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Archiv - Rezensionen

Wien: Mitsuko – Uraufführung von Frank Wildhorns Multikulti-Musical

Produziert von der japanischen Weltfirma Kyodo Tokyo und koproduziert von der Wiener Agentur GlanzLichter ging am 9. Dezember 2005 im Wiener Museumsquartier die Uraufführung von »Mitsuko«, einem der vielen neuen Musicals von Frank Wildhorn (weitere Projekte: »Cyrano de Bergerac«, »Mary Shelley’s Frankenstein«, »Rudolf«, »Excalibur«, »Camille Claudelle«, »Dracula«, weiters: »Carmen«, »Alice In Wonderland« und »Bonnie & Clyde«) als konzertante Fassung über die Bühne. Das Medienecho war erstaunlich gering. Warum das so ist, das müsste man vielleicht einmal genauer untersuchen. Vielleicht hat es mit der Einstellung der Wiener Journaille Musicals gegenüber zu tun – ganz sicher sogar. Vielleicht ist eine Uraufführung nichts Besonderes für Wien, schon gar nicht die eines Musicals, hat doch hier die schlimmste Lohengrin-Inszenierung mehr Echo als ein Welterfolg wie »Elisabeth«. Dass Namen wie Frank Wildhorn und Uwe Kröger nicht für fette Schlagzeilen sorgen, mag ein wenig wundern, aber Wien ist eben anders. Hier holt man extra zwei japanische Superstars und den deutschsprachigen Musicalstar für eine Show nach Wien, engagiert ein 28-köpfiges Orchester – und das Event versickert dann doch eher als Insider-Veranstaltung denn als glitzernde Uraufführung mit rotem Teppich und Medienteams aus aller Welt.

Aber beginnen wir bei der Story. Worum geht’s? Der junge Adelige Heinrich Coudenhove-Kalergi kommt 1892 als Gesandter der Österreichisch-Ungarischen Monarchie nach Japan. Bald nach seiner Ankunft trifft er auf die junge Japanerin Mitsuko Aoyama, die sich nach einem Reitunfall aufopfernd um ihn kümmert. Zwei Wochen später reichen Heinrich und Mitsuko ihre Eheschließungsdokumente ein. Japan ist zu dieser Zeit in den Augen der meisten Europäer ein unzivilisiertes, kleines Land im Fernen Osten, Mitsuko eine Bürgerliche, was schnell zu Diskriminierungen führt. Mitsuko bringt in Japan zwei Kinder, Hans und Richard, zur Welt. 1896 kehrt die Familie aus Asien zurück und lässt sich in Böhmen nieder. Heinrich zieht sich aus dem Diplomatenleben zurück und widmet sich der Verwaltung seiner großen Besitztümer. Verwandte und Freunde kommen der Asiatin Mitsuko wenig wohlwollend entgegen, mehr als einmal hegt Mitsuko den Gedanken, zurück nach Japan zu flüchten. 1906 stirbt Heinrich unerwartet. Für Mitsuko, alleingelassen in einem fremden Land, bricht die Welt zusammen. Heinrich hat testamentarisch seinen ältesten Sohn Johann zum Nachfolger bestimmt, doch sein gesamtes restliches Vermögen Mitsuko vermacht, was die Familie erbost. Doch Mitsuko lässt sich nicht einschüchtern und schafft es, Land und Vermögen bestens zu verwalten. Während des 1. Weltkriegs herrscht in der Monarchie eine geradezu hysterische Anti-Japan-Stimmung. Alle in Wien lebenden Japaner werden außer Landes gebracht, doch Mitsuko bleibt. Der älteste und der dritte Sohn gehen an die Front, Mitsuko meldet sich mit drei Töchtern beim Roten Kreuz. Richard hat mittlerweile die Universität Wien absolviert und schreibt seine Gedanken 1923 in dem Buch »Paneuropa« nieder. Er macht darin den kühnen Vorschlag, die 28 Demokratien Europas in einem Staatenbund nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika zu vereinen. Richards Ideen lassen weniger das analytische Denken des Westens als vielmehr das ganzheitliche Denken der östlichen Philosophie durchscheinen. Als bekannt wird, die Mutter des Autors sei Japanerin, bedenken die Zeitungen Mitsuko mit einem neuen Namen: »Mutter der Idee einer europäischen Union«. Die Ideen und Aktionen, von denen Richards Leben geprägt ist, haben großen Einfluss auf die politische Denkweise in Europa und finden ihre Weiterentwicklung und Verwirklichung nach dem 2. Weltkrieg in der Bildung der EWG (der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft) und schließlich in der heutigen Europäischen Union. 1941 stirbt Mitsuko unerwartet an einem Schlaganfall.

Für Komponist Frank Wildhorn ist die Botschaft, die er mit dieser Show transportieren möchte, eine ganz simple: »Liebe überwindet alle Grenzen«. »Mitsuko« ist, so Wildhorn, letzten Endes die Geschichte einer großen Liebe. Egal welche Hindernisse überwunden werden müssen, wenn die Liebe wahrhaftig und groß genug ist, wird sie siegen. Mitsuko als Story, die Kontinente umspannt, spiegelt sich auch in der Arbeit an diesem Musical wider: Frank Wildhorn (Musik) und Jack Murphy (Text; »The Civil War«, »Rudolf«), zwei Amerikaner, auf der einen Seite, Shuichiro Koike, der berühmte japanische Regisseur (Buch & Regie; Regie auch bei den japanischen Inszenierungen von «Elisabeth”, «Mozart”) auf der anderen. Und kam einst Mitsuko von Japan nach Europa, so soll das Musical von Europa aus nach Japan ziehen. Wien als Ort der Uraufführung passt gut in dieses kontinentübergreifende Konzept, ist doch Mitsuko in Japan eine Kultfigur, mehr noch als Kaiserin Sisi für Österreich, und das Symbol für die Verständigung zwischen Europa und Asien. Auch auf Darstellerseite wurde der kontinentübergreifende Ansatz durchgezogen. Uwe Kröger als Heinrich, Boris Eder als Erzähler bildeten mit Maki Ichiro (Misuko) und Yoshio Inoue (Richard) eine äußerst attraktive Besetzung. Das Musical Festival Orchestra Vienna unter der Leitung von Adrian Manz lieferte den süffigen Sound, genau so süffig, wie er in der Halle des Museumsquartiers gerade mal akustisch möglich ist. Auch der Background-Chor (Gen Seto, Minako Futori-Winkler, Stefanie Schönleitner, Iris Morakis, Jelena Simic, Ingolf Unterrainer, Dietmar Seidner und Mike Lebar) repräsentierte eine kontinentübergreifende Einheit.

Die Uraufführung ging in Form einer konzertanten Version als 1. Akt der Veranstaltung über die Bühne. Insgesamt 9 verschiedene Songs (die zum Teil als Reprisen und Instrumentalversionen wiederholt wurden, sodass der erste Akt aus insgesamt 17 Liedern bestand) wurden vorgestellt. Auch hier hat Wildhorn das »internationale Konzept« voll durchgezogen. Gesungen in deutscher, japanischer und englischer Sprache, war »Mitsuko« für den Komponisten sowohl einzigartige Herausforderung wie auch herausragende Gelegenheit, die musikalischen Sprachen des Ostens und Westens zu verbinden. Motivierend kam hinzu, für so prominente internationale Musicalstars wie Uwe Kröger, Maki Ichiro und Yoshio Inoue zu komponieren. Die drei Musicalstars zeigten sich an diesem Tag bei blendender Laune und guter Stimme. Kleine Textunsicherheiten kann man angesichts des hektischen Zeitplans und der kurzen Vorbereitungszeit nachsehen. Maki Ichiro liebt große Gesten, und so wird ihre Mimik und Gestik vielen Europäern wohl hemmungslos übertrieben vorkommen, allein, das kann man diesem Multikulti-Ansatz auch zugute halten: Überdeutlich wird vor Augen geführt, wie unterschiedlich die Ausgestaltung von Rollen sein kann, und da sich auch Uwe Kröger in den letzten Jahren eine Tendenz zu übergroßen Gesten angeeignet hat, fügten sich die unterschiedlichen Interpretationen letztlich doch zu einem harmonischen Ganzen. In manchen Szenen ähnelt der Clash of Cultures-Reiz jenem von Shows wie »The King and I«. Boris Eder als Erzähler ist der rote Faden, das verbindende Element, der den Erzählfluss in Gang hält und durch die Handlung, die fast fünf Jahrzehnte umspannt, führt. Yoshio Inoue interpretierte seine Songs mit enormer Stimmkraft.

Frank Wildhorn hat für »Mitsuko« im Wesentlichen das komponiert, was man Adult Contemporary Songs nennen könnte, anders formuliert, es gibt kaum ein Lied, das stilmäßig nicht auf einem Barbra Streisand- oder Barry Manilow-Album zu finden sein könnte. Nach wie vor sind seine Melodien mit Sicherheit chartstauglich, sehr einprägsam und gefühlvoll, wobei er für diese Show bei einigen Songs tatsächlich japanische Elemente mit westlichem Poptouch zu einem neuen Melodienkonstrukt verwoben hat. Neben den für seine Musicals typischen hymnischen Tunes prägt eine enorme Melancholie und Sehnsucht die durchwegs starken Songs.

Der 2. Akt des Abends war ein da capo der Konzerttour »Divas 2004«, die Uwe Kröger gemeinsam mit Yoshio Inoue und Maki Ichiro 2004 in Japan gegeben hat. Ohrwürmer aus »Jekyll & Hyde«, »Mozart!« und »Elisabeth« standen auf dem Programm. Uwe Kröger führte charmant durch diesen Teil des Konzerts, hatte starke Momente (»Wie kann es möglich sein« aus Mozart!, »This is the moment«, Jekyll & Hyde) und einen weniger starken (»Die Musik der Nacht«, Phantom der Oper), aber den vergessen wir schnell wieder. Dominiert wurde dieser Best of-Teil des Abends von Yoshio Inoue, der beweisen konnte, warum er in Japan als Star gilt. Ichiro Maki war die wahre Diva des Abends, ein Hauch von außer-/überirdischer Magie umgab ihre Performance von »Ich gehör nur mir«, sehr überschwänglich in Gestik und Mimik, theatralisch bis zum Exzess – umjubelt vom japanischen Teil des Publikums, bestaunt vom Rest.

Komponist Frank Wildhorn zeigte sich von der Leistung der Mitwirkenden des Abends begeistert: »Jeder Trip nach Wien ist magisch, aber dieses Mal war es etwas ganz Besonderes.« Zahlreiche Musicalkollegen kamen, um die Uraufführung in Anwesenheit des japanischen Botschafters S. E. Botschafter Itaru Umezu zu erleben. Auch die Nachkommen von Mitsuko waren anwesend und zeigten sich gerührt darüber, ihre Familiengeschichte auf diese Art miterleben zu dürfen. Die anschließende Party im Museumsquartier dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Rebecca – Pressekonferenz zur Uraufführung 2006 im Wiener Raimund Theater

Am 6. Dezember 2005 fand im Wiener Raimundtheater die Vorstellung des Leading Teams von »Rebecca«, der ersten Musical-Uraufführung unter der Intendanz von Kathrin Zechner, statt. Michael Kunze (Buch), Sylvester Levay (Musik), Francesca Zambello (Regie), Peter J. Davison (Bühnenbild), Birgit Hutter (Kostüme), Andrew Voller (Licht) und Caspar Richter (Musikalische Leitung) (nicht anwesend: Denny Sayers (Choreographie)) gaben in kurzen Statements und Einzelinterviews einen Einblick in die Gedankenwelt der »Macher« dieser Produktion.

Für Intendantin Kathrin Zechner ist »Rebecca« einer der interessantesten literarischen Stoffe, die es gibt, ein weltweit millionenfach verkaufter Roman, ein Hitchcock-Film, eine der faszinierendsten Liebesgeschichten, mit einer Hauptperson, die von einer unbedarften jungen Frau zu einer starken, gereiften Persönlichkeit wächst, ein Stoff, der auch eine packende Kriminalhandlung enthält, ein DramaMusical, das in seiner Vielfältigkeit und Herausforderung sehr spannend ist.

Michael Kunze kennt den Roman seit seinem 15. Lebensjahr. Als Thema für großes Musiktheater ist, so der Story-Architekt, »Rebecca« besonders geeignet, weil in diesem Stoff viel Psychologie enthalten ist, etwas, was sich am besten durch Musik ausdrücken lässt. Es ist eine Art von Geschichte, wie sie auch in Opern oft verwendet wird, diese große Kombination von Liebe, Verbrechen und Gefahr. Dazu kommt, so Kunze, dass uns die Geschichte etwas zu sagen hat, es ist eine moderne Geschichte, die Geschichte einer Emanzipation, einer Selbstfindung – insofern knüpft »Rebecca« auch an Werke wie »Elisabeth«, »Tanz der Vampire« und »Mozart!« an. »Rebecca«, meint der Autor, ist ein Stoff, der faszinieren kann, es ist für das Team Levay/Kunze ein Schritt in eine neue Richtung, schon allein vom Ambiente; ein Stück, das in den späten 20er, frühen 30er Jahren in der Atmosphäre eines nebelverhangenen, meerumrauschten englischen Herrenhauses in Cornwall spielt und viel intimer ist, in dem es darum geht, was in Menschen vorgeht, die darum kämpfen, als Menschen, so wie sie sind, akzeptiert zu werden, oder, was auch eine Form der Akzeptanz ist, sich dazu bekennen, was sie sind, was sie waren, zu ihren Fehlern und in einem Fall sogar zu einem Verbrechen. War das Thema von »Elisabeth« der Weg zur Selbstständigkeit, ging es in »Mozart!« um Freiheit, so ist die zentrale Message von »Rebecca« der Selbstwert eines Menschen. Kunze: »Jeder von uns lebt mit einem gewissen äußeren Bild, das andere von ihm haben, das er aber auch selbst macht. Es gibt ein Element in unserem Leben, das uns zwingt, die Maske vom Gesicht zu ziehen, und das ist die Liebe. Die Liebe zwingt uns aufrichtig zu sein, und das passiert in diesem Stück. Die Figuren, die am Anfang Rollen spielen, werden dann ganz sie selbst, wenn es nur mehr darauf ankommt: ‚Wer bin ich’ und ‚Kann ich so, wie ich bin, geliebt werden?’ Das ist das Thema des Stückes, und das ist ein sehr modernes und wichtiges Thema.«

Sylvester Levay, dem Komponisten des Musicals, waren nicht viele Details zur Musik von »Rebecca« zu entlocken. Fast könnte man meinen, er füge sich in den von Michael Kunze skizzierten Bedeutungsraster, was Text und Musik eines DramaMusicals betrifft: »Zuallererst der Stoff, dann die Konstruktion des DramaMusicals und dann die Musik. Die Musik hat zu dienen, die Musik hat eine dienende Funktion im DramaMusical.« Grundsätzlich, so Levay, sei er seinem Stil treu geblieben, indem er versuche, klassische Elemente mit modernen musikalischen Elementen zu verbinden. Noch sei er am Feintuning, aber bei der nächsten Pressekonferenz dürfe man sich auch auf erste Musikbeispiele aus dem Werk freuen.

Francesca Zambello las das Buch das erste Mal als junge Frau und war sofort von Daphne du Mauriers einzigartiger Erzählkunst gefangen. Zambello: »Als ich das Buch nun wieder las, mit der Idee, es auf die Bühne zu bringen, war ich vom theatralischen Potential des Romans fasziniert. Es handelt sich bei ‚Rebecca’ nicht nur um einen psychologischen Thriller, sondern auch um die Geschichte einer jungen Frau, der es durch die Kraft der Liebe gelingt, sich vom Phantom der Vergangenheit zu befreien und sich zu behaupten. Der Roman vereint die dunklen Seiten einer romantischen Seele mit dem Moment der Spannung und einem Touch von makabrem Humor. ‚Rebecca’ ist eine Reise in die Welt von Träumen, des Unbewussten, Surrealen, der Magie. Rebecca selbst ist niemals auf der Bühne, sie ist nur ein Phantom, und doch ist sie die Protagonistin. Wir sehen sie niemals, die große Leistung besteht darin, sie durch ein Musikthema lebendig zu machen. Rebecca hat einen Sound, einen Ton, Rebecca ist nur Musik.«

Caspar Richter, der Musikalische Leiter der Produktion, gibt sich auf die Frage nach dem Hitpotential von »Rebecca« sehr optimistisch: »Ja absolut. Ich kann noch nicht genau sagen, wie sich das entwickelt, aber ich kenne jetzt schon drei Hits, oder sogar vier. ‚Rebecca’ ist mehr oder weniger ein 3-Personen-Stück mit drei ganz großen Rollen. Dann gibt es die zweite Reihe an Charakteren, die auch sehr wichtig sind und zur Entwicklung der drei Hauptpersonen beitragen. Der innere Zirkel hat wunderbare Balladen, sehr emotionell und sehr gut zum Hören, mit sehr großem Wiedererkennungswert, was ja sehr wichtig ist bei dieser Popularmusik. Die anderen Rollen bieten mehr symbolhaftes Kolorit. Der Chor spielt eine große Rolle, er ist der gesellschaftliche Hintergrund und der Kommentator, wie in der griechischen Tragödie und wie es in manchen guten Opern auch der Fall ist. Ich mag die Musik sehr, es ist eine, wenn ich sage Weiterentwicklung, ist das immer falsch, was heißt schon Weiterentwicklung? Es ist anders! Gerade bei den Balladen der drei Hauptpersonen sind für mich sehr viel Kurt Weill’sche Elemente drinnen, aber sehr unbewusst, so empfinde ich das, diese melancholische und manchmal auch etwas bösartige oder verzweifelte Atmosphäre, die dann aber doch am Schluss aufbricht in einen sehr schönen, hoffnungsvollen Euphorismus.«

Im Januar 2006 beginnen die Auditions in Wien, Hamburg und Köln. Über 700 Künstler haben sich angemeldet, von ihnen erhalten 400 die Möglichkeit zu einem Vorsingen. Die »Call Backs« werden im Februar stattfinden. Gesucht werden 7 Solisten und 21 Ensemble-Mitglieder. Die Uraufführung von REBECCA wird am 28. September 2006 im Wiener Raimund Theater stattfinden.

Konservatorium Wien Privatuniversität: »Casting«

»Casting«, eine Produktion des 4. Jahrgangs der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater am Konservatorium Wien, könnte zu einem Meilenstein in der Geschichte der Musicaldarsteller-Schmiede werden, ist es doch die erste Show, die an einen Partner, in diesem Fall das »Theater der Jugend«, weiterverkauft werden konnte und daher nicht nur als Bestandteil der Ausbildung, sondern auch als »reguläre« Theaterproduktion (im Wiener Metropol) gegeben wird.

Am Anfang der Entwicklungsphase von »Casting« standen Improvisationen der Studenten – Selbstzweifel, Zukunftsängste, aber dann doch diese enorme Lust zu performen, Träume versus die Realität des Berufslebens als Darsteller: »Was, wenn ich es nicht schaffe? Bei der letzten Audition, da war ich wirklich gut. Ob ich jemals davon leben werde können? Was, wenn ich nach meiner Ausbildung kein Engagement bekomme? Wem möchte ich eigentlich gefallen – dem Publikum? Ich habe Angst zu versagen. Warum die mich nicht genommen haben. Was ist schon Erfolg? Wenn die Konkurrenz bloß nicht so groß wäre. Was, wenn ich irgendwelche Jobs machen muss, nur weil ich nix zu spielen habe? Bin ich deshalb schlecht? Möchte ich MIR gefallen? Und wenn die mich nicht gut finden? Was dann? Ich möchte nur auf der Bühne stehen und performen. Irgendwer wird immer die scheiß Drehung besser können als ich …« Aufbauend auf den gemeinsam geformten Szenen haben Erhard Pauer, Vorstand des Fachs Musikalisches Unterhaltungstheater und Regisseur der Produktion, sowie Michaela Ried (Text) eine »Musikalische Revue« entwickelt, deren Inhalt rasch erzählt ist: Was passiert, wenn 8 junge Künstler (Vincent Bueno, Joachim Feichtinger, Elise Hovdkinn, Jonny Kreuter, Lisa Polacek, Lutz Standop, Tomas Tomke und Gloria Wind) genau 6 Tage Zeit haben, um eine 10-minütige Ensemblenummer einzustudieren? Die Zeit ist verdammt knapp, da sagt auch noch der Choreograph unerwartet ab – ja, was nun? Auf sich allein gestellt, unterstützt nur von einem kauzigen Korrepetitor (ganz wunderbar in dieser Rolle am Klavier Lior Kretzer, gleichzeitig auch für die Musikalische Leitung der Show zuständig) haben nun die Musicalstars in spe alle Fäden selbst in der Hand. Das Publikum wird nicht nur Zeuge der unvermeidlich auftretenden Konflikte und Krisen, der (genüsslich und sehr unterhaltsam gespielten) Ticks und Spleens der Protagonisten, sondern erhält auch einen Begriff davon, was es heißt, künstlerisch zu arbeiten, also eine Ensemblenummer sängerisch und choreographisch einzustudieren.

Die pfiffige Show besticht durch Wortwitz und verdichtet sich in ihren besten Momenten zu einer »Fame«-artigen spannungsgeladenen Stimmung. Dass die Musik, wenn mehr als Klavierbegleitung nötig ist, vom Band kommt, tut dem keinen Abbruch. Blicke hinter die Kulissen sind immer verlockend, das nützen die Macher dieser Show perfekt aus. Die Bühne und der Zuschauersaal werden mit wenig Aufwand und einigen Requisiten sehr clever zur Probebühne und zum Tanzsaal – was man nicht sieht, bleibt der eigenen Phantasie überlassen, und die wird durch den »Soundtrack« der Show geradezu beflügelt: Stephen Sondheim (»Sooner or later«, Dick Tracy), Charles Strouse (»It’s a hard knock life«, Annie), Cy Coleman (»Big Spender«, Sweet Charity; »Du bist nur, weil ich bin«, City of Angels) bis hin zu Sylvester Levay (»A bisserl für’s Herz und für’s Hirn«, Mozart!), Robert Lopez (»I wish I could go back to college«, Avenue Q), Stephen Schwartz (»Popular«, Wicked), Andrew Lloyd Webber (»I believe my heart«, The Woman in White), Andrew Lippa (»Let me drown«, Wild Party), Michael John LaChiusa (»People like us«, Wild Party) und Paul Gordon (»Sirens«, Jane Eyre) liefern das Songmaterial, das den jungen Talenten die Möglichkeit bietet, zu zeigen, was sie an Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung haben. Vincent Bueno ist das Energiebündel dieses Jahrgangs. Seine Mimik und Gestik, seine Bewegungen – immer exakt und voller Spannung. Er ist einer jener Performer, die auf der Bühne »erscheinen« und alle Blicke automatisch auf sich lenken, ein Strahler mit Charisma. Mit Tomas Tomke liefert er sich das mitreißende Gesangsduell »Du bist nur, weil ich bin« aus dem Musical »City of Angels«. Der deutsche Text von Michael Kunze wurde dabei von Tomas Tomke umgetextet. Auch bei »I wish I could go back to College« aus Avenue Q stellt Tomke seine Texterqualität unter Beweis. Insgesamt ein starker Jahrgang, der sich mit dieser Show ausgezeichnet zu präsentieren weiß.

»Look at me«, der Showstopper aus »The Witches of Eastwick” (Dana P. Rowe) wird zum heimlichen Motto des Abends: «Look at me/I am the music/A soaring tune upon the air/ (…) Look at me/I found the power/Look at me, in my life, I found the self esteem”. Mit einem furiosen Finale, das mit einem Broadway-»Best of« von Frank Wildhorn (»Into the fire«, The Scarlet Pimpernel) bis Jonathan Larson (»I’ll cover you«, Rent) und John Kander (»We both reached for the gun«, Chicago) in eine Chorus Line (Marvin Hamlisch, »Let me dance for you«) mündet, soll sich das erfüllen, was eines der heimlichen Ziele dieser Produktion zu sein scheint, denn wie meint Erhard Pauer so schön: »Die jungen Leute sollen erleben, was es neben »Romeo & Julia« noch alles an wunderbaren Musicals gibt.«

The TheaterMania Guide to Musical Theater Recordings

The Theatermania Guide to Musical Theater Recordings
Was zur Bibel für Musicalfans hätte werden können, es entpuppt sich letztlich als Zankapfel: der TheaterMania Guide to Musical Theater Recordings, herausgegegeben von Michael Portantiere, Editor-in-Chief der bekannten Website TheaterMania.com, versehen mit einem Vorwort von Jerry Herman.
Das broschierte Buch bietet auf rund 400 Seiten Kritiken zu mehr als 1000 Cast-CDs der wichtigsten Shows des Broadway und Londoner West End, beginnend am Anfang des 20. Jahrhunderts - eine umfangreiche Aufgabe. Jede Aufnahme wird nach einem Punkteschema von “not recommended” (kein Punkt) bis “Superlative; outstanding” (5 Punkte) bewertet.
Das erste große Minus: es gibt keine exakten Angaben zur Cast, Details zu Komponist, Texter etc. sind lediglich in den Kritiken selbst enthalten, nicht in einem Übersichtsteil zu jeder CD. Letztlich ist dieses Buch tatsächlich eine leserunfreundliche Ansammlung von Kritiken geworden - eine höchst subjektive, und die Empörung unter beispielsweise englischen Musicalfans war groß, als sie für sich aus den Kritiken herausfilterten, dass englische Cast-CDs praktisch immer schlechter “bewertet” werden als die amerikanischen Pendants.
Ganz übel meint man es mit Boublil & Schönberg. Von “Miss Saigon” etwa werden 2 Cast-CDs rezensiert: die Original London Cast von 1989 und die Studio Cast von 1995. Das Urteil des Kritikers: “not recommended”. Zitat: “Like its equally Eurotrashy predecessors “The Phantom of the Opera” and “Les Misà©rables”, “Miss Saigon” followed a crooked path to enourmous popular and financial (but not artistic) success.”
“Les Misà©rables” konnte die Kritiker ein klein bisschen mehr überzeugen. Die Original London Cast (1985) erhielt 2 Punkte, Broadway Cast (1987) ebenfalls 2 Punkte, Complete Symphonic Recording (1988) nur einen Punkt, die London Concert Cast (1995) 2 Punkte.
Favorit der Kritiker, was Boublil/schönberg betrifft, ist eindeutig “Martin Guerre”: 4 Punkte für die London Cast (1996) und 3 Punkte für die Touring Cast.
Andrew Lloyd Webbers “Das Phantom der Oper” kommt auf den 2 bewerteten Aufnahmen nicht über je einen Punkt hinaus. Zur London Cast CD wird vermerkt: “The recording gets one grudging star for its few nice moments, but don’t take that as a recommendation to buy it.”
Man mag sich über die Subjektivität der Rezensenten empören, Fakt ist, dass wir hier Kritiken zu mehr als 1000 Cast-CDs vorliegen haben, und wenn man dieses Büchlein schon zu nichts anderem verwenden mag, so doch vielleicht als höchst inspirierende Ansammlung von Kauftipps. Garniert wird das Ganze durch Listen der 10 persönlichen Lieblingsmusicals von Größen wie Barbara Cook, Kristin Chenoweth, Fred Ebb, Jason Robert Brown und Michael John LaChiusa.
[The Theatermania Guide to Musical Theater Recordings; Paperback: 416 pages; Publisher: Backstage (December 10, 2004); ISBN: 0823084353]

Jackson R. Bryer; Richard A. Davison (Herausgeber): The Art of the American Musical – Conversations with the Creators

artofamericanmusical.jpgEs gibt Bücher, an denen kommt man als am amerikanischen Musical Interessierter nicht wirklich vorbei. “The Art of the American Musical” gehört dazu. Auf 308 Seiten bringen die Herausgeber Jackson R. Bryer und Richard A. Davison Transkriptionen von insgesamt achtzehn Interviews mit einigen der wichtigsten kreativen Köpfe dieser Kunstform: Lynn Ahrens und Stephen Flaherty (”Once on This Island”, “Ragtime”), Jason Robert Brown (”Parade”, “The Last Five Years”), Betty Comden und Adolph Green (”On the Town”, “Bells Are Ringing”), Sheldon Harnick (”She Loves Me”, “Fiddler on the Roof”), John Kander und Fred Ebb (”Cabaret”, “Chicago”, “Kiss of the Spider Woman”), Burton Lane (”Finian’s Rainbow”, “On a Clear Day You Can See Forever”), Arthur Laurents (”West Side Story”, “Gypsy”, “Hallelujah, Baby!”) ,Hal Prince (”The Pajama Game”, “Damn Yankees”), Kathleen Marshall (”Kiss Me Kate”, “Wonderful Town”), Stephen Sondheim (”Company”, “Sweeney Todd”), Susan Stroman (”Crazy for You”, “The Producers”), Charles Strouse (”Bye Bye Birdie”, “Annie”), Tommy Tune (”Nine”, “Me and My Girl”), John Weidman (”Pacific Overtures”, “Assassins”) und George C. Wolfe (”Jelly’s Last Jam”, “Harlem Song”).

Das beherrschende Thema des Buches ist die Frage, wie die verschiedensten kreativen Abteilungen einer Musicalproduktion bei der gemeinsamen Arbeit kooperieren, um das, was man dann als Gesamtwerk “Musical” auf der Bühne sieht, entstehen zu lassen. So lässt sich dieses Buch auch gliedern in Interviews mit Komponisten, Textern, Librettisten, Regisseuren, Choreographen und Produzenten. Viele der Interviewten nehmen im kreativen Entstehungsprozess auch Mehrfachfunktionen ein, Jason Robert Brown beispielsweise ist unter anderem Komponist, Texter und Musikalischer Direktor, die meisten der Befragten haben bereits miteinander gearbeitet oder mit den Großen der Branche, die zwar nicht selbst interviewt werden konnten, aber vielfach Erwähnung finden, wie Leonard Bernstein, Jerome Robbins, Jule Styne, Bob Fosse, Liza Minnelli, Alan Jay Lerner und viele andere.

“The Art of American Musical” ist kein Buch über Musicaldarsteller, sehr wohl ist aber ein “Sequel” zu diesem Werk in Planung, in dem dann die Performer zu Wort kommen sollen.

Bemerkenswert an diesem Interviewband ist die große Bereitschaft aller Beteiligten, wirklich ausführlich zu den clever gestellten Fragen Stellung zu nehmen. Und so kann es schon vorkommen, dass Jason Robert Brown mehr als drei Druckseiten für die Beantwortung einer einzigen Frage Platz bekommt. Als Leser empfinde ich das als Wohltat, in Zeiten, da sogar in Onlinemedien “Platz” Mangelware ist. Man sollte meinen, dass im Internet, wo es nicht drauf ankommt, ob man nun ein bisschen mehr oder weniger scrollt, Content, also Inhalt, beliebig lange sein darf, wenn es das Thema erfordert, allein, genau das Gegenteil wird von allen Fachleuten gepredigt: »”Man” liest nicht lange Texte im Internet.« In Zeitschriften ist meistens auch kein Platz, um wirklich lange, ausführliche Texte abzudrucken, es wird gekürzt, umgestellt und noch mal gekürzt – bleibt also das gute alte Buch.

Die achtzehn Interviews entstanden zwischen 1992 und 2004, alle Beteiligten erhielten vor der Drucklegung noch einmal die Chance, ihre Statements upzudaten. “The Art of American Musical” ist nicht nur ein Lobgesang auf Triumphe, auch die großen Flops werden ausführlich behandelt, so beispielsweise Stephen Sondheims Musical “Bounce”, an dem auch John Weidman und Harold Prince beteiligt waren. So ergibt sich die Analyse eines Flops aus den verschiedenen Ecken des Kreativteams.

Ein Stichwortverzeichnis ist vorhanden, man kann das Buch natürlich auch als Quelle für biographische Zwecke verwenden, jedem Interview sind ein kurzer Lebenslauf und eine Werkübersicht vorangestellt, auch Bildporträts der Befragten fehlen nicht.

Fazit: Ein rundum faszinierendes Buch, mit Sorgfalt und Liebe zum Genre editiert.

Jackson R. Bryer; Richard A. Davison: The Art of the American Musical – Conversations with the Creators. Rutgers University Press, New Brunswick 2005, 308 S.; ISBN: 0-8135-3613-8. $ 23,95 (Paperback). http://rutgerspress.rutgers.edu/

Ulrich Khuon (Hrsg.): Beruf: Schauspieler – Vom Leben auf und hinter der Bühne

berufschauspieler.jpg“Sag: ‚Viele Versprecher, du Schlampe.’ Jetzt mach schon Junge, ich muss auf die Bühne!” forderte eine große alte Dame des Theaters vor vielen Jahren vom jungen Dramaturgen John von Düffel. »Man sagt nicht ‚viel Glück’, wenn man jemandem viel Glück wünscht!« schimpft sie ihn so laut, dass es jeder im Gardereobentrakt hören kann. Düffel weiß noch nichts von den Do’s und Dont’s am Theater, er hat noch keine Ahnung, warum man auf der Bühne nicht pfeifen darf, warum »Teufel, Teufel, Teufel« als Premierenwunsch dann doch noch um einen Deut besser als »Toi, toi, toi« ist, warum man auf der Bühne nicht isst und keine Hüte und Mäntel tragen darf, sofern sie nicht zum Kostüm gehören. Die ungeschriebenen Theatergesetze – sie sind ihm noch alle fremd. »Bitte nicht pfeifen! – Eine Verteidigung des Aberglaubens auf der Bühne«, verfasst von Dramaturg, Film- und Theaterkritiker John von Düffel, ist ein Artikel in einer Buchneuerscheinung mit dem Titel »Beruf: Schauspieler«, einem faszinierenden Sammelband, herausgegeben vom Intendanten des Thalia Theaters Hamburg, Ulrich Khuon.
Auf Stichwort brechen sie in Tränen aus, schreien und lachen, singen und tanzen, sind wütend oder fröhlich. Darsteller stehen im Rampenlicht und müssen in ihrer Rolle überzeugen: mit ihrer Stimme, ihrer Mimik und Gestik, ihrem ganzen Körper. Mit Haut und Haar schlüpfen sie in ein anderes Ich, auf der Bühne oder vor der Kamera. Der Schauspieler, das zerbrechliche Wesen. Auch das einer von vielen Ansätzen, wie man sich dem Leben vor und hinter der Bühne in diesem Buch nähert: mit einfühlsamen Porträts und Interviews. Zu Wort kommen Newcomer und arrivierte Stars wie Paula Dombrowski, Caroline Ebner, Maren Eggert, Judith Engel, Fritzi Haberlandt, Alexandra Henkel, Dietmar König, Hans Kremer, Stefan Kurt, Susanne Lothar, Michael Maertens, Annette Mayer, Annette Paulmann, Wiebke Puls, Sylvie Rohrer, Stefanie Stappenbeck, Ulrich Tukur, Susanne Wolff und Martin Wuttke. Interessant dabei ist nicht nur, wie der/die Interviewte antwortet, sondern wie das Frage-Antwort-Spiel von den Autoren des Buches aufbereitet wird. Ganz verschiedene Ansätze haben da die Autoren dieses Buches: Sonja Anders, Eva Behrendt, Klaudia Brunst, Werner Burckhardt, Petra Castell, Robin Detje, John von Düffel, Jürgen Flimm, Gerhard Jörder, Hellmuth Karasek, Andreas Kriegenburg, Brigitte Landes, Frauke Meyer-Gosau, Monika Nellissen, Thomas Oberender, Peter Reszczynski, Hermann Schreiber, C. Bernd Sucher und Egbert Tholl.
Man liest viel von “Angst” in diesem Buch, aber auch viel von Leidenschaft, Begeisterung, Illusionen und Desillusionierung. Sehr kritisch setzt sich beispielsweise die Kulturjournalistin Monika Nellissen in ihrem Beitrag “Alle Kellner sind Schauspieler” mit der Arbeitsmarktsituation auseinander: »Kellnern, sagt Michael Schäfermeyer, Leiter der Schauspielabteilung der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) der Bundesagentur für Arbeit, und meint das nicht zynisch, sei ja noch ein honoriger Beruf. Im Extremfall werden Pornogeschichten gemacht, und sei es nur als Overvoice, um ein paar Euro zu verdienen.” Die Prognosen sind düster. Nach den Hartz-IV-Gesetzen dürfen Schauspieler nur noch dann Arbeitslosengald beziehen, wenn sie innerhalb von zwei Jahren an mindestens 360 Tagen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Davor galt ein Zeitraum von drei Jahren. Etatkürzungen, Theaterfusionierungen und -schließungen … natürlich müssen nicht alle Darsteller als Kellner arbeiten. Aber Statistiken, wieviele es tun, gibt es nicht. Da Realität, dort die Formulierung des Ziels: »Wenn ihr die Menschen erreicht, wenn sie über euch weinen, lachen, wenn ihr sie nachdenklich macht oder ihnen vielleicht sogar eine Lebenshilfestellung gebt, dann erfüllt ihr unseren Beruf. Ihr erfüllt unsere Berufung«, so Boy Gobert, der legendäre Theatermann. Als Intendant, Schauspieler und Regisseur war das Theater sein Leben. Was das Theaterleben so einzigartig macht, den Zauber des Theaters, ihn versucht dieses Buch ein wenig zu entschlüsseln. Wie gehen Schauspieler mit Verrissen um, Lampenfieber, Neid, Ängsten, wie mit Erfolg? Wie hat sich der Beruf in den letzten Jahrzehnten verändert. Fragen, die auf spannende Weise beantwortet werden, und neue, unbeantwortet bleibende Fragen aufwerfen. Ein Fragebogen rundet die Interviews, Portraits ab: »Stören Sie hustende Zuschauer?«, »Wie gehen Sie mit Buhs um?«, »Haben Sie Hemmungen, auf der Bühne nackt zu sein?«, »Spielen Sie gerne in einer Uraufführung«, »Was tun Sie gegen Lampenfieber?«, »Gibt es Kritiker, deren Meinung Ihnen wirklich wichtig ist?«, »’Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze’. Hier irrt Schiller?«, »Sind Sie abergläubisch?« – nur einige der interessanten Fragen.
Insgesamt eine anregende Lektüre, die man allen Darstellern, aber auch Rezensenten und einfach begeisterten Theatergehern ans Herz legen kann.

Ulrich Khuon (Hrsg.): Beruf: Schauspieler – Vom Leben auf und hinter der Bühne. edition Körber-Stiftung, Hamburg 2005, 368 S.; ISBN: 3-89684-045-2. € 18,00 (Hardcover). www.edition-koerber-stiftung.de

John Snelson: Andrew Lloyd Webber

snelsonwebber.jpgFrage: Wann ist ein Musical kein Musical? Antwort: Wenn es Andrew Lloyd Webber komponiert hat.
Sir Andrew, Komponist, Produzent, Agent und Manager, geboren 1948 in Westminster (London), ist in der Musicalbranche wohl das Reizwort schlechthin. 7 Tonys hin, 3 Grammys her, in Kritiken, Glossen und manch böser Nebenbemerkung wird auf Andrew Lloyd Webber eingedroschen, was nur geht. Interessanterweise ist das Begriffsrepertoire, das von seinen Kritikern angewendet wird, in der Regel nicht sehr differenziert. Das Ziel, des Komponisten Werk abzuqualifizieren, wird meistens auf kürzestem Wege über plakative Schlagworte und dämliche Metaphern erreicht.
John Snelson geht einen ganz anderen Weg, hat einen ganz anderen Background – ein anderes Ziel. Er möchte dem Phänomen Andrew Lloyd Webber möglichst sachlich auf den Grund gehen. Es steckt eine andere Einstellung hinter seinem Ansatz – die eines Musikwissenschaftlers. Snelson interessiert sich grundsätzlich für das Schaffen von Lloyd Webber und ist dem Künstler gegenüber positiv eingestellt. Was auch immer man an Webber auszusetzen hat, er hat die Art und Weise, wie Musicals heute wahrgenommen werden, grundlegend beeinflusst, seine Erfolge sind evident. “The Phantom of the Opera” ist die am längsten laufende Show am Broadway, gefolgt von – “Cats”. Webbers Erfolg verdient und verlangt es, ernst genommen und seriös analysiert zu werden, exakt das ist Snelsons Anliegen.
Das begriffliche Instrumentarium des Autors ist äußerst vielschichtig, die (musik-)theoretische Basis, auf der sein Werk basiert, ist fundiert. Ausgehend von möglichst vielen Ansatzpunkten seziert er das Werk Lloyd Webbers in sich immer mehr verengenden Kreisen, bis hin zur Analyse von einzelnen Leitmotiven, der einzelnen Note (27 Notenbeispiele sind im Buch enthalten), den Marketingtricks des Künstlers, beispielsweise die Big Ballads im Vorfeld der Premieren in den Charts zu platzieren, auch wenn er dafür zuerst einmal die Nummern völlig umbauen muss (so geschehen bei “No matter what” aus “Whistle Down the Wind”).
Snelson beginnt mit dem biographischen Aspekt und rollt Webbers Lebensgeschichte im Spiegel seiner Werke auf 19 Seiten auf. In einer nächsten Stufe analysiert er die Webberschen Musicals vor dem Hintergrund der Entwicklung der zeitgenössischen Pop- und Rockmusik sowie der Klassik (z. B. “Joseph” – Pop; “Jesus Christ Superstar”, “Evita” – Rock plus zusätzliche Einflüsse von Prokofjew, Schostakowitsch und Strawinsky) und widmet sich danach dem “Phantom der Oper”. Die Analyse dieses Musicals auf 50 Seiten ist das Herzstück von Snelsons Webber-Biografie. Ausgehend vom Stoff, einer Zusammenfassung der von Webber benutzten Quellen, gibt Nelson anhand von zahlreichen Notenbeispielen Einblicke in die Kompositionskunst Webbers, interpretiert dessen musikalische Sprache und analysiert so das Geheimnis der Wirkung der Songs von Andrew Lloyd Webber.
Ein weiteres Kapitel widmet der Autor den zahlreichen Verfilmungen der Webberschen Musicals. Eine Diskussion des Begriffs “Musical-Kanon”, die Einordnung bzw. Stellung der Werke Webbers darin beschließen John Snelsons Analyse. Webber, so Snelson, definiert seit Jahrzehnten auf bemerkenswerte und vielschichtige Art und Weise das Genre “Musical Theatre” immer wieder neu. Er sieht das “Musical Theatre” nicht als isolierte Gattung, sondern eingebunden in ein größeres Netz kultureller Querverbindungen, Einflüsse, die sich als blendende Inspirationen nützen lassen. Auch das ist, nicht zuletzt, eines seiner Erfolgsrezepte. “The Composer must dictate the evening because you are, in the end, the dramatist.” So lautet ein Zitat von Lloyd Webber, das Snelson gleich drei Mal in seinem Buch verwendet, und in der Tat scheint dies ein weiteres zentrales Mosaiksteinchen in der Karriere des “Broadway Master” zu sein. Interessant wäre eine Diskussion zu diesem Thema mit Michael Kunze, der eine ganz andere Meinung vertritt: “Die Musik hat zu dienen, die Musik hat eine dienende Funktion im DramaMusical.« (Michael Kunze, 2005) – aber das ist eine andere Geschichte.

John Snelson: Andrew Lloyd Webber. Yale University Press, New Haven & London 2004. 267 S. ISBN: 0-300-10459-6. 45 $. (Hardcover) [www.yalebooks.com]

David Cote/Joan Marcus: Wicked: The Grimmerie – A behind-the-scenes look at the Hit Broadway Musical

grimmerrie.jpgFür viele ist es DAS Cast-Album der letzten Jahre schlechthin, am Broadway ist es mit wöchentlich 15.000 zahlenden Besuchern eine der derzeit erfolgreichsten Shows, seit 2005 feiert eine Tourproduktion in den USA Zuschauerrekorde, und im Herbst 2006 steht die West End-Premiere an, kurz: “Wicked”, Stephen Schwartzs Zaubermärchenmusical, das Prequel zum legendären Musical “Der Zauberer von Oz”, das die Geschichte der bösen Hexe Elphaba und ihrer Rivalin, der guten Hexe Glinda, erzählt (basierend auf einem Bestseller von Gregory Maguire), ist drauf und dran, vom Broadway aus die Welt zu erobern. Und während man von den meisten Musicals Tassen, Anhänger etc. vor Ort im Theater kaufen kann, manchmal auch Plüschtiere, Libretti oder anderes nettes Zeugs, gibt es von “Wicked” eine ganz spezielle, wertvolle Erinnerung: “Wicked: The Grimmerie” nennt sich ein Buch, das im Großformat (23 x 31 cm), und zwar äußerst aufwendig, produziert wurde. Falls Sie so wie ich auch zu jener Sorte Mensch gehören, die bei einem neuen Buch zuerst mal das Cover streichelt, an den Seiten riecht und die Qualität der Verarbeitung und des Papiers prüft – das haptische Vergnügen bei diesem Buch ist unbeschreiblich, das muss man schon selbst erleben.
In der Broadway-Show “Wicked” ist “The Grimmerie” ein altes Buch mit Zaubersprüchen, das Elphaba verwendet, und auch das bei Hyperion erschienene “Grimmerie” ist ganz auf altes Zauberbuch gestylt. Das beginnt schon beim Cover, das als vergilbter Prachteinband designt und luxuriös mit Schaumstofffüllung verarbeitet wurde. Der Innenteil des Buches ist durchgehend vierfärbig auf qualitativ hochwertigem Papier gedruckt, und was das Layout, die Grafiken und die Bilder betrifft, so waren hier Vollprofis am Werk, die fast keine Wünsche offen ließen. Sicher, ein paar Fans hätten sich eine ungekürzte Version des Librettos gewünscht, aber was sonst alles geboten wird, ist beeindruckend, denn außen hui, heißt in diesem Fall nicht innen pfui. Eine informativ bebilderte Entstehungsgeschichte des Musicals, Artikel zu den ersten Workshops, den Try-outs, der Broadway-Version und der Tourproduktion, Interviews mit den Machern der Show, Stephen Schwartz, Marc Platt, Joe Mantello, Gregory Maguire, Winnie Holzman, ausführliche bebilderte Biographien der Cast (sowohl der Broadway-Show als auch der Tourproduktion), ein kleines verspieltes Quiz, “Bist du eher Glinda oder eher Elphaba?”, ausführliche Beschreibungen und Interpretationen jedes Songs durch Stephen Schwartz, ein Wörterbuch der Sprache von Oz, eine genaue Dokumentation, wie die Darstellerin der Elphaba jeden Abend vor der Show grün eingefärbt wird, faksimilierte Original-Notenblätter sowie Entwürfe von Kostümen, Bühnenbild, technischen Details … die Fülle an Informationen, optisch blendend umgesetzt, ist überwältigend. Für Fans der Show ein Muss, und auch für all jene, die ein bisschen hinter die Kulissen dieses Erfolgsmusicals schauen wollen.

David Cote/Joan Marcus: Wicked: The Grimmerie – A behind-the-scenes look at the Hit Broadway Musical. Hyperion, New York 2005, 192 S. ISBN: 1-4013-0820-1. 40 $. (Hardcover) [www.hyperionbooks.com]

Mick Rock: Rocky Horror – Das Buch zum Kultfilm

rockyhorror.jpgRichard O’Briens Musical “The Rocky Horror Show” wurde 1973 an der experimentellen “Theatre Upstairs”-Bühne des Londoner Royal Court Theatres uraufgeführt und im selben Jahr zum “Best Musical” gekürt. Am 21. Oktober 1974 begannen unter der Regie von Jim Sharman und Autor Richard O’Brien die Dreharbeiten zur “Rocky Horror Picture Show”. Den Großteil der Rollen übernahm die Londoner Originalbesetzung: Tim Curry als Frank N. Furter, Richard O’Brien als Riff Raff und Patricia Quinn als Magenta. Susan Sarandon und Barry Bostwick verkörperten Janet und Brad.
Am 24. März 1975 feierte der Film in den USA Premiere. Als “Kitsch-Schund” von den Kritikern verrissen, blieb der Erfolg zunächst aus. Die “Rocky Horror Picture Show” drohte in der Versenkung zu verschwinden. Dank einer äußerst hartnäckigen Fangemeinde, einigen neu geschnittenen Szenen und eines geänderten Marketingkonzeptes wurde der Film sechs Monate später doch noch als Midnight-Movie zum Kinoerfolg.
In seinem großformatigen (24 x 30 cm) Bildband “Rocky Horror” zeigt Starfotograf Mick Rock auf 272 Seiten über 300 Fotos, die er während der Dreharbeiten zur “Rocky Horror Picture Show” aufgenommen hat.
Mick Rock, geboren 1948, ist bekannt als “der Mann, der die 70er fotografierte” – die Welt des “Glam Rock”, berühmt für ihr Glitzer-Make-up, bizarre Kostüme und theatralische Bühnenshows. Im Laufe seiner Karriere fotografierte er Stars wie David Bowie, Alice Cooper, Roxy Music, Lou Reeds, Iggy Pop, Queen, Sex Pistols, Ramones, Talking Heads, Blondie bis hin zu Kate Moss, Michael Stipe und den Chemical Brothers.
Der durchwegs zweisprachige Bildband, ergänzt durch Erinnerungen an diese Zeit und einige Anekdoten des Rockfotografen, ein Vorwort von Richard O’Brien sowie Zitate vieler Beteiligter ist ein Mix von porträtartigen, wunderschönen Großaufnahmen und stimmungsvollen Schnappschüssen, eine Mischung aus gestochen scharfen Bildern und atmosphärisch dichten “Zufallstreffern” – wobei man mit dem Begriff “Zufallstreffer” leicht in Versuchung kommen könnte, das Genie Mick Rock zu unterschätzen. Er wusste schon genau, wann er auf den Auslöser drücken musste, um ein Zeitdokument zu knipsen: “Ich konnte knipsen, was auch immer mir gerade ins Auge fiel und meine Fantasie anregte”, so Mick Rock. Als “Special Photographer” war er nah am Drehgeschehen. Seine Fotos zeigen beispielsweise, wie Tim Curry als Frank N. Furter während der Drehpause im Swimmingpool planscht, wie sich Richard O’Brien in Riff Raff verwandelt oder wie die illustre Gesellschaft die Erschaffung des Liebesmonsters “Rocky” zelebriert.
“Rocky Horror” ist ein Buch geworden, das mit jedem Durchblättern gewinnt, immer wieder entdeckt man Details, an denen man hängen bleibt: Gesten, ein für immer festgehaltener Gesichtsausdruck, das laszive Spiel mit der Kamera – ein voyeuristischer Kunstgenuss der besonderen Art. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte, die man sich selbst erschließen, für sich selbst auf eine bestimmte Art und Weise erfinden muss. So gesehen kann es durchaus vorkommen, dass man nach hastigem erstem Durchblättern noch viele weitere Stunden mit diesem Buch verbringt.

Mick Rock: Rocky Horror – Das Buch zum Kultfilm. Mit einem Vorwort von Richard O’Brien. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2005, 272 S. ISBN: 3-89602-666-6 2005. 39,90 €. (Hardcover) [www.schwarzkopf-schwarzkopf.de]

John Kenneth Muir: Singing a New Tune – The Rebirth of the Modern Film Musical from Evita to De-Lovely and Beyond

singinganewtune1.jpgUS-Autor John Kenneth Muir ist ein Vielschreiber. Seit 1997 publiziert der Filmspezialist pro Jahr durchschnittlich zwei Bücher. Dem Horrorfilm gilt seine Leidenschaft. Er schrieb Biographien über Wes Craven, Tobe Hooper und Sam Raimi sowie zu diversen Spezialthemen den Horror- und Science-Fiction-Film betreffend. Nur ein Schelm würde nun eine Überleitung vom Horrorfilm zum Filmmusical wagen. Aber was soll’s.
Mit “Singing a New Tune” zeichnet Muir die Geschichte des englischsprachigen Filmmusicals von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart in dicken Strichen auf die Filmleinwand. Er tut dies im Stile eines Anekdotenerzählers. “Namedropping” ist ein beliebtes Stilmittel amerikanischer Autoren: Zu einem Thema werden fünf, sechs, sieben Leute, möglichst prominent, als Zitatäußerer herangezogen – das können in Muirs Fall Kritiker sein, Filmproduzenten, Regisseure, Schauspieler … Aus ihren Statements konstruiert der Autor wie ein Puzzle die Geschichte des Filmmusicals. Die Frage, die sich bei diesem Buch grundsätzlich stellt: Was ist ein Filmmusical? Muir tut sich da relativ leicht. Alles, was Songs hat, passt rein, egal ob Animationsfilm, Drama oder Komödie. “South Park – Bigger, Longer & Uncut”, ganz klar, ein Filmmusical. Die Disney-Zeichentrickfilme? Klar, Filmmusicals. “From Justin to Kelly”, das gefloppte Promotion-Vehikel für die “American Idol”-Teilnehmer Justin Guarini und Kelly Clarkson – na logo, ein Filmmusical.
96 von 360 Seiten sind dem Zeitraum bis 1996 gewidmet, rund 180 Seiten dem Filmmusical ab 1996, und an die 70 Seiten umfasst der Anhang (u. a. mit etwas genaueren Cast- & Creative-Team-Angaben zu den besprochenen Filmen ab 1996, einem Stichwortregister und einem Verzeichnis der verwendeten Quellen). Im Hauptteil seines Buches widmet sich der Autor sehr ausführlich den Filmmusicals “Evita” (1996), “Everyone says I love you” (1997), “Velvet Goldmine” (1998), “Love’s Labour’s Lost” (2000) “Dancer in the Dark” (2000) “Moulin Rouge” (2001), “Hedwig and the Angry Inch” (2001), “Chicago” (2002), “Camp” (2003), “De-Lovely” (2004) und “The Phantom of the Opera” (2004). Da er im Zusammenstellen von interessanten Zitaten, Interviewausschnitten und Statements von an den Produktionen Beteiligten ein gutes Händchen hat, ist “Singing a New Tune” alles in allem ein leicht zu lesender, unterhaltsamer Führer durch die Geschichte des Filmmusicals. Man bekommt Lust, sich die alten und neuen Klassiker mal wieder anzusehen. Viel Neues hat Muir für den Zeitraum bis 1996 nicht zu bieten, zumindest nicht für Musicalkenner, dafür zeichnet er für die Neuzeit des Filmmusicals ein paar recht interessante Entstehungs- und Rezeptionsgeschichten. Ein bisschen ärgerlich sind die peinlichen Fehler, die Muir durchgerutscht sind. So wird Meat Loaf als Komponist der “Rocky Horror Show” abgefeiert (Richard O’Brien wird sich freuen), “Hopelessly devoted to you” wird als Song der Bühnenversion von “Grease” zitiert, und bei “Strictly Ballroom” werden Namen von Schauspielern mit jenen der Filmfiguren verwechselt, um mal nur ein paar Fehler aufzuzählen. Aber vielleicht ist das ja auch als Zusatznutzen konzipiert, nach dem Motto: Wer findet die meisten Fehler?

John Kenneth Muir: Singing a New Tune – The Rebirth of the Modern Film Musical from Evita to De-Lovely and Beyond. Applause Theatre & Cinema Books, New York 2005. 360 S. ISBN: 1-55783-610-8. 24,95 $. (Hardcover) [www.applausepub.com]

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