Martin Bruny am Freitag, den
12. März 2010 um 10:31 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2010
100 Jahre Wiener Kammerspiele, das war dem Wiener Amalthea Verlag Anlass, einen Jubiläumsband diesem traditionsreichen Theater zu widmen, einem Theater, mit dem man bis vor kurzem unter anderem den Begriff »Opas Lachtheater« assoziierte. In den 70er, 80er und 90er Jahren kultivierte man an diesem Haus das seichte Lustspiel mit – Hauptsache – Publikumslieblingen. Die regelmäßig ausverkauften Vorstellungen des damals als En-Suite-Betrieb geführten Theaters in der City von Wien sorgten dafür, dass sich das »Mutterhaus«, das Theater in der Josefstadt, der seriöseren Theaterliteratur widmen konnte. Als Herbert Föttinger 2006 das Haus als Direktor übernahm, positionierte er die Kammerspiele radikal neu, mit der Absicht, sie ins 21. Jahrhundert zu führen. Einzug hielten die moderne Stadtkomödie und (wieder) das Musiktheatergenre. »Im weißen Rössl« (2008), »Sugar – Manche mögen’s heiß« (2009), »Ladies Night« (2010), »Cabaret« (2010) und »Judy – Somewhere over the rainbow« (2011) lockten und locken neue Publikumsschichten ins Haus.
Musiktheater war an den Kammerspielen schon einmal populär: In den großen Ausstattungsrevuen und Operetten der 20er Jahre spielten hier Stars – und solche, die es später wurden, wie Peter Lorre oder Marlene Dietrich, in Wien 1927 unter anderem in der Operette »Wenn man zu dritt …« zu sehen – zwei Jahre später begann die Dietrich mit den Dreharbeiten zum »Blauen Engel«. Oder Luise Rainer, die von den Kammerspielen weg 1934 nach Hollywood vermittelt wurde und 1936 für ihre Darstellung der Anna Held in »The Great Ziegfeld« einen Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam.
Georg Markus, der Star unter den österreichischen Sachbuchautoren, schildert auf 105 Seiten die aufregende Geschichte der Kammerspiele, bringt viele unterhaltsame und auch tragische Geschichten über die vielen Publikumslieblinge des Hauses. Gleich drei dieser Lieblinge, Otto Schenk, Heinz Marecek und Elfriede Ott, führen in kurzen Erinnerungen den Leser hinter die Kulissen und vermitteln nicht zuletzt viele interessante Einblicke in das Handwerk des Schauspielens in einem En-Suite-Betrieb. Im Anhang findet man auf 63 Seiten alle Premieren des Hauses seit 1910 aufgelistet, mit dem Datum der Premierenvorstellung, Angaben zu den Autoren, der Regie und den Darstellern. Ein Stück (Wiener) Theatergeschichte, sehr lesenswert.
Georg Markus, Otto Schenk, Heinz Marecek, Elfriede Ott: Wenn’s euch nur gefällt – 100 Jahre Kammerspiele 1910–2010. Mit einem Vorwort von Herbert Föttinger. Amalthea, Wien 2010. 208 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-85002-724-3. EUR 24,95.
Martin Bruny am Freitag, den
12. März 2010 um 10:31 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2010
Vor diesem Buch müsste man eigentlich ausdrücklich warnen. Zartbesaitete Musicalkenner könnten es nach den ersten der insgesamt mehr als 1200 Fragen einfach desillusioniert in die Ecke werfen, in der fixen Überzeugung, nicht allzu viel Ahnung vom Musicalgenre zu haben. Doch alles halb so wild: Erstens betreffen die in diesem Quizbuch gestellten Fragen »nur« das »Broadway-Musical«, zweitens hat es die Autorin geradezu darauf angelegt, nur den echten und wahren »Broadway-Babys« die Antworten leicht zu machen, drittens gibt es auch jede Menge weniger schwere Nüsse zu knacken, und überhaupt: So brauchbar das Werk als Quizbuch ist, hat Laura Frankos doch auch einfach ein informatives Kompendium von wissenswerten, höchst interessanten und bisweilen skurrilen Details aus der spannenden Broadway-Geschichte zusammengestellt.
Aufgeteilt hat sie ihren Fragenkatalog grob gesagt in zwei Akte und einige Sonderkapitel. Die Akte untergliedern sich in Szenen. Die ersten beiden »Szenen« des ersten Akts behandeln die großen Meister (Komponisten und Autoren) wie Leonard Bernstein, Kurt Weill, Jule Styne, Stephen Sondheim; die dritte Szene ist Choreographen gewidmet. In der »Pause« gibt es Unterhaltsames wie zum Beispiel ein »A Chorus Line Mini-Quiz«, bei dem zehn Fragen à la »What former collaborator of Bennett’s did some uncredited (and unpaid!) work on the libretto while the show was still at the Public Theatre?« zu beantworten sind. Die Antwort: Neil Simon. Im Sonderkapitel »Setting« geht’s um Wissenswertes von Shows, die etwa in Italien, Frankreich, … spielen, oder aber man muss einer Figur eines Musicals eine bestimmte Wohnadresse zuordnen. »Time« widmet sich Produktionen von 1900 bis 2000 – die älteste Show, die im Buch Erwähnung findet, ist allerdings »The Black Crook« (1866), und das aktuellste Musical »Catch me if you can« (2010). Bonus-Broadway-Fragen widmen sich skurrileren Details: »What did John Gallagher, Jr., do with his handheld mike during »The Bitch of Living« on Spring Awakenings’s opening night at the Eugene O’Neill? (Antwort: »Good Lord, you people have dirty minds: here’s the truth: Gallagher brought his hand mike up to his mouth with such force on opening night that he chipped his front teeth.«) Oder aber der Bonus geht an die wahren Kenner, die Fragen wie die folgende beantworten können: »Which is the only show directed by Hal Prince not to receive a cast album recording?« (Antwort: »Roza« (1987) is the only show directed by Prince not to have a cast album recorded.«) Das Buch bietet thematische Fragenkataloge unter anderem zu Sport, Literatur und Geschichte in Musicals, es wird das Wissen bezüglich Broadwaystars, Komponisten, Regisseuren, Produzenten abgefragt, zwischendurch eingestreut finden sich amüsante Fragen zu »Sachthemen« wie Essen & Trinken, Nachtclubs & Ärzte in Musicals – oder Songtitel mit Zahlen.
Frankos Quellen sind hunderte Libretti, Memoiren, Biographien, Chroniken, Geschichtsbücher und Audio- sowie Videomaterial. Eine Bibliographie wäre nett gewesen, hätte aber wohl den Rahmen gesprengt. Die Autorin liefert im Antwortenteil oft reiches Hintergrundwissen, viele Einzelheiten, und so ist bei »The Broadway Quiz Book« Lesevergnügen garantiert, auch wenn man nicht alle Fragen zu den insgesamt mehr als 700 Musicals, die Erwähnung finden, beantworten kann.
Laura Frankos: The Broadway Musical Quiz Book. Foreword Peter Filichia. Applause Theatre & Cinema Books – An Imprint of Hal Leonard Corporation, New York 2010. 272 S.; (Paperback) ISBN 978-1-4234-92675-7. $ 16.99.
Martin Bruny am Freitag, den
12. März 2010 um 10:28 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2010
Rolf Kutschera, geboren 1916 in Wien, und Peter Weck, geboren 1930 in Wien, prägten jeder auf seine Weise das Musicalgenre in Wien nachhaltig. 2010 legten beide ihre Autobiographien vor.
Der Pianist, Textautor, Komponist für Kabarett und von Chansons, Schauspieler und Regisseur Rolf Kutschera übernahm 1965 das herabgewirtschaftete Theater an der Wien, etablierte das Musical als Genre in Wien, revolutionierte hier auf seine Weise den Spielbetrieb und leitete es bis 1982.
Peter Weck putschte alles bisher Dagewesene am Musicalsektor Wiens, und auch im deutschsprachigen Raum. 1983 bis 1987 leitete er das Theater an der Wien, 1987 bis 1992 übernahm er die Generalintendanz der Vereinigten Bühnen Wien, die neben dem Theater an der Wien auch das Raimund Theater und das Ronacher umfassten. Sein größter Erfolg, »Elisabeth«, ist heute noch einer der wichtigsten Geldbringer der VBW.
»Glück gehabt« und »War’s das?«, so lauten die Titel der beiden Biographien der Theatermacher.
Während Rolf Kutschera dem Musical, seiner Arbeit am Theater an der Wien, breiten Raum in seiner Biographie einräumt, 129 Seiten von 285 Seiten, kommt Peter Weck mit, alles eingerechnet ca. 40 Seiten aus (von 344) – die haben es allerdings in sich.
Wecks Biographie ist wohl ausformuliert, tendenziell eher ironisch distanziert als zu gefühlsbetont, in einer Sprache geschrieben, die das Buch perfekt dafür erscheinen lässt, vom Autor vorgelesen zu werden. Man hört fast Wecks Stimme, wie er rezitiert. Das macht das Werk einfach und sehr angenehm lesbar. Das Wunderbare an Weck ist, dass er sich nie ein Blatt vor den Mund nimmt. So liebevoll er im Großteil seiner Memoiren über sein Schauspielerleben und seine Kollegen erzählt, so präzise und scharf wird er vergleichsweise in der Musicalabteilung des Buchs. Da stützt er sich auf exakte Zahlenangaben, zitiert beispielsweise aus einem Kontrollamtsbericht der Stadt Wien, um seinen Erfolg als Intendant zu betonieren: »Insgesamt wurden in den Jahren 1983 bis 2007 bei 20 Eigenproduktionen (…) 10,75 Millionen Karten verkauft (…) Die drei Produktionen ‚Elisabeth‘ (59,58 Mio. EUR), ‚Cats‘ (42,21 Mio. EUR) und ‚Phantom der Oper‘ (42 Mio. EUR) erwirtschafteten 42,9 Prozent der gesamten Kartenerlöse von 335,12 Mio. EUR.« Da wird mit der »roten Ursel«, Kulturstadträtin Ursula Pasterk, und Franz Häußler, nach all den Jahren, beinhart abgerechnet: »Das besonders Bedauerliche war, dass mein direkter Partner in Sachen Theaterleitung, Franz Häußler, nach anfänglicher Loyalität mir gegenüber, geleitet durch seinen vorauseilenden Gehorsam, den er politischen Entscheidungsträgern entgegenbrachte, diesen Personen gegenüber zum Jasager wurde. Soll von mir aus sein, jeder muss seinem Charakter entsprechend handeln. Aber was mich persönlich betraf: Er praktizierte ab einem bestimmten Zeitpunkt keine teambezogene Arbeit mehr in der Geschäftsführung mit mir. So haben sich gegen Ende meiner Zeit mehr und mehr Dinge hinter meinem Rücken abgespielt.« Weck nützt seine Biographie, um – knapp – die Umstände darzulegen, unter denen er als Intendant agieren musste, wie man ihm unter anderem seine Erfolgsproduktion »Cats« im Ronacher abgeschossen hat, trotz ausverkaufter Vorstellungen bis zum Schluss und einer »Kostendeckung von über 100 Prozent«, er findet auch klare Worte, was die Schließung des »Tanz-Gesang-Studio Theater an der Wien« betrifft: »Es hieß von kulturpolitischer Seite – unterstützt von der kaufmännischen Leitung des Hauses –, es koste zu viel. Ein weiteres Argument lautete. ‚Wir werden doch nicht Musicaldarsteller ausbilden, die dann ins Ausland und nach Deutschland gehen …‘ So einen Unsinn muss man sich erst einmal einfallen lassen Aber man sieht, welche profunden Theaterleute die Geschicke nach mir übernommen haben. Mit einem Weitblick für die Sparte Musical, der dann dort hingeführt hat, wo man jetzt steht.” Wahre Worte, die die Biographie zur messerscharfen Analyse der Entwicklung bis heute machen. Diese Schärfe hat seine Berechtigung, war der erfolgreiche Weck doch während seiner Amtszeit ein von vielen Angefeindeter, der letztlich seine Konsequenzen zog und sich via Medien mit dem legendären Satz verabschiedete: »Ich gehe nicht im Bösen, aber ich werde freier atmen, wenn ich die Heuchelei nicht mehr ertragen muss.« Für alle Fans des ehemaligen Sängerknaben, verhinderten Dirigenten, (Theater-)Schauspielers und Regisseurs ist »War’s das?« ein ungemein unterhaltsames Werk geworden, in dem sich sehr wirksam und kurzweilig herausgearbeitet Anekdote an Anekdote reiht, Berührendes, Lustiges, Trauriges und Überraschendes, viele Blicke hinter die Kulissen der Theater-, Film- und TV-Landschaft, unterstützt durch eine hervorragend Bildauswahl.
Vor allem eines haben Peter Weck und Rolf Kutschera gemein: Beiden sagte man voraus, sie würden mit ihren Wiener Musicalplänen scheitern. Im Falle von Weck war das sein Vorhaben, Longrun-Produktionen in Wien zu etablieren, bei Kutschera das ehrgeizige Bestreben, das Theater an der Wien zu einem erfolgreichen Musicalhaus zu entwickeln. In den 32 Kapiteln des Musicalteil seines Buches spannt Kutschera den Bogen vom 21. Dezember 1965, der Premiere von »Wie man was wird im Leben, ohne sich anzustrengen«, bis zum 8. Dezember 1981, der Premiere von »Jesus Christ Superstar«. Kutschera schildert von jeder Produktion spannende und berührende Erlebnisse in einer Emotionen auslösenden Weise. Man spürt, wie sehr er bei der Auswahl, den Vorbereitungen und der Produktion jeder einzelnen Show emotionell beteiligt war. Das im Titel erwähnte »Glück«, das hatte Kutschera in Form eines glücklichen Händchens bei der Auswahl seiner Shows und Darsteller so manches Mal. Die Schnurren aus dem von der Wiener Bürokratie oft beeinflussten Theateralltag und über Eitelkeiten, Freuden und Niederlagen so mancher Wiener Publikumslieblinge sind herrlich – ein Blick zurück in die goldene alte Zeit, die für Kutschera so endete: »â€˜Jesus Christ Superstar‘ war das erste Musical in meiner Direktionszeit, wo alle Schauspieler mit Mikroports und Verstärkern sangen. […] Mit ‚Jesus Christ Superstar‘ und den weiteren Werken von Andrew Lloyd Webber begann die Zeit des elektronischen Musicals, wodurch sich ein vollkommen neuer Darstellungs- und Gesangsstil entwickelte. Meine Zeit des Musicals mit direktem Spiel und Gesang der Schauspieler, ohne elektronische Tonverstärkung, war vorbei.«
An der Sprache wurde bei Kutscheras Biographie weit weniger gefeilt als bei jener Wecks, doch dafür wirkt alles viel emotioneller, direkter. Letztlich sind beide Werke Mosaiksteine in einer Geschichte des Wiener Musicals und höchst lesenswert.
Rolf Kutschera: Glück gehabt – Meine Erinnerungen. Aufgezeichnet von Birgit Thiel. Mit einem Vorwort von Michael Heltau und einer Nachbetrachtung von Ernst Stankowski. Styria Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt 2010. 288 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-222-13311-4. EUR 24,95.
Peter Weck: War’s das? – Erinnerungen. Mitarbeit: Felicitas Wolf. Amalthea Verlag, Wien 2010. 344 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-85002-721-2. EUR 22,95.
Martin Bruny am Freitag, den
12. März 2010 um 00:53 · gespeichert in Musical
Martin Bruny am Donnerstag, den
11. März 2010 um 21:47 · gespeichert in Skurriles
Power-Promotion der VBW in den Ösi-Illu-Wäldern. Nicht, dass das nicht zum Geschäft gehören würde, und all die schöne bunte und laute Werbung ist auch wunderbar. Aber der Stil wird schön langsam unerträglich.
NEWS schlagzeilt Herrn Prof. Jürgens zum “Genie” und die Autoren des Artikels, Sichrovsky, Zodl, Strausz, sumpern mit Sätzen wie
21 Lieder des ingeniösen Musikers Udo Jürgens, von Gabriel Barylli zur Handlung geordnet und schon in Hamburg ein Publikumskracher, sollen den Wiener Musical-Konzern aus der Bredouille führen. Nach sang- und klangarmer Absetzung des Rohrkrepieres “Rudolf” im Februar lässt sich der Vorverkuf für das Udo-Jürgens-Musical glänzend an
in die totale Unglaubwürdigkeit. Aber es kommt noch besser, denn Barylli, so NEWS, habe ein “brillantes Libretto” geschrieben. Warten wir doch mal die Kritiken ab, und was Herr Sichrovsky nach der Premiere schreiben wird.
Noch schöner Manfred Krammer in TV-MEDIA. Da lautet zwar die Headline “Udo Jürgens: Sein Wien-Musical kommt den Steuerzahler teuer”, Frau Intendantin Zechner darf aber mitteilen:
Die VBW bespielen in einem Markt von 8 Mio. Einwohnern zwei historische Theater mit etwas über 1000 Sitzplätzen. Stage Entertainment betreibt in Deutschland zehn Theater bei 80 Mio. Einwohnern und 28 Theater weltweit. Im Vergleich ist der kreative Output der VBW höher.
Mitnichten. Korrekt müsste es heißen: Er war höher, denn tatsächlich nähert er sich dem Nullpunkt. Der kreative Output bei den derzeitigen Produktionen “Tanz der Vampire” und “Ich war noch niemals in New York” beschränkt sich bei der Jürgens-Show auf die fabulöse Einwienerisierung, die man ohnedies kaum merkt und die Herr Barylli wohl zwischen Morgenkaffee und Vormittagsjause bewerkstelligt haben dürfte, wenn man es überhaupt gewagt hat, ihn damit zu belästigen.
Martin Bruny am Donnerstag, den
11. März 2010 um 00:47 · gespeichert in Musical, Wien

Der Tag 0 ist in Greifweite. Wir schreiben den 10. März 2010 und sind somit exakt fünf Tage von den Iden des März entfernt - es ist der Moment der ersten öffentlichen Präsentation von Songs aus der Revue “Ich war noch niemals in New York” gekommen: Die Foto- und Fernsehprobe geht im Raimund Theater über die Bühne. Ist es ein gutes Omen für die Show, die, aufbauend auf Lieder des deutschsprachigen Sängers Udo Jürgens, die Atmosphäre eine Kreuzfahrtstripps in den Musicaltempel namens Raimund Theater beamen will? Man wird sehen, was die Kritiker nach den Iden des März, am Tag nach der österreichischen Erstaufführung (17. März 2010) über die Nummernshow schreiben werden.
Aber gehen wirs langsam an, nehmen wir uns Zeit. Bevor uns Gesang und Tanz (und Schauspiel) erwarten, begrüßt uns das ganz auf Kreuzfahrt gestylte, wenn man so sagen will, retuschierte Raimund Theater. Die Fotografin Isabell Schatz war bei der Fotoprobe vor Ort und hat alle Fotos aufgenommen, die sich in diesem Beitrag finden. Mehr davon, andere Motive gibts dann auf der Website von Isabell Schatz –> hier.









Folgende Songs waren im Zuge der Fotoprobe zu hören:
1) Alles im Griff (1. Akt, Szene 6) Ann Mandrella, Andreas Lichtenberger, Ensemble






2) Im Seniorenheim (1. Akt, Szene 2c), Hertha Schell, Peter Fröhlich




3) Bleib doch bis zum Frühstück (2. Akt, Szene 8) Ann Mandrella, Andreas Lichtenberger, Ensemble








4) Griechischer Wein (2. Akt, Szene 7) Andreas Bieber, Gianni Meurer, Peter Fröhlich, Julian Fritz, Ensemble










Martin Bruny am Mittwoch, den
10. März 2010 um 18:32 · gespeichert in Tod, Flicks, TV
Martin Bruny am Dienstag, den
9. März 2010 um 23:18 · gespeichert in Skurriles
… wird sich wohl Gernot Kranner gedacht haben, als er an die in der KLEINEN ZEITUNG beschriebene Verwirklichung einer Verwurstungsidee des Steinmanschen Musicalerfolgs “Tanz der Vampire” ging. Gemeinsam mit dem Fleischer seines Vertrauens designte der Vampirjäger von Krolocks Gnaden Vampir-Würste. Und wer weiß, ob man die dann nicht auch noch 2017 essen wird können, wenn im Ronacher … was auch immer läuft.
Mit Knoblauch und Chili gegen Vampire
Der gebürtige Fohnsdorfer und “Tanz der Vampire”-Darsteller Gernot Kranner hat in seiner spärlichen Freizeit gemeinsam mit Fleischermeister Helmut Sattler kürzlich zwei neue würzige Produkte erfunden. “Wir haben wurstige Sargnägel und die original Vampirjäger-Wurst erfunden. Mit viel Knoblauch und Chili”, schmunzelt Kranner. Fleischer Sattler freut sich. “Dieses Produkt ist einzigartig und schmeckt toll.” Wann die Wurst auf den Markt kommt, ist noch nicht fix. [KLEINE ZEITUNG]
Martin Bruny am Dienstag, den
9. März 2010 um 20:27 · gespeichert in Pop
â™
Die Premiere ihres Programms “Tribute to Motown” feiern Ola Egbowon & The Part of Soul Band am kommenden Sonntag (14. März) im Wiener ost klub. Die Einnahmen kommen den Opfern der Naturkatastrophe in Haiti zugute.
Songs von Stevie Wonder, Marvin Gaye, The Supremes, The Four Tops, The Jackson 5, The Temptations, Gladys Knight & the Pips, interpretiert vom phänomenalen Ola Egbowon - das sollte man nicht verpassen.
BENEFIZ 4 Haiti @ost klub mit Ola Egbowon
Ola Egbowon…..vocals
Jojo Lackner…..bass
Dieter Kolbeck…..keyboards
Ariel Ramirez…..guitar
Peter Kronreif…..drums
Werner Wurm…..trumbone
Josef Burchartz…..trumpet/french horn
Manfred Franzmeier…..saxophone
ost klub
1040 Wien, Schwindgasse 1 / Ecke Schwarzenbergplatz 10
Tel: 01-505 62 28
www.ost-klub.at
Martin Bruny am Dienstag, den
9. März 2010 um 10:35 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2010
Steven Suskin ist Theater- und Musikkritiker u. a. für Variety und Playbill. 25 Jahre war der Autor im Theatermanagement und als Produzent tätig. 13 Bücher hat er bis dato veröffentlicht, darunter «Second Act Troubleâ€, «The Sound of Broadway Music†und «Opening Night on Broadwayâ€.
2010 brachte Suskin die vierte Auflage seines Standardwerks «Show Tunes†auf den Markt. 1985 war die erste Auflage erschienen, mit dem Konzept als Basis, die Musicals der «bedeutendsten†Broadway-Komponisten, die sich bis 1985 aus dem Berufsleben zurückgezogen hatten oder verstorben waren, zu behandeln. Zwölf Komponisten plante Suskin für die erste Auflage ein, aber der Verlag erhob Einspruch. Ein Buch ohne Komponisten wie Sondheim, Styne oder Herman? Unvorstellbar! So wurden aus den zwölf insgesamt 30 Komponisten. Für die zweite Auflage, 1991, gab es keine Ergänzung. Der Grund: Megamusicals aus England beherrschten den Great White Way. Die dritte Auflage erschien 1999 mit einer Ergänzung um sechs Künstler, und in der nun vorliegenden Ausgabe sind wir bei insgesamt 40 Komponisten angelangt.
Suskins Ziel ist es, von jedem musikalischen Werk dieser Autoren, egal ob Broadway- oder Off-Broadway-Show, Nachtclub-Act, Eisrevue etc. das publizierte Notenmaterial und die publizierten Songs kommentiert aufzulisten. Vor Erscheinen der ersten Auflage von «Show Tunes†war das ein unübersichtliches Feld. Suskin schaffte es, wie Michael Feinstein in seinem Vorwort lobend hervorhebt, eine «komplette Chronik der verfügbaren Songs der behandelten Komponisten†zu erstellen. Das erforderte vom Autor oftmals reinste Detektivarbeit, gehen doch Rechteinhaber, Theaterbesitzer, Plattenlabels mit ihren Archivalien nicht immer sorgsam um. Feinstein weiß davon zu berichten: «I learned that many boxes of unique and irreplaceable musical theatre score housed in an old theatre basement in London had been destroyed. The theatre had been taken over by Andrew Lloyd Webber, and somebody had cleaned out the »useless« stuff taking up so much space in the basement. They saved the scores of all the warhorses like «Annie get your Gun†(those might be of use, they thought) but destroyed the obscure material – including several complete Gershwin scores and orchestrations.†Suskin machte sich auf die Suche auch nach den verschollensten Liedern und durchsuchte etwa die Bestände der Library of Congress, wo nicht katalogisiert ein reicher Schatz von Songs aus allen nur denkbaren Genres ab dem Jahre 1900 lagert.
In seinem in die Kapitel «Composers of the early yearsâ€, «New Composers of the 1940s, 1950s, and 1960sâ€, «New Composers of the 1970s and Beyond†und «Notable Scores by other Composers†gegliederten Werk bietet der Autor für jeden Künstler eine ausführliche Einleitung – eine Mischung aus Biographie und kritischer Einschätzung seines Werks. Untersucht wird bei allen Komponisten, warum sie so komponiert haben, wie sie komponiert haben, und wie es zur Zusammenarbeit mit ihren Partnern kam. Es wird versucht nachzuvollziehen, ob die Songs im Theater funktioniert haben und wie sich der Erfolg auf das weitere Schaffen ausgewirkt hat.
Die Aufnahme ins Buch an sich bedeutet nicht, dass mit dem einen oder anderen Komponisten nicht ordentlich ins Gericht gegangen wird. Der Autor hat eine fixe Idee, wie ein «ideales†Broadwaymusical musikalisch zu sein, welchen Kriterien es zu genügen hat. Etwas ruppig schert er vor allem die «jüngeren†Komponisten über diese seine Auffassung. Über Alan Menkens «Beauty and the Beast†meint er: »[It] was not taken seriously by critics or Broadwayites, just by ticket-buyers with plenty of spare cash for repeat visits and official souvenirs. Menken had his first Broadway musical, and a hit with a thirteen-year run at that. […] [Menken’s] stage work over the course of thirty years has had little effect: »Little shop of horrors« and not much else, other than two supermusicals centered on scores written for animated films. One tends to blame Disney for stealing him away from a potential theatre career; without Disney, though, Menken might very possibly still be unknown and unheard of, and tens of millions of dollars poorer.â€
Man kann Suskin zugute halten, dass er dem wirtschaftlichen Erfolg der Werke eines Künstlers keine dominante Bedeutung zuweist. So liefert er eine der besten Biographien zu William Finn. Es ist, fast, eine Liebeserklärung an dieses musikalische Genie, »more noncommercial than Sondheim«, wie Suskin schreibt. »He has always seemed to do what he wants, the way he wants it. While he has proven to be a stubborn and sometimes indecipherable artist, it is his very unruliness that has resulted in some of the most remarkable musical theatre material of the last thirty years. And – with the addition of »A New Brain« and the songs collected in »Infinite Joy« and »Elegies« to »Falsettos« and »Falsettoland« – some of the most moving theatre music as well.â€
Suskins kleine Sticheleien sind mitunter unterhaltsam, wenn er etwa über Maury Yestons »Phantom« scheibt: »The most surprising element in this twisted »Phantom« tale is that Yeston’s score is far more tuneful than you-know-who’s.«
Ein wenig zu bissig, untergriffig und auch inkonsequent zeigt Suskin sich bei einigen Komponisten. Ein Beispiel: Frank Wildhorn. Ist es Kritik oder Abrechnung? »»Jekyll & Hyde« was roundly roasted for its substandard material by critics and Broadwayites alike, but it proved to be one of those so-called audience shows, which enjoy a respectable run but eventually close several million dollars in the red. The writing is, perhaps, baldly bad at times; but then, the final director of the enterprise, Robin Phillips, wisely dressed things up with excessive, effective theatricality. Wildhorn quickly returned with «The Scarlet Pimpernelâ€, similar in style and quality. With the opening of «The Civil Warâ€, Wildhorn hat three Broadway musicals running (briefly) simultaneously, which he trumpeted loudly in the press. When the final accounting was done, though, the three combined represented a loss in the neigbourhood of 15 million dollars, which Wildhorn did not trumpet loudly in the press.â€
Suskins Werk ist ein Schatz, der Anhang ist massiv, mit einem Lied- und Show-Index, einer chronologischen Auflistung der Werke aller behandelten Künstler, einem Verzeichnis aller Mitarbeiter der Komponisten und einer Bibliographie. Auch wenn das Urteil manchmal hart ausfällt, die Biographien vor allem auch der Komponisten, die seit den siebziger Jahren wirken, wie Larry Grossman, Stephen Schwartz, Marvin Hamlisch, Alan Menken, William Finn, Maury Yeston, Stephen Flaherty, Michael John LaChiusa, Jason Robert Brown, Adam Guettel und Jeanine Tesori, sind großartig geschrieben, die komplette Auflistung aller ihrer Werke und Songs wird man in keinem anderen Werk finden. Sehr empfehlenswert!
Steven Suskin: Show Tunes – The Songs, Shows, and Careers of Broadway’s Major Composers. Oxford University Press, New York 2010. 600 S.; (Hardcover) ISBN 978-0-19-531-407-6. $ 60.
« zurueck ·
vor »