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Archiv - Skurriles

Parteipolitik “made in austria”: Wen die “Grünen” nicht wollen und warum

Grüner “Vorwähler” zu werden, ist scheinbar nicht einfach in Österreich. Die Begriffe “Gesinnungsprüfung”, “Gesinnungspartys” stehen im Raum, aber so weit muss man gar nicht erst gehen. Was, wenn Sie Vorwähler werden wollen, aber Werbemassensendungen nicht wünschen?

Ein “offener Brief” eines Vorwählers, ohne Hoffnung mittlerweile, liest sich auszugsweise wie folgt:

SG Grüner Vorstand, ich schreibe ihnen, um meiner Ablehnung als Grüner Vorwähler zuvor zu kommen. Zu der Annahme bringt mich die verlautbarte Praxis, mit der sie gedenken zu entscheiden wer willig ist sich bei den Wiener Grünen einzubringen und wer nicht. Das genannte Kriterium, ob jemand auf Massenzusendungen verzichten will, da die Person sich selbstständig informiert, kann und darf kein Kriterium für eine Ablehnung sein! Mein Vormieter war oder ist Mitglied bei den Grünen und hat die Partei über seinen Auszug vor 2 Jahren nicht informiert, wodurch ich sowieso schon die Zusendungen der Grünen bekomme. Allerdings ist die Akzeptanz von Postwurfsendungen auch für andere VorwählerInnen kein Indikator ihrer Bereitschaft zur politischen Partizipation. Erst recht netzaffine Menschen sind es gewohnt sich ihren eigenen Informationskanal zu bauen und empfinden den Briefkasten als kein adäquates Kommunikationsmittel mehr. [via socialhack.wordpress.com]

Nicht entgehen lassen sollte man sich das folgende Video –> hier und (siehe Kommentar unten) –> hier

SONYS Geschäftemacherei mit der Cast-CD von “West Side Story”

Ein Broadway-Revival der “West Side Story” muss natürlich auch auf CD verewigt werden. Obwohl die Cast-Recording-Branche ächzt und über sinkende Verkaufszahlen klagt: Bestimmte Shows sind sichere Verkaufshits. Die “West Side Story” gehört ganz bestimmt dazu.

Wer allerdings ein Fan der Show ist und alle aufgenommenen Tracks haben möchte, muss sich nicht weniger als drei CDs kaufen, die zu 95 Prozent jeweils dieselben Tracks enthalten - plus insgesamt fünf Bonus-Tracks. Auf einer “Barnes & Noble”-Edition befinden sich drei Bonus-Tracks, auf dem “exklusiven” iTunes-Release zwei weitere, die man nicht separat downloaden kann.

Die einzelnen CD-Ausgaben

1) SONY-Masterworks 752391
Tracks:
01. Prologue — Orchestra
02. Jet Song — Cody Green, Jets
03. Something’s Coming — Matt Cavenaugh
04. The Dance At The Gym — Company
05. Maria — Matt Cavenaugh
06. Tonight — Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione
07. America — Karen Olivo, Jennifer Sanchez, Shark Girls
08. Cool — Cody Green, Jets
09. One Hand, One Heart — Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione
10. Tonight (Quintet and Chorus) — Company
11. The Rumble — Orchestra
12. Me Siento Hermosa — Josefina Scaglione, Jennifer Sanchez, Danielle Polanco, Kat Nejat
13. Somewhere — Nicholas Barasch, Matt Cavenaugh, Josefina Scaglione, Company
14. Gee, Officer Krupke — Curtis Holbrook, Jets
15. Un Hombre Asà­/I Have Love — Karen Olivo, Josefina Scaglione
16. Finale

2) SONY-Masterworks: iTunes-Ausgabe
Zwei Bonus-Tracks:
- A Boy Like That/I Have A Love (English Version) [Bonus Track]
- Jump (Bonus Track)

3) SONY-Maeterworks: Barnes & Noble-Ausgabe
Drei Bonus-Tracks:
- I Feel Pretty (English Version)
- Somewhere (Instrumental)
- Tonight (Instrumental)

Man braucht nicht groß drumherum reden. Der Sinn hinter dieser Aktion der Firma SONY ist ausschließlich Geschäftemacherei der besonders dreisten Art, die Konsequenz werden die Käufer ziehen, und sie ziehen diese Konsequenzen schon seit Jahren. Vielleicht ist die Krise bei den Cast Recordings noch nicht so angekommen, dass sie wirklich wehtut. Musicalliebhaber kaufen nach wie vor überwiegend CDs, weil sie den vollen Sound wollen. Wenn sie aber nun merken, dass sie, um eine ganze Show zu erhalten, miese iTunes-Rips in Kauf nehmen müssen, dann werden auch sie vielleicht ihre Konsequenzen noch deutlicher ziehen.

Egal, wie gut oder schlecht diese CD sein mag, ich empfehle, sie nicht zu kaufen. Vielleicht noch ein Tipp für SONY. In den 1950-er Jahren gab es von manchen Aufnahmen Mono- und Stereo-Releases und auch auf diesen Ausgaben waren unterschiedliche Tracks zu finden. DAS wäre doch eine neue Geschäftsidee.

Kröger immer und überall: Spielt er bei “Josephine” eine Rolle?

Nein, spielt er natürlich nicht, aber Marion Hauser vom KURIER bingt außer Seitenblicke auf die Bananen und Perlenketten, BHs und sonstigen Firlefanz “Josephines” auch einen Nachschlag in in Sachen Kröger versus Lichter:

Mich trifft am meisten, dass mein Sohn Pauli so sehr betroffen war. Uwe war einfach die Vaterfigur seiner Kindheit. Er ist und bleibt aber für mich der deutschsprachige Musical-Star und ich bin stolz, daran beteiligt gewesen zu sein. [via, bezeichnenderweise, “Freizeit und Gesundheit” des KURIER]

Alles Musical

Lang lebe die Kleine Zeitung

Es sei kein Zufall, dass das “Josephine”-Musical in der derzeitigen Wirtschaftskrise so erfolgreich ist, sagt der französisch-argentinische Regisseur im APA-Interview. “Das goldene Zeitalter des Musicals war auch während der großen Weltwirtschaftskrise der 1920er. Wenn es eine Krise gibt, will man Spaß haben und unterhalten werden. [via Kleine Zeitung]

Demnächst im Ronacher: das Jack Unterweger-Musical, was soll es anderes sein, wird es doch im Ronacher aufgeführt, von den Vereinigten Bühnen Wien, den Spezialisten für, eben, Musical. Obwohl, den VBW kann man hier am wenigsten einen Vorwurf machen, denn sie bezeichnen “Josephine” als das, was es ist: eine Revue.

Short&Sexy: Follow me on TWITTER

140-Zeichen-Meldungen gibts ab jetzt in der Sidebar rechts, ab und an mit ein paar Linktipps. Wer mir beim “tweeten” “followen” will, kann das ganz leicht mit einem Klick –> hier tun.

Alles Kafka: Zeitansage unter neuer Nummer erreichbar & das “echte” Wiener Schnitzel

Warum auch immer, wird die Telefonnummer 1503, die 600.0000 Mal pro Monat gewählte “Zeitansage”, im Laufe des heutigen Tages “abgeschaltet”, “stillgelegt” oder auch “begraben”.

Warum das so ist, kann dem Konsumenten egal sein, es ist eine Lachnummer für sich. Egal war es den Konsumenten allerdings nicht, DASS die Zeitansage abgeschafft werden sollte. Daher hat man reagiert und ab sofort ist die Zeitansage unter einer neuen Numemr ereichbar. Nun muss man nicht mehr 1503 wählen, das wäre also wirklich zu einfach, sondern 0810 001503, zu einem Preis von 0,067586 Euro pro Minute.

Aus irgendeinem Grund musste man für ebendiesen Zweck jede einzelne der Quadrillionen Ansagen, oder wie viele es eben sind, neu aufnehmen. Und nun sagt uns allen Angelika Lang die Zeit an. [via ORF]

Und weil der Tag heute eh schon so lustig ist. In einem Musicalforum (Link –> hier) wird schon seit Tagen nicht etwa über die Bedeutung des Sondheimschen Musicals in einem von Compilationshows überfluteten, rezessionsgeschwächten Musicalklima diskutiert, sondern darüber, was ein “echtes” “Wiener Schnitzel” ist. Einfach abschreiben, KÜRZEN, nochmal KÜRZEN, und noch einmal KÜRZEN, und schon hat man einen Sketch fürs neue Simpl-Programm. Köstlich.
P.S.: Mittlerweile hat sich die Unterhaltung im Forum auf “Schnitzel - das Musical” verlegt.

ORF: Song Contest-Farce

Recht lächerlich macht sich der ORF mit seiner “Übertragung” des diesjährigen Eurovisions Song Contests. Von 20:15 Uhr bis 21 Uhr bringt man in einer vorproduzierten Sendung von jedem Lied einen ungefähr zehn Sekunden dauernden Ausschnitt - natürlich nicht von der tatsächlichen Show, die erst um 21.00 Uhr beginnt und nicht vom ORF live gesendet wird. Statt dessen überträgt man den Lifeball und sendet anschließend live um 23.00 die Entscheidung des Song Contests. Das ist ungefähr so, als würde man von einer Kochsendung den Einkauf der Zutaten am Markt zeigen und danach, wie die Speisen serviert werden. Abstruser gehts nicht. Nunja, doch, denn der ORF bringt dann um 00:20 Uhr die Aufzeichnung des Song Contests. Nchträglich servierte Hauptspeise. Wohl bekomms.

Hugh Jackman plant Verfilmung von Stephen Sondheims Musical “Carousel” - äh …

Der Wissensstand vieler Medien das Musicalgenre betreffend ist oft faszinierend. Da gibt der Schauspieler Hugh Jackman anlässlich der Premiere seines neuen Films “X-Mens Origins: Wolverine” der Los Angeles Times ein Interview, in dem eine Passage folgendermaßen lautet:

Not surprisingly, he also wants to make film musicals too, to show that other side of himself. «I’ve been looking to do a musical film for a long time, and after things like ‘Moulin Rogue,’ ‘Chicago’ and ‘Hairspray’ I think there’s a real opportunity there,” Jackman said. «I’ve developed a script of ‘Carousel,’ a musical I just love. There’s a famous quote from Stephen Sondheim: ‘Carousel is about life and death and ‘Oklahoma’ is about a picnic.’”

In 2002, Jackman sang the role of Billy Bigelow in “Carousel” at Carnegie Hall. Two years later, he won the Tony for “Boy From Oz,” a fact that is hard to remember during his berserker rages in “Wolverine.” Jackman, of course, also hosted the Oscars earlier this year, and shared the stage with Anne Hathaway during one of the more memorable skits. «I thought she was brilliant and open and creative, so I’ve been filling up her answering machine with messages about ‘Carousel.’”

Prompt erscheint einige Stunden später in der Thaindien News und im Daily Express folgende Meldung:

The Aussie star has developed a script for the beloved Stephen Sondheim musical and he wants Hathaway to play Julie Jordan opposite his Billy Bigelow.
He says, “I’ve been looking to do a musical film for some time and after things like Moulin Rouge!, Chicago and Hairspray, I think there’s a real opportunity there.”
And he’s clear only Hathaway will do as his leading lady: “I’ve been filling up her answering machine with messages about Carousel.”

Was wird sich Stephen Sondheim freuen, so auf die Schnelle für ein Musical gelobt zu werden, das er gar nicht geschrieben hat. [–> Carousel]

WOLFERINE - The Musical

Auf die “Wiener Zeitung” ist Verlass: Zitat des Tages

Wenn man denkt, tiefer kann es nicht mehr kommen (siehe –> hier), legt die “Wiener Zeitung” noch eins drauf (siehe –> hier):

Musical ist in den USA eine auf Gewinn ausgerichtete Angelegenheit. In Österreich, speziell in Wien, liest sich das so: 2008 blieben die Einnahmen der Vereinigten Bühnen drei Millionen Euro unter den Erwartungen. Für 2009 wird ein Verlust von sechs Millionen Euro prognostiziert. “Rudolf” hat 84,2 Prozent Auslastung und übertrifft mit dieser mageren Ausbeute immer noch “The Producers”, die es auf gerade 73 Prozent brachten – und zwar, wohlgemerkt, auf 73 Prozent der überhaupt angebotenen Plätze. Womit dieser Flop immer noch spielend “Frühlings Erwachen” toppt, das auf 66,4 Prozent kommt. Im Moment subventioniert die Stadt Wien jede gekaufte Karte mit 36,10 Euro.

Was ist da passiert?

Ganz einfach: Das Musical ist tot. Es fehlen die Stücke. Knüller wie “West Side Story”, “Der Mann von la Mancha”, “Kiss me, Kate” oder “My Fair Lady” gibt es heute nicht mehr. Andrew Lloyd Webber war der letzte Musical-Komponist mit Bühnenpranke – und führte das Genre durch Nachahmer, zu denen er auch leider selbst gehörte, in die Abgründe hemmungslosen Kitsches. Die intellektuellen Stücke eines Stephen Sondheim wiederum konnten sich außerhalb der USA nicht so recht behaupten. In Europa setzte man lieber auf die Webber-Klone. Und verlor.

Insoferne ist also der Ronacher- und Raimund-Theater-Intendantin Kathrin Zechner kein Vorwurf zu machen. Sie kann nichts dafür, dass ein Genre abstirbt.

Einen Vorwurf muss man hingegen jenen Wiener Kulturpolitikern machen, die hartnäckig und durch Verluste unbelehrbar an dem Konzept zweier Musical-Theater in Wien festhalten. Selbst wenn Kathrin Zechner nämlich mit neuen Musical-Konzepten kommt: Sie hat keinen neuen Leonard Bernstein, keinen neuen Frederick Loewe. Sie hat nicht einmal einen neuen Webber.

Vielleicht sollte sich die Stadt Wien einmal Gedanken machen, nur noch ein Haus mit Musicals zu bespielen und das andere in ein reines Operettenhaus umzuwidmen. Denn das stünde Wien gut zu Gesicht. Und viel mehr Misserfolg als mit den Musicals kann es auch nicht geben.

Schlimm daran ist die Ahnungslosigkeit und Ignoranz, die hier aus jeder Zeile spricht. Man könnte meine, eine 80-jährige Volksopern-Abonnentin, die nach eine Vorstellung von “Frühlings Erwachen” betäubt von ihren Bühnenplätzen gestolpert ist, wolle nun jedes Musical in Grund und Boden reden, das jünger ist als 40 Jahre. Worauf bezieht sich denn Herr Baumgartner in seinem Artikel? Auf die “West Side Story” (1957), “Kiss me, Kate” (1947), “Der Mann von La Mancha” (1965) und “My Fair Lady” (1956). Und danach gibt es für den Autor nur mehr einen Komponisten mit “Bühnenpranke”: Andrew Lloyd Webber. Interessant. So gesehen dürfte es in den USA seit Jahrzehnten keine nennenswerten Musicals mehr geben.

Das Musical in Wien ist natürlich noch lange nicht am Ende. Es wäre nur dann am Ende, wenn man für das Ronacher kein Bespielungskonzept finden würde, das dieses Haus als MUSICALhaus platziert und nicht als Varieteetempel, in dem man alles spielen kann, was es am Markt gerade billig gibt oder wo ein name-dropping-passender Regisseur/Schauspieler mitwirkt. Dieses Theater wäre dann tot, wenn man es sterben lässt durch überteuerte Eintrittspreise und eine miese Tonanlage. Es wäre dann tot, wenn man hier ausschließlich aufgewärmten Braten serviert, und nicht Top-Musicalproduktionen präsentiert. Einfach mal Caspar Richter fragen. Wieso ist es möglich, in den USA wunderbare konzertante Fassungen von Musicals wie “Finian’s Rainbow” auf die Bühne zu stellen, während man hierzulande vermutlich bald “Elisabeth” als A-Capella-Stück, als Stück nur mit unter 20-Jährigen oder als interaktive Show mit Publikumswettsingen bringt.

Vielleicht sollte sich die “Wiener Zeitung” mal Gedanken machen, sich ernsthaft mit dem Musicalgenre zu beschäftigen und nicht Leute losschreiben lassen, die wie Fleischhauer rüberkommen. Denn das stünde der “Wiener Zeitung” gut zu Gesicht. Und viel schlechtere Auflagezahlen als mit Glossen wie jener kann es dann ja auch nicht geben.

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