Martin Bruny am Mittwoch, den
11. Juni 2008 um 12:43 · gespeichert in Wien
Mel Brooks’ jüngste Musicalproduktion rund um das Monster “Young Frankenstein” scheint finanziell so ganz und gar nicht den Erwartungen des Meisters zu entsprechen. Nicht einmal Monsterticketpreise bis zu 450 Dollar versprechen die Show mittelfristig am Leben zu halten.
Was all die Awards betrifft, die in den letzten Wochen vergeben wurden und noch vergeben werden - Mel Brooks war dieses Jahr eher nicht willkommen. Zu sehr hat er anscheinend in den Augen der Verantwortlichen gestört, denn sonst hätte er für seine Show, die musikalisch genauso gähnend aufregend ist wie “The Producers”, ein paar Preise mehr abstauben bzw. Nominierungen einfahren müssen (3 Tony-Awards-Nominierungen). Das muss man jetzt nicht unbedingt negativ auffassen. Niemand kann gezwungen werden, die Einspielergebnisse seiner Shows bekannt zu geben - und Brooks hat sich eben dafür entschieden, es nicht zu tun. Seine Entscheidung, und die Entscheidung anderer, das nicht wohlwollend aufzunehmen. Keine große Sache.
Ende August laufen nun die Verträge der derzeit für “Young Frankenstein” engagierten Stars aus, und der neueste “Geniestreich”, um die Show noch profitabel zu machen: Brooks bietet seinen Stars eine Vertragsverlängerung an, aber nur dann, wenn sie auf 50 Prozent ihres bisherigen Salärs verzichten. Betroffen davon unter anderem: Roger Bart (Dr. Frankenstein), Shuler Hensley (das Monster), Fred Applegate (Inspector Kemp, Blind Beggar) und Christopher Fitzgerald (Igor). Und Brooks rechnet mit allem, so hat er sich mit möglichen Ersatzdarstellerinnen für Andrea Martin (die für einen Tony Award nominiert ist) bereits getroffen.
Die Situation, die Brooks schafft, ähnelt ein wenig jener, die Österreichs Studenten vorfinden. Wer möchte, kann ab Herbst seine Studiengebühr in Form von Nachhilfe ableisten. Der Staat bietet dafür 6,30 Euro pro Stunde. 60 Stunden sind abzuleisten. Die Nachfrage? Keine vorhanden. Logischerweise. Eine Häuslfrau im Raimund Theater würde wohl anständiger entlohnt werden, wenn es diesen Posten denn gäbe. Freilich haben Studenten die Wahl, sie finden mit Sicherheit recht rasch einen lukrativeren Nebenjob. Darsteller hingegen können sich die Musicals, in denen Jobs frei werden, nicht einfach selbst schreiben. Wer meint, Roger Bart & Co. könnten einfach abwinken und zur nächsten Produktion Ja sagen, scheint eher von eigenen Verhältnissen auszugehen. Es ist fast ärgerlich, in einschlägigen Foren dann lesen zu müssen, wie verständlich doch die Vorgehensweise der Produzenten ist. Wie bei der Nachhilfe wird auf das Publikum bzw. die Kunden absolut keine Rücksicht genommen. Das heißt nun nicht, dass jemand, der um 6,30 Euro pro Stunde Nachhilfe gibt oder um 50 % weniger Gehalt nicht volle Leistung bringt, aber generell scheint das einmal aus Produzentensicht völlig unerheblich. Darsteller werden rein als Waren betrachtet.
Mel Brooks hat mit seiner Premium-Ticket-Strategie das Ticketpreissystem nachhaltig beeinflusst, und das bis nach Europa, bis nach Wien. Wenn heute gewisse Plätze in gewissen Theatern gar nicht mehr in den Verkauf kommen, weil sich Billigkarten ohnedies nicht lohnen und der Absatz der teuren Tickets reicht, um eine Produktion durchzubringen, dann ist das eine radikale Abkehr von jener Ticketpreisgestaltung, die man hierzulande mühsam eingeführt hat. Bisher war es eine auch von der Kulturpolitik unterstützte Strategie, die Leute ins Theater zu locken und die preisliche Hemmschwelle möglichst niedrig zu halten. Das hat im Musicalbereich ein Ende gefunden. Man wird sehen, ob diese Kostenrechnung letztlich aufgeht.
Martin Bruny am Dienstag, den
10. Juni 2008 um 23:53 · gespeichert in Listen, Broadway
Am 25. Mai 2008 ging am Broadway die Spielzeit 2007/08 zu Ende. Zeit für eine kleine Abrechnung, die wie immer die Fachzeitschrift VARIETY vornimmt und die Shows (Sprechtheater/Musical) der letzten Monate in Tops & Flops einteilt, und in solche, die sich keiner der beiden Kategorien zuordnen lassen. Mit dabei wie immer einige Shows, die in der vergangenen Spielzeit weder der einen noch der anderen Kategorie zugeordnet werden konnten (gekennzeichnet mit *):
Hits 2007/08
- AUGUST: OSAGE COUNTY
- A BRONX TALE
- CAT ON A HOT TIN ROOF
- CYRANO DE BERGERAC
- MACBETH
- FROST/NIXON *
- MARY POPPINS *
- SPRING AWAKENING *
Flops 2007/08
- DR. SEUSS’ HOW THE GRINCH STOLE CHRISTMAS
- THE FARNSWORTH INVENTION
- GLORY DAYS
- THE HOMECOMING
- IS HE DEAD?
- ROCK ‘N’ ROLL
- THE SEAFARER
- COMPANY *
- DEUCE *
- GREY GARDENS *
- INHERIT THE WIND *
- RADIO GOLF *
- TALK RADIO *
- THE YEAR OF MAGICAL THINKING *
- TARZAN *
Noch nicht entschieden, ob Top oder Flop
- BOEING-BOEING
- A CATERED AFFAIR
- THE COUNTRY GIRL
- CRY BABY
- GREASE
- GYPSY
- IN THE HEIGHTS
- THE LITTLE MERMAID
- NOVEMBER
- PASSING STRANGE
- THE 39 STEPS (commercial transfer)
- THURGOOD
- XANADU
- YOUNG FRANKENSTEIN
- CURTAINS
- LEGALLY BLONDE
Nonprofit/Diverse
- COME BACK, LITTLE SHEBA
- CYMBELINE
- LES LIAISONS DANGEREUSES
- MAURITIUS
- OLD ACQUAINTANCE
- PYGMALION
- THE RITZ
- SOUTH PACIFIC
- SUNDAY IN THE PARK WITH GEORGE
- THE 39 STEPS (Roundabout engagement)
- TOP GIRLS
Top 10 2007/08 (gereiht nach dem Einspielergebnis)
01. WICKED ($71.4 Millionen)
02. JERSEY BOYS ($58.8 Millionen)
03. THE LION KING ($58.2 Millionen)
04. MARY POPPINS ($52.1 Millionen)
05. MAMMA MIA! ($43.1 Millionen)
06. LEGALLY BLONDE ($36.4 Millionen)
07. THE PHANTOM OF THE OPERA ($35.9 Millionen)
08. SPAMALOT ($35.6 Millionen)
09. HAIRSPRAY ($35.1 Millionen)
10. CURTAINS ($31.9 Millionen)
Martin Bruny am Dienstag, den
10. Juni 2008 um 19:53 · gespeichert in Wien
Der 30. Juni und damit das Ende der Fußball-EM in Wien und die Premiere des Mel-Brooks-Musicals “The Producers” nähern sich. Das merkt man beispielsweise an der aktuellen Medienoffensive der Vereinigten Bühnen Wien. Die Schauspieler sind nun von den Rosenhügel-Studios in das Wiener Ronacher eingezogen - ein guter Anlass, mitten in die Fußballhysterie ein paar Musicaltöne zu mischen. Nicht immer schafft man es, bei den Medien auch so verstanden zu werden, wie man es gerne hätte. Ö3 beispielsweise berichtet zwar überraschenderweise über “The Producers”, fabriziert aber dabei einen geradezu köstlichen Nonsenssatz:
“Mir wird oft vorgeworfen, dass ich die Grenze des guten Humors überschreite. Ich sage darauf immer: Diese Grenze gibt es nicht.” Damit schmettert der 81-Jährige alle Kritier [sic!] ab, die ihm ob der Thematik des Stücks im Stück Geschmacklosigkeit unterstellen. In Wien hat er mit keiner großen Gegenwehr zu kämpfen. Im Gegenteil - das erfolgreiche Stück wurde von den Vereinigten Bühnen Wien mit offenen Armen emfpangen.
Ich kenne nicht die Original-Presseaussendung der Vereinigten Bühnen Wien dazu, aber wer genau ist bei den Vereinigten Bühnen Wien als “Kritiker” angestellt? Ob “The Producers” hier tatsächlich mit offenen Armen empfangen werden, enscheidet sich Anfang Juli, wenn erstens die Kritiken erscheinen und zweitens abzusehen ist, ob sich ein Publikum für die Show findet, es entscheidet sich nicht durch diese doch etwas peinliche Hofberichterstattung wie weiland unter Kaiser Franz Joseph.
Die Premiere steht paradigmatisch für die Zukunft- “The Producers” von Mel Brooks.
Mit Verlaub, aber die Premiere steht paradigmatisch für die Vergangenheit, nämlich das Musical der 40er- oder von mir aus der 50er-Jahre, aber keineswegs für das Musical der Gegenwart oder gar der Zukunft. Das freilich muss man nicht wertend auffassen. Die Volksoper ist immer dann ausverkauft, wenn sie Musical spielt, und da nur das klassische, alte Musical. Vielleicht können die VBW also auch auf diesem Terrain punkten.
Martin Bruny am Dienstag, den
10. Juni 2008 um 10:17 · gespeichert in Musical, Skurriles
Salzburg arbeitet hart an seinem Ruf, zum Disneyland Österreichs zu werden. Einen neuen Anlauf dazu gibts im Herbst 2009 mit der Eröffnung des “The Sound of Music”-Museums.
Auf der mittlerweile eingerichteten Website steht unter “Vision” zu lesen:
Das weltweit erste und einzige Sound of Music Museum an einem Originalschauplatz zu eröffnen.
Einen Ort zu schaffen, an dem man träumen, an das Gute glauben, Musik erleben und der faszinierenden Geschichte einer Familie nachgehen kann, die zur Inspiration wurde für den beispiellosen Welterfolg des Filmmusicals Sound of Music.
Die außergewöhnliche Anziehungskraft dieser Stadt und die wunderschöne Landschaft – Bühne für Sound of Music - in das Museumskonzept einzubinden
Glauben wir also an das Gute, und vielleicht auch daran, dass die Verantwortlichen ein bisschen mehr über den Gegenstand ihres Interesses herausfinden. [Offizielle Website]
50 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 21 Jahren zeigen an zwei Abenden unter der Leitung von Regina Schlosser, was sie in diesem Schuljahr erarbeitet haben. Begleitet werden die Darsteller von einer Live-Band, bestehend aus Lehrkräften der Musikschule Liesing. Das musikalische Arrangement zum Musical stammt aus der Feder von Schulleiter Leopold Husinsky und bewegt sich zwischen Operette und Jazz. Für die Inszenierung verantwortlich: Irene Lang.
Termine
Dienstag, 17. Juni, und Mittwoch, 18. Juni 2008, jeweils um 19:00 Uhr; Berufsschule Längenfeldgasse, Großer Saal, Längenfeldgasse 13-15, 1120 Wien
Kartenbestellung per E-Mail: Mc23.derkleineprinz@chello.at und an der Abendkasse
Kartenpreise: Euro 16,-/14,-/12,-
Martin Bruny am Sonntag, den
8. Juni 2008 um 10:16 · gespeichert in Fotos
Ein paar stimmungsvolle Bilder aus der bzw. rund um die Fanzone im Wiener Prater herum. Um 9 Uhr morgens ist fast niemand anzutreffen … “wenige Stunden” vor dem ersten Spiel Österreichs. Wen stören schon Werbeflächen in der Unterhaltungskitschoase des Praters.
Martin Bruny am Samstag, den
7. Juni 2008 um 01:04 · gespeichert in Skurriles
Nicht das abgedroschene “Red Bull verleiht Flügel”, sondern “slow your roll” sollte die Devise lauten, bei der heute beginnenden Fußball-Europameisterschaft.
“Drank” bietet all das, was man nach dem Stress am Fußballplatz braucht, um gut schlafen zu können: Melatonin, Baldrian und Hagebutten, ein sanft entspannender Anti-Energy-Drink, der in den USA derzeit boomt.
In einer Pressemeldung der Erzeugerfirma steht zu lesen:
From design to production, every aspect of this calming drink was inspired by today’s popular hip hop artists who embrace the much sought-after hip hop lifestyle that encourages people to capture a stress-free state of mind.
Wie unendlich relaxter könnten diese Spiele werden, wenn das statt Bier ausgeschenkt werden würde.
Martin Bruny am Freitag, den
6. Juni 2008 um 09:06 · gespeichert in Tonträger
Image via WikipediaDie 2008 Cast-CD des Rodgers & Hammerstein-Musicals “South Pacific” steht derzeit an der Spitze der Billboard Cast Album Charts, auf Nummer 59 der Top 200 Charts und auf Nummer 2 der Internet Sales Charts.
Das sieht beeindruckend aus, allerdings in tatsächlichen Absatzzahlen ausgedrückt bedeutet das: 9700 Einheiten (digital oder als Silberscheibe) des Tonträgers wurden in seiner ersten Woche im Verkauf abgesetzt.
Auf Rang 5 der Cast Album Charts: “A Catered Affair” mit 1500 verkauften Einheiten. Die Cast-CD von “Passing Strange” konnte 1250 Mal abgesetzt werden.
“Passing Strange” wird im Übrigen als jene “Cast-CD” in die Geschichte eingehen, die ein rein digitales Debüt gab. Um besonders schnell die große Nachfrage befriedigen zu können, die nach einem Mitschnitt dieser Show aufgrund diverser Nominierungen (unter anderem 7 Tony-Awards-Nominierungen) für verschiedene Musical-Preise besteht, brachte das Label Sh-K-Boom eine Liveaufnahme via iTunes Anfang Juni auf den Markt. Der physische Datenträger inklusive Booklet wird erst am 15. Juli 2008 in den Läden stehen.
Die Top Cast Albums der Woche
01 South Pacific (2008)
02 Jersey Boys
03 Wicked
04 Mamma Mia!
05 A Catered Affair
06 Passing Strange
07 The Little Mermaid
08 Legally Blonde
09 Spring Awakening
10 The Lion King
11. Avenue Q
12. Young Frankenstein
13. The Phantom of the Opera: Highlights
14. Monty Python’s Spamalot
15. Mary Poppins
Martin Bruny am Donnerstag, den
5. Juni 2008 um 23:22 · gespeichert in Broadway, Filmmusical
Image via WikipediaDisney droht nun endgültig mit globaler “High School Musical”-Verseuchung. Im Oktober 2008 kommt der dritte Teil dieser mittlerweile Musical-Serie in die Kinos, der vierte Teil ist schon in Vorbereitung, aber das ist noch nicht alles. Schon im April hat sich Disney die Domains
* HIGHSCHOOLMUSICAL5.NET
* HIGHSCHOOLMUSICAL6.NET
gesichert. Troy, Gabriella und ihre Gang mögen zwar mit ihrem Abschlussjahr in Teil 3 ausgedient haben, aber mit den neuen Darstellern Matt Prokop, Justin Martin und Jemma McKenzie Brown stehen die potentiellen neuen Stars der Teile 4 (geplant als TV-Musical für 2010) bis 6 in den Startlöchern.
Disney hat sich in den letzten Monaten auch folgende Domains registrieren lassen:
* AIDAONBROADWAY.COM
* BEAUTYONBROADWAY.COM
Beide Shows laufen nicht mehr am Broadway, Gerüchte besagen jedoch, dass “Beauty” als Weihnachtsproduktion ein Broadway-Revival feiern könnte. Einen ähnlichen Fall gab es Weihnachten 2006 mit “Annie” und auch die Show “Dr. Seuss’ How the Grinch Stole the Christmas” lockte Touristen und andere Musicalfans zur Weihnachtszeit 2006/07 und 2007/08 ins Theater.
Martin Bruny am Donnerstag, den
5. Juni 2008 um 10:20 · gespeichert in Flicks, Skurriles
Justin Timberlake sorgt in den USA für Aufregung, derzeit vor allem unter Journalisten, die sich derzeit gerne über jenen “Vertrag” unterhalten, den sie unterschreiben müss(t)en, wenn sie sich dieses Wochenende die Pressevorführung von “The Love Guru” (offizieller Kinostart in den USA: 20. Juni 2008) ansehen woll(t)en.
So wird unter anderem Folgendes verlangt:
All Material which Journalist intends to use first must be submitted to Company and Artist for approval. The print, negative, or other material embodying disapproved Material will be promptly destroyed by the Journalist.
Accordingly, Journalist agrees not to disclose to anyone any confidential, personal, or private information about Artist, Artist’s family, or Artist’s personal relationships at any time, or to write or assist in the writing or preparation of articles, news stories, books, or other productions or materials of any nature whatsoever about or referring to Artist.
Journalist acknowledges and agree that the damages caused Company and Artist from a violation of this Agreement are irreparable, and that Company and Artist may seek appropriate equitable or injunctive relief to prevent or remedy a violation of the terms hereof, in addition to damages. In any controversy respecting this Agreement, the prevailing party will recover its attorneys fees and costs.
Den kompletten Vertragstext liefert Sharon Waxman auf ihrer Site –> hier
Update/18:00 Uhr
Sharon Waxman:
My sources tell me that the studio has backed down and the contract is no longer. Ladies and gentlemen, the power of the Internet.