History Boys), Caryl Churchill (Drunk Enough to Say I Love You), David Eldridge (Market Boy), David Harrower (Blackbird), Terry Johnson (Piano/Forte), Peter Morgan (Frost/Nixon), Patrick Marber (Don Juan in Soho), Mark Ravenhill (Dick Whittington), Tom Stoppard (Rock’n'Roll)
Performer
Simon Russell Beale (Life of Galileo), Richard Griffiths (The History Boys)
Judi Dench (Hay Fever), Connie Fisher (The Sound of Music), Derek Jacobi (A Voyage Around My Father), Idina Menzel (Wicked), Ian McKellen (The Cut), Elena Roger (Evita), Rufus Sewell (Rock’n'Roll), Michael Sheen (Frost/Nixon)
Design/Technical/Architects
Paule Constable (Cosi Fan Tutti), Bob Crowley (The History Boys), Chris Davey (The Merchant of Venice am Edinburgh Lyceum), David Farley (Sunday in the Park With George), Tim Foster (Trafalgar Studios), Rob Howell (Hedda Gabler), Eugene Lee (Wicked), Katrina Lindsay (Market Boy), Christopher Oram (Evita), Stephen Tomkins (The Young Vic Redesign)
Regional/Subsidised
Michael Attenborough at the Almeida, Ian Brown at the West Yorkshire Playhouse, Anthony Clark at the Hampstead Theatre, Giles Croft at the Nottingham Playhouse, Dominic Dromgoole at the Globe, David Farr at the Hammersmith Lyric, Peter Hall (Amy’s View), Samuel West at Sheffield Theatres
Musicals
Elton John/Lee Hall (Billy Elliot), Stephen Schwartz (Wicked)
Martin Bruny am Dienstag, den
26. September 2006 um 18:30 · gespeichert in Theater, Pop, Fotos

Ein Doppelkonzert, das stand am Programm des Theaters am Spittelberg vor rund einer Woche, am 15. September 2006. Den ersten Teil des Abends gestalteten Anne-Marie Höller und Mario Berger mit ihrem Programm “Die 20 schönsten Lieder der Welt”, den zweiten Teil Tini Kainrath & Geri Schuller mit “A Tribute To Burt Bacharach”.
“Die 20 schönsten Lieder”, das hört sich an wie die gesammelten Schmachtfetzen der letzten 40 Jahre, tatsächlich jedoch war die Songauswahl eine ganz andere. Songs aus Frankreich, Spanien, Portugal, eine wahre Vielfalt an Musikstilen und Sprachen, das wurde in der ersten Stunde dieses kurzweiligen Abends geboten. Mario Berger gilt als einer der besten Gitarristen (zumindest) Österreichs. Es gibt kaum eine heimische Popgröße, die er nicht schon live oder im Studio begleitet hat. Er war mit Georg Danzer, Rainhard Fendrich, Mo, Joe Zawinul und vielen anderen auf Tour, komponierte für Sandra Pires, Marianne Mendt, Manuel Ortega, … Ihm zuzuhören ist immer wieder ein Vergnügen, im Duo mit Anne-Marie Höller gestaltete er ein relaxtes Konzert zwischen Soul und Jazz über Chansons und lateinamerikanische Musik bis hin zu klassischen Gitarrenstücken.

Zu hören unter anderem “Find my love” von Fairground Attraction, die Eigenkomposition “Take it easy”, eine Arie aus Mozarts “Zauberflöte”, gespielt von Mario Berger auf der Gitarre. Ein virtuoses Wohlfühlkonzert erster Güte, das die beiden hoffentlich bald wieder in Wien spielen werden.

Bei Tini Kainrath und Geri Schuller stand alles im Zeichen von Burt Bacharach, einem der erfolgreichsten Pop-Komponisten der USA, bekannt durch Welthits wie “Raindrops Keep Falling On My Head”. Kainrath und Schullers Performance muss man trennen in das, was man Moderation nennen könnte - und in die tatsächliche Performance.

Wenn man einen Abend über Burt Bacharach gestaltet, so könnte man normalerweise ja davon ausgehen, dass es sich um eine Art Hommage handelt. Das war an diesem Abend definitiv nicht der Fall. Die Interpretationen der größten Hits von Bacharach waren zwar vom Feinsten, die Moderationen allerdings nur zum Lachen, Weinen oder Ärgern, je nachdem, wie man drauf war.
Burt Bacharach, einen der größten Songschreiber aller Zeiten, als Schlagerkomponisten abzutun, ist schon etwas dreist, dann noch zu behaupten, keiner seiner Songs wäre in dem, was die Amerikaner als “The Great American Songbook” nennen, also die “Hall of Fame” der Songs der letzten, sagen wir 100 Jahre, ist schlichtweg falsch. Da kann man den beiden Künstlern nur das Buch “America’s Songs” von Philip Furia & Michael Lasser empfehlen, ein Standardwerk zum Thema “The Great American Songbook”, und selbstverständlich ist darin auch Burt Bacharach aufgenommen worden. Das Ärgerliche an diesem zweiten Teil des Konzerts war die Art und Weise, wie mit dem Publikum umgegangen wurde. Da wird von den Veranstaltern ein Konzert mit Liedern von Burt Bacharch angekündigt, und die erste Frage der Interpreten lautet: “Wer kennt denn Burt Bacharach überhaupt?” Dass auf eine solch doofe Frage niemand antwortet, ist klar. Weswegen war ich gleich nochmal auf diesem Konzert? Kenne ich eher Oscar-Preisträger Bacharach oder einen Geri Schuller? Nun, die Nichtreaktion des Publikums war natürlich eingeplant, denn das Motto des Abends schien zu lauten: “Burt Bacharach ist ein altbackener Schlagerkomponist, der in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Hits hatte, dann Pferde züchtete und gut ist.”
Normalerweise sollte man da eigentlich aufstehen und gehen, aber das war noch nicht alles. Nicht nur Burt Bacharach ist laut Kainrath & Schuller ein Spießer, auch beispielsweise Hal David war ein richtiger, also wirklich wirklich richtiger spießiger Geselle, der nur schlechte und frauenfeindliche Texte verbrochen hat. Jaja, gemeint ist Hal David, verantwortlich für die Texte von Welthits wie “Raindrops Keep Falling on my Head”, “This Guy?s in Love With You”, “I’ll Never Fall in Love Again”. Für “Raindrops” wurde David mit einem Oscar ausgezeichnet, Lieder wie “Don?t Make Me Over”, “Close to You” and Walk on By” wurden in die “Grammy Hall of Fame” aufgenommen. “What The World Needs Now” wurde noch 2004 von der “Songwriters Hall of Fame” als “The Towering Song” bezeichnet, mit folgender Begründung: “distinguished by its unforgettable melody and prayerful plain-spoken words that sound utterly contemporary today when conflict is so wide-spread around the world, even though it was written in 1965″.
Wenn man einen Abend über Bacharach gestaltet, so müsste man meiner Ansicht nach auch ein bißchen sicher sein, was seine Biographie betrifft, und nicht ständig Falsches in den Raum stellen. So wird zwar Carole Bayer Sager als “seine Frau” bezeichnet, ohne aber darauf Bezug zu nehmen, dass er zuerst einmal mit dem Kinostar Angie Dickinson verheiratet war. Was wäre das doch für eine treffende Überleitung zu Filmkompositionen Bacharachs gewesen, hat ihn doch Dickinson dazu gebracht, für Filme zu komponieren. Lustig auch die Bemerkung der beiden Künstler, Bacharach hätte sich nach seinem Hit “Arthur’s Theme” vom Komponieren abgewandt und der Pferdezucht zugewandt und das wars mit seiner Karriere. Woher haben die beiden diesen Schmonzes nur? Gerade in den 80ern nach “Arthur’s Theme” konnte Bacharach einige seiner größten Hits erzielen. Und Carole Bayer Sager, die Schuller & Kainrath den ganzen Abend mit so viel Begeisterung als die viel bessere Texterin lobten, nun mit ihr arbeitete er erst ab “Arthur’s Theme” zusammen, die beiden heirateten 1982.
Bacharach, so viel sei gesagt, ist nach wie vor kreativ tätig, Ende 2005 ist seine viel beachtete Solo-CD “At This Time” erschienen, auf der er mit aktuellen Trendsettern wie Rufus Wainwright zusammengearbeitet hat.
Fazit: Musikalisch war das Doppelkonzert vom Spittelberg ein Fest, was die Anmoderationen des zweiten Teilkonzerts betrifft, so sollte man das lieber vergessen und hoffen, dass dieses Event ein einmaliges bleibt. In den Raum gestellt wurde von Kainrath & Schuller die Idee, ein “Great Austrian Songbook” als Konzert zu veranstalten. Viel Spaß dabei, das dürfte ein kurzer Gig werden.

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