US-Workshop für Frank Wildhorns “Der Graf von Monte Christo”
Am 9. November 2008, so berichten broadwayworld.com und playbill.com, findet in Manhattan ein US-Workshop zu einem der neuesten Musicalprojekte von Frank Wildhorn statt: “Der Graf von Monte Christo” vulgo “The Count of Monte Christo”.
Interessant die Besetzung des Workshops: James Barbour (”Tale Of Two Cities”, “Jane Eyre”, “Assassins”) als Edmund Dantes/The Count of Monte Cristo und Brandi Burkhardt (”Jekyll & Hyde”, “Tale of Two Cities”) als Mercedes. In weiteren Rollen: Gregg Edelman als Abbe Faria, Michael Shawn Lewis als Mondego, Natalie Toro als Louisa, Craig Bennett als Danglars, Kevin Earley als Villefort, Chelsea Stock als Valentine und Kevin Greene als Albert. Auch mit dabei sind Alison Cimmet, William Thomas Evans, Dan Petrotta, Tim Shew, Anne Tolpegin und Alison Walla.
Regie führt Andreas Gergen, die Musikalische Leitung & Arrangements hat bzw. stammen von Koen Schoots, Orchestrierung: Kim Scharnberg.
In Schweiz geht am 24. März 2009 in St. Gallen die Uraufführung des “Grafen” über die Bühne. Die Vorab-Cast-CD wird vermutlich im Januar 2009 erscheinen.
Brigitte Schwaiger: “… nicht vergessen, wie verlogen die Österreicher sind
Der Doktor, der uns begleitet, sagt: Jeder dritte Wiener gehört psychiatriert. Ah, geh, sagt die Schwaiger, wenn ein Wiener den Namen Freud hört, kriegt er doch solche Angst, dass er gar nicht wissen will, wer das war. Dann breitet sie die Arme aus und sagt: Das ist er. Wer? Der Park. Wo? Da sind drei Bäume, sieben Penner und tausend Tauben im kalten Wind. [SZ: Der Schmerz: Besuch bei einer kranken Bestsellerautorin]
Theater Die Neue Tribüne: Premiere für “zeit zum essen” mit Lukas Perman & Lukas Johne
Am 6. November 2008 findet im Wiener Theater Die Neue Tribüne die Premiere des Schauspiels “zeit zum essen” statt. Auf der Bühne: Lukas Perman als Lasse und Lukas Johne als Toben.
Das Stück entspringt einer intensiven Auseinandersetzung mit dem über allem stehenden Thema “Liebe”. Dynamiken in der Liebe sind geschlechtsunspezifisch, und auf keinen Fall abhängig von bestimmten sexuellen Präferenzen.
Das Interesse bei “zeit zum essen” gilt dem Beleuchten zweier Menschen, die rein äußerlich, und auch innerlich, unterschiedlicher nicht sein könnten. Und dennoch fällt die Liebe, wo sie fallen möcht’. Auch gilt das Interesse dem Mysterium “Tabu”: Tabus einer Gesellschaft sind dem normativen Wandel unterworfen und ändern sich mit ebendieser Gesellschaft. Das Thema Homosexualität gilt nach wie vor in weiten Kreisen unterschiedlicher Gesellschaften als die Kastration des Mannes per se. Wenn Normen, Doktrinen und eigene Ängste aufeinander treffen, werden Dynamiken in Gang gesetzt, die nicht mehr beherrschbar sind … Mann/Mann, Mann/Frau, Frau/Frau … es gilt schlicht das eine festzustellen: Liebe kommt - Liebe geht.
Der Plot
Lasse und Toben, ein homosexuelles Männerpaar Ende 20, trennen sich nach einer vierjährigen Beziehung. “zeit zum essen” erzählt, wie unspektakulär und dennoch bedrückend eine Liebe sich verändern kann, und demonstriert Umstände, die das Ende einer Beziehung durchaus fördern können. Das Stück zeigt auch die Normalität einer schwulen Beziehung in alltäglichen Dynamiken - es gibt keinen Anspruch auf das ewige Glück. Manchmal ist bereits der Wunsch “nach den Sternen” stark genug, innere Kräfte zu mobilisieren und Festgefahrenes loszueisen. Realitäten werden erkannt, der Leidensdruck wird zum Verbündeten.
Die Schauspieler
Norman Stehr zeichnet für Regie und Buch verantwortlich. Über die Wahl der Hauptdarsteller meint er:
Ich habe mich für Lukas Perman und Lukas Johne entschieden, da es sich um zwei großartige Persönlichkeiten sowohl im Leben als auch auf der Bühne handelt. Sie entsprechen genau meiner Vorstellung von Unterschiedlichkeit und dem Phänomen, dass sich so oft Gegensätze anziehen.
Lukas Perman wurde bislang in seinem “Allround-Genie” von den großen Bühnen engagiert, und es war genau dieses Können, welches in der Regel die Ränge füllte und füllt und ihm einen großen Namen einbrachte. Ich habe Lukas Perman als Schauspieler engagiert, um ihm das Sicherheitsnetz zu entreißen und ihm die Möglichkeit zu bieten, noch weiter über seine Grenzen hinaus zu gehen … er ist quasi “nackt” auf einer kleinen Kammerbühne, und es zählt jeder Atemzug, jedes Wort und jeder Gedanke, ohne dass ein Fortissimo aus dem Orchestergraben seinen Höhepunkt unterstützt. Eine äußerst direkte, “ehrliche” Art also, Charaktäre zu porträtieren und erlebbar zu machen …
Lukas Johne durfte ich im Sommer dieses Jahres in einer gemeinsamen Produktion kennenlernen, wo er in einer stattlichen Rolle, einer Bühnenadaptation des Films “Fight Club”, hervorragend spielte. Johne ist als “reiner” Schauspieler den direkten Ton gewohnt und eine ideale Ergänzung zu Perman. Er hat mit Sicherheit von der großartigen Musikalität, welche im Schauspiel eine ebenso entscheidende Rolle spielt wie im Musiktheater, von Lukas Perman profitiert.
Und so gehen diese beiden jungen Schauspieler Hand in Hand mit einem Thema um, das für viele nicht alltäglich sein dürfte. Homosexualität muss den elitären Anspruch verlieren und auch aufgeben … auch und besonders, um dem Stempel der immer wiederkehrenden “Abnormität” zu entkommen.
“zeit zum essen” - Schauspiel für zwei
Premiere: 6. 11. 2008, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen : 7. 11., 10. 11. und 12. 11.
Theater DIE NEUE TRIBÜNE
Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien
Tickets für 20,00 € bis 23,00 € (diverse Ermäßigungen für Schüler, Studenten etc. möglich) gibt es telefonisch unter +43 (0) 664-2344256 oder per E-Mail: office@tribuenewien.at
“I was born to love you” - “RUDOLF”-Vorab-Single ab 21. November im Handel
Am 26. Februar 2009 feiert Frank Wildhorns Musical “RUDOLF” am Wiener Raimund Theater seine deutschsprachige Erstaufführung. In den Hauptrollen: Drew Sarich und Lisa Antoni.
Bereits am 21. November 2008 wird ein erster akustischer Eindruck dieser Show in den Plattenläden stehen: “I was born to love you”, das Liebesduett von Rudolf (Drew Sarich) und Mary von Vetsera (Lisa Antoni).

Der in englischer Sprache gesungene Song (Frank Wildhorn/Jack Murphy) wurde mit eindeutiger Zielrichtung Charts von HitSquad/MG-Sound als poppige Ballade auf Augenhöhe mit Produktionen internationalen Formats feinjustiert produziert, und auf diesem Terrain ist Frank Wildhorn, der unter anderem Whitney Houstons Hit “Where do broken hearts go” (1987) sowie zahlreiche andere Lieder für Stars wie Travis Tritt, Natalie Cole oder Linda Eder komponierte, ein Garant für Gefühlvolles mit Gänsehautfaktor. Ich persönlich vergleiche ja die Wildhorn’schen Powerballaden immer mit kleinen Euphorie-Drops, die in der Intensität und Vielzahl nur beim “Bigger-than-Life”-Maestro zu finden sind. Schmuseballaden wie “I was born to love you” kreiseln natürlich immer im am Rand zwischen Edel und Kitsch, aber da sind es letztendlich Interpretation und Produktion, die einen Song aus dem Schmalz in den Balladenolymp schießen.
“I’m called ‘That Pop Guy’”, sagte der Komponist einmal in einem Interview mit der Los Angeles Times, angesprochen auf die “bigger than life”-Popmelodien, die seine Musicals immer schon auszeichneten. Und in Richtung der New Yorker Kritiker, die Musicals mit Pop-Touch meist als völlige Fehlentwicklung betrachten: “What do they want me to be? ‘The Unpop Guy?’” Wildhorn weiter:
I just love music. I’m a composer. When I work in the theater, I’m a theater composer. When I’m writing for Whitney Houston or Kenny Rogers or Natalie Cole, I’m a pop composer. I’ve been commissioned by the Bolshoi Ballet to do a full length ballet, so I’m a classical composer when I’m doing that. I’m just a composer, and depending on the medium I work in, that’s what I am that day.
Der Pop-Appeal ist also eines der Markenzeichen der Musicalsongs à la Wildhorn. Ein weiteres: Seine Lieder wachsen mit der “Qualität” des Performers und lassen sich wunderbar gestalten, man kann sie im wahrsten Sinn des Wortes zum Leben erwecken - anders etwa als die Lieder von Phil Collins, die mal als “Tunnelsongs” bezeichnet worden sind: Augen zu und geradlinig durch, jedes Abweichen von der Ideallinie wird mit einem bösen Crash geahndet, eigenständige Phrasierungen unerwünscht.
Lisa Antoni und Drew Sarich jedenfalls gehen ganz in “ihrem” Liebeslied auf. Man muss wohl kein großer Prophet mehr sein, um Lisa Antoni eine schöne Karriere zu prognostizieren und Drew Sarich ein weiteres Karrierehoch.
“I was born to love you”
(Frank Wildhorn/Jack Murphy)
Tracks:
1) “I was born to love you” (Radio Edit) [03:26]
2) “I was born to love you” (Acoustic Version)
3) “I was born to love you” (Dance Mix)
4) “I was born to love you” (Instrumental Version)
Mehr von “RUDOLF” auf CD wird es frühestens im April 2009 geben, da sollte das Cast-Album fertig sein.
Wie man sich im Theater zu benehmen hat
Eine interessante Zusammenstellung von “Do’s and Dont’s” hat das Deutsche Theater auf die Website des Unternehmens verpackt. Die insgesamt 12 Regeln einer “Hausordnung” lesen sich wie folgt:
1.
Damit Sie sich unter den festlich gekleideten Gästen selbst wohlfühlen, ziehen Sie sich so an , dass Sie nicht zu sehr auffallen. Chic ist niemals out — Aber bitte nicht zu sexy! Eine Show abziehen, das überlassen Sie lieber den Künstlern auf der Bühne.2.
Ein schöner Hut mag ja fesch oder gar entzückend sein, aber Sie möchten ja auch nicht hinter einem Kopfputz sitzen, der Ihnen die Sicht auf die Bühne verstellt. Also runter damit und an der Garderobe abgeben! Übrigens können Sie bei dieser charmanten Person in der Eingangshalle alles abgeben, was Sie drinnen im Theater stören würde, wie Mantel, Tasche, Koffer, Rucksack etc. Es muss ja nicht unbedingt ein Hund oder gar ein Baby sein. Auch das ist schon vorgekommen und problemlos bewältigt worden. Falls Sie ein paar Cent über die offizielle Garderoben-Gebühr hinlegen, ernten Sie ein dankbares Lächeln.3.
Wenn Sie eine besonders coole Melodie auf Ihr Handy gespeichert haben, sollten Ihre Freunde Sie am besten kurz nach Beginn der Vorstellung anrufen. Was glauben Sie, welche Begeisterung Sie dann im Zuschauerraum auslösen. — Spaß beiseite! — Vergessen Sie nicht, nach der Vorstellung Ihren »Kommunikationsknochen« wieder einzuschalten.4.
Ein schöner Rücken kann ja gelegentlich entzücken, ein Po ebenso. Aber wenn Sie sich in Ihrer Reihe an den anderen Gästen vorbeidrücken müssen, besonders wenn Sie etwas verspätet sind, so sollten Sie Ihrem Sitznachbarn nicht Ihre Hinterseite zuwenden, sondern sie anschauen und ihnen danken.5.
Falls sich ein Darsteller auf der Bühne laut Regieanweisung eine Zigarette anzünden muss, ist dies kein Grund, ihm nachzueifern. Zigarette, Pfeife oder Zigarre sind im ganzen Hause tabu.6.
Fotoapparat, Video- oder Filmkamera sowie Tonaufnahmegerät lassen Sie am besten gleich zu Hause oder an der Garderobe, denn erstens ist es aus urheberrechtlichen Gründen nicht statthaft, während der Vorstellung Aufnahmen zu machen, zweitens stört es die Künstler und die Zuschauer.7.
Viele Melodien des Musicals sind bereits bekannte und beliebte Ohrwürmer. Aber bitte erst nach der Vorstellung selbst singen!8.
Sobald die Vorstellung beginnt, unterbrechen Sie Ihre Unterhaltung mit Ihren Nachbarn. Sie wollen ja auch nicht durch das Geschwätz und die Kommentare anderer vom Bühnengeschehen abgelenkt werden.9.
Seltsamerweise bekommt mancher im Theater ausgerechnet bei den leisesten Stellen einen unstillbaren Hustenreiz. Wenn Sie dazu neigen, stecken Sie sich ein paar Hustenbonbons ein, aber bitte nicht in einer Knistertüte!10.
Alles was Sie in den Zuschauerraum mitbringen, nehmen Sie auch bitte wieder mit. Die Abfälle von Ihren Naschereien wie Tüten und Becher ebenso.11.
Wenn die Aufführung Ihnen gefallen hat, geizen Sie nicht mit Ihrem Applaus. Er ist das Brot des Künstlers, oder besser: die Wurst auf seinem Brot. Lassen Sie Ihrer Begeisterung am Schluss freien Lauf. Bravo-Rufe, Pfiffe, Fußgetrampel, Standing Ovations sind nicht verboten.12.
Ein Theaterbesuch ist - im Gegensatz zum Kinoabend - für alle vor und hinter dem Vorhang immer ein besonderes Erlebnis, ein Fest, das Sie in der Pause mit Ihren Freunden bei einem Glas Sekt oder Champagner feiern sollten – und nach der Vorstellung vielleicht bei einem Mitternachts-Diner im Theater-Restaurant nebenan.
Eine hervorragende Zusammenstellung, die aber durchaus ergänzt werden kann. Ich habe diesbezüglich mal eine kleine Liste zusammengestellt, die man –> hier findet.
Aus jüngsten Erlebnissen könnte man noch hinzufügen, dass es nicht sinnvoll ist, mit knarzenden Schuhen in ein Theaterstück zu gehen und dann die ganze Zeit zu, ja knarzen.
Keine schöne Angewohnheit ist es auch beispielsweise das Programmheft 120 Minuten lang in der Hand kreisen zu lassen. Man hört es - okay, die anderen hören es, und man wird fast verrückt dabei, wenn man ständig von einer Seite mit diesem Geräusch beschallt wird.
An die Damen und Herren der Aufsicht im Theater: Es macht wenig Sinn, ständig raus und rein zu gehen. Wenn Sie das Publikum beaufsichtigen wollen, damit auch ja niemand ein Foto knipst und in Japan seinen Verwandten zeigt, dann bleiben Sie im Saal. Und ja, wenn jemand in der ersten Reihe eben geknipst hat und in diesem Moment gerade der wichtigste Song der Show auf dem Programm steht, wäre es nett, wenn Sie nicht just da quer durch den Saal rennen und allen die Stimmung zerbröseln. Sie werden den/die “Schuldige” in der ersten Reihe schon nicht aus den Augen verlieren (viele Grüße auch an die Wiener Stadthalle, Halle F).
US-Wahlkampf: “Joe, der Installateur” und “Shoe, der Kriegsheld”
Joe, der Installateur -> hier
Shoe, der Kriegsheld –> hier
Wieder einmal scheint das Ende der Präsidentschaft besiegelt. Motss allerdings kommt die Idee, das Gerücht von einem verschollenen Helden zu verbreiten, einem gewissen Schumann, genannt »Shoe«, der hinter den feindlichen Linien zurückgelassen wurde. Auf ein Neues wird ein Mediengewitter um den Veteranen entfacht, der im Kampf für sein Land in Albanien eingeschlossen ist. Kurz vor dem Wahltag wird die Befreiung des Soldaten verbreitet.
Der von den Hintermännern auserwählte Soldat eines »Sonderprogramms« wird in die Obhut von Brean übergeben und es stellt sich heraus, dass er ein Sträfling ist, der eine Nonne vergewaltigt und getötet hat. Als Krönung der Geschichte kommt heraus, dass Shoe nur mit starken Beruhigungsmitteln unter Kontrolle zu halten ist. Trotz eines Unwetters wollen die Wahlkämpfer Shoe auf eine Airbase fliegen, auf der der Präsident den »Heimkehrer« empfangen kann.
Urania: “La Strada - Das Lied der Straße”

Atmosphäre in einen doch recht kühlen, arenaartigen Raum wie in jenen der Wiener Urania zu zaubern, das können die Schauspieler und der Regisseur, das ganze Leading Team der “Volkstheater in den Außenbezirken”-Produktion “La Strada”.
Sie schaffen eine Stimmung, die zwischen italienischem Film und einem Gefühl, das der französische Schriftsteller Philippe Djian in Romanen wie “Betty Blue” so wunderbar vermittelt, mäandriert. Für die Schauspieler ist der Prozess des Erzeugens dieser speziellen Stimmung, dieses, wie Fellini über seinen Film “La Strada” gesagt hat, “schwebenden Tons, der in mir das Gefühl unendlicher Traurigkeit weckte”, jeden Abend eine neue Herausforderung - denn die Produktion spielt fast wöchentlich in einem anderen Raum, und jeder Raum, in dem die Darsteller Station machen, ist auch anders, ganz anders. Im persönlichen “La Strada” der Protagonisten von “La Strada” gibt es mal eine Bühne, dann wiederum ist nicht mal für die ganze Deko Platz, die Auftritts- und Abgangsmöglichkeiten variieren. So kommt keine Routine auf, jeder Abend ist eine kleine Premiere.
Man tritt zum Großteil vor dankbarem Publikum auf, das mit dieser Produktionsschiene des Volkstheaters Theaterabende direkt in den Bezirk geliefert bekommt. Das darf man nicht unterschätzen. Hier werden Barrieren gekippt - du musst nicht zum Theater kommen, das Theater kommt zu dir, man will extra für dich spielen. Ein Großteil läuft auf Abo-Basis zu vernünftigen Preisen, mit denen man Publikum gewinnen und nicht vergraulen will, das Durchschnittsalter des Publikums ist ein etwas gehobeneres, und wer sich einmal gut unterhalten hat, kommt vielleicht auch öfters ins Haupthaus.
“La Strada - Das Lied der Straße” ist ein Schauspiel von Gerold Theobalt nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione.
Der Schausteller Zampano braucht eine neue Assistentin. 10.000 Lire zahlt er für Gelsomina, ein einfaches, ein bisschen zurückgebliebenes Mädchen. Nun zieht sie mit ihm von Ort zu Ort, spielt den Clown, sammelt das Geld ein, kocht und wäscht für ihn. Zampano ist brutal, jähzornig, rücksichtslos und unfähig Gefühle zu zeigen. Er schlägt sie, schläft aber auch hin und wieder mit ihr und betrügt sie mit anderen Frauen. Sie hängt trotzdem an ihm. Dann lernt sie den Seiltänzer Il Matto kennen. Er spricht mit ihr, hört ihr zu und nimmt sie ernst. Von ihm lernt Gelsomina auch die kleine Melodie, die sie auf der Trompete spielt. Als er nicht aufhört, Zampano zu verspotten, kommt es zur Katastrophe …
Ein schwebender Ton, ein Gefühl unendlicher Traurigkeit, das sich in der wechselseitigen Abhängigkeit von Gelsomina und ihrem brutalen Zampano spiegelt, aber auch in der Beziehung zwischen Zampano und Il Matto, dem Seiltänzer, sowie Zampano und seinen Damenbekanntschaften, dieser schwebende Ton ist es, der bei dieser Produktion alles andere, auch die Handlung an sich, dominiert.
Doris Weiner gibt das einfache, etwas zurückgebliebene Mädchen nicht als ver-rückte Studie, sondern zeichnet es als liebenswert ent-rückt, auf eine ganz bezaubernde Weise. Es lebt in seiner eigenen Welt und in diese Welt dringt der Alltag so wie wir ihn alle kennen nur gefiltert ein. Andy Hallwaxx (Regie) setzt eine Vielzahl an Stilmitteln ein, um die Gefühlswelt der Gelsomina zu skizzieren. Er spielt mit Zeit und Realität, mit der Welt der Akrobatik, setzt einen ausgeklügelten Sound- und Musikteppich wie eine Art Underscore ein - alles scheint ineinander zu verfließen, die Zeit an sich wird unwesentlich. Die clownesquen Kunststückchen Gelsominas liefert Weiner manchmal mit einer Charlie Chaplinesquen Attitude, sie sind Teil ihres Wesens, nicht unbedingt als “Zirkuseinlagen” interpretierbar. Die vielen Brechungen in dieser Rolle, beispielsweise dass Weiner natürlich schon lange kein “kleines Mädchen” mehr ist, die traumartigen Sequenzen, das überragende Timing der Schauspielerin, mit dem sie Zeit und Raum balanciert und stets die völlige Aufmerksamkeit des Publikums auf sich fokussiert, das allein macht diesen Abend zu einem großen Erlebnis.

Zampano, der, so stellen wir uns das vor, muskelbepackte Grobling, wird von Thomas Bauer mit Wucht als Seelenkrüppel und Schwächling interpretiert. Er reagiert nicht mit Worten und Gefühlen, sondern ausschließlich körperlich, mit Gewalt.
Marjan Shaki spielt eine Wirtin, eine Hure und einige Szenen später eine Nonne - ein derartig breites Spektrum verlangt eine nuancenreiche Mimik und Gestik sowie Intonation, und mit all dem verleiht die Schauspielerin souverän ihren Auftritten Wirkung. Von der etwas spleenigen Nonne zur derben, karaokesingenden (”Stand by your man”), quietschigen Hure in wenigen Szenen, und beides glaubhaft dargestellt. Ein schöner Einstieg in die Wiener Sprechtheaterszene, abseits der Musicals.

Die restlichen Nebenrollen, auch jene der Mutter Gelsominas, spielt Reinhold G. Moritz, der im Verlauf der Stücks immer stärker wird und im direkten Aufeinandertreffen von Il Matto und Zampano ein paar glänzende Szenen hat.
Set Design und Lichtregie arbeiten nicht mit dem Aufwand einer Hightech-Bühne, aber wenn es darauf ankommt, welche Wirkung erzielt wird, so schaffen wenige Requisiten, die die Phantasie der Zuschauer anregen, oft mehr als noch so tolle Bühnenlandschaften. Ein paar Möbelstücke, verschiebbare Wände, einige wenige Requisiten, auch da ein poetisches Spiel mit Licht - wunderbar. “La Strada” sollte man gesehen haben. Nur noch wenige Termine sind auf dem Tourplan:
27. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
28. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
30. Oktober: Da capo (VH Inzersdorf)
31. Oktober: Volksheim Groß-Jedlersdorf
04. November: VHS Hietzing
05. November: VHS Hietzing
La Strada - Das Lied der Straße
Österreichische Erstaufführung
Schauspiel nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione von Gerold Theobalt
Zampano: Thomas Bauer
Gelsomina: Doris Weiner
Matto: Reinhold G. Moritz
Wirtin/Hure/Nonne: Marjan Shaki
Regie: Andy Hallwaxx
Bühne: Judith Leikauf/Karl Fehringer
Kostüme: Erika Narvas
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf
Regieassistenz/Souffleuse/Inspizienz/Abendspielleitung: Elisabeth Balog/Katja Knebel
1938/2008
Nur zwei Meldungen von heute:
Die Wiener Linien hatten am Montag Erklärungsbedarf gegenüber der Öffentlichkeit. Ein Straßenbahnfahrer hatte die Abschiedsrunde der Straßenlinie 1, die mit 26. Oktober wie die Linie 2 ihren Dienst als klassische Ringlinie einstellte, für einen Sonderauftritt der eigenen Art genutzt.
Unter dem Gaudium eines teils biertrinkenden Publikums verlangte der Fahrer, dass er in den nächsten zwei Minuten im Fahrgastraum als auch auf “meinem Führerstand” eine Stecknadel fallen hören wolle.
Ein Video auf YouTube dokumentierte den weiteren Verlauf der Fahrt, während der der Fahrer schließlich folgende Verabschiedung durchgab:
“Sehr geehrte Fahrgäste. Wir umrunden nun ein letztes Mal mit der Linie 1 den Wiener Ring, den Orbit rund um den Stephansdom. Viele historische Ereignisse haben hier stattgefunden. Sieg Heil!”
Auf die Durchsage folgte - teils auch einige Buhrufe. Danach dokumentiert das Video, offenbar nach Kritik an der Durchsage, den Fahrer mit dem Satz: “Versteht’s ihr kan Spaß?” [orf.at]
Rund zehn Neonazis versuchten gegen 00:20 die Räumlichkeiten des linken Kulturvereins W23 in der Wipplingerstraße 23 zu stürmen und begannen wahllos in die Menge der anwesenden Personen zu prügeln. Nur durch das besonnene Vorgehen der Anwesenden konnte Schlimmeres verhindert werden, die Neonazis wurden innerhalb kürzester Zeit hinausgedrängt. Es gab zwei Leichtverletzte und geringen Sachschaden.
Der Angriff war offenbar generalstabsmäßig geplant, zufällig vorbei kommende Passant_innen hatten, noch bevor es zu dem Überfall kam, die Polizei gerufen, nachdem sie die Gruppe beobachtet hatten, wie sie in Zweierreihe und mit militärischem Auftreten im Laufschritt durch den ersten Bezirk in Richtung Wipplingerstraße unterwegs war. Alle Angreifer waren einheitlich gekleidet und mit Sturmhauben unkenntlich gemacht, sowie mit Handschuhen auf die folgende Attacke vorbereitet.
Von dem Vorfall schockiert zeigte sich auch der Grüne Bezirksrat Georg Prack, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Fest zugegen war. “Die gezielte Attacke gegen das W23 stellt einen weiteren Beleg für die zunehmende Radikalisierung der extremen Rechten in Österreich dar”, sieht Prack einen gesamtgesellschaftlichen Hintergrund.
Fragen muss sich auch das Landesamt für Verfassungsschutz gefallen lassen: Ohne zunächst ersichtlichen Grund waren den Großteil des Abends mehrere Beamte der Behörde im Umfeld des W23 unterwegs, auch uniformierte Einsatzkräfte besuchten das Fest - beides ein Novum in der rund zweieinhalbjährigen Geschichte des Kulturvereins. Der Verdacht, dass der Verfassungsschutz über einen bevorstehenden Angriff informiert war, liegt also nahe. Die Betreiber_innen wurden über diese Bedrohung allerdings zu keinem Zeitpunkt informiert.
Der Kulturverein W23 beherbergt seit dem Frühjahr 2006 verschiedene emanzipatorische Initiativen, darunter eine Bibliothek und ein Archiv über soziale Bewegungen, auch finden regelmäßig Vorträge und Lesungen zu einer breiten Palette von Themen statt. So gab es etwa erst am vergangenen Dienstag eine Buchpräsentation zum Thema “Frauen 1938. Verfolgte - Widerständige - MitläuferInnen”. Vor kurzem fand auch ein Teil der “queer-feministischen Tage” in den Räumlichkeiten des Vereins statt, zum Bogen der Aktivitäten im W23 gehören außerdem Computer-Workshops.[no-racism.net]




