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Clay Aiken: This is the moment

“This is the Moment”: Clay Aiken, 21. Juni 2010, “Bringing Broadway Home”, Raleigh, N.C, USA

“Tanz der Vampire”/Fundstück der Woche: Die “Alfred”-Awards!

Kaum hat man am Broadway alle Awards unters Schauspielervolk gebracht, könnte man meinen, dass die “echte” Awards-Zeit ausbricht. Jetzt sind die Fans dran. Wobei “Fan” ist in diesem Fall leicht untertrieben, Bütü-Schlampe sagt man nicht, und überhaupt, in Zeiten der Krise ist es doch wunderbar, wenn Fans sich Awards und Verehrungs-Sites quasi “aus den Fingern” saugen. Ja, “saugen” ist das richtige Stichwort. Es geht um Jim Steinmans Musical “Tanz der Vampire”, und da wiederum um ausschließlich eine Figur: Alfred. Der liebe Fredi hats den Fans angetan. Vorbei die Zeiten, als es für queer Herbert eine eigene Site gab, jetzt gehts ein wenig gesitteter zu.

Der Infotext zu den “Alfred”-Awards lautet:

Under this rather pompous title I’m putting the results of a detailed Alfred reviewing I’ve been doing with my friend who is also a great Alfred enthusiast. We have compared our favourite Alfred actors in a great deal of categories related to various parts of appearance, voice, acting etc. Actually at the moment only the Looks part is complete, but we did find a great many categories already there. So we decided who is, in our opinion, the best in each category, sometimes also who is the second best when more than one seemed to be particularly distinguished in that area. I’m going to post the results here as separate posts illustrated by photos or videos whenever possible.
I apologise for the very limited number of actors involved, should it annoy anyone. We don’t have that many Alfred actors we truly approve of and love, and of course only wanted to limit ourselves to those who we appreciate as Alfred. And even among them some people are harder to find pictures of (especially as Alfred) than others, which limited our ability to make comparisons. So with a few exceptions, we’re mostly limited to the Hungarian Alfreds (not that it’s new in this blog… I swear I do my best to be versatile). I’d like to note that we didn’t always focus on specifically Alfred-like qualities especially in the looks category, and Alfred pictures are not always the best way to illustrate the matter but I may use personal pictures as well. As all of the pictures should be extremely pretty, I trust this will not be a problem to my readers.
The entries on this subject will be posted whenever I feel like it, and links to individual entries will be added into this post.

Alfred Awards: Looks

Best Hair: Là¡szlà³ Sà¡nta
Runner-up for Best Hair: Aris Sas
Best Eyebrows: àdà¡m Pà¡sztor
Runner-up for Best Eyebrows: Gernot Romic
Most Beautiful Eyes: àdà¡m Pà¡sztor
Eyes That Look the Best With Make-Up: Gyuri Mihà¡lka
Most Sinful Eyes: Tibor Hà©ger
Most Beautiful Mouth: Tibor Hà©ger (and take two)
Most Alfred-Like Mouth: Gyuri Mihà¡lka
Most Perfect Face: àdà¡m Pà¡sztor
Most Beautiful Smile: àdà¡m Pà¡sztor
Most Engaging Smile: Gyuri Mihà¡lka
Most Inviting Smile: Tibor Hà©ger
Sweetest Smile: Là¡szlà³ Sà¡nta
Most Beautiful Neck: Gyuri Mihà¡lka
Most Beautiful Neck, runner up: Gernot Romic

Bevor hoffentlich die angemessene Sprachlosigkeit Platz greift, noch ein paar Links dazu:

- Die “Alfred”-Awards
- Ein Blog für Alfred
- Tagged/actor: gernot romic

Deutschland: “Hairspray” floppt. Wer schnappt sich in Wien den Fatsuit?

Bis 26. September 2010 ist “Hairspray”, ein Musical von Marc Shaiman, Scott Wittman, Mark O’Donnell und Thomas Meehan, noch in Köln zu sehen, dann fällt, nach nicht einmal einem Jahr Spielzeit, der letzte Vorhang. Ein veritabler Flop.

Offizieller Grund für die überstürzte Beendigung der Spielzeit: Es stünden die Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht und Tetje Mierendorf sowie Maite Kelly nicht mehr zur Verfügung. Armes Deutschland, wenn sich diese Rollen nicht nachbesetzen lassen.

Die Spatzen pfeifen es ja schon länger vom Dach, dass “Hairspray” eines fernen oder nicht allzu fernen Tages auch in Wien landen könnte. So muss man sich nicht wundern, dass die Produzenten der Show als weitere Produktionsstandorte Österreich und die Schweiz angeben.

In St. Gallen ist die Show bereits einmal gelaufen, Rasmus Borkowski war in St. Gallen als Link Larkin mit an Bord. Er spielt zwar derzeit am Wiener Theater in der Josefstadt, und Uwe Kröger schreibt oder lässt an seinen Memoiren schreiben, aber der Schlager-Kreuzer im Raimund Theater schwankt ohnedies noch nicht und die Vampire im Ronacher haben auch noch etwas Blut in Reserve. Schaun wir mal, was Ende 2011 sich ergibt.

Link
- ad.hoc.news: «Hairspray» verlässt Köln Ende September

Michael Jackson: 29. August 1958 - 25. Juni 2009

“Goin’ back to Alabama”: Kenny Rogers featuring Michael Jackson - keiner der Riesenhits und auch keiner der Solohits von Michael Jackson, aber ein großartiges Lied. Zu finden auf “Share your love”, einer CD von Country-Legende Kenny Rogers.

Wien: Schubert Theater - “Becoming Peter Pan - an epilogue to MICHAEL JACKSON”

Ein gelungenes Plakat, ein interessanter Titel, und null weitere Informationen - so kündigt das Schubert Theater eine Produktion an, die ab 16. Dezember 2010 auf dem Programm der Wiener Kleinbühne stehen wird.

Kann man machen, wenn es sich um eine Show handelt, die sich mit dem Phänomen Michael Jackson befasst. Wer seine Tickets jetzt schon buchen möchte, kein Problem, Wien Ticket hat sie schon im Programm –> hier.

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Palais Nowak: Pfiat di Pezi, und nun “Lasst Kreisky und sein Team arbeiten!”

Otto Jaus und Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Am 27. Juni 2010 geht die letzte Vorstellung von “Krawutzi Kaputzi” im Wiener Palais Nowak über die Bühne.

Als Johannes Glücks “Krawutzi Kaputzi” im Oktober 2006 das erste Mal im Rahmen von Voraufführungen im Kabarett Simpl zu sehen war, hoffte das Leading Team sicher auf einen Erfolg, eine fast vierjährige Spielzeit an zwei unterschiedlichen Aufführungsorten (und mit mehreren Unterbrechungen) hat sich aber sicher niemand vorstellen können. Jetzt, im Nachhinein betrachtet, sollte man doch feststellen, dass “Krawutzi Kaputzi” vielleicht das einzige echte Wienerische Musical ist, eine herzige Show mit viel Herz, die vielleicht nur echte Wiener auch wirklich in allen Zügen genießen können, wenn der Schmäh auf der Lustrutsche des Wiener Dialekts manchmal tief ansetzt, aber immer authentisch und ungekünstelt bleibt. Ein ganzer Haufen guter Melodien steckt in diesem Stück, und es wäre sicher eine großartige Sache, diese Show mal mit einer Liveband zu erleben. Wäre Wien nicht die kleine Großstadt, die sie ist, eine Show wie diese könnte auch 20 oder 30 Jahre an einem kleinen Theater laufen. Es steckt so viel Hirn und Können in dieser Produktion, allein die Puppen sind so gelungen, die Art und Weise, wie mit den Puppen interagiert wird, die gelungene Auswahl der Cast, die auch nach vier Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau spielt, und um vieles souveräner als in den ersten Wochen der ersten Aufführungsserie. Bei jedem Besuch der Show gibt es Neues zu entdecken. Jede Figur ist mit einer derartigen Fülle an feinen Details ausgestattet, dass es jedes Mal eine Freude war, nach “Meideling” zu kommen.

Aber, es ist vorbei, in wenigen Tagen, und wer die Show tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte die paar Vorstellungen, die es noch gibt, nützen.

plakat_kreisky.jpgMit der Nachfolgeproduktion im Palais Nowak hat das Simpl, zumindest was den Titel betrifft, und viel mehr weiß man über die Show noch nicht, schon mal einen Lachelfer gelandet: “Lasst Kreisky und sein Team arbeiten!” gibts ab Oktober 2010 im Palais Nowak zu bestaunen, eine Show, die den Roaring 70er-Jahren huldigt. Im Werbetext zur Show liest man:

Hand aufs Herz: Wollen Sie nicht auch endlich raus aus diesem trostlosen 21. Jahrhundert? Tauchen Sie mit uns ein in die Roaring 70er. Lasst Kreisky und sein Team arbeiten. Alles wird gut.
Finden Sie Ihr Seelenheil im Africolarausch, blättern Sie in einem Gratisschulbuch, putzen Sie Ihre Zähne mit Strahler 70 und demonstrieren Sie gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf. Erreichen Sie Europareife , verkleiden Sie sich als Donna Summer, genießen Sie mit Edmund Mundl Sackbauer das Saturday Night Fever im Voom Voom und lassen Sie sich anschließend am Sonntag um 17 Uhr von Hilli Reschl im Seniorenclub-Cafà© eine Melange und ein Torterl servieren. Engagieren Sie sich für die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, besuchen Sie am 1. Mai das Schweizerhaus oder spielen Sie Schifferlversenken mit Udo Proksch.
Sind Sie ein Mann, lassen Sie sich Ihre Haare wachsen und waschen Sie diese mit Elidor Antifett, sind Sie eine Frau, machen Sie im Sinne der Gleichberechtigung dasselbe. Stecken Sie Peter Alexander Ihre Sorgen an den Hut, zischen Sie sich ein Keli. Machen Sie Urlaub auf der Insel der Seligen und feiern Sie mit uns ein einmaliges Fest dieser einmaligen Epoche.

West End/Wien: Wirds was mit “Rebecca”? Und wirds was mit Drew Sarich als Krolock in Wien?

Man muss geduldig sein. Einerseits ist es manchmal ganz bestimmt zu früh, mit bestimmten Ankündigungen offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen, andererseits verlautbart man bestimmte Fakten ebenso ganz bestimmt zu spät. Ja, die VBW können es eben niemandem recht machen, scheints.

Im Fall von “Rebecca”, jenem “DramaMusical” von Sylvester Levay und Michael Kunze, das vor ein paar Jährchen, 2006, in Wien seine Uraufführung feierte und nun auch schon wieder fast seit ein paar Jährchen einer Broadway- oder West-End-Premiere harrt, könnte nun Bewegung in die Sache kommen. Die englische Website “WhatsonStage” meldet, dass “Rebecca” nach diversen Workshops 2011 ins Londoner Palace Theatre einziehen könnte. Im 1400-Sitze-Tempel ist derzeit “Priscilla Queen of the Desert” zu sehen, eine Show, die 2011 eine Broadway-Premiere anstrebt. Tickets für “Priscilla” kann man derzeit bis Ende Mai 2011 buchen. Könnte also wieder knapp werden mit 2011. Was wären die Alternativen theatermäßig? Man weiß es nicht.

Das Theatre Royal Drury Lane mit 2200 Sitzen dürfte es wohl nicht sein. Wie sollte man es auch füllen? Da plant man einen Megaflop, nämlich “Shrek”. Könnte so eine “Producers”-Strategie sein. Aber vielleicht mögen ja die Engländer die Show, und immerhin dürften die Rechte für den Broadway-Flop günstig zu haben sein.

Um auf das Thema “zu spät ankündigen” zurückzukommen. Man könnte fast sagen, ganz Wien spricht seit Wochen davon, dass Drew Sarich ab Herbst 2010 im Wiener Ronacher als Krolock in Jim Steinmans “Tanz der Vampire” zu sehen sein könnte, aber da würde man zu kurz greifen. Auch die Belgier scheinen es zu wissen, oder wie Hans Peter Janssens es formuliert:

Heel tof, we hebben veel raakvlakken. Maar dit is dan ook een kleine wereld. Zijn beste vriend is Drew Sarich, met wie ik nog in «Les Misà©rables” in Londen heb gespeeld. Zij hebben al samengewerkt in Frank Wildhorns «Dracula” – ook al een vampier (lacht) – en «The Count of Monte Christo”. En straks in november neemt Drew het hier van Thomas over. Thomas zelf heb ik zes jaar geleden in Hamburg voor het eerst Von Krolock zien spelen. [musicalsite.be]

Kurioses Wien! Der Kult-Citywalk mit Harald Havas, gefilmt von Luca Hammer

Kurioses Wien! Warum wurde Wiens “Schlesinger Platz” in “Schlesinger Platz” umbenannt, von welchem Punkt des ersten Wiener Gemeindebezirks aus, und fast nur von da innerhalb dieses Bezirks, ist das einzige Hochhaus von Wiens Innerer Stadt zu sehen, warum wurden nach dem österreichischen Popsänger Falco eine Stiege und ein Weg, aber auf gar keinen Fall eine Straße benannt? Wo werden in Wien Bergziegen gezüchtet und wo leben Rehe mitten in der City? Wann beginnt die “Jagdsaison” am Wiener Zentralfriedhof, und wieso darf sie überhaupt stattfinden trotz Jagdverbot.

Das sind nur einige wenige der Fragen, die Harald Havas in seinem Buch “Kurioses Wien” beantwortet, und es sind einige Themen, die er am 13. Juni 2010 live bei einem Citywalk durch Wien behandelt hat.

Luca Hammer war mit der Kamera dabei und hat die gesamte Stadtführung (rund 120 Minuten) gefilmt, gecuttet auf rund 90 Minuten und online gestellt. Eine spannende Sache - für Wiener und alle, die es gern wären.

Links
- Citywalk auf blip.tv
- Website von Harald Havas
- Luca Hammers Website 2-blog.net

Allegiance - A New Musical

Allegiance is a new musical about love, family and heroism during the Japanese American internment, with music and lyrics by Jay Kuo and book by Jay Kuo and Lorenzo Thione, starring Tony Award (R) winning actress Ms. Lea Salonga and screen and TV icon, Mr. George Takei.

«Allegiance is a major musical about a forgotten part of history,” says Takei, who spent his childhood in an internment camp in Arkansas and was a founder of the Japanese American National Museum. «Kuo’s music soars, and the epic story stirs deep emotions. This is a hugely important, historic work.”

Allegiance follows the Omura family, forced from their home in Salinas, California to the Heart Mountain internment camp in the wastelands of Wyoming during World War II. Their story reflects the deep conflicts of a nation and a people divided: father Tatsuo, a successful store owner, resists their unjust internment; mother Kimiko fears for their future, quietly resigned to their fate; older son James volunteers in an all-Japanese army regiment; and younger son Sam yearns for acceptance by and inclusion in America.

The Omura’s conflicts mirror the larger rift between the Japanese American Citizens League, which urged compliance with the internment and unwavering loyalty to America, and the resisters of the internment, who steadfastly refused to serve a country that had put them in concentration camps. This universal story sheds new light upon a dark, under-explored, and wrenching chapter of American history. Through the remembrances of Old Sam and his tutor Gloria, the painful past is revisited, and at long last redemption and understanding begin to heal decades old wounds.

Allegiance held its first staged reading at the Japanese American National Museum on July 13, 2009. It held a second, full reading on February 22, 2010 at the Mainstage Theatre on 42nd Street in NYC to rave audience reviews. A third industry reading is planned for October 2010, with an eye towards a Broadway bow in 2011-12. For more information, email info@singoutlouiseproductions.com.

Link
- Allegiance - A New Musical @Facebook

Theater der Jugend: “Märchenherz” [Philip Ridley]

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Der britische Künstler Philip Ridley, geboren 1964 in London, studierte Malerei an der Central Saint Martins, präsentierte seine Bilder im Rahmen von Ausstellungen vor allem in Europa und Japan, und ein gewisses Maß an publicitywirksamem Schaffen war ihm schon als Student nicht fremd, malte er doch beispielsweise für einen Zyklus, den er »Corvus Cum« bezeichnete, das Bild »The Black Bird«, auf dem ein Mann zu sehen ist, der auf einen schwarzen Vogel ejakuliert. Als eben dieses Bild im Institute of Contemporary Arts seinerzeit ausgestellt wurde, gab es prompt erboste Anrufe von Besuchern der Ausstellung, die die Verantwortlichen aufforderten, das Kunstwerk hinter einem Vorhang auszustellen.

Philip Ridley ist aber nicht nur Maler, er ist auch Photograph, Regisseur und nicht zuletzt auch Autor. Der Schriftsteller Ridley schreibt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, und es ist einer seiner Einakter für Kinder, »Märchenherz« (»Fairytaleheart«), der derzeit, aber nur mehr bis zum 26. Juni, als österreichische Erstaufführung im Wiener Theater im Zentrum in einer Produktion des engagierten Theaters der Jugend zu sehen ist.

Das “Märchenherz” entstammt einer auf insgesamt elf Einakter angelegten Serie, die Ridley »The Storyteller Sequence« nennt. Erschienen sind bis dato fünf Werke: »Karamazoo«, »Fairytaleheart«, »Moonfleece«, »Sparkleshark« und »Brokenville«. Die Bezeichnung »The Storyteller Sequence« trifft das Thema von »Märchenherz« exakt. Es geht ums Geschichtenerzählen, es geht darum, wie man Geschichten erzählt, was man braucht, um Geschichten zu erzählen und darum, was man damit bewirken kann. Es geht auch darum, Geschichten gemeinsam zu erleben, oder wie in den Werbemitteln zur Show Hà©lder Cà¢mara treffend zitiert wird: “Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn Menschen gemeinsam träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.”
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Der Plot des Einakters ist recht schnell erzählt:

Kirsty hat ein Problem. Ihr Vater hat sich in eine neue Frau verliebt. Und diese Frau ist in Kirstys Augen grässlich, der Prototyp der “bösen Stiefmutter”. Sie will ihren Vater für sich selbst behalten. Bei der eigenen Geburtstagsparty reißt sie aus, um mit sich und ihrem Unglück alleine zu sein. Sie muss ihre Gedanken ordnen und landet mit ihrer hastig gepackten Reisetasche in einem verlassenen Gemeindesaal.
Dass hier nun Gideon auftaucht, passt ihr gar nicht. Und woher eigentlich kennt er ihren Namen? Warum quatscht er dauernd auf sie ein und will alles Mögliche von ihr wissen? Und was sollen all die vielen Farbtöpfe und diese große halbbemalte Leinwand?
Am besten wieder abhauen! – Doch Gideon ermuntert Kirsty dazu, mit ihm gemeinsam an seinem Bild zu malen und einzutauchen in eine Phantasiewelt – und die ist näher an der Wirklichkeit als vermutet. Für Kirsty erscheint vieles in einem neuen Licht. Vielleicht ist die neue Stiefmutter ja gar kein Monster? Vielleicht hat der Vater ja ein Recht auf eine neue Liebe? Vielleicht ist es ja Kirsty selbst, die nicht ganz richtig liegt mit ihren Ansichten und Meinungen …

Was beim Betreten des Zuschauerraums sofort ins Auge sticht, ist die Bühne. Und was für eine Bühne. Keine nackte, leere, sondern eine vollgepackte Bühne. Ein Kellerraum mit einer Nebennische, voller Utensilien, Becher, Körbe, Kisten, Eimer, Malbecher, Kerzen, Kerzen, Kerzen und vieles andere, Graffitis an den Wänden, viele Zeichnungen, unfertige Malarbeiten, Details, Details, Details - ein Schlaraffenland an Atmosphäre. Da wird nicht dem Trend der “nackten Bühne” nachgerannt, sondern mal ein Set geschaffen, in das man sich schon vor Beginn der Vorstellung einleben kann. Nicht, dass Phantasie nicht gefragt wäre in dieser Produktion, aber nicht auf dieser Ebene. Und das passt.

“Märchenherz” ist, neben allem anderen, was man darüber schreiben könnte, ein Stück, das vermittelt, wie man Menschen motivieren kann. Die Zuschauer erleben, wie schwer es sein kann, verschlossene, frustrierte, verzweifelte und oft enttäuschte Menschen zu motivieren, wie anstrengend, auch körperlich, es ist und wie sehr man sich selbst öffnen muss, damit sich der andere auch nur ein bisschen öffnet.

“Märchenherz” ist fast wie eine Art Workshop und demonstriert, wie man mit Phantasie Geschichten zum Klingen bringt, wie Geschichten die Phantasie zu Höchstleistungen anstacheln und wie man Menschen mit Phantasie und Geschichten zum Strahlen bringt, ihnen neue Hoffnung gibt, neue Perspektiven aufzeigt, wie Geschichten helfen können, über akute Krisensituationen hinwegzukommen.
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All das erlebt man in Echtzeit, in 90 Minuten Spielzeit. Markus Schöttl spielt diesen grandiosen Geschichtenerzähler, dieses quirlige Powerpaket Gideon, der alles versucht, um Kirsty, gespielt von Nadine Kiesewalter, zunächst einmal abzulenken von ihren Problemen. Er macht alles an Faxen, was man in dem (Spiel-)Alter nur machen kann, und Philip Ridley weiß, wie man Kinder der angepeilten Altersstufe (ab 11 Jahren) erreicht. Markus Schöttl setzt das mit einer lebensfrohen, offenen, fröhlichen, in Phasen ekstatischen Darstellung des Jungen Gideon glaubhaft und mit viel Emotion, Kraft, Hingabe und Herz gespielt ungemein sympathisch um. In Nadine Kiesewalter hat er eine ideale Partnerin.

Philip Ridleys Ziel als Autor ist es, gutes Theater für Jugendliche zu machen. Das, so ist er überzeugt, sei keinesfalls leichter als gutes Theater für Erwachsene. In jedem Fall muss Theater etwas sein, so der Autor, das uns berührt, das Antworten auf die Fragen sucht, die uns in unserer Lebenswirklichkeit beschäftigen. Ridley glaubt fest daran, dass man durch Geschichten etwas bewegen kann, auf der Bühne und im wirklichen Leben. Mit “Märchenherz” setzt er diese Ansprüche an sich selbst glaubhaft um, und auf einer gewissen Ebene ist diese spannende und berührende Theateraufführung mit Sicherheit motivierender und hilfreicher in punkto Lebenbejahung als so manch teures Selbsthilfeseminar bei hochbezahlten Motivationstrainern.

Ab 11 Jahren ist das Stück empfohlen, gespielt wird es vom “Theater der Jugend”. Darf man sich als Erwachsener in dieses Stück reintrauen? Ja, man darf und man sollte noch die Chance nutzen, sich anzusehen, wie man Theater für Kinder und Jugendliche auch machen kann. Sieben Vorstellungen gibt es noch, und bestellen kann man problemlos die letzten Restkarten online mit Kreditkarte –> hier. Wer zuvor noch etwas Motivation braucht, kann sich auch Kritiken zum Stück durchlesen –> hier. Und dann nichts wie ab ins Theater - allein oder mit der ganzen Familie.

Märchenherz
von Philip Ridley / Deutsch von Andreas Pegler

Darsteller
Kristy: Nadine Kiesewalter
Gideon: Markus Schöttl

Leading Team
Regie: Frank Panhans
Bühne und Licht: Tom Presting
Kostüme: Katharina Mayer und Erika Peherstorfer
Malercoach: Kurt Urban
Dramaturgie: Marlene Schneider
Assistenz und Inspizienz: Clemens Pötsch
Hospitanz: Felix Metzner

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