Martin Bruny am Sonntag, den
21. Oktober 2007 um 01:53 · gespeichert in Wien, Fotos

Frisch von der Premiere ein paar Bilder der neuesten Produktion der Vereinigten Bühnen Wien: “Die Habsburgischen”. Erzkonservativ, wie ich bin, kann ich auch nach dem Besuch der Uraufführung nicht behaupten, ein “Musical” gesehen zu haben, jedenfalls nicht nach jenen Maßstäben, die man gemeinhin für die grobe Kategorisierung gebraucht. Sicher, man kann es sich auch einfach machen und sagen: Wir haben die “Operette”, wir haben die “Oper” und den Rest werfen wir in die Lade, auf der “Musical” steht - kann man machen, wird gemacht, Musterbeispiel “Die Weberischen”, das mag die vielleicht “liberalere” und vor allem unbedachtere Einstellung sein. Da ich aber nicht der Meinung bin, dass Hans Moser Österreichs Antwort auf Gene Kelly ist (beziehungsweise umgekehrt) und ich Filme von Franz Antel, in denen auch gern gesungen wird, nicht als Filmmusicals bezeichne, bleibe ich bei den “Habsburgischen” bei jener Einschätzung, die auch die Vereinigten Bühnen Wien so treffend verwenden: “musikalische Familiensatire”. Der Punkt ist, dass das Motto “der Vielfalt eine Bühne geben” nicht bedeutet, dass nun trotzdem alles Musical zu sein hat, sondern eben das genaue Gegenteil. Der Punkt ist: Die Feststellung, “Die Habsburgischen” seien kein Musical, bedeutet nicht, dass man nicht für ein modernes Musiktheater eintritt, sondern das genaue Gegenteil, nur eben nicht mit falscher Etikettierung, die übrigens nicht von den Vereinigten Bühnen Wien, sondern von vielen Medien Wiens vorgenommen wird. Mehr zu den “Habsburgischen” von mir in der Dezember/Januar-Ausgabe von “musicals”.





Links zu Kritiken
- ORF: “Applaus für “Die Habsburgischen”
- Österreich: “”Die Habsburgischen” - Nicht immer lustig”
- DER STANDARD: “Kurioser k. u. k. Klamauk: “Die Habsburgischen”"
- Die Presse: “”Die Habsburgischen”: Kaiserliche Grottenbahn quietscht”
- Oberösterreichische Nachrichten: “Eine schrecklich nette Familie”
Martin Bruny am Samstag, den
20. Oktober 2007 um 13:07 · gespeichert in Deutschland
Die Musicalplattform musical-total.de hat einen Ausschnitt aus den Probenarbeiten für die Stuttgarter Produktion von “Wicked” online gestellt. Zu hören: Willemijn Verkaik als grüne Hexe Elphaba mit “No good deed”.
Erste Ausschnitte aus drei Songs findet man auf der Stage-Entertainment-Site für “Wicked”.
Martin Bruny am Samstag, den
20. Oktober 2007 um 11:16 · gespeichert in Castingshows
Rund einen Monat vor Start der ORF-Sendung “Musical! Die Show” wurde die Spitze des Kreativteams ausgewechselt. Verantwortlich für das Format sind nun Mischa Zickler, der “Starmania”-Erfinder, sowie Evelyn Pluhar, Ex-Sendechefin der “Seitenblicke”.
Link:
- Vienna Online: ORF im Musical-Stress
Martin Bruny am Freitag, den
19. Oktober 2007 um 23:23 · gespeichert in Wien
Fast könnte man dieser Tage meinen, jemand hätte die Kunstform Musical mit Pomp und Gloria neu erfunden, ausgerechnet einem Wiener sei der Nobelpreis für die geilste Musicalpraline der Welt zugesprochen worden - eigentlich jedoch ist es nicht erklärbar, das Mediengewitter, das derzeit ganz Wien fiebrig zittert. Alle großen Tageszeitungen bringen Vorabberichte über “Die Habsburgischen”, vornehmlich ganzseitig, im “Profil” findet man nicht eine oder zwei Seiten, sondern gleich ein 6-seitiges Porträt über die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, Kathi Zechner, unter dem wenig witzigen Titel “Kiss me, Kate”. In Medien, die nicht freiwillig berichten, kauft man sich ein, mit Advertorials, beispielsweise im “STANDARD”. Den Vogel schießt der ORF ab, der in seinen Morgenjournalen gleich mehrfach über die Habsburgischen und den vermeintlichen Höhenflug des Musicals in Europa berichtet, selbstverständlich auch über die “groß angelegte” ORF-Castingshow “Musical! Die Show” für die aus “200 Teilnehmern die zehn besten ausgewählt wurden”. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang dann, um die Jubelei nicht zu zerstören, nicht erwähnen, dass zur Audition von “The Producers” 1500 Bewerber gemeldet waren.
Es spricht ja auch gar nichts dagegen, dass endlich einmal positiv über ein Musical in Wien berichtet wird, aber genau das ist der Punkt: Die RonacherMobile-Produktion “Die Habsburgischen” ist kein Musical. Die Vereinigten Bühnen Wien haben im Zusammenhang mit den “Habsburgischen” kein einziges Mal den Begriff “Musical” verwendet, vermutlich wohl wissend, dass das für die Rezeption einfach wurscht ist. Die Konzeption der Marketingkampagne ist ähnlich einem Billardspiel angelegt. Man weiß, dass Musicals in Wien aus reinem Prinzip vernichtet werden, ein Mal ums andere wird das Image des Musicals ein Stück weiter zerstört, also versucht man diesen Imageverlust “über die Bande” wieder wettzumachen, engagiert unter anderem Stars vom Wiener Burgtheater, um ein Stück Musiktheater auf die Bühne zu bringen, das berechtigte Hoffnung aufkommen lässt, in Wien bei der Kritik nicht durchzufallen.
Am Samstag, den 20. Oktober 2007, wird also im Museumsquartier die Premiere des Nicht-Musicals “Die Habsburgischen” über die Bühne gehen, vor den Kritiken muss man sich nicht allzu sehr fürchten. Und es werden Kritiken sein, die von einem “Musical” schreiben werden. Damit kann vielleicht das angeschlagene Image ein wenig aufpoliert werden, aber es dauert nicht lange, und die Tageszeitungen werden sich mit Wonne in “We Will Rock You”, “The Producers” und “Rudolf” verbeißen.
Links
- Die Presse schreibt von einem “Dynastie-Musical”.
- Der ORF berichtet über ein “Satire-Musical” oder wahlweise auch einfach von einem “Musical”.
- Auch die “Wiener Zeitung” kündigt ein “Musical” an.
- Für das Profil sind die Habsburgischen eine “Familiensatire”, aber natürlich selbstverständlich ein “Musical”.
Martin Bruny am Freitag, den
19. Oktober 2007 um 21:21 · gespeichert in Theater
“Theater der Jugend. Neue Wege”, das ist der Titel des Festsymposions anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Theaters der Jugend, das am 27. und 28. November 2007 im Theater im Zentrum stattfindet. Es handelt sich dabei um eine Veranstaltung des Theaters der Jugend (TdJ) und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien (TFM).
Neben einer theaterhistorischen Auseinendersetzung - der Dokumentation und kritischen Reflexion der Geschichte des größten europäischen Kinder- und Jugendtheaters -, werden in drei Gesprächsrunden gegenwärtige Positionen des Kinder- und Jugendtheaters im deutschsprachigen Raum aus den Blickwinkeln von Theaterkritikern, Autoren und Intendanten diskutiert. Damit soll den Teilnehmern Einblick in die praktischen wie wissenschaftlichen Positionsbestimmungen und Diskurse geboten werden und diese in Diskussionen weiterreflektiert werden. Die Beiträge werden publiziert.
Der Eintritt zu den Vorträgen und Diskussionsrunden ist frei.
Dienstag, 27.11. (Theater im Zentrum)
9.00–11.30 Uhr (Moderation: Stefan Hulfeld (TFM))
Edda Fuhrich (ehem. TFM): Das Renaissancetheater, eine Probebühne der Moderne?
Birgit Peter (TFM): Die Gründungsjahre des TdJ 1932-1938
Markus Felkel (TdJ): Von der Revuebühne »Moulin Rouge« zum Theater im Zentrum
11.30–12.15 Uhr Mittagspause
12.15–13.30 Uhr (Moderation: Julia Danielczyk (Wienbibliothek))
Veronika Zangl (Universität Wien): »Neue Wege« nach 1945
Daniela Strigl (Wien): Österreichische Literatur und »Neue Wege«
13.40–15.00 Uhr (Moderation: Monika Meister (TFM))
Gerald M. Bauer (TdJ): Aufbrüche/Umbrüche. Kinder und Jugendtheater nach 1968
Wolfgang Greisenegger (TFM): Die Ära Urbach
Mittwoch, 28.11. (Theater im Zentrum)
10.00–11.30 Uhr (Moderation: Gerald M. Bauer (TdJ))
Harald Volker Sommer (TdJ): Theaterpädagogik
Marlene Schneider (TdJ): Romanadaptionen für die Bühne
Das gegenwärtige Theater der Jugend (Arbeitstitel) – Ein Film von Sebastian Hellinger
11.30–13.00 Uhr: Mittagspause
13.00–14.00 Uhr (Moderation: Heidi Lexe (Stube Wien) angefragt)
»Nur für Kinder ?« – Diskussionsrunde der Autoren
- Neue Wege: In welche Richtung steuert das Kinder- und Jugendtheater?
- Wo liegen die Unterschiede im Schreiben für Kinder und Erwachsene?
Es diskutieren: Andri Beyeler (Schweiz); Ulrich Hub (Deutschland); Lutz Hübner (Deutschland); Kristo Sagor (Deutschland); Volker Schmidt (Österreich); Franziska Steiof (Deutschland); Nick Wood (Großbritannien)
14.30–15.30 Uhr (Moderation: Birgit Peter (TFM))
»Neue Wege für das Kinder- und Jugendtheater?« – Diskussionsrunde der Intendanten
- Neue Wege im Kinder- und Jugendtheater: Wege und Perspektiven in Ihrem Theater für Kinder und Jugendliche?
- Gibt es eine historische Tradition, in der Sie ihr Haus positioniert sehen wollen?
Es diskutieren: Stefan Fischer-Fels (Junges Schauspielhaus Düsseldorf); Heidelinde Leutgöb (junges schauspielhannover); Volker Ludwig (GRIPS Theater Berlin); Henry Mason (u\hof Linz); George Podt (SchauBurg am Elisabethplatz, München); Stephan Rabl (Dschungel Wien); Michael Schilhan (Next Liberty Graz); Klaus Schumacher (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
16.00–17.00 Uhr (Moderation: N. N.)
»Kinder lesen keine Kritiken!« – Diskussionsrunde der Kritiker
- Welchen Platz hat die Kinder- und Jugendtheaterkritik in Ihrem Medium?
- Was sind die Kriterien der Beurteilung? Wer ist der Adressat Ihrer Rezensionen?
Es diskutieren: Lona Chernel (Wiener Zeitung); Thomas Gabler (Kronenzeitung); Peter Jarolin (Kurier); Hedwig Kainberger (Salzburger Nachrichten); Norbert Mayer (Presse); Harald Müller (Theater der Zeit); Ronald Pohl (Standard); Heinz Sichrovsky (News)
Martin Bruny am Mittwoch, den
17. Oktober 2007 um 20:49 · gespeichert in Broadway, Castingshows
Es gibt sie tatsächlich, die wirklich erfolgreichen, die wirklich wirklich erfolgreichen Castingstars. Gewinnen muss man einen solchen Wettbewerb nicht wirklich, es reicht, wenn man auf den Plätzen landet, wie beispielsweise Clay Aiken (29). Er schaffte es 2003 ins Finale der zweiten Staffel von “American Idol” und unterlag da Ruben Studdard. Der gute Ruben ist heute mehr oder weniger Geschichte, Clay Aiken aber konnte von seinen bis dato drei CDs (”Measure Of A Man”, “Merry Christmas With Love” und “A Thousand Different Ways”) mehr als sechs Millionen Tonträger absetzen, das von ihm verfasste Buch “Learning To Sing: Hearing The Music In Your Life” landete in den Bestseller-Charts, seine sechs US-Tourneen waren bis auf den letzten Platz ausverkauft.
“Das ist viel zu musicalmäßig”, bemängelten die Juroren oft seine Auftritte bei “American Idol”, das Fernsehpublikum liebte jedoch genau diesen Stil. Nächste logische Stufe: Clay Aiken am Broadway. Vom 18. Januar 2008 bis 4. Mai 2008 wurde der Popsänger als Staraufputz für “Spamalot” verpflichtet. Mit Recht rechnen die Produzenten damit, dass sie damit eine völlig neue Zielgruppe ins Shubert Theater locken können: Einmal Aiken-Fan, immer Aiken-Fan, so lautet das Motto der Anhänger des Entertainers.
Regisseur Mike Nichols über Clay Aiken:
Clay Aiken is amazing beyond that glorious voice. Turns out he is an excellent comic actor and a master of character. People will be surprised by his wide ranging talent, since the first impression is of great country charm and a singer to remember. This guy is not only a star, he is a lot more. We are lucky to get him for SPAMALOT.
Martin Bruny am Dienstag, den
16. Oktober 2007 um 02:21 · gespeichert in Wien, Fotos, Theater

Am Silvestertag des Jahres 2004 startete Maya Hakvoort im Theater an der Wien, im Anschluss an eine umjubelte “Elisabeth”-Vorstellung, ihre Solo-Karriere. “Maya Goes Solo” hieß ihr erstes Programm, mit dem die Sängerin fast drei Jahre durch die Lande reiste. Am 12. Oktober 2007 feierte die Künstlerin mit ihrem zweiten Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse Premiere.
Wieder erzählt Maya Hakvoort allerlei Biographisches, diesmal bei ihrer Kindheit beginnend. Teils sind es lustige Anekdoten, teils Berührendes.

Wie schon bei “Maya Goes Solo” ist der Einstieg in die Show nicht wirklich gelungen. Während Aaron Wonesch als Pianist eine fabelhafte Performance hinlegt, ist er als Confà©rencier eher suboptimal und als Sänger, wenn wir mal ehrlich sind, nicht wirklich gut. Das klingt dann schon eher wie Brummen nach Noten als nach Gesang. Das Intro in die Show läuft folgendermaßen ab:
[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier. Ein Handy läutet.]
Aaron Wonesch (ans Publikum gerichtet): “Ah, Handys bitte ausschalten.”
[Ein Telefon läutet. Maya Hakvoort ist dran.]
Aaron Wonesch: Hallo? Ja Maya. Ja, es sind schon alle da. Längenfeldgasse 13-15, wenn du von der Ubahn links - genau.”
[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier, dann nach 5 Sekunden:]
Aaron Wonesch: “Meine Damen und Herren, heute Abend exklusiv für Sie: Maya Hakvoort.”
Das, mit Verlaub, ist kein wirklich showmäßiges Glamour-Intro - besser als bei der ersten Show, aber nicht wirklich optimal. Im Programmheft als erster Song angekündigt: “Jada” von den Pointer Sisters. Dass Maya Hakvoort dieses Lied gar nicht singt, dürfte nicht wirklich jemandem aufgefallen sein, ist “Jada” doch ein Song, der nicht gerade auf jedem iPod zu finden ist. Maya singt stattdessen ein Lied, das “Isn’t it just a beautiful day” heißen könnte [was den genauen Titel und den Originalinterpreten betrifft, muss ich passen].

Maya Hakvoort startet in den Abend also mit ein paar Patzern, sie setzt ihn fort mit einer berührenden Geschichte aus ihren Kindheitstagen und einem ganz und gar unbekannten Lied: “Schau die an” [”Gut kijk haar”, im Original von Jenny Arean, gesungen in einer deutschen Übersetzung von Thomas Strobl]. Sie macht damit etwas, wovor beispielsweise amerikanische Entertainer immer warnen: Sie singt zu viele Songs, die das Publikum nicht kennt, nicht nur das, sie beginnt ihre Show mit Songs, die nur wenige kennen. Barry Manilow brachte das einmal überspitzt für seine Shows in Las Vegas so auf den Punkt:
Gib den Leuten Lieder, die sie nicht kennen, und sie rennen aufs Klo und kommen nie mehr wieder.
Maya Hakvoort-Fans machen das natürlich nicht, aber die Stimmung am Anfang ist eher flau. Und so ist es überaus spannend, mitzuerleben, ab wann sich das Publikum im Theater Längenfeldgasse auf Maya Hakvoort eintuned. Das als “Kirchenmedley” angekündigte Set aus Liedern von Elton John, Cat Stevens und Stevie Wonder schafft die Basis, und als Hakvoort dann Lieder singt, die tatsächlich jeder kennt, nämlich ein Medley mit Songcontest-Evergreens, ist das Eis, kein Wunder, tatsächlich gebrochen. Ab da hat sie das Publikum in der Hand und kann den Rest des Abends auch großteils wenig bekannte, aber sehr sehr clever gewählte Songs interpretieren.
Trotz des suboptimalen Beginns ist “In My Life” ein ganz hervorragendes Solopogramm geworden und übertrifft “Maya Goes Solo” bei weitem. Was Maya Hakvoort beispielsweise damit schafft, ist das Augenmerk der Konzertbesucher auf einige Küstler zu lenken, die vielleicht nicht jeder kennt, wie zum Beispiel auf Marco Borsato und seine Coverversion der Riccardo Cocciante-Ballade “Margherita”. Cocciante, Borsato und Hakvoort machen sich den Song auf ganz verschiedene Art und Weise zu eigen. Maya Hakvoort liefert in ihrer Show eine geradezu atemberaubende Version. Am Ende des Songs entschließt sich das Publikum - zumindest am Premierenabend - nicht zu klatschen, und vielleicht ist genau diese ohrenbetäubende Stille der lauteste Applaus des Abends. Ein Publikum so betroffen zu machen, dass es im entscheidenden Augenblick geradezu unfähig ist zu klatschen - das kommt ganz selten vor:

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen zu Hause, ganz gemütlich. Die Tür geht auf, Ihr Partner kommt herein und sagt: Wir müssen reden.
Wie von fern spricht eine Stimme
so vertraut von unseren Streiten
und zerstörten Illusionen und den vielen Kleinigkeiten
und ich hör die harte Kälte deiner unterdrückten Wut
doch was kann ich mehr als heulen
denn das hab ich nie vermutet
Wie im Nebel hör ich dir sagen
du willst alles das aufgeben
du willst alles mir verjagen
was ich lieb in diesem Leben
und ich höre wie deine Rede sich langsam zu Sätzen ballt
die mich treffen wie ein Blitz
mit vernichtender Gewalt
Diese Kälte macht mich rasend
und das Gefühl ist angsteinjagend
doch deine Sätze tönen weiter
und meine Augen schauen fragend
warum sagtest du nicht früher
dass du du dich von mir entfernt hast
warum sprachst du je von Liebe
wenn du mich doch nie geliebt hast
ich verlier mich in Verzweiflung
ich fühle meine Tränen brennen
und ich wünsche mir nichts lieber
als den Kopf in deinen Händen
doch was bis vor einer Stunde
noch so heil und sicher schien
ist nur eine große Lüge
und ein Kartenhaus im Wind
Es ist mir, als ob ein anderer
sich in deinen Körper schlich
und ich hab nicht mal bemerkt
dass er da reingeschlichen ist
deine Liebe fortzuwischen
und meine Welt mir zu zerstören
kann denn niemand mir versichern
ich hätt alles nur geträumt
[Margherita: Riccardo Cocciante; Übersetzung: Heidi Klinger]
Ob Maya Hakvoort mit einer solchen Reaktion gerechnet hat, kann man nicht wirklich beantworten. Es sind aber solche Momente, die noch lange in Erinnerung bleiben und Konzerte zu etwas Besonderem machen.

“In My Life” ist vor allem ein Abend, der melancholischen, veträumten Balladen gewidmet ist. Wunderbar beispielsweise das von Aaron Wonesch und Thomas Strobel geschriebene Lied “Sie atmet schon” oder “This love” von Angela Aki in einer deutschen Übersetzung von Maya Hakvoort. Daneben macht Hakvoort auch wieder einige Abstecher Richtung Jazz, beispielsweise mit “Spain” (Al Jarreau), “Birdland” (Joe Zawinul) oder “Dass du fliegen kannst” (Tuck & Patti). “In My Life” ist eine Show, die man sich durchaus öfter ansehen kann. Die nächsten Termine:
22.11.2007 in Waidhofen a.d. Ybbs / Schloss Center
24.11.2007 Neunkirchen / VAZ
27.01.2008 Orpheum Wien (noch kein Kartenvorverkauf!)
Infos zum Kartenverkauf auf der Website des Maya Hakvoort-Fanclubs.

Setlist
01) Isn’t it just a beautiful day (?)
02) Schau die an (Original: “Gut kijk haar” von Jenny Arean; Übersetzung: Thomas Strobl)
03) Kirchenmedley:
- Border Song (Elton John)
- Morning has broken (Cat Stevens)
- You and I (Stevie Wonder)
04) Michel Fugain-Medley
- Attention Mesdames & Messieurs
- Belle Histoire
05) Song Contest-Medley
- Dinge-Dong: (Teach-In)
- All kinds of everything (Dana Rosemary Scallon)
- Save all your kisses for me (Brotherhood of man)
- Hallelujah (Milk & Honey)
- Diggi-loo, Diggi-ley (Herreys)
06) Ich bin die Frau (Original: “I am the girl” von Roberta Flack; Übersetzung: Thomas Strobl)
07) Dass du fliegen kannst (Tuck & Patti; Übersetzung: Thomas Strobl)
08) It’s oh so quiet (Björk)
09) Tre Uomini (Ornella Vanoni)
10) Sie atmet schon (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
11) Roots and Wings (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
12) Margherita (Marco Borsato; Riccardo Coccianto; Übersetzung: Heidi Klinger)
13) Warum ich so fröhlich bin (Herman van Veen; Übersetzung: T. Woitkewitsch)
14) Spain (Al Jarreau/Chick Corea/A. Maren)
15) This love (Angela Aki)
16) Birdland (Joe Zawinul)
Kreativteam
Übersetzung: Thomas Strobl, Heidi Klinger
Choreographie: Annette Wimmer
Fashion-Design: Thang de Hoo
Lichtdesign: Gerhard Landauer
Ton: Klaus Gruber
Video, Photo: Gerald Berthold
Ausstattung, Merchandising: Andrea Berthold, Regina Huszar
Martin Bruny am Sonntag, den
14. Oktober 2007 um 15:44 · gespeichert in Newcomer

Die 1999 als reine Underground Breakdance Crew entstandene Formation “Moving Shadows” zählt mittlerweile zu den vielseitigststen und besten urbanen Tanzgruppen in Österreich und auf internationalem Parkett.
Videoclips, die zeigen, wie “Moving Shadows” in einer Choreographie von Alex Wengler unter anderem klassische Musik & Breakdance kombinieren, sind auf ihrer Homepage und ihrer MySpace-Site verlinkt.
Links:
- “Moving Shadow”-Website
- “Moving Shadow”-MySpace-Site
- Alex Wengler
Martin Bruny am Sonntag, den
14. Oktober 2007 um 00:19 · gespeichert in Wien, Skurriles
Lustig geht es auf wikipedia.de ja immer zu. Früher war es möglich, falsche beziehungsweise veraltete Angaben zu korrigieren, heute herrschen die Mods auf Wikipedia, die so, wie es ihnen beliebt, Artikel zur bearbeitungsfreien Zone erklären. Bestes Beispiel dafür ist jener Artikel, der Frank Wildhorns Musical “Rudolf” gewidmet ist. Er strotzt vor Fehlern und Gerüchten, freilich lässt er sich nicht verbessern. Am lustigsten sind die unter der Überschrift “Wiener Aufführung” angeführten Angaben. Als Quelle wird “Lars Friedrich” genannt, der Autor gibt hier das weit verbreitete Forengerücht weiter, “Rudolf” sei für 26. Oktober 2007 für das “Etablissement Ronacher” geplant gewesen. Wikipedia erweist der Autor des “Rudolf”-Artikels damit keinen guten Dienst, so viel ist sicher.
Martin Bruny am Samstag, den
13. Oktober 2007 um 16:04 · gespeichert in Wien, Fotos, Theater

Am 8. November 2006 ging das Wiener Musiklokal “Cenario” mit einem neuen Bespielungskonzept unter der Geschäftsführung von Michael Fischer an den Start. Fischer begann seine Karriere bei den Wiener Sängerknaben, absolvierte die Ballettschule an der Konservatorium Privatuniversität Wien und eine Stepausbildung, studiert derzeit am Konservatorium Jazz-Klavier und leitet seit zwei Jahren einen eigenen Chor. Im April 2008 ist Michael Fischer in “Evita” zu sehen (Wiederaufnahme einer Produktion am Stadttheater Baden), Maya Hakvoort, die gestern zum ersten Mal ihr zweites Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse zeigte, hat ihn für ihre Österreich-Tour als 2. Pianist an Bord geholt.
Michael Fischer machte aus dem Cenario ein gemütliches Etablissement mit Schwerpunkt Jazz, Swing, Soul, aber auch Steptanz und Musical. Eröffnet wurde das Lokal 2006 mit einem Auftritt von Maya Hakvoort. Hannes Muik und Caroline Frank, zwei unter anderem im Musicalbusiness etablierte Künstler, brachten ihre Soloshow “Ansichtssachen” im November und Dezember 2006 im Cenario erstmals zur Aufführung.
Am 10. Oktober 2007 stand “Ansichtssachen Reloaded” auf dem Spielplan des Cenario, ein da capo der ersten Aufführungsserie. Hannes Muik und Caroline Frank texteten für ihre Show 14 Songs, Belush Koreny jun. schrieb zu den meisten der Lyrics angenehme Popmelodien mit Jazz- und Souleinflüssen und begleitete die beiden am Keyboard.

Herausgekommen ist ein ironisch-witziges Programm, in dem unter anderem die Selbsthilfeliteratur aufs Korn genommen wird. Zitate aus Selbsthilfebüchern wie “Aufwachen! Dein Leben wartet” werden äußerst gekonnt als Über- und Einleitungen zu Songs eingesetzt. So folgt auf einen Ausschnitt aus “Eine Minute Weisheit”
Einer Frau, die ihr Schicksal beklagte, sagte der Meister: “Du machst dir selbst dein Schicksal.”
“Aber ich bin doch wohl nicht verantwortlich, als Frau geboren zu sein.”
“Als Frau geboren zu sein, ist nicht Schicksal. Das ist Bestimmung. Schicksal ist, wie du dein Frausein akzeptierst und was du daraus machst.”
der irrsinnig witzige “Regelblues”, gesungen von Caroline Frank, wobei die Texte der Songs oft auf einer feinen Linie zwischen Witz und Ernsthaftigkeit balancieren und gekonnt mal da und mal dahin abdriften.
Auf einen weiteren besonders “sinnigen” Ausschnitt aus einem Selbsthilfe- und Sprücheklopferbuch:
Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.
folgt Hannes Muik mit “Der Witz” (getextet von Caroline Frank) - ein Song, der exakt so auch Teil eines “Simpl”-Programms früherer Zeiten gewesen hätte sein können und in einer langen Tradition steht. Es ist genau der Stil, den beispielsweise Hugo Wiener mit seiner Frau Cissy Kraner jahrzehntelang gepflegt hat. So ist “Der Witz” auch ein völlig zeitloser Song - innerhalb dieses Programms mit Sicherheit ein Highlight.

In der Show und auf der winzigen Bühne auch vertreten: Nummern mit mitreißender augenzwinkernder Tanzchoreographie wie “Der Tag, an dem ich Peter Weck traf”. Scheinbar Improvisiertes ist bis ins kleinste Detail durchdacht - Muik mit Altblockflöte zum “Mission Impossible”-Theme, eine irrsinnig witzige Szene, das Lied ein Ohrwurm vor allem durch die Rhythmik des Refrains.
Zum Kreischen kommt Caroline Frank ausführlich in der Irrenhausballade “Mitleidstour”. Sie kreischt aus Verzweiflung, das Publikum vor Lachen.

Kennst du das Gefühl, wenn dein Spiegelbild nicht will, dass du es ansiehst
- es hat sich an dir satt gesehn
Und kennst du das Gefühl, wenn dein Pudel nicht mehr will, dass du ihn ausführst
- er will alleine Gassi gehn
Und kennst du das Gefühl, wenn deine Mutter nicht mehr will, dass du sie anrufst
- sie hat ja noch ein zweites Kind
Und keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein
ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein
Und kennst du das Gefühl, wenn dein Liebster nicht mehr will, dass du ihn angreifst
- er hat sich um sich selbst gesorgt
Ja ich kenne das Gefühl und ich weiß nur, dass ich will, dass es mal aufhört
und ich weiß, tief in mir drinnen muss ich finden, wer ich bin
dann kann ich zeigen wer ich bin, und spiegle wer ich bin
dann kann ich mich nehmen, wie ich bin, und weiß ungefähr, wie ich bin, und dann ist
alles anders, weil ich weiß, wer ich bin und weiß …
aber schön wärs schon
doch keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein
ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein
Muik (während Frank völlig auszuckt):
Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein
Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein
Frank:
Ich bin so ganz und gar mit mir allein
Fazit: “Ansichtssache Reloaded” ist ein äußerst unterhaltsames Set. Wer die Chance hat, Hannes Muik & Caroline Frank damit zu erleben, sollte sie nicht verpassen.
Setlist:
- Heut ist dein Tag
- Tausend Mal
- Du
- Und es geht
- Der Regelblues
- Der Witz
- Der Tag, an dem ich Peter Weck traf
- Ein Tango zum Beispiel
- Die Mitleidstour
- I can’t get you out of my head/If you go away
- Wann mei Herz mit dir red
- I always stay alive
- Die Suche
- Wann nur?
Hannes Muik hat sich in den letzten Jahren auch als Maler einen Namen gemacht. Ab sofort kann man seinen Kunstkalender für das Jahr 2008 unter der Mailadresse hannes.muik[at]chello.at vorbestellen. Es handelt sich dabei um eine limitierte Auflage mit neuen Bildern und zwei signierten und nummerierten Kunstpostkarten von Hannes Muik. Ein Exemplar des Kalenders kostet 38 Euro. Wer bei der Präsentation dabei sein möchte, kann sich unter hannes.muik[at]chello.at mit Informationen versorgen.
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