Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - Absurditäten

“Becoming Peter Pan” - wütende Jackson-Fans spammen das Schubert Theater voll

Zeit für ein Outing. Mein Name ist Martin Bruny und ich bin Michael-Jackson-Fan - schon länger als ich mich mit Musicals beschäftige. Ich kenne die Szene der Jackson-Fans aus eigener Erfahrung - die guten als auch die bösen Seiten. Für Michael Jackson jedenfalls galt, und das ist unbestreitbar, dass er nie destruktiv dachte und Kunst auf seine Art und Weise, in Tanz und Musik auf einzigartige Weise schuf.

Ganz sicher nicht in Michael Jacksons Sinn ist das Vorgehen einiger “heutiger” Jackson-Fans, die, weil sie eine Ankündigung von Nikolaus Habjans Puppen- und Schauspiel “Becoming Pater Pan” auf dieser Website (–> hier) gelesen haben, nun den Schöpfer dieser Show mit nennen wir es ruhig Schmähbriefen zuspammen. Nur um das etwas klarer darzustellen: “Becoming Peter Pan” ist ein Theaterstück, das noch nicht Premiere hatte, das nicht vorgibt, etwas zu sein, was es nicht ist, weil es einfach noch selbst nicht einmal so hundertprozentig weiß, was es sein wird. Beim Schubert Theater wiederum handelt es sich um ein kleines Wiener Theater, das nur deswegen existiert, weil ambitionierte Theaterleute ihr Herzblut in dieses Haus investieren und immer wieder großartige Produktionen herausbringen. Gerade Nikolaus Habjan beispielsweise ist es in den vergangenen Jahren am Schubert Theater gelungen, sich mit seiner innovativen Art des Puppentheaters einen Ruf zu erarbeiten.

Worüber regen sich die “Fans” denn nun auf? Konkret scheint es um die folgende Passage der Ankündigung zum Stück zu gehen, in der die künstlerische Umsetzung des Theaterstücks beschrieben wird:

Michael Jacksons Biografie rollt sich in diesem fiktivem Epilog neu auf. Seine eigene Geschichte und die Originalerzählung «Peter Pan” bilden die Grundlage. Michael Jackson hat selbst dafür gesorgt, dass sein Leben «zur größten Show auf der Welt” wurde. Es gibt unzählige verschiedene Versionen seines Lebens. Wie sein großes Vorbild, der Zirkusdirektor Phineas Taylor Barnum, hat auch er bewusst sein Leben zur fiktiven Geschichte gemacht. Der Konflikt der sich daraus ergibt, dass diese übermächtige künstliche Version seiner selbst ein Eigenleben entwickelt, ist ein großes Thema des Stücks. Was bleibt zurück vom ursprünglichen Menschen, der sich selbst neu erschaffen hat?
Das zweite große Thema ist die Konfrontation und der Stellenwert von Michael Jacksons Kindheit und seiner Weigerung erwachsen zu werden. Ganz genau wie sein Vorbild Peter Pan, lehnt es Jackson konsequent ab Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden. Ganz genau wie bei Peter Pan sind die Konsequenzen daraus Einsamkeit und Isolierung. Jacksons Kindheit wird in dem Stück lebendig, es findet ein direkter Dialog zwischen Jackson selbst und seinem kindlichen Alter Ego statt.
Die «Peter Pan”-Geschichte dient als Rahmen und wird immer wieder zitiert. Wie bei Peter Pan hat auch Michael Jacksons Schatten in dieser Version ein Eigenleben. Dieser wird mittels Videoprojektion dargestellt und repräsentiert das perfekte Ebenbild aus der
Vergangenheit, das mittlerweile auch ohne den Menschen Jackson selbst weitertanzt.
Das Stück wird in englischer Sprache gespielt, um die Kunstfigur Michael Jackson möglichst authentisch aufleben zu lassen. Es sollte jedoch möglich sein, dem Stück auch ohne große Englischkenntnisse folgen zu können.

Das wars. Und das ist ein Grund, sich aufzuregen? Ist das ein Grund, wenn es überhaupt je einen geben sollte, eine konzertierte Aktion gegen einen Künstler zu starten? Die gute Nachricht für Nikolaus Habjan und das Wiener Schubert Theater: Wir leben in Wien, und da gilt für Vorfälle dieser Art immer noch: Ned amoi ignorieren. Es handelt sich bei all den Protesten, die im Theater eingelangt sind, um Mails von Mitgliedern eines oder mehrerer Fan-Foren, die sich untereinander abgesprochen haben. Mögen sie in ihren Foren die Sache ausdiskutieren.

Fazit: Freuen wir uns auf eine interessante und, davon bin ich überzeugt, großartige Produktion Nikolaus Habjans und des Wiener Schubert Theaters.

A Musical Playback-Christmas: Second Hand Xmas muss für die Tour reichen?

Copyright VBW/Moritz Schell: Rasmus Borkowski

“Musical Christmas”, das war von der ursprünglichen Idee her eine feierlich prunkvolle und vor allem stimmungsvolle Präsentation des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien, basierend auf einer Idee von Caspar Richter, Michael Pinkerton und Wolfgang Hülbig. Jeder, der in den Anfangsjahren eine der Produktionen gesehen hat, wird sich an jenen Moment erinnern, da kurz vor Beginn der Show der Vorhang hochgezogen wurde und man auf der Bühne das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien sitzen sah. Nun, das alles ist lange her - und alle drei Entwickler dieser grandiosen Idee sind heute nicht mehr als Mitarbeiter der VBW tätig.

2003, im Premierenjahr von “Musical Christmas”, zauberten die VBW eine fulminante und opulente Weihnachtsshow auf die Bühne des Theater an der Wien. 27 Darsteller im Chor und als Tänzer, dazu 20 Solisten (Maya Hakvoort, Lukas Perman, Marjan Shaki, Serkan Kaya, etc.) und das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien – 90 Minuten perfekter Weihnachtsstimmung, keine Pause (Tickethöchstpreis: 25 Euro).

2004 und 2005 gab es Varianten dieser Produktion. Die Tickets wurden teurer, man verlängerte die Show, nun gab es eine Pause zwischen zwei Akten.

2006 hatte man das Theater an der Wien als Aufführungsort nicht mehr zur Verfügung, also übersiedelte man ins Raimund Theater. Man musste sich da nicht nur den räumlichen Gegebenheiten anpassen, sondern hatte «Musical Christmas” als Geldbringer entdeckt. Bis dahin waren die jährlichen Weihnachtsfestspiele der VBW ein Hit, oft wochenlang vorher schon ausverkauft. Resultat 2006: Der Ticketpreis schnellte auf 65 Euro, man reduzierte die Cast, und zwar gewaltig. Auf der Bühne 2006: fünf Solisten und zwölf Darsteller als Chor und Tänzer. Der wahre Bringer war die neu inszenierte Version von 2006 nicht, 2007 und 2008 verweigerte man dem Publikum die weihnachtliche Musicalparade.

Copyright VBW/Moritz Schell: Caroline Vasicek

2009 ging eine runderneuerte Variante der Show an den Start. Für das szenische Konzept und die Regie zeichnete Dennis Kozeluh verantwortlich, die Idee und musikalische Zusammenstellung ging auf das Konto von Caspar Richter. Zum Thema «Geldbringer”: Natürlich wurden die Karten wieder teurer. Für die beste Kategorie zahlte man nun 72,80 Euro, die Dauer der Veranstaltung: wie zu Beginn 2003: 90 Minuten, ohne Pause. Als Solisten mit dabei: Lisa Antoni, Carin Filipcic, Wietske van Tongeren, Claus Dam, Dennis Kozeluh, Uwe Kröger, Drew Sarich und Niran Straub. Im Ensemble: Silke Braas, Alexandra Farkic, Leigh Martha Klinger, Adrienn Krekà¡cs, Katrin Mersch, Simone Niederer, Jan Hutter, Max Niemayer, Martin Pasching, Fritz Schmid und Rory Six.

2010 nun gehen die VBW neue Wege. Man zeigt “Musical Christmas” im Wiener Ronacher und verlangt für Karten der besten Kategorie 65 Euro. Solisten gibt es diesmal sechs: Rasmus Borkowski, Dennis Kozeluh, Wietske van Tongeren, Carin Filipcic, Caroline Vasicek und Uwe Kröger. Ein Ensemble wird dabei sein, die Namen wurden allerdings noch nicht bekanntgegeben. Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien wird im Wiener Ronacher live dabei sein.

Erstmals wird es 2010 auch eine Tourversion der Show geben. Nähere Informationen dazu sind sehr spärlich. Im Zeitalter der Transparenz ist das verdächtig. Und vielleicht hat das ja einen Grund. Mal überlegen: Karten für die Tourversion gibt es bei Ö-Ticket –> hier. Nun nennt sich die Veranstaltung plötzlich “A Musical Christmas featuring Uwe Kröger”. Liest man sich die neueste Ausgabe des Musicalmagazins “musicals” durch, stößt man auf eine interessante Passage:

Jetzt kommt die traditionelle Weihnachtsshow am 13. Dezember 2010 erstmals nach Deutschland ins Deutsche Theater München. Mit dabei sind Stars wie Uwe Kröger, Rasmus Borkowski, Dennis Kozeluh, Wietske van Tongeren, Carin Filipcic, Caroline Vasicek sowie ein Gesangs- und Tanzensemble, das Orchester wird als Playback eingespielt.

Das Orchester wird als Playback eingespielt? Ist das so? Warum steht das nirgendwo? Gilt das nur für Bayern oder auch für die Tourtermine in Österreich? Was für eine Farce. “Musical Christmas” ohne das Orchester live auf der Bühne? Glaubt Herbert Fechter, der für diese Fassung der Show verantwortlich ist, dass etwa die Steirer schon so besoffen in die Show kommen, dass sie das fehlende Orchester auf der Bühne gar nicht erst bemerken? Wie kann es sein, dass man für die Halbplayback-Show teilweise mehr bezahlt als für den Real Deal in Wien? Wo soll das Ganze hinführen? Reicht es irgendwann mal, wenn Harry Peller sein “Ave Maria” am Kamm bläst und Uwe Kröger dazu freundlich lächelt, weil er mal wieder einen guten Ton für ein nettes Gesicht geopfert hat? Man sollte zumindest so ehrlich sein und in den Ankündigungen zur Show explizit vermerken, ob ein Orchester auf der Bühne sein wird, oder ob das Unternehmen Fechter einen Halbplayback-Abend für teures Geld verkauft. Vielleicht reicht es ja dann auch einfach, die CD zur Show, die rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen wird (Titel: “Musical Christmas 2010″), zu kaufen.

Copyright VBW/Moritz Schell: Carin Filipcic

Musical Christmas

Wien
3. Dezember 2010, 19:30 Uhr
4. Dezember 2010, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr
5. Dezember 2010, 18:00 Uhr
18. Dezember 2010, 15:00 Uhr und 19:30 Uhr

Tourneefassung
Graz: 8. Dezember 2010 LISTHALLE um 20:00
Klagenfurt: 9. Dezember 2010 MESSEARENA um 20:00
Kempten: 10. Dezember 2010 BIG BOX um 20:00
Innsbruck: 12. Dezember 2010 CONGRESS, Saal Tyrol um 20:00
München: 13. Dezember 2010 DEUTSCHES THEATER um 20:00
Amstetten: 15. Dezember 2010 SPORTHALLE um 20:00

Helden von(m) (M)orgen - die Sendung ohne Markus Spiegel / Die wahren Helden: youngblood - Hast du’s im Blut?

Die Wahrheit sämtlicher österreichischer Castingshows ist die, dass der ORF mit einer gewissen Bauernschläue regelmäßig sogenannte “eigene Formate” zimmert, die sich in null komma - es folgen 100 Stellen Null - eins von anderen wohlerprobten Castingshows internationalen Formats unterscheiden. Durch diese minimale Gendifferenz in der elften Potenz erspart sich der Sender teure Tantiemen, die er dann in Müll wie der 100. Ärzteserie wieder verpulvert. Natürlich darf man in diesem Zusammenhang nicht das Wort “Diebstahl” in den Mund nehmen. Wozu auch, Castingshows gabs schon im alten Griechenland, oder Rom. Damals mussten die Burschen und Mädels in der Reihe stehend den Mund aufmachen und dann hieß es: “Na, du hosch schiache Zähnt, di wüll i ned”, und es wurde eben ein anderer Sklave gekauft.

Schiache Zähnt waren wenigstens ein nachvollziehbares Kriterium. Das aber, was man gestern bei der ersten Folge der ersten Staffel von “Helden von morgen”, der “neuen Castingshow des ORF”, sehen konnte, war ein abstruses Nichts, es war bestenfalls eine Parodie auf eine Castingshow. Ein des Rappens sich als völlig unfähig erweisender Bursch wurde deshalb in die zweite Runde geschickt, weil man ihm seine Credibility, nämlich dass er ein zu Gewalt neigender Mensch mit einem riesigen Aggressionspotential ist, abnahm. Das ist nicht nur die Bedienung des billigsten aller Klischees, das ist einfach nur ekelhaft. Man riecht förmlich diese pseudomoralische Absicht der Sendungsgestalter, den Rapper wie ein störrisches Fohlen einzureiten, ihn so, wie es ein Rapperflüsterer machen würde, zu zähmen und dann … dann bleibt ein schlechter Rapper über und er darf gehen, seine Schuldigkeit, Sendeminuten zu füllen, hat er ja getan. Ein anderer Bursch, über den man eine lange Homestory gebastelt hat, weil er stottert (was würden Castingshows ohne all ihre Stotterer machen), vergewaltigte bei seiner Audition ein Lied und sang buchstäblich jeden Ton falsch, und auch er wurde natürlich in die nächste Runde geschickt. Ein dritter schaffte es eine Runde weiter, weil er ein “beeindruckendes” Instrument, einen Besen mit Schellen, wie auch immer dieses Ding heißt, aufzuweisen hatte.

Alle drei, und sie sollen nur stellvetretend stehen, hätten es in jeder anderen Castingshow bestenfalls in die Lachparade geschafft. Apropos Lachparade. Bei “Starmania” hatte man in der Jury mit Markus Spiegel einen Experten sitzen, der zwar immer wieder lustig und spaßig war, aber daneben auch kompetent und niemals lächerlich. In der Jury von “Helden von morgen” sitzt ein Typ, der von Sekunde 0 an nur lächerlich über den Bildschirm kommt, dazu mit Monika Ballwein ein Vocal Coach, der zwar fachlich kompetent ist, das weiß man, in der Show aber ganz und gar nicht diesen Eindruck erwecken konnte, und ein Plattenboss, der den Eindruck verstärkte, dass es sich bei diesem Format nur um eine Parodie handeln kann.

Talente gabs freilich, zum Beispiel hörte man am Ende der Show, als Vorschau auf die zweite Sendung, einen Pianoman drei Noten singen, und dann ein Brüllen eines Jurors, der Sänger sei 2 Minuten davon entfernt berechenbar zu werden. Hilfe! Markus Spiegel, übernehmen Sie!

Die wahren Helden - youngblood - Hast du’s im Blut?

Wer wirkliche Helden sehen will, und nicht das, was der ORF als Helden definieren will, weil wohl die Falco-Signation schon vor der Namensgebung feststand: Lukas Perman, Marjan Shaki und Roman Gregory setzen sich derzeit im Rahmen der Initiative “youngblood” des Roten Kreuz fürs Blutspenden ein. Und wer schon einmal erlebt hat, wie Blutkonserven einen Menschen buchstäblich wieder zum Leben erwecken können, der sollte sich eine Ruck geben und blutspenden gehen. Es tut nicht weh und hilft Leben zu retten. Das Rote Kreuz bietet als zusätzlichen Anreiz nun einen Kreativwettbewerb, bei dem man schöne Preise gewinnen kann.

Beim Kreativbewerb “youngblood” können junge Menschen ihrer Kreativität freien Lauf lassen: Einreichungen sind bis 31. Dezember 2010 in den Kategorien Plakat, Video und Musik möglich. “Ich freue mich schon auf
viele kreative Ideen und wer’s nicht im Blut hat - Blutspenden ist immer eine gute Idee,” so Jury-Mitglied Gregory.

“Mit ‘youngblood’ suchen wir kreative Köpfe, die sich mit dem Thema Blut beschäftigen, und junge Menschen mit Herz, die anderen durch ihre Blutspende helfen”, so Dr. Eva Menichetti, Leiterin der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Auf die Gewinner der Kreativ-Initiative warten tolle Preise: zwei Wochen Sprachferien von EF-Sprachreisen für den Sieger (inklusive Flug, Unterkunft und Kurs der Wahl) und Snowboard-Wochenenden von JUFA für die Zweit- und Drittplatzierten. Jeder, der mitmacht, erhält ein Rotkreuz-Goodie-Bag!

Die Gewinner werden Anfang Februar von der Fachjury gemeinsam mit der Werbeagentur “The Form” bei einer exklusiven Veranstaltung in der Ottakringer Brauerei prämiert. Die Jury-Mitglieder und Stars des Musicals “Tanz der Vampire Lukas Perman und Marjan Shaki sind sich einig: “Blutspenden ist ein Zeichen von Solidarität! Wir alle gehören zusammen und müssen uns gegenseitig unterstützen. Und wer weiß, ob wir nicht auch irgendwann in die Lage kommen, dass uns jemand sein Blut schenkt.” Die Initiative wird unterstützt durch ein Promotion-Video, in dem Roman Gregory die Hauptrolle spielt. Das Video kann man auf www.blut.at/youngblood finden.

“Fress-Shows” und ihr Ruf

In einem deutschen Musicalforum findet derzeit eine Art “Debatte” statt, welchen Stellenwert die sogenannten “Fress-Shows” im Rahmen des Musicalgenres haben. Nun, die Sache ist ganz einfach: keinen. Schlicht und einfach deswegen, weil in 99,9 Prozent der Fälle im Rahmen von “Fress-Shows” gar keine Musicals stattfinden, es handelt sich vielmehr um Varietà©shows. Da werden dann ab und zu auch Musicalsongs geträllert, aber meistens nicht ausschließlich Musicalsongs.

Dass diese Art von Show überhaupt im Rahmen einer “Diskussion” über das schlechte Image von Musicals erörtert wird, haben wir der Entwicklung des Musicalgenres im deutschsprachigen Raum zu verdanken. Denn wenn man nun im Raimund Theater derzeit auch noch Schnittchen servieren würde, mein Gott, wen sollte es schon stören. Ältere Menschen haben ohnedies oft einen Blutzuckerspiegel, den man mit derlei kulinarischen Raffinessen vielleicht auf ein besseres Niveau heben würde.

“Fress-Shows” sind jedenfalls keine Ausprägung des Musicalgenres, es gibt sie genauso im Rahmen von Verstanstaltungen diverser Magischer Zirkel, man findet sie bei Werbeveranstaltungen für tropffreie Windeln genauso wie bei Bewerbungsversuchen der neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet erlebnisfördernder Kondome. Wer sich als Darsteller dafür verpflichtet, tut es, weil auch damit Geld zu verdienen ist. Das ist nichts Verwerfliches, einen besonderen Platz in der Geschichte des Musicals wird man damit nicht erringen können, schlicht und einfach deswegen, weil diese Art der Veranstaltung nichts mit dem Musicalgenre zu tun hat.

Link zur “Diskussion” –> hier

Uwe Kröger: Vom Tod zum Botschafter des Wiener Gemüses

Sein Weg ist vorgezeichnet: Mit 66 wird er Professor h. c., mit 80 Kommerzialrat, und mit 95 bekommt er das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Keine Frage, Prof. Uwe Köger in spe wird in den nächsten Dezennien mit Ehrungen überhäuft werden.

Derzeit ist er zwar noch auf Level 1, aber auch ein Titel wie “Botschafter des Wiener Gemüses” hat sicher etwas Apartes, wenn man lange genug darüber nachdenkt. Verliehen wird Kröger dieser “Titel” am 23. September 2010 im Wiener Restaurant Leupold von der “Genussregion Österreich”. Mahlzeit!

Sofia Coppola gewinnt den “Goldenen Löwen von Venedig”: Was sagt das “profil” jetzt dazu?

6. September 2010, wir lesen im “profil”:

… das Drama eines jungen, orientierungslosen Kino-Superstars, eine Studie des Lebens in und mit der Filmindustrie, ein Blick ins Innere der Albtraumfabrik, inszeniert von einer Regisseurin, die solche Geschichten nicht nur vom Hörensagen kennen müsste. Umso absurder nimmt sich das karge Ergebnis des Films aus, der dann doch zu schnell zur Hollywood-Klischeeschleuder geriet: “Somewhere” folgt den sinnlosen Wegen eines von allen begehrten, aber von niemandem wirklich geliebten Schauspielers (öd dargestellt von Stephen Dorff), dem das Verstellungsgewerbe, in dem er so erfolgreich ist, den Atem abschnürt - und der sich in all den hübsch fotografierten Bildern verläuft, die ihm da geboten werden. Sofia Coppolas “Somewhere” ist exakt so unbestimmt, gelangweilt und uninspiriert wie ihr Filmtitel. Wenn die Jury unter Quentin Taranatino am 11. Septenber Venedigs Goldenen Kino-Löwen 2010 verleihen wird, dürfte dieser Film keine größere Rolle spielen.

11. September 2010

Die US-Regisseurin Sofia Coppola ist beim Filmfestival in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Coppolas Film “Somewhere” sei einstimmig zum Sieger gewählt worden, sagte der Jury-Vorsitzende Quentin Tarantino Samstagabend. Der Streifen habe die Jury schon bei der ersten Vorführung verzaubert. “Somewhere” erzählt die Geschichte eines Filmstars, der die Leere seines Daseins durch die Augen seiner elfjährigen Tochter sieht. [Der STANDARD]

VBW-Get-Together oder “Und dass ihr mir ja nur nicht den Sarich erwähnt!”

nosarichtodaythecompanyisgay.jpgIrgendwie komisch, nicht wahr? Im November 2010 soll Drew Sarich in Wien der neue Krolock im Jim Steinman-Musical “Tanz der Vampire” werden, das wissen Gott und die Welt seit Monaten, allein, man hat das Gefühl, als würden die VBW nach wie vor verbergen wollen, dass das Unvermeidliche bzw. das lang Geplante stattfinden wird.

Beispiel? Am Mittwoch, den 1. September, fand im Hotel Triest ein sogenanntes “Get Together” der Musicalensembles der VBW statt. Laut VBW-Site (siehe –> hier) mit dabei Lukas Perman, Marjan Shaki, Peter Fröhlich, Andreas Lichtenberger, Hertha Schell, Ann Mandrella und Gernot Kranner. Bilderchen belegen die nette Atmosphäre dieses Zusammenseins, zu dem einige wenige Medienvertreter geladen waren, so zum Beispiel die Kronen Zeitung. Und in der Kronen Zeitung lesen wir auf einmal auch jenen Namen, der längst angekündigt hätte werden müssen: Drew Sarich. Hat er sich etwa hinter der Bank verstecken müssen, als die Fotos gemacht wurden? Irrt die Kronen Zeitung in ihrem Artikel? (Die Antwort: nein siehe –> hier) Hat die Redaktion der VBW-Site den Befehl ausgeführt, der da hätte lauten können: “Und dass ihr mir ja nur nicht den Sarich erwähnt!”?

“Ich war noch niemals …” von diesem alten Kärntner …

kaya2010.jpg
… so hätte die BILD-Zeitung natürlich eine Show wie “Ich war noch niemals in New York”, von unser aller Udo Jürgens (geboren in Kärnten), auch in einer Schlagzeile ankündigen können. Hat sie natürlich nicht, aber es ist vermutlich symptomatisch für die ethische Ausrichtung dieses Blatts, dass man im Falle der Ankündigung, dass Serkan Kaya die Hauptrolle im Udo Lindenberg-Musical “Hinterm Horizont” spielen wird, auf die “Herkunft” oder was auch immer, zurückkommt. Aber vielleicht machen wir das bei allen Darstellern in Zukunft, die Hinzufügung der Herkunft, der Religion, der sexuellen Präferenzen und was es nicht alles Schönes gibt. BILD-Lesern wird es nicht auffallen, die sind Ärgeres gewohnt.

BILD: Dieser junge Türke spielt Udo

Uwe Kröger in der Grazer Messehalle - vor 500 Zusehern

Absolut nicht gut scheints derzeit für Uwe Kröger auf seiner Solo-Tour zu laufen. So berichtet die “Kleine Zeitung” von 500 (!) Zusehern, die sich am 25. August 2010 in der Messehalle B (2500 Sitzplätze) in Graz eingefunden haben. Zitat “Kleine Zeitung”:

“Trotz aufwändiger Produktion und einem Stargast, seiner früheren “Elisabeth”-Kollegin Pia Douwes. Kröger zog sein Programm dennoch tapfer durch.”

Man sagt, Musicalsänger sind gerade so populär wie ihre letzte erfolgreiche Bühnenshow, wie jene Show, in der sie das letzte Mal erfolgreich eine Hauptrolle verkörpert haben. Bei Uwe Kröger liegt das eine ganz schöne Zeit zurück. Sein etwas verunglücktes Engagement in “Rudolf” sollten wir ausklammern. Bleibt “Rebecca” (2006), und das haben wir fast nur mehr in Erinnerung, weil es laufend blumige Ankündigungen über bevorstehende Auslandspremieren am West End oder irgendwann, in ferner Zukunft, gar am Broadway gibt. Doch bei all diesen Plänen wird Kröger keine Rolle spielen.

Kümmern sollte sich Herbert Fechter vielleicht ein wenig um die Promotionmaschine. Musicalstars, auch Namen wie Kröger, sind keine Houshold-Names, schon gar nicht in der tiefsten Steiermark. Nicht einmal in Wien. Da findet “Absolut Uwe” übrigens am 15. November 2010 im Wiener Raimund Theater statt. Das wissen die Fans natürlich, daher sind die Kategorien “Stehplatz” und “Plätze mit Sichtbehinderung” ausverkauft. “Behindert” muss man ja wirklich sein, um die Preise zu zahlen, die für die Tour veranschlagt wurden, aber lassen wir das, nicht mal die Hardcore-Kröger-Fans sind mit den Ticketpreisen einverstanden, und wen sonst wird das bald noch interessieren.

Vielleicht wäre es mal an der Zeit für einen kleinen Reality-Check. Wie macht das ein Thomas Borchert beispielsweise, also ein Musicalstar, der seine Partien souverän über die Bühne bringt, mag man seine Interpretationen nun mögen oder nicht. Bucht er sich ins Raimund Theater oder in Messehallen ein für seine Solo-Projekte? Vielleicht ist manchmal ein gewisses Understatement nicht gar so schlecht, oder hat eventuell irgendwer die folgende Anekdote falsch verstanden: Streiten zwei bekannte Komiker. Sagt der eine zum anderen: “Mach’ dich nicht so klein – du bist gar nicht so groß!«

“Spider Man” am Broadway: Ein Musical, das die Branche rettet? Wovor?

Mit einer wohl zweideutig gemeinten Schlagzeile, die da lautet “Spider Man soll den New Yorker Broadway retten”, berichtet “Welt Online” (–> hier), also nicht gerade ein Käseblättchen, über das U2-Musical, das nach vielerlei Problemen doch noch seine Premiere am Great White Way feiern soll. Heuer, oder nächstes Jahr, man wird sehen.

Ein paar Fragen könnte man stellen. Zum Beispiel: “New Yorker Broadway”? Welcher sonst? Der von Mönichkirchen etwa oder von Gars am Kamp?

Zum Thema “retten”. Vermutlich, ja ganz sicher, ist das nur eine Anspielung auf die Superhelden zugeschriebene Fähigkeit, etwas “retten” zu können, hoffentlich, denn wenn der Broadway eines nicht braucht, dann ist es ein “Retter”, schon gar nicht eine Pseudo-Hallelujah-Figur wie Bono Vox. Trotz Krise geht es dem Broadway wunderbar, und ab und an feiern da sogar wirkliche Musicals Premiere.

Wird man von “Spider Man” dereinst behaupten können, dass es sich um ein “Musical” handelt? Man weiß es nicht, noch nicht. Die angekündigte Mischung im Kreativteam aus “König der Löwen” (Julie Taymor, Regie) und einer Band wie U2 lässt nicht vermuten, dass ein “echtes” Musical auf die Bühne kommen wird. Aber wer definiert das schon? Was Disney, Elton John und Musicals betrifft, da gehen die Einschätzungen unter Musicalfans weit auseinander. Es soll ja welche geben, die Disney-Shows wunderbar finden und auf ihrer Negativliste die “gesammelten Werke von Stephen Sondheim” stehen haben. Da muss man sich dann schon fragen lassen, welches Genre man tatsächlich mag. Es soll ja aber auch Leute geben, die “Spider Man”, ohne es gesehen zu haben, einem Musical wie “Bloody Bloody Andrew Jackson” den Vorzug geben, weil U2 und “König der Löwen” …

Freuen wir uns also auf “Spider Man” mit seinen Flugstunts und waghalsigen Choreografien, freuen wir uns auf ein Musical, das wieder mal das teuerste aller Zeiten ist. Sicher wird uns U2 mit ganz etwas Großartigem überraschen, denn wenn man wie The Edge den Mund so voll nimmt, dann sollte man schon auch liefern können:

The Edge: Musicals hatten ihren Höhepunkt in den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Ich finde nicht, dass es in diesem Metier seither etwas Neues, Interessantes gab. Das wollen wir jetzt versuchen.

« zurueck · vor »