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Archiv - Rezensionen

stadtTheater Walfischgasse: “Mayas Musical Life”

Foto: Martin Bruny
Maya Hakvoorts drittes Soloprogramm (”Maya’s Musical Life”), das am 27. Februar 2009 im stadtTheater Walfischgasse Premiere feierte, sollte es werden, zu dem man nach “Maya Goes Solo” (2005) und “In My Life” (2008) endlich uneingeschränkt gratulieren kann. Und zwar gleich aus mehreren Gründen.

Erstens gibt sie mit der dritten Show ihren Fans das, was die ganz offensichtlich am liebsten haben: Musicalmelodien (”Elisabeth” inklusive) - nicht nur Hits, auch Rareres, gesungen in einer Art und Weise, die erkennen lässt, dass die Künstlerin Musicals tatsächlich auch singen will und ihren Job nicht nur als nervenden Brotberuf empfindet.

Tatsächlich ist es ja so, dass relativ wenige Musicaldarsteller Solokonzerte mit Musicalsongs bestücken. Oft hört man alles andere bei Soloausflügen, angefangen bei Jazz über Rock bis hin zu Metal. Was an und für sich eine tolle Sache ist, zeigt es doch die Bandbreite, die ein Sänger drauf hat, wären da nicht die üblichen Bashings, die bei solchen Gelegenheiten jene Shows abbekommen, mit denen man es zum Publikumsliebling geschafft hat. Da stellt sich dann mitunter die Frage, ob ausgerechnet Musicalfans für Soloexperimente das richtige Publikum sind, und so beginnt der eine oder andere Musicaldarsteller seine Karriere als Soloperformer in Häusern wie dem Theater an der Wien und endet im Akzent, Metropol oder im Cenario vor deutlich minimierter Schar. Bei Maya Hakvoort muss man sich da wohl keine Sorgen machen. Der 20 Jahre umfassende Rückblick auf ihre bisherige Karriere ist ein Hit und wird sein Publikum finden.

Foto: Martin Bruny

Maya Hakvoort bietet zwei Stunden Musicalmelodien aus all jenen Produktionen, in denen sie bis dato mitgespielt hat, angefangen bei der Tournee-Produktion “Jeans” bis zu “High Society”, einer Show, die sie 2008 ins Stadttheater Baden geführt hat. Einen kleinen Ausblick bietet Hakvoort auch auf das Jahr 2010 mit der von Herman van Veen (Text) gemeinsam mit Lori Spee (Musik) geschriebenen Nummer “A child of our own”. Der Song stammt aus dem Musical “The First Lady” und wird nächstes Jahr seine deutschsprachige Erstaufführung im stadtTheater Walfischgasse erleben. Maya Hakvoort wird dabei die Hauptrolle übernehmen und als Produzentin (gemeinsam mit Anita Amersfeld) fungieren. Wer sich für die Songs dieses Musicals interessiert: Im Webshop von Herman van Veen ist “The First Lady” (gesungen von Lori Spee) erhältlich.

Warum ist “Maya’s Musical Life” noch sehenswert? Erstmals lässt sich die Musicaldarstellerin auch von einem kleinen Ensemble unterstützen und bietet damit sechs jungen Musicalschülern der Konservatorium Wien Privatuniversität (Stefan Bleiberschnig, Thomas Dapoz, Sarah Laminger, Martina Lechner, Patrizia Leitsoni und Dustin Peters) die Gelegenheit zu einem öffentlichen Auftritt. Das nützen einige der sechs zu einer echten Talentprobe, anderen wird ihre Performance sicher dazu dienen, einiges feinzujustieren. Maya Hakvoort jedenfalls war die Freude deutlich anzusehen, mit ihren jungen Kollegen auf der Bühne zu stehen.

Foto: Martin Bruny

Äußerst unterhaltsam diesmal auch die Confà©rencen und Einleitungen zu den Songs, Schnurren aus dem Leben einer Musicalsängerin, Gschichtln über den Stress bei Proben und Tourneen, lustige Anekdoten von Erlebnissen im Theateralltag. Eine entspannter Musicalabend im stadtTheater. Sehr gelungen.

1. Akt
01) “Something’s coming” (Jeans, 1989)
02) “Am Ende vom Tag” (Les Misà¨rables, 1990) + Ensemble
03) “Ich hab geträumt” (Les Misà¨rables, 1990)
04) “Higher Ground” (Gaudi, 1993) feat. Stefan Bleiberschnig
05) “Inside looking out” (Gaudi, 1993)
06) “Too late” (Gaudi, 1993) feat. Thomas Dapoz
07) “Nichts ist schwer” (Elisabeth, 1994) feat. Dustin Peters
08) “Ich gehör nur mir” (Elisabeth, 1994)
09) “Ihr Männer” (Catharine, 1997)
10) “My child” (Blood Brothers, 1998) feat. Patrizia Leitsoni
11) “Alles, nur nicht einsam” (Aspects of love, 1999)

2. Akt
01) “Cellblock Tango” (Chicago, 1989) + Ensemble
02) “Flieder” (Die 3 Musketiere, 2000)
03) “Jeden Tag” (Die 3 Musketiere, 2000) feat. Martina Lechner
04) “I got the sun in the morning” (There’s no Business like Showbusiness, 2000) + Ensemble
05) “Da war einst ein Traum” (Jekyll & Hyde, 2001)
06) “Schafft die Männer ran” (Jekyll & Hyde, 2001) + Ensemble
07) “Mädchen der Nacht” (Jekyll & Hyde, 2001) feat. Sarah Laminger
08) “Walzer für Eva und Che” (Evita, 2006) feat. Stefan Bleiberschnig
09) “Ruf nicht nach mir Argentinien” (Evita, 2006)
10) “Unsere Liebe” (High Society, 2008) feat. Dustin Peters
11) “A child of our own” (The First Lady, 2010)
12) “Der Schleier fällt” (Elisabeth, 2007) feat. Thomas Dapoz
Zugaben:
13) “All that Jazz” (Chicago, 1989)
14) “In my Life” (John Lennon/Paul McCartney)

Ein paar Fotos mehr und größer –> hier

Weitere Termine von “Maya’s Musical Life”:
Dienstag, 31. März 2009, Beginn: 20 Uhr
stadtTheater walfischgasse, Walfischgasse 4, 1010 Wien
Kartenpreise: zwischen € 23,- und € 38,- (je nach Kategorie)
Tickets erhältlich unter Tel.: 01 / 512 42 00 und www.stadttheater.org

Donnerstag, 14. Mai 2009, Beginn: 20 Uhr
Gloria Theater, Prager Straße 9, 1210 Wien
Kartenpreise: zwischen € 28,- und € 38,- (je nach Kategorie)
Tickets erhältlich unter Tel.: 01 / 278 54 04 und www.gloriatheater.at

Frank Wildhorn: “Der Graf von Monte Christo” (CD)

Copyright: MG SOUND

Am 14. März 2009 geht in St. Gallen die Uraufführung eines neuen Musicals von Frank Wildhorn und Jack Murphy über die Bühne. “Der Graf von Monte Christo” heißt es und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas. Vorab veröffentlichte der Komponist gemeinsam mit der Wiener Plattenfirma Hitsquad/MGSound im Rahmen des neu in Wien gegründeten Labels MWB (Music Without Borders) eine Cast-CD. Genauer eine Pre-Cast-CD, denn wie “Der Graf von Monte Christo” tatsächlich einmal auf der Bühne klingen wird, kann man jetzt noch gar nicht sagen.

Eine Pre-Cast-CD hat Vor- und Nachteile. Zweifellos ist es ein Vorteil, sich die Interpreten unabhängig von der in ein paar Monaten startenden Bühnenfassung aussuchen zu können. Es spielt keine Rolle, ob man sie für die Show entweder nicht bekommen konnte oder gar nicht wollte. Wichtig ist, dass sie einen zugkräftigen Namen haben und dass man die Breitenwirkung eines Starensembles so plant, dass alle Publikumsschichten mit eingeschlossen werden - von der Oma, die in Alexander Goebel vernarrt ist, bis zum Fangirlie, das beim Anblick Jesper Tydens noch rot wird.

Das klingt nun alles, als wäre diese CD in erster Linie eine Geschäftsangelegenheit. Ist es natürlich nicht nur, aber selbst wenn, warum auch nicht, diese Punkte sind ein Faktor bei der Planung einer Cast- oder auch Pre-Cast-CD.

Mit einer Spielzeit von 42:22 Minuten ist es eine fast schon sparsame Auswahl aus einer Show, die sicher mehr als zwei Stunden dauern wird, aber das ist eben einer der Nachteile einer Pre-Cast-CD. Es sind nach den Working-Demos und den Demos die ersten Aufnahmen, die auch tatsächlich an eine breitere Öffentlichkeit gelangen. Vermutlich fehlen noch ein paar der wichtigsten Songs oder es werden noch einige weitere “Highlights” dazukomponiert. Das dürfte auch notwendig sein, denn der ganz große Knaller fehlt noch oder ist noch nicht so arrangiert, dass er als solcher erkennbar ist. Natürlich darf man nicht von jeder Wildhorn-Show eine bigger-than-life Ballade nach der anderen erwarten.

Ein weiterer Nachteil einer Pre-Cast-CD: Die Interpreten können sich nur schwer in ihre Rolle einarbeiten. Nicht nur, weil sie die Rolle noch nicht gespielt haben und vielleicht auch nie spielen werden, sondern weil es die Rollen genau genommen noch gar nicht gibt (von den zeitlichen Limitierungen mal ganz abgesehen. Studiozeit ist teuer). Keine Guideline vom Regisseur, kein Zusammenspiel mit den Kollegen, keine Auseinandersetzung mit einer noch gar nicht vorhandenen Schlussfassung der Partitur. Das scheint einigen Herren auf der vorliegenden CD Schwierigkeiten bereitet zu haben, wobei ich vor allem und insbesonders von Track 3 “A Story Told” spreche, auf dem Patrick Stanke, Mark Seibert und Mathias Edenborn zu hören sind und mit der englischen Sprache fighten. Das ist nett gesungen, aber neben Artikulationsproblemen ist es vor allem ein Umstand, der diesen Track kennzeichnet: Man erkennt die Stimmen der Herrschaften ja nicht einmal, wenn man nicht weiß, dass sie dieses Lied gesungen haben sollen. Mathias Edenborn kann seine Stimme in viele Richungen tunen, keine Frage, aber auf diesem Track hat er sie ins Nirwana der Unkenntlichkeit gedröselt. So haben wir zwar eine Nummer mit drei beliebten Darstellern, aber um welchen Preis?

Tracks wie “I Will Be There” wirken noch einigermaßen Demo-mäßig. Thomas Borchert haucht mehr als zu singen, setzt nicht hundertprozentig exakt ein, doch dann rettet Brandi Burkhardt den Song, da passt (logischerweise) die Artikulation, da merkt man einen gewissen Flow, da singt jemand, der sich an die Musik schmiegt, das ist dann wirklich sehr schön anzuhören. Es finden sich im Booklet der CD keine Angaben zum Orchester. Gerade bei diesem Track synthesizert es mächtig, würde man Musik mit Photoshop zeichnen, wäre mir das zu viel Weichzeichner. Man kann nicht einmal erkennen, ob da nun Streicher zu hören sind oder nur Synthetics. Borchert wabert anfangs recht weit vorne und sinkt dann in den Klangbrei ab.

Wildhorn hat auf “Monte Christo” scheinbar versucht, einen gewissen neuen Ton zu kreieren, die Frage ist, ob es einer ist, mit dem man sich anfreunden kann. Borchert bei “Every Day A Little Death” zuzuhören ist etwas anstrengend, er klingt mühsam vermollt, mit Burkhardt bekommt die Melodie einen Touch mehr Lebensfreude, aber da stimmt noch einiges nicht, um es als wirklich perfekte Nummer bezeichnen zu können.

Highlights der CD: “When The World Was Mine”, gesungen von Brandi Burkhardt, ein Wildhorn-Klassiker, zeitlos schön, wunderbar interpretiert. Und gleich darauf: “When We Were Kings”, gesungen von Alexander Goebel und Thomas Borchert. Gerade bei diesem Track zeigt sich die Qualität eines guten Musicaldarstellers: Alexander Goebel singt diese Nummer nicht nur einfach runter, er spielt sie, er interpretiert sie mit Nuancen, man sieht ihn geradezu in der Rolle des Abbà© Faria. Das erinnert mich an die letzte “Musical Christmas in Vienna”-Produktion vor zwei Jahren im Wiener Raimund Theater. Am Ende des ersten Teils der Show stand eine Gospel-Version von Händels “Hallelujah” (ein geniales und legendäres Arrangement von Quincy Jones) auf dem Programm. Auf der Bühne wurde schön brav gesungen, im Publikum saßen alle mit verschränkten Armen da - und dann kam Alexander Goebel: personifizierte Energie, reine Spielfreude. Lust am Performen, und sofort ging auch das Publikum mit, und aus fadem Chorgesang wurde eine funkensprühende Soulnummer, so wie sie immer konzipiert war. Und genau das macht den Unterschied zwischen einem Darsteller und einem Star aus. Sollte es ausmachen. Man hört fast, wie Goebel zu Borchert sagt: Komm schon Tommy, gib Gas.” Lieder kann man nicht einfach runtersingen, man muss auch spüren, dass sie interpretiert werden. Auf keinem anderen Track geht Borchert mehr aus sich raus, und kein anderes Lied ist derart emotionell wie dieses. Goebel singt nicht nur, er macht das, was Marika Lichter oft als Ausrede für völlig verpatzte Interpretationen ihrer Schützlinge zitiert: “Opfere einen guten Ton für eine gute Performance” Goebel opfert aber weniger, als dass er bestimmte Passagen einfach nicht auf schön singt, sondern sie mit Emotionsfüllern anreichert, und damit enorme Wirkung und Spannung erzeugt. Der beste Song des Albums.

“Pretty Lies”, gesungen von Pia Douwes, ist ein Lied, das in einschlägigen deutschsprachigen Foren gern als eine sehr an Sondheim erinnernde Nummer bezeichnet wird. Wie auch immer, der Song ist etwas entrückt, etwas sentimental, er hätte sich ein besseres Arrangement verdient.

Für eine Show, die, so sagt man, für Thomas Borchert geschrieben wurde, kommen die für ihn komponierten Songs nicht als wirklich als Showstopper daher. Die - verhältnismäßig - Big Ballads hat Brandi Burkhardt, Borchert scheitert bei dem Versuch, Spannung in die auf Spannung konzipierten Lieder wie “The Man I Used To Be” zu zaubern. Man merkt, wie er sich bemüht - und versagt, wie ein Boxer, der einen K. O.-Schlag vorbereitet und vorbereitet und vorbereitet — und dann ins Leere boxt. Man merkt, wie vieles von der Energie verpufft. Teilweise ist es auch die Abmischung, die ihm die Wirkung raubt. Aber es ist noch Zeit bis zur Premiere, das wird schon noch.

Anspieltipps
- “When the World was mine” (Track 6)
- “When we were kings” (Track 7)
- “All this time” (Track 12)

facts
titel: the count of monte cristo/Der Graf von Monte Christo
artist: Thomas Borchert – Brandi Burkhardt - Patrick Stanke - Mark Seibert - Mathias Edenborn - Jesper Tyden - Pia Douwes – Alexander Goebel
label: hitsquad records
ean: 9120006682916
catalogue: 668291
PC: MG 270
packaging: Digipack
release: 12. Dezember 2008
Arrangements: Koen Schoots
Orchestrierung: Kim Scharnberg

Performing Center Austria: XMAS 3 - Live im Wiener Akzent

Foto: Martin Bruny
Ein fixer Bestandteil der Weihnachtszeit in Wien ist seit (mittlerweile) vielen Jahren das alljährliche Weihnachtsmusical der Musicalschule, genauer: Tanz-, Gesangs- und Schauspielschule, Performing Center Austria. Junge Talente von 10 bis 19 Jahren erarbeiten, beginnend im Sommer (und noch früher), viele Monate lang Jahr für Jahr eine neue Show rund um das Thema Weihnacht und präsentieren diese dann in den letzten drei Dezemberwochen im Theater Akzent vor praktisch immer restlos ausverkauftem Haus. So auch dieses Jahr, als am 11. Dezember 2008 “XMAS 3″ Premiere feierte.
Foto: Martin Bruny
Die Kids stehen auf der Bühne und erleben eine Weihnachtszeit lang, wie es ist, Showstar zu sein. Nicht alle werden später den Beruf des Darstellers ergreifen, aber das ist auch nicht das primäre Ziel. Bühnenerfahrung gesammelt zu haben, schadet im Berufsleben nie, und für all jene, die sich doch dafür entscheiden, die Bühne als Ziel anzustreben, könnten nicht zuletzt die Shows des Performing Center Austria, an denen sie damals, als sie 10, 11, 12 oder älter waren, mitgewirkt haben, das aussschlaggebende Sprungbrett sein.
Foto: Martin Bruny
Sieht man das so, ist das alljährliche “Xmas-Projekt” eine der Schienen, um sich auf eine professionelle Karriere vorzubereiten. Neben diesem Talenteprojekt bietet das Performing Center Austria auch andere, ähnliche Module für Kinder von 4 bis 18 Jahren, wie die Performing Center Kids, die Performing Youth Company, das Kiddy Contest Tanzensemble und die Performing Talents. Für junge Erwachsene ab 18 Jahren gibt es dann schließlich die professionelle Ausbildung zum Musicaldarsteller (Performing Arts).
Foto: Martin Bruny
Im Laufe der Jahre wurden die XMAS-Shows der Musicalschule immer aufwendiger, man arbeitet mit einem großartigen Techniker-Team zusammen, das ein sehr wirksames, farbenprächtiges Bühnenlicht entwickelt, es werden Filmprojektionen eingesetzt, die Kulissen sind, man könnte sagen comicartig, im Detail sehr witzig - im Rahmen des immer satirisch angelegten Weihnachtsmusicals des Performing Center Austria genau passend. Die Texte leben vom Wortwitz, die Musik von der klugen Auswahl und dem Geschick, Unerwartetes ineinader zu montieren beziehungsweise aufeinander folgen zu lassen, wie beispielsweise in der aktuellen Show eine Sequenz, die aus Stephen Schwartz’s “Pippin” und “Godspell” sowie Michael Jacksons “Thriller” besteht.
Foto: Martin Bruny
Mit “XMAS 3″ beweist das Performing Center Austria auch innerhalb von nur vier Minuten, dass man Andrew Lloyd Webbers “Joseph” durchaus wieder einmal als witzige, durchgeknallte Show auf die Bühne stellen könnte, und nicht wie jüngst in der Stadthalle als langatmiges Stück aus dem 16. Jahrhundert - jedenfalls aus grauer Vorzeit.
Foto: Martin Bruny
Und bewiesen wird auch, was es braucht, damit ein Musical zum Leben erwacht: nämlich Leute, die strahlen, denen man die Lust am Performan auch ansieht, wie beispielsweise einem Lukas Ruziczka, der als Tänzer in dieser Produktion eine Liga für sich ist.
Foto: Martin Bruny
Das Zielpublikum der Weihnachtsshows des Performing Center Austria sind nicht primär die Väter und Mütter (und Onkeln, Tanten, Nichten und Katzen) der Mitwirkenden, und, Gott sei Dank, muss man nicht unter 18 sein, um sich gut zu unterhalten. Alle, die Freude an Tanzshows und Musicals haben, werden ihre “Momente” haben. So zum Beispiel bei einer Szene aus “I love you, you’re perfect, now change”, die herrlich, fast slapstickmäßig daherkommt. Gut gespielt von Nicolas Huart (Vater), Johanna Mucha (Mutter), Max Resch (Toni), Theresa Barborik (Melanie) und Annakathrin Naderer (Sophie), und auch gut in Szene gesetzt (Thomas Augustin: Regie & Lichtdesign)
Foto: Martin Bruny
Der künstlerische Rahmen, in dem die Kids agieren, ist ein absolut professioneller. Die Choreographien stammen von Rita Sereinig und Sabine Arthold, Jeff Frohner hat die Musikalische Leitung. Buch und Liedtexte stammen von Tommy Tatzber, für Bühnenbild & Requisiten zeichnen Sandor Coti und Thomas Poms verantwortlich. Regie führen Thomas Augustin und Thomas Frank.
Foto: Martin Bruny
Eine Liste aller Mitwirkenden bietet das Perfoming Center Austria –> hier. Zu sehen ist “XMAS 3″ noch an folgenden Tagen:
16.12.2008: 10:00 Uhr
18.12.2008: 10:00 Uhr
18.12.2008: 14:00 Uhr
22.12.2008: 10:00 Uhr
22.12.2008: 19:00 Uhr
Foto: Martin Bruny
»XMAS 3«
Theater Akzent, Theresianumgasse 18; 1040 Wien
Tickets:
€ 28,- / 24,- / 19,- / 14,-
Kartenbuchung unter Theater Akzent, Theresianumgasse 18; 1040 Wien, Telefon: 01/501 65/3306

“Treibgut”: Durchs ODEON-Gate mitten ins Reich der Musik

Foto: Martin Bruny

Sie müssen sich das so vorstellen. Sie betreten das Wiener ODEON-Theater, diesen herrlichen, großen Saal der ehemaligen Wiener Getreidebörse, im klassizistischen Stil der italienischen Renaissance in den Achtziger-Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut, von der Taborstraße - und schrittweise wandern sie in eine andere Sphäre. Abgedroschen, ja, das ist immer im Theater so, dass man abschaltet, sich eine Auszeit vom Alltag nimmt … O. K.! Kennen Sie “Stargate”? Diese Serie, in der es um eine Vorrichtung geht, eine Art Rad, in dessen Mitte ein waberndes, durchlässiges Gel pulsiert, in das die Menschen eintauchen, um so in eine andere Dimension zu gelangen. Eine ähnliche Wirkung können Sie am eigenen Leib verspüren, wenn Sie sich dazu aufraffen, “Treibgut” im Wiener ODEON-Theater zu besuchen. Zwei Stunden lang schwebt man in Musik, und am Ende der Show fühlt man sich - erholt. Es ist nur Musiktheater, und doch von einer ganz eigenen Magie.

Foto: Martin Bruny

Es machte keinen Sinn, hier eine Art Handlung zu skizzieren, denn in “Treibgut” geht es vor allem um eines: pure Musik, um den Wohl-, Ein- und Vielklang von Stimmen. Es mag um vieles andere auch gehen, das Thema ist die Donau, Menschenschicksale zwischen Schwarzwald und Schwarzem Meer, und neben dem musikalischen Part gibt es auch einen schauspielerischen, das kann man trennen, man muss es aber nicht, denn alle Texte, die in “Treibgut” gesungen oder vorgetragen, gesprochen oder geflüstert werden, sind Teil des Gesamtkonzepts Musik. Natürlich wird Literaturkennern einiges geboten, die Zitate aus bekannter und sehr wenig bekannter Literatur sind jedoch auf so kunstvolle Weise verflochten, dass sie ein neues Ganzes ergeben und man nicht unbedingt Literatur studiert haben muss, um die Vorstellung zu genießen.

Foto: Martin Bruny

Der Schauspielteil von “Treibgut” ist, streng genommen, als Collage gebaut aus Tagebüchern und Briefen, Chroniken, Gedichten, Mirakelberichten und Reisebrichten. So steht beispielsweise die britische Romanautorin und Reiseschriftstellerin Frances Trollope in einigen wunderbar gespielten Szenen im Mittelpunkt des Geschehens. Sie hat 1838 ein immens witziges Buch mit dem Titel “Vienna and the Austrians” publiziert (2003 vom Promedia Verlag unter dem Titel “Ein Winter in der Kaiserstadt” neu herausgegeben). Gespielte Zitate aus diesem Buch setzen zu Melancholischem einen ironisch-witzigen Gegenpart.

Foto: Martin Bruny

Die Stimmen, die Michael Schnack (Vokal-Arrangements und Musikalische Leitung) engagiert hat, sind ein Crossover von Oper und Musical, von Klassik und (Musikalischem Unterhaltungs)theater. Diese Stimmen interpretieren Volkslieder in einer Unzahl von Sprachen, angefangen bei Rumänisch, über Jiddisch, Slowakisch, Deutsch, Ungarisch, Tschechisch, Ukrainisch … wenn man alle Sprachen zusammenzählte, man käme auf um die 30.

Foto: Martin Bruny

Michael Schnack hat an “Treibgut” gute sechs Jahre gebastelt, und dass sein Herzblut in der Show steckt, sieht man, wenn man ihn beobachtet, wie er vor, während und nach der Vorstellung praktisch an allen Ecken und Enden gleichzeitig ist. Keine Stelle im riesigen ODEON-Spielsaal, von der aus er nicht entweder halb versteckt oder offen seine Künstler dirigiert, ihnen die Einsätze signalisiert, darüber hinaus singt und spielt er sich die Seele aus dem Leib, richtet Programme, Poster und Postkarten her - und ist dabei noch ansteckend fröhlich. So muss man Theater machen, wenn man begeistern will.

Foto: Martin Bruny

Es wäre nicht fair, von der Darstellerriege den einen oder die andere besonders hervorzuheben. Mit dabei: Kaoko Amano (Japan), Christian Ariel (Argentinien), Eugen Condria (Rumänien), Pà©ter Fogarassy (Ungarn), Florian Graf (Österreich), Johannes Karl (Deutschland), Joanna Luto (Polen), Max Mayerhofer (Österreich), Eva Maria Neubauer (Österreich), Alexandra Nutz (Österreich), Irina Platon (Russland), Andrea Profant (Slowakei), Gernot Romic (Österreich), Murielle Stadelmann (Frankreich).

Foto: Martin Bruny

Sie kommen teilweise frisch von der Schauspielschule bzw. Musicalschule, wie beispielsweise Florian Graf (Studio der Erfahrungen von Elfriede Ott) oder Gernot Romic (Performing Arts), sind dabei durchzustarten, wie man es beispielsweise von Max Mayerhofer (Gustav Mahler Konservatorium) erwarten könnte, können teilweise auf Engagements an den ersten Häusern verweisen wie Kaoko Amano (Burgtheater), Eva Maria Neubauer (Theater in der Josefstadt) oder sind bekannt aus Film und Fernsehen - wie Alexander Pschill, der für die Regie verantwortlich zeichnet und mit dieser Produktion sein Regiedebüt gibt. Ein mehr als gelungenes, eine bis in die kleinsten Einzelheiten fein justierte Arbeit, die ständig spannend bleibt. Ein Traum von Farben und Gesang, mit Vokal-Arrangements von Paul Hille und Michael Schnack.
Foto: Martin Bruny

“Treibgut” ist, und das ganz ohne zu übertreiben, eine der sehenswertesten Musiktheaterproduktionen, die in diesem Jahr in Wien Premiere feierten. Zwei Vorstellungen stehen noch am Spielplan: am 16. und 17. Dezember 2008. Wer sich was Gutes tun will im Weihnachtsstress, sollte ins ODEON pilgern. Ticketinfos ->> hier

Foto: Martin Bruny

www.flickr.com

Treibgut

Leading Team
Regie: Alexander Pschill (Österreich)
Musikalische Leitung: Michael Schnack (USA)
Arrangements: Paul Hille (Deutschland) und Michael Schnack (USA)

Besetzung
Kaoko Amano (Japan), Christian Ariel (Argentinien), Eugen Condria (Rumänien), Pà©ter Fogarassy (Ungarn), Florian Graf (Österreich), Johannes Karl (Deutschland), Joanna Luto (Polen), Max Mayerhofer (Österreich), Eva Maria Neubauer (Österreich), Alexandra Nutz (Österreich), Irina Platon (Russland), Andrea Profant (Slowakei), Gernot Romic (Österreich), Murielle Stadelmann (Frankreich)

Aufführungstermine
11., 16. und 17. Dezember 2008 um 19 Uhr 30 im Odeon Theater, Taborstraße 10, 1020 Wien

Tickets
Karten: € 25,- / ermäßigt € 20,- und € 18,- / ermäßigt: € 12,-
Theaterverein Odeon, 1020 Wien, Taborstraße 10
Telefon: + 43 1 216 51-27
Fax:+ 43 1 216 51 27-22
Mail: odeon(at)odeon-theater.at
WWW: Odeon

Links
- Hear it Here Productions
- ODEON-Theater

Kammerspiele Wien: It’s Christmas Time

Tu Gutes und sing dafür, diesem Motto verschrieben sich am 1. Dezember 2008 Marika Lichter, Uwe Kröger, Ruth Brauer-Kvam, Michael Dangl, die idance company, Herwig Gratzer und drei BackgroundsängerInnen. In den Wiener Kammerspielen traten sie zugunsten der ORF-Spendenaktion “Seitenblicke - Licht ins Dunkel” in Anwesenheit von unter anderem Arik Brauer und Oscar-Preisträger Maximilian Schell auf.

Foto: Martin Bruny

7500 Euro kamen durch den Abend zusammen. Ein schönes Ergebnis, und auch durchaus ein gelungenes Event, das jedoch nur langsam auf Touren kam. Das Konzert oder das “bunte Programm”, wie immer man das sehen möchte, eröffnete eine Gruppe von Backgroundsängern (nicht akustisch verständlich namentlich vorgestellt), zwei Sängerinnen und ein Sänger, mit einem Weihnachtsliedermedley. Das hatte, leider, ein bisschen zu wenig Weihnachtsdrive und hat mich persönlich an so manchen Weihnachtsabend erinnert, als ich als 5-Jähriger gefühlte drei Trillionen Lieder, mal weniger und mal noch weniger spannend gesungen, über mich ergehen lassen musste, um zum real deal, zum Weihnachtsbaum und zu den Geschenken, zu kommen. Aber wollen wir nicht ungnädiger sein als nötig, die drei Sänger(Innen) müssen es ohnehin verkraften, nicht mal richtig vorgestellt worden zu sein.

Foto: Martin Bruny

Warum der Abend etwas gemächlich erst ins Weihnachtliche abhob, lag an der Songauswahl. Wenngleich Balladen und Songs aus Musicals durchaus angekündigt waren, werden sich doch viele Besucher bei einem Titel wie “It’s Christmas Time” ein bisserl mehr Weihnachtliches erwartet haben. Auf dem Programm standen dann aber großteils Lieder aus Filmen (”Calling you” aus “Bagdad Cafà©”, …) und Musicalsongs (”Elisabeth”, “Mozart!”, “Les Misà©rables”, …) wobei der “offenhörbar” gesundheitlich etwas angeschlagene Uwe Kröger eine durchaus interessante Akustik-Version der “kleinen Schatten” aus “Elisabeth” lieferte, die er trotz angegriffener Stimme und massiver Timingprobleme mit Herwig Gratzer (Klavierbegleitung) doch mit großer Willenskraft in einen Schlusston rettete.

Foto: Martin Bruny

Marika Lichter war stimmlich blendend drauf und auch sonst bei bester Laune. Sehr schön ihr “Have yourself a merry little Christmas” oder “Someone to watch over me”.

Foto: Martin Bruny

Dass an einem solchen Abend nicht nur gesungen wird, war vor allem dem Hausherrn, Direktor Herbert Föttinger, der die Kammerspiele zur Verfügung stellte, ein Anliegen.

Foto: Martin Bruny

Mit Ruth Brauer-Kvam und Michael Dangl brachte er zwei Schauspieler in die Show, die mit ihren Lesungen weihnachtlicher Kurzerzählungen und Gedichte die Stimmung in die richtige Lage schraubten, sodass am Ende dann, als auch Uwe Kröger und Marika Lichter sich vollends weihnachtlichen Schwingungen hingaben, ein ganzer Saal in “Leise rieselt der Schnee” einstimmte, wie das folgende kleine File demonstrieren soll:

Foto: Martin Bruny

Die Songs
- Medley (Backgroundsänger):
Jesus, Oh What A Wonderful Child (trad.)
If I got my ticket, Lord, Can I Ride? (Willie Morganfield)
Rudolph The Red-Nosed Reindeer (Johnny Marks)
Frosty The Snowman (Walter “Jack” Rollins and Steve Nelson)
- Marika Lichter: The Christmas Song (Mel Tormà©/Bob Wells)
- Ruth Brauer-Kvam: Advent, Advent, ein Kraftwerk brennt (Ephraim Kishon)
- Michael Dangl: Adpfent (Toni Lauerer)
- Uwe Kröger: Calling You (”Bagdad Cafà©”; Bon Telson)
- Marika Lichter: God Save The Outcasts” (”The Hunchback of Notre Dame”, - Stephen Schartz/Alan Menken)
- Ruth Brauer-Kvam/Michael Dangl: Die Hirtenstrophe (Peter Huchel)
- Uwe Kröger: Stern (”Les Misà©rables”; Claude-Michel Schönberg, Alain Boublil)
Marika Lichter: Gold von den Sternen (”Mozart!”; Sylvester Levay/Michael Kunze)
Uwe Kröger: Schatten (”Elisabeth”, Sylvester Levay/Michael Kunze)
Auftritt der idance-Company
Ruth Brauer-Kvam: Weihnachten im Hause Polak
Marika Lichter: Jüdisches Volkslied
Michael Dangl: Vor Weihnachten 1914 (Rainer Maria Rilke)
Uwe Kröger: Alfie (”Alfie”; Burt Bacharach/Hal David)
Marika Lichter: Someone To Watch Over Me (”Oh, Kay”; George Gershwin/Ira Gershwin)
Uwe Kröger & Marika Lichter: When I fall In Love (”One Minute to Zero”; Victor Young/Edward Heyman)
Michael Dangl: “Einladung zur Weihnachtsfeier”
- Medley (Backgroundsänger)
Alle Jahre wieder
Es wird scho glei dumpa
Ihr Kinderlein kommet
- Ruth Brauer-Kvam: Rezept: Truthahn im Whisky
- Marika Lichter: Have Yourself A Merry Little Christmas (”Meet Me In St. Louis”; Hugh Martin/Ralph Blane)
- Uwe Kröger: I’ll Be Home For Christmas (Buck Ram/Kim Gannon/Walter Kent)
- Uwe Kröger & Marika Lichter: White Christmas (”Holiday Inn”; Irving Berlin)
- Uwe Kröger/Marika Lichter/Ruth Brauer-Kvam/Michael Dangl: When The Snow Falls Wunderbar (Udo Lindenberg)
- Alle: Leise rieselt der Schnee
- Alle: We Wish You A Merry Christmas

Foto: Martin Bruny

Die Konzertreihe “k.spiele.montagabend”, in dessen Rahmen “It’s Christmas Time” stattfand, wird am 19. Januar 2009 mit dem Programm “Gershwin On A String” fortgesetzt. Tini Kainrath, Willi Resetarits & Stringfizz widmen sich darin ganz dem Gershwin-Songbook. Tickets sind bereits –> hier <– erhältlich.

Metropol: “Words” LIVE

Peter Hofbauer; Foto: Martin Bruny

Es gibt Lieder, die sind wie ein Stück Alltagspoesie
weil sie machen uns womöglich das Alltägliche erträglich

Zeitlos ist das Konzept, das Peter Hofbauer, der Direktor des Wiener Theaters Metropol, mit “Words” nun schon in vier verschiedenen Formaten seinem Publikum vorgestellt hat.

Am Anfang stand 2005 die Idee, im Rahmen einer Radiosendung auf Radio Wien Evergreens, Popsongs, Rockhymnen, Powerballaden, also musikalische “Ohrwürmer” zu “erklären” - ihre Texte, ihre Entstehungsgeschichten, interessante Details, Absurdes, Lustiges, Trauriges, Berührendes. Das hat Tradition. Keine Chartssendung ohne kleine Stories “über” Songs. Sie sind oft das Besondere von Sendungen wie Casey Kasems “Top 40″. Wer oder was war mit “Sunny” und “Angie” wirklich gemeint? Welche Liebesgeschichten verbergen sich hinter Songs wie “Jessie” oder “Sarah”?

2008 kamen zur Radiosendung drei Formate dazu:
- ein Buch, erschienen im Oktober im Wiener Amalthea Verlag (”Words: Die Poesie der Pop-Musik”)
- eine Doppel-CD, die einige ausgewählte Radiosendungen der Reihe für die “Ewigkeit” dokumentiert (”Radio Wien präsentiert Words: Die Poesie der Pop-Musik”)
- eine Live-Show, also “Words” Live, um die es im Folgenden geht.

Der oben kurz angerissene musikhistorische Aspekt ist die eine Intention Hofbauers, eine andere liegt darin, die lyrische Qualität der Lyrics einer neuen Beurteilung zu unterziehen. Peter Hofbauer hat in seinem Bühnenprogramm “Words” meist englische Texte ausgewählt, und oft reicht es da aus, die “Worte”, aus denen sie gebaut sind, einfach einmal ins Deutsche zu übertragen, damit sie vom Publikum neu bewertet werden. Dass das Ganze bei “Words” in Reimform passiert, ist nicht unclever, birgt das doch die Möglichkeit, sich allein durch den gesprochenen (mal mehr mal weniger satirisch angelegten) Vortrag (durch Peter Hofbauer) der Übersetzung eine Möglichkeit offenzuhalten, die postulierte Qualität der Texte gleich wieder zu relativieren. So ist es entweder die gelungene Story eines Songs oder aber die Qualität des Textes, die als einer der Erfolgsfaktoren eines Songs herausgearbeitet wird. Aber nur wenn das Zusammenwirken von Text, Story - und Melodie - klappt, wird daraus Magie, wie Hofbauer meint:

Wenn man sich grundsätzlich die Frage stellt, was denn nun eigentlich die Qualität eines Liedes ausmacht, dann wird man unweigerlich zu der Erkenntnis gelangen: Der Text allein ist es ebenso wenig wie der melodische Einfall oder die mehr oder weniger gefällige Harmonienfolge. Wie bei einer- noch nicht entschlüsselten- chemischen Verbindung müssen Wort und Musik zu einer unverkennbaren und untrennbaren Einheit verschmelzen.

Markus Richter & Sonja Schatz; Foto: Martin Bruny

Nicht zu vernachlässigen bei dieser von Hofbauer angesprochenen “chemischen” Verbindung ist auch der gesungene Vortrag der Hits.

Hier kommen die “Metropol Singers” unter der Leitung von Marcus Hagler (& Band) ins Spiel. “Words” Live besteht zum einen aus Moderator Peter Hofbauer, und zum anderen aus einer Band und vier Sängern.

Dagmar Bernhard; Foto: Martin Bruny

Am 25. November 2008 mit dabei: Dagmar Bernhard, Markus Richter, Sonja Schatz und Andreas Wanasek. Vier Interpreten, die alle einen mehr oder weniger “musicalischen” Background haben. Dagmar Bernhard hat an der Konservatorium Wien Privatuniversität “Musikalisches Unterhaltungstheater” studiert, Andreas Wanasek wird ebenda 2009 sein Diplom machen. Sonja Schatz hat ihre Musicalausbildung an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien absolviert, Markus Richter ist in Gablitz am 82er Haus eine Institution.

Markus Richter; Foto: Martin Bruny

Die vier Darsteller haben die Aufgabe, das Publikum einerseits in eine Art “wickie, slime & piper”-mäßige Nostalgie-Trance zu versetzen und andererseits wesentliche Merkmale des musikalischen Vortrags der Originalsänger durch künstliche Überhöhung oder auch Parodie in Erinnerung zu rufen. Das gelingt wunderbar. Dagmar Bernhard outriert herrlich eine Aretha Franklin-Parodie, Sonja Schatz drückt sich bei “The Winner Takes It All” ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln, Andreas Wanasek macht unter anderem durch seine wiedererkennbare interessante Stimmfarbe auf sich aufmerksam und arbeitet geschickt mit Markus Richter bei “Gente di Mare” das kratzige Italo-Endtonröchelvibrato heraus - ein kleiner Showstopper.

Sonja Schatz & Andreas Wanasek; Foto: Martin Bruny

Die Qualität der musikalischen Darbietungen tänzelt recht pfiffig im Dreiländereck von Kitsch, Karaoke & Nostalgie, und auch der Humor bleibt nicht auf der Strecke. Ganz im Gegenteil, “Words” Live ist sehr unterhaltend, und viele haben an diesem Abend wohl mehr gelacht als bei so manch einer Big-Budget-Produktion. Das Metropol hat mit “Words” Live ein Format im Spielplan, das man viele Jahre immer wieder aufnehmen könnte. Nichts spräche zum Beispiel dagegen, entsprechende Motto-Shows zu Themen wie Austropop oder Filmhits zu entwickeln.

“Words” Live ist vermutlich wider im März 2009 im Metropol zu sehen.

Die Metropol Singers; Foto: Martin Bruny

“WORDS” LIVE (25. November 2008)
THE BEE GEES - “Words” (1968)
BJÖRN ULVAEUS/BENNY ANDERSSON - “Ring, ring” (1973)
JOE SOUTH - “Games People Play” (1968)
BOBBY HEBB - “Sunny” (1966)
BILLY JOEL - “Piano Man” (1973)
Paul SIMON - “The Sounds Of Silence” (1966)
JUNE CARTER/MERLE KILGORE - “Ring Of Fire” (1962) - in den Versionen von Johnny Cash und der Eric Burdon Band (1974)
OTIS REDDING - “Respect” (1965) - in der Interpretation von Aretha Franklin
JOHANN SEBASTIAN BACH/GARY BROOKER/KEITH REID - “A Whiter Shade Of Pale” (1967)
WILLIE DIXON - “I Just Wanna Make Love To You” (1954)
JOHN LEE/MEL NOONAN - “Living Next Door To Alice” (1972)
BRIAN MAY - “We Will Rock You” (1978)
FREDDIE MERCURY - “We Are The Champions” (1978)
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KID ROCK/MIKE E. CLARK [WARREN ZEVON/LYNYRD SKYNYRD] - All Summer Long (2008)
RANDY NEWMAN - “Short People” (1977)
UMBERTO TOZZI/RAF - “Gente Di Mare” (1987)
BLOOD, SWEAT & TEARS - Spinning wheel (1969)
DAVID BOWIE - “Space Oddity” (1969)
BOB SEGER - “Still The Same” (1978)
BJÖRN ULVAEUS/BENNY ANDERSSON - “The Winner Takes it All” (1980)
JOHN LENNON/PAUL McCARTNEY - “Lady Madonna” (1968)
ELTON JOHN/BERNIE TAUPIN - “Crocodile Rock” (1972)
JACK FELDMAN/BARRY MANILOW/BRUCE SUSSMAN - “Copacabana” (1978)
JOHN FOGERTY - “Proud Mary” (1969)
PAUL McCARTNEY - “Let it be” (1970)
BJÖRN ULVAEUS/BENNY ANDERSSON - “Thank You For The Music” (1983)
NORMAN WHITFIELD/BARRET STRONG - “Papa Was A Rollin’ Stone” (1971)
THE BEE GEES - “Words” (1968)

Stadttheater Baden: The Scarlet Pimpernel (Version 2008)

Foto: Martin Bruny

Fragt man Frank Wildhorn, welches seiner Musicals er am ehesten für “abgeschlossen” hält, in dem Sinn, dass eine Veränderung nicht mehr zwingend notwendig sei, so bekommt man von ihm stets nur eine Antwort, nämlich dass er ständig am Verändern und Adaptieren seiner Werke ist. Und doch ist der Komponist mit einer Show ziemlich zufrieden: “The Scarlet Pimpernel“. Wildhorn:

«The Scarlet Pimpernel”, ob Sie es glauben oder nicht, kommt meiner ersten Vorstellung vom Klang des Scores am nächsten. In dieser Hinsicht käme also »The Scarlet Pimpernel” einer «endgültigen Version” am nächsten.

Das freilich ist das Resultat einer Menge “Veränderungsarbeit”, die die Show im Laufe der Jahre zu dieser von Wildhorn angesprochenen Einheit werden ließ. Im Programmheft zur aktuellen Baden-Fassung von 2008 (Premiere am 18. Oktober 2008) geht Regisseur Robert Herzl näher auf diese “Veränderungsarbeit” ein. Zu dem Zeitpunkt, als er im Jahr 2003 die “Scarlet Pimpernel”-Fassung von Halle konzipierte, lagen bereits folgende Versionen vor:

- Eine “Original Broadway-Produktion”, die am 9. November 1997 am Minskoff Theatre Premiere hatte.
- “The New Version” (”The Scarlet Pimpernel 2.0″): eine totale Überarbeitung, die am 10. Oktober 1998 zur Aufführung kam, ebenfalls im Minskoff Theatre.
- Die dritte - reduzierte - Version (”The Sarlet Pimpernel 3.0″): Premiere am 10. September 1999 am Neil Simon Theatre in New York. Letzte Vorstellung: 2. Januar 2000.

Für die deutsche Erstaufführung in Halle (am 14. Februar 2003) stellte Herzl eine wiederum neue Version der Show zusammen, “mit allen Musiknummern” … aber das ist so eine Geschichte, denn es war einmal ein Song - “Only love” -, der ursprünglich für “Rudolf” gedacht war, dann in “The Scarlet Pimpernel 1.0″ zum Einsatz kam und schließlich, als “Rudolf” konkretere Formen annahm, doch wieder aus “The Scarlet Pimpernel” gestrichen wurde. Freilich gibt es auch andere Erklärungen, beispielsweise jene von Nan Knighton, die man auf ihrer Website findet.

Fakt ist, dass “The Scarlet Pimpernel” zwar vom Klang her “endgültig” erscheinen mag - das liegt aber nicht daran, dass die Songs immer alle vorhanden sein müssen oder die Szenen immer in derselben Reihenfolge gespielt werden müssen. Wildhorn hat für diese Show einen ganz eigenen Ton geschaffen und eine eigenständige Atmosphäre. So, wie ihm das auch bei “Jekyll & Hyde” geglückt ist.

Freilich ist diese Eigenständigkeit der Wildhorn’schen Musicals nicht unumstritten. Immer wieder wird eine gewisse willkürliche Austauschbarkeit der Songs des Komponisten postuliert (und dann durch Geschichten wie “Only love” unterfüttert). Generell aber erinnert mich das immer an den Witz über die zwei Analphabeten, die an einem Buchgeschäft vorbeigehen. Sagt der eine: “Fad!” Darauf der andere: “Du sagst es, lauter Bücher, immer das Gleiche.”

Wir hier im Kultur-Channel erkennen die Eigenständigkeit der Wildhorn’schen Musicals unumschränkt an, wie wir auch jene der Lloyd Webber’schen Shows hören, und auch jene von Stephen Sondheim. Das schließt nicht aus, dass man Werke der drei Komponisten intuitiv “erkennt”. Ganz im Gegenteil. Denn das Gütesiegel “Wildhorn” verspricht auf alle Fälle immer eines: wuchtige Balladen, oder, wie man das gerne formuliert: Bigger-than-life-Balladen. Und gerade in “The Scarlet Pimpernel” haben wir davon eine Menge.

Gesungen und interpretiert werden sie in Baden von einem Ensemble hervorragender Sänger. Man mag bei den schauspielerischen Leistungen bei dem einen oder anderen eventuell ein paar Ungereimtheiten erkennen, beispielsweise bei Chris Murray (Chauvelin), der manchmal ein wenig zu unbeteiligt an “Mauern” herumlehnt, dessen Motivation nicht klar genug gezeichnet scheint, der vielleicht hie und da ein wenig outriert und bei den Weggabelungen der verschiedensten Interpretationsmöglichkeiten vielleicht mal in die falsche Richtung geht - aber was hat er doch für eine Stimme und wie gut und wirkungsvoll “spielt” er die meisten seiner Gesangsnummern (beispielsweise “Falke auf der Jagd”).

Foto: Martin Bruny

Man mag entweder die Art und Weise, wie Darius Merstein-McLeod seinen Sir Percy Blakeney - einen Dreh zu albern vielleicht manchmal - anlegt, aber immerhin, die Szenen kommen gut rüber, und stimmlich ist Merstein eine Wucht. Völlig überzeugend in einer kleinen, aber feinen Rolle: Klaus Ofczarek als Prince of Wales, nie zu schmierig oder zu übertrieben blasiert.

Foto: Martin Bruny

Wenn sich also manchmal das Gefühl einschleicht, dass sich alle - Schauspieler und Publikum - bei den Songs viel wohler als bei den Sprechszenen fühlen, dann mag das ein rein subjektiver Eindruck sein, und immerhin gibt es eine ganze Menge an blendenden Musiknummern bei “The Scarlet Pimpernel”, warum sich also nicht darauf konzentrieren? Wie ein Traum wunderschön beispielsweise “Ich vertrau auf dich”, gesungen von Darius Merstein und Maricel Wölk, die schon in Halle das Publikum begeisterten. Das geht fast nicht eindrucksvoller.

Foto: Martin Bruny

Eine Inszenierung mit Pomp und Gloria hat Robert Herzl auf die Bühne des Stadttheaters Baden geknallt. Und recht hat er. Bei einer Show wie “The Scarlet Pimpernel” muss man klotzen, nicht kleckern. Mit Wucht und Gespür für Wirkung kommt “Mitten ins Feuer” daher. Fast erwartet man noch Böllerschüsse und “echtes” Feuer. Die Schauspieler gehen mal links, mal rechts in den Zuschauerraum ab, dann stürmen sie wieder durch die Mitte auf die Bühne, blendend bei Stimme auch das Grüpplein Aristokraten (Alois Haselbacher, Sam Madwar, Stephan Wapenhans, Dietmar Seidner, Jan Hutter sowie Christian Zmek), das mit Percy im Untergrund gegen die Schrecken der französischen Revolution kämpft. Genau so muss das stimmlich besetzt sein: voluminös, beeindruckend. Jan Hutter singt sich schön langsam ins Musicalschlaraffenland und besitzt die nötige Ausstrahlung, um bis in die letzten Reihen zu wirken - etwas, was er auch nächstes Jahr im Ensemble von “Rudolf” beweisen wird. Es ist immer wieder schön, jemanden zu sehen, auch im Ensemble, dem man es dermaßen deutlich ansieht, dass er das, was er macht, auch gerne macht.

Foto: Martin Bruny

Projektionen, eine effektvolle Lichtregie, ein stimmiges Bühnenbild, tolle Kostüme, bei dieser Produktion passt fast alles, und es sollte nicht nur bei einer Spielzeit von einer Saison bleiben. “The Scarlet Pimpernel” ist im November noch an folgenden Tagen zu sehen: November: 15/16 (15.00)/28/29/30 (15.00).

Foto: Martin Bruny

Leading Team
Musikalische Leitung: Franz Josef Breznik
Inszenierung: Robert Herzl
Bühnenbild: Manfred Waba
Kostüme: Götz Lanzelot Fischer
Kostüm-Koordination: Friederike Friedrich
Choreographie: Rosita Steinhauser

Foto: Martin Bruny

Cast
Sir Percy Blakeney: Darius Merstein-MacLeod
Marguerite St. Just, seine Frau: Maricel Wölk
Chauvelin: Chris Murray
Armand St. Just, Marguerites Bruder: Zoltan Tombor
Marie Grosholtz: Christa Hertl
Tussaud, ihr Verlobter: Robert Sadil
Mercier, Chauvelins Adjutant: Franz Joseg Koepp
Lord Anthony Dewhurst: Alois Haselbacher
Sir John (Ozzy) Osbert: Sam Madwar
Frederic Elton: Stephan Wapenhans
Lord Andrew (Andy) Farleigh: Dietmar Seidner
Hal Stanton: Jan Hutter
Benjamin Stubbs: Christian Zmek
Marquis de St. Cyr: Mario Fancovic
Jessup, Percys Butler: Franz Födinger
Robespierre: Robert Herzl
Der Prince of Wales: Klaus Ofczarek
Helene: Dessislava Philipova
Cloe: Sonja Fischerauer

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“I was born to love you” - “RUDOLF”-Vorab-Single ab 21. November im Handel

Am 26. Februar 2009 feiert Frank Wildhorns Musical “RUDOLF” am Wiener Raimund Theater seine deutschsprachige Erstaufführung. In den Hauptrollen: Drew Sarich und Lisa Antoni.

Bereits am 21. November 2008 wird ein erster akustischer Eindruck dieser Show in den Plattenläden stehen: “I was born to love you”, das Liebesduett von Rudolf (Drew Sarich) und Mary von Vetsera (Lisa Antoni).

Foto: HitSquad

Der in englischer Sprache gesungene Song (Frank Wildhorn/Jack Murphy) wurde mit eindeutiger Zielrichtung Charts von HitSquad/MG-Sound als poppige Ballade auf Augenhöhe mit Produktionen internationalen Formats feinjustiert produziert, und auf diesem Terrain ist Frank Wildhorn, der unter anderem Whitney Houstons Hit “Where do broken hearts go” (1987) sowie zahlreiche andere Lieder für Stars wie Travis Tritt, Natalie Cole oder Linda Eder komponierte, ein Garant für Gefühlvolles mit Gänsehautfaktor. Ich persönlich vergleiche ja die Wildhorn’schen Powerballaden immer mit kleinen Euphorie-Drops, die in der Intensität und Vielzahl nur beim “Bigger-than-Life”-Maestro zu finden sind. Schmuseballaden wie “I was born to love you” kreiseln natürlich immer im am Rand zwischen Edel und Kitsch, aber da sind es letztendlich Interpretation und Produktion, die einen Song aus dem Schmalz in den Balladenolymp schießen.

“I’m called ‘That Pop Guy’”, sagte der Komponist einmal in einem Interview mit der Los Angeles Times, angesprochen auf die “bigger than life”-Popmelodien, die seine Musicals immer schon auszeichneten. Und in Richtung der New Yorker Kritiker, die Musicals mit Pop-Touch meist als völlige Fehlentwicklung betrachten: “What do they want me to be? ‘The Unpop Guy?’” Wildhorn weiter:

I just love music. I’m a composer. When I work in the theater, I’m a theater composer. When I’m writing for Whitney Houston or Kenny Rogers or Natalie Cole, I’m a pop composer. I’ve been commissioned by the Bolshoi Ballet to do a full length ballet, so I’m a classical composer when I’m doing that. I’m just a composer, and depending on the medium I work in, that’s what I am that day.

Der Pop-Appeal ist also eines der Markenzeichen der Musicalsongs à  la Wildhorn. Ein weiteres: Seine Lieder wachsen mit der “Qualität” des Performers und lassen sich wunderbar gestalten, man kann sie im wahrsten Sinn des Wortes zum Leben erwecken - anders etwa als die Lieder von Phil Collins, die mal als “Tunnelsongs” bezeichnet worden sind: Augen zu und geradlinig durch, jedes Abweichen von der Ideallinie wird mit einem bösen Crash geahndet, eigenständige Phrasierungen unerwünscht.

Lisa Antoni und Drew Sarich jedenfalls gehen ganz in “ihrem” Liebeslied auf. Man muss wohl kein großer Prophet mehr sein, um Lisa Antoni eine schöne Karriere zu prognostizieren und Drew Sarich ein weiteres Karrierehoch.

“I was born to love you”
(Frank Wildhorn/Jack Murphy)

Tracks:
1) “I was born to love you” (Radio Edit) [03:26]
2) “I was born to love you” (Acoustic Version)
3) “I was born to love you” (Dance Mix)
4) “I was born to love you” (Instrumental Version)

Mehr von “RUDOLF” auf CD wird es frühestens im April 2009 geben, da sollte das Cast-Album fertig sein.

Urania: “La Strada - Das Lied der Straße”

Foto: ©Lalo Jodlbauer
Atmosphäre in einen doch recht kühlen, arenaartigen Raum wie in jenen der Wiener Urania zu zaubern, das können die Schauspieler und der Regisseur, das ganze Leading Team der “Volkstheater in den Außenbezirken”-Produktion “La Strada”.

Sie schaffen eine Stimmung, die zwischen italienischem Film und einem Gefühl, das der französische Schriftsteller Philippe Djian in Romanen wie “Betty Blue” so wunderbar vermittelt, mäandriert. Für die Schauspieler ist der Prozess des Erzeugens dieser speziellen Stimmung, dieses, wie Fellini über seinen Film “La Strada” gesagt hat, “schwebenden Tons, der in mir das Gefühl unendlicher Traurigkeit weckte”, jeden Abend eine neue Herausforderung - denn die Produktion spielt fast wöchentlich in einem anderen Raum, und jeder Raum, in dem die Darsteller Station machen, ist auch anders, ganz anders. Im persönlichen “La Strada” der Protagonisten von “La Strada” gibt es mal eine Bühne, dann wiederum ist nicht mal für die ganze Deko Platz, die Auftritts- und Abgangsmöglichkeiten variieren. So kommt keine Routine auf, jeder Abend ist eine kleine Premiere.

Man tritt zum Großteil vor dankbarem Publikum auf, das mit dieser Produktionsschiene des Volkstheaters Theaterabende direkt in den Bezirk geliefert bekommt. Das darf man nicht unterschätzen. Hier werden Barrieren gekippt - du musst nicht zum Theater kommen, das Theater kommt zu dir, man will extra für dich spielen. Ein Großteil läuft auf Abo-Basis zu vernünftigen Preisen, mit denen man Publikum gewinnen und nicht vergraulen will, das Durchschnittsalter des Publikums ist ein etwas gehobeneres, und wer sich einmal gut unterhalten hat, kommt vielleicht auch öfters ins Haupthaus.

“La Strada - Das Lied der Straße” ist ein Schauspiel von Gerold Theobalt nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione.

Der Schausteller Zampano braucht eine neue Assistentin. 10.000 Lire zahlt er für Gelsomina, ein einfaches, ein bisschen zurückgebliebenes Mädchen. Nun zieht sie mit ihm von Ort zu Ort, spielt den Clown, sammelt das Geld ein, kocht und wäscht für ihn. Zampano ist brutal, jähzornig, rücksichtslos und unfähig Gefühle zu zeigen. Er schlägt sie, schläft aber auch hin und wieder mit ihr und betrügt sie mit anderen Frauen. Sie hängt trotzdem an ihm. Dann lernt sie den Seiltänzer Il Matto kennen. Er spricht mit ihr, hört ihr zu und nimmt sie ernst. Von ihm lernt Gelsomina auch die kleine Melodie, die sie auf der Trompete spielt. Als er nicht aufhört, Zampano zu verspotten, kommt es zur Katastrophe …

Ein schwebender Ton, ein Gefühl unendlicher Traurigkeit, das sich in der wechselseitigen Abhängigkeit von Gelsomina und ihrem brutalen Zampano spiegelt, aber auch in der Beziehung zwischen Zampano und Il Matto, dem Seiltänzer, sowie Zampano und seinen Damenbekanntschaften, dieser schwebende Ton ist es, der bei dieser Produktion alles andere, auch die Handlung an sich, dominiert.

Doris Weiner gibt das einfache, etwas zurückgebliebene Mädchen nicht als ver-rückte Studie, sondern zeichnet es als liebenswert ent-rückt, auf eine ganz bezaubernde Weise. Es lebt in seiner eigenen Welt und in diese Welt dringt der Alltag so wie wir ihn alle kennen nur gefiltert ein. Andy Hallwaxx (Regie) setzt eine Vielzahl an Stilmitteln ein, um die Gefühlswelt der Gelsomina zu skizzieren. Er spielt mit Zeit und Realität, mit der Welt der Akrobatik, setzt einen ausgeklügelten Sound- und Musikteppich wie eine Art Underscore ein - alles scheint ineinander zu verfließen, die Zeit an sich wird unwesentlich. Die clownesquen Kunststückchen Gelsominas liefert Weiner manchmal mit einer Charlie Chaplinesquen Attitude, sie sind Teil ihres Wesens, nicht unbedingt als “Zirkuseinlagen” interpretierbar. Die vielen Brechungen in dieser Rolle, beispielsweise dass Weiner natürlich schon lange kein “kleines Mädchen” mehr ist, die traumartigen Sequenzen, das überragende Timing der Schauspielerin, mit dem sie Zeit und Raum balanciert und stets die völlige Aufmerksamkeit des Publikums auf sich fokussiert, das allein macht diesen Abend zu einem großen Erlebnis.

Foto: ©Lalo Jodlbauer

Zampano, der, so stellen wir uns das vor, muskelbepackte Grobling, wird von Thomas Bauer mit Wucht als Seelenkrüppel und Schwächling interpretiert. Er reagiert nicht mit Worten und Gefühlen, sondern ausschließlich körperlich, mit Gewalt.

Marjan Shaki spielt eine Wirtin, eine Hure und einige Szenen später eine Nonne - ein derartig breites Spektrum verlangt eine nuancenreiche Mimik und Gestik sowie Intonation, und mit all dem verleiht die Schauspielerin souverän ihren Auftritten Wirkung. Von der etwas spleenigen Nonne zur derben, karaokesingenden (”Stand by your man”), quietschigen Hure in wenigen Szenen, und beides glaubhaft dargestellt. Ein schöner Einstieg in die Wiener Sprechtheaterszene, abseits der Musicals.

Foto: ©Lalo Jodlbauer

Die restlichen Nebenrollen, auch jene der Mutter Gelsominas, spielt Reinhold G. Moritz, der im Verlauf der Stücks immer stärker wird und im direkten Aufeinandertreffen von Il Matto und Zampano ein paar glänzende Szenen hat.

Set Design und Lichtregie arbeiten nicht mit dem Aufwand einer Hightech-Bühne, aber wenn es darauf ankommt, welche Wirkung erzielt wird, so schaffen wenige Requisiten, die die Phantasie der Zuschauer anregen, oft mehr als noch so tolle Bühnenlandschaften. Ein paar Möbelstücke, verschiebbare Wände, einige wenige Requisiten, auch da ein poetisches Spiel mit Licht - wunderbar. “La Strada” sollte man gesehen haben. Nur noch wenige Termine sind auf dem Tourplan:

27. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
28. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
30. Oktober: Da capo (VH Inzersdorf)
31. Oktober: Volksheim Groß-Jedlersdorf
04. November: VHS Hietzing
05. November: VHS Hietzing

La Strada - Das Lied der Straße
Österreichische Erstaufführung
Schauspiel nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione von Gerold Theobalt

Zampano: Thomas Bauer
Gelsomina: Doris Weiner
Matto: Reinhold G. Moritz
Wirtin/Hure/Nonne: Marjan Shaki

Regie: Andy Hallwaxx
Bühne: Judith Leikauf/Karl Fehringer
Kostüme: Erika Narvas
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf
Regieassistenz/Souffleuse/Inspizienz/Abendspielleitung: Elisabeth Balog/Katja Knebel

Jazz Fest Wien: Curtis Stigers & Gisele Jackson live

Mit einem phänomenalen Konzert begeisterte Curtis Stigers am 8. Juli 2008 in der Wiener Kammeroper beim Jazz Fest Wien.

Foto: Martin Bruny

Begonnen hat alles mit dem Einheiz-Soul/R&B/Funk-Act von Gisele Jackson, die es mit dem Wiener Publikum etwas schwer hatte. Ganz nach Performer-Manier einer Patti Labelle enterte sie die ersten Sitzreihen und animierte die Wiener zum Mitsingen, daraus wurde - natürlich - nichts, dann reduzierte sie auf “Can you show me love - in your way”, was nach zwei zaghaften Ich-weiß-nicht-wie einer der Wiener mit einem herzhaften “NO” beantwortete.

Gut war sie dennoch, Gisele Jackson, auch wenn sie auf eine Line-up zurückgreifen musste, die aus Wien stammte (Christoph Helm, g; Hannes Oberwalder, keys; Bernhard Wiesinger, ss, ts; Bastian Stein, tp; Jojo Lackner, b) und nicht wirklich auf einen stimmigen Groove kam. Zu sehr klebten die Musiker an ihren Noten, Drummer Joris Dudli, langjähriger musikalischer Begleiter von Gisele Jackson, tat sein Möglichstes, und in manchen Momenten ging die Show dann auch wirklich ab.

Curtis Stigers wurde bei seinem ersten Gig in Wien nach sechzehn Jahren von Matthew Fries an Bösendorfer, an den Drums von Keith Hall, am Kontrabass von Cliff Schmitt und an der Trompete von John Sneider begleitet. Er startete mit einem verjazzten Elvis-Klassiker (”That’s alright Mama”, geschrieben von Arthur Crudup) und gab danach “You’re all that matters to me”, einen seiner eigenen Klassiker von seinem ersten Album, mit kleiner Scat-Einlage. In seinem rund 90-minütigen Programm verließ sich Stigers aber nicht auf das, was er für viele, die seine Karriere in den letzten Jahren nicht mitverfolgt haben, am besten kann, nämlich poppige Love-Songs. Er rechtfertigte quasi seinen Auftritt beim Jazz Fest Wien mit ein paar satirischen Kommentaren zu seinem Image als Pop-Schnulzer und dass er eigentlich ja den Jazz schon immer geliebt hat:

Joe Jackson, Randy Newman, Bob Dylan, Tom Waits, Emmylou Harris - die großen Songwriter und Interpreten waren es dann, die Stigers in der Wiener Kammeroper interpretierte - und seinen Trademark-Song “I wonder why”. Ein charmanter Abend mit einer durch und durch gediegenen, swingenden Band und einem Curtis Stigers in Hochform. Wunderbar.

Link
Kultur-Channel/Showfotos

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