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Archiv - Wien

Wien: “the beggar & the bird” - Tanzperformance mit Albert Kessler im Odeon

Foto: Laurent Ziegler
Am 8. November 2007 findet im Wiener Odeon Theater die Premiere der Tanzperformance “the beggar and the bird” statt. Buch und Choreographie stammen von der Neuseeländerin Amber Stephens. Das Konzept der Show lässt sich wie folgt zusammenfassen:

The work explores the interaction between movement and voice, while presenting an insight into the nature of power and the transformation of self identity. Amber Stephens, Natalie Jean-Marain and Albert Kessler are performers who have found a unique relationship between voice and dance. Through a deep working connection, and improvisation they have identified a form of story telling which can arise naturally through patterns of vocal play and movement.
Natalie Jean-Marain composed the original score exclusively for “The Beggar & The Bird”. Her primary electronic soundtrack is then detailed and layered by analog instruments playing live on the night of the performance. With minimal media, her idea is to create a
“sound-space” which initiates the audience into the story on an internal level.

Albert Kessler ist Absolvent des Performing Center Austria. Er wirkte unter anderem in der Volksopern-Produktion von “West Side Story” mit, war bei “Musical Christmas in Vienna” der Vereinigten Bühnen Wien als Tänzer engagiert und bei den Perfoming Center Austria-Shows «Verliebte & Verrückte”, «Magic To Do” und «Fleisch & Flesh” zu sehen. Am 10. November steht Albert Kessler mit seiner Show “Musical & More” auf der Bühne des Wiener Szenelokals Cenario.

Leading Team
Music Producer: Carlo Pelikan
Light & Stage Design: Christian Weißkircher
Set & Costume design: Vesna Tušek

Cast
The Beggar: Amber Stephens
The Bird: Natalie Jean-Marain
The Shadow: Albert Kessler

Tickets
Odeon Theater, Taborstraße 10, A-1020 Wien
Telefonische Reservierung: +43 (1) 216 5127

Rathausplatz: Musicalkonzert der VBW 2007

Alexander Goebel
Ein eher unspektakuläres Konzert gaben die Vereinigten Bühnen Wien am 26. Oktober 2007, dem Österreichischen Nationalfeiertag, auf dem Wiener Rathausplatz. Zu einem Playbackband sangen Darsteller aus den “Habsburgischen” und “Rebecca”. Alexander Goebel führte durch die nasskalten 36 Minuten. Weniger Zuschauer als im Vorjahr versammelten sich vor der Bühne, damals jedoch wurde auch keine Sparversion geboten, sondern die Deluxe-Variante mit Band, Chor und Tänzern.
So bedauernswert es auch ist, haben sich die Vereinigten Bühnen Wien nun wohl doch intern darauf geeinigt, nach außen die “Habsburgischen” als Musical zu bezeichnen, anders kann man die Anmoderation von Alexander Goebel zum ersten Song des Konzerts nicht erklären.

Setlist:
- Maria Happel, Sigrid Hauser, Delia Mayer: “Ja die Männer”
Sigrid Hauser
Anmoderation von Alexander Goebel:

Meine Damen und Herren, die Vereinigten Bühnen Wien tragen eine große Verantwortung - nicht nur für die vielen hundert Arbeitsplätze, die sie zur Verfügung stellen, sondern natürlich auch eine künstlerische Verantwortung. Diese heißt, das Musical stets weiterzubringen. Und da war es natürlich nur ein kleiner Schritt, dass wir irgendwann mal gesagt haben, wir gehen es an, wir gehen die wohl berühmteste und mit Sicherheit einflussreichste Familie dieses Landes an und erzählen die Geschichte der Habsburger. “Die Habsburgischen” ist das neueste Werk der Vereinigten Bühnen. Michaela Ronzoni und Christian Kolonovits haben daraus eine Musical-Satire vom Feinsten gemacht, das heißt zwei Stunden lang wirklich ablachen. Es ist eine Gaudi zu Hofe, es ist wirklich sich abhauen auf Kosten des Kaisers. Und es ist ein Mehrwert. So ist es mir zumindest gegangen. Wenn man drinnen sitzt und dann wieder all die Geschichten sieht und all die Schmähs hört, von denen wir ja gehört haben, irgendwann in der Schule, die Habsburgischen, der Kaiser, der Karl und diese ganzen Geschichten. Die kommen aber auf überaus unterhaltsame Weise zwei Stunden lang dort zugange. Bis zum 16. Dezember auf jeden Fall noch im Museumsquartier.

Maria Happel
Uwe Kröger
- Uwe Kröger: “Gott, warum?”
Marika Lichter
- Marika Lichter: “I’m an American Woman”
Wietske van Tongeren & Kerstin Ibald
- Wietske van Tongeren & Kerstin Ibald: “Die Stärke einer Frau”
Carsten Lepper
- Carsten Lepper: “Eine Hand wäscht die andre Hand”
Susan Rigvava-Dumas
- Susan Rigvava-Dumas: “Rebecca”
Wietske van Tongeren & Uwe Kröger
- Uwe Kröger & Wietske van Tongeren: “Jenseits der Nacht”

Weitere Bilder unter “Kultur-Channel/Showfotos”.

Ateliertheater Wien/Ensemble ‘83: “I love you, you’re perfect, now change”

Ensemble '83
Joe DiPietros (Buch und Liedtexte) & Jimmy Roberts’ (Musik) Musical “I love you, you’re perfect, now change” ist, wenn man die Anzahl der verschiedenen Inszenierungen, die es in Wien in den letzten vier Jahren zu sehen gab, heranziehen möchte, eine der beliebtesten Shows der Stadt. Gemessen an der Zahl der Besucher, die dieses Musical gesehen haben, kann sie freilich mit den großen Produktionen nicht mithalten, aber egal, ob im Interkulttheater, wo im Mai 2004 die Österreichische Erstaufführung stattfand, im Ensembletheater, wo im April und Mai 2005 eine englischsprachige Version gespielt wurde, oder im Ateliertheater, wo im September und Oktober 2007 wiederum eine deutschsprachige Aufführung (deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Iris Schuhmacher) gegeben wurde - das Publikum nimmt die Show an und die Häuser sind sehr gut besucht bis ausverkauft.
Ensemble '83
Die jüngste Aufführungsserie im Wiener Ateliertheater gestaltete das in Bruck/Leitha beheimatete Ensemble ‘83 als Gastspielproduktion. Zwei Vorstellungen waren angesetzt (29.9. und 13.10.), beide Shows waren bis auf den letzten Platz ausverkauft.
Ensemble '83
Gespielt wurde ohne Mikros, ausschließlich mit Klavierbegleitung (Werner Müller) - im kleinen Ateliertheater eine Optimallösung. Petra Deutsch, Christine Haas, Eva Kohler, Doris Mernig, Eva Ursprung, Werner Haas und Andreas Mikuta zeigten eine im Gegensatz zu den anderen in Wien gelaufenen Inszenierungen etwas gestrafftere Version, wobei keine Szenen ausgelassen wurden, aber der Szenenflow zügiger vonstatten ging. Nach jeder der 17 Szenen ist ein Umbau nötig, das hat bei den bisherigen Versionen, die in Wien zu sehen waren, oft zu mehrminütigen Unterbrechungen geführt. Das Ensemble ‘83 konnte den Umbau binnen Sekunden bewerkstelligen. Selbstverständlich waren die Kulissen zum Teil recht einfach gehalten, aber genau das ist ja einer der Vorteile dieser Show: Geschildert werden Szenen des Einander-Kennenlernens und des Miteinander-Lebens, mit denen sich das Publikum sofort verlinken kann, und wenn das einmal geschafft ist, ist die Szenerie auf der Bühne Nebensache. Die Kunst, die genialen Melodien und Schauspielszenen mit Leben zu erfüllen, diese Kunst, die dieses “Sich Verlinken” ermöglicht, beherrscht das Ensemble ‘83 - und siegt im Direktvergleich mit den beiden anderen erwähnten Inszenierungen haushoch. In keiner der anderen Produktionen wurden die meisten der Szenen so glaubhaft gegeben. Beispielsweise die zwei schwersten: “Das erste Kontakt-Video von Rose Ritz” und “Begräbnis zum Verlieben” - wunderbare Schauspielszenen, oder auch der Song “Sag mir, ob die Liebe ewig währt” - mit viel Liebe zum Detail erarbeitet und berührend interpretiert, wie beispielsweise auch das urkomische “Familie auf Abwegen”, in dem mit einigen Rollstühlen eine Autoszene nachgestellt wird. Stühle wurden selbstverständlich bisher bei allen Inszenierungen verwendet, das Ensemble ‘83 jedoch schafft mit Rollstühlen und einer ausgeklügelten Rollstuhl-Choreographie einen Perspektivenwechsel im imaginären Auto selbst. Man täuscht sogar einen Ausparkvorgang vor. Da steckt viel Einfallsreichtum und Witz dahinter - und letztendlich Lust am Spiel, und das ist es, was diese Produktion vor allem auszeichnet: die Freude am Performen. Das gesamte Ensemble, eine reine Amateurgruppe, zeichnet für die Inszenierung verantwortlich, die Regie hat Thomas Mayer übernommen. Ein wunderbarer Abend.
Ensemble '83

Cenario: Lukas Perman & Marjan Shaki - “schnurlos”

schnurlos - Lukas Perman & Marjan Shaki
Zwei Benefizkonzerte zugunsten der Aktion “Menschen für Menschen” geben Lukas Perman & Marjan Shaki am 17. und 18. November 2007 im Wiener Szenelokal Cenario.

Ins Leben gerufen wurde “Menschen für Menschen” von dem Schauspieler Karlheinz Böhm. Er wettete 1981 in der ZDF-Sendung “Wetten, dass ..?”, dass “nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet”. Mit 1,2 Mio. DM flog er nach dieser Sendung im Oktober 1981 erstmals nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in Deutschland die Hilfsorganisation “Menschen für Menschen”.

Wer zu den Konzerten kommen möchte, kann seine Ticketreservierung an mail@marjan-shaki.de unter Angabe des Vor und Zunamens sowie der Anzahl der gewünschten Tickets richten. Mitglieder des Lukas Perman-Fanclubs melden sich am besten direkt unter lukasfanclub@gmx.net an.

Lukas Perman & Marjan Shaki - “schnurlos”
Sa 17.11.2007 um 19 Uhr
So 18.11.2007 um 19:30 Uhr
im CENARIO (Tiefer Graben 22 1010 Wien)
Eintrittspreis: € 15

“Die Habsburgischen” - Bilder einer Uraufführung

Die Habsburgischen
Frisch von der Premiere ein paar Bilder der neuesten Produktion der Vereinigten Bühnen Wien: “Die Habsburgischen”. Erzkonservativ, wie ich bin, kann ich auch nach dem Besuch der Uraufführung nicht behaupten, ein “Musical” gesehen zu haben, jedenfalls nicht nach jenen Maßstäben, die man gemeinhin für die grobe Kategorisierung gebraucht. Sicher, man kann es sich auch einfach machen und sagen: Wir haben die “Operette”, wir haben die “Oper” und den Rest werfen wir in die Lade, auf der “Musical” steht - kann man machen, wird gemacht, Musterbeispiel “Die Weberischen”, das mag die vielleicht “liberalere” und vor allem unbedachtere Einstellung sein. Da ich aber nicht der Meinung bin, dass Hans Moser Österreichs Antwort auf Gene Kelly ist (beziehungsweise umgekehrt) und ich Filme von Franz Antel, in denen auch gern gesungen wird, nicht als Filmmusicals bezeichne, bleibe ich bei den “Habsburgischen” bei jener Einschätzung, die auch die Vereinigten Bühnen Wien so treffend verwenden: “musikalische Familiensatire”. Der Punkt ist, dass das Motto “der Vielfalt eine Bühne geben” nicht bedeutet, dass nun trotzdem alles Musical zu sein hat, sondern eben das genaue Gegenteil. Der Punkt ist: Die Feststellung, “Die Habsburgischen” seien kein Musical, bedeutet nicht, dass man nicht für ein modernes Musiktheater eintritt, sondern das genaue Gegenteil, nur eben nicht mit falscher Etikettierung, die übrigens nicht von den Vereinigten Bühnen Wien, sondern von vielen Medien Wiens vorgenommen wird. Mehr zu den “Habsburgischen” von mir in der Dezember/Januar-Ausgabe von “musicals”.
Die Habsburgischen
Die Habsburgischen
Die Habsburgischen
Die Habsburgischen
Die Habsburgischen

Links zu Kritiken
- ORF: “Applaus für “Die Habsburgischen”
- Österreich: “”Die Habsburgischen” - Nicht immer lustig”
- DER STANDARD: “Kurioser k. u. k. Klamauk: “Die Habsburgischen”"
- Die Presse: “”Die Habsburgischen”: Kaiserliche Grottenbahn quietscht”
- Oberösterreichische Nachrichten: “Eine schrecklich nette Familie”

“Die Habsburgischen” - als donnernd-dröhnende Medienschlacht

Fast könnte man dieser Tage meinen, jemand hätte die Kunstform Musical mit Pomp und Gloria neu erfunden, ausgerechnet einem Wiener sei der Nobelpreis für die geilste Musicalpraline der Welt zugesprochen worden - eigentlich jedoch ist es nicht erklärbar, das Mediengewitter, das derzeit ganz Wien fiebrig zittert. Alle großen Tageszeitungen bringen Vorabberichte über “Die Habsburgischen”, vornehmlich ganzseitig, im “Profil” findet man nicht eine oder zwei Seiten, sondern gleich ein 6-seitiges Porträt über die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, Kathi Zechner, unter dem wenig witzigen Titel “Kiss me, Kate”. In Medien, die nicht freiwillig berichten, kauft man sich ein, mit Advertorials, beispielsweise im “STANDARD”. Den Vogel schießt der ORF ab, der in seinen Morgenjournalen gleich mehrfach über die Habsburgischen und den vermeintlichen Höhenflug des Musicals in Europa berichtet, selbstverständlich auch über die “groß angelegte” ORF-Castingshow “Musical! Die Show” für die aus “200 Teilnehmern die zehn besten ausgewählt wurden”. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang dann, um die Jubelei nicht zu zerstören, nicht erwähnen, dass zur Audition von “The Producers” 1500 Bewerber gemeldet waren.

Es spricht ja auch gar nichts dagegen, dass endlich einmal positiv über ein Musical in Wien berichtet wird, aber genau das ist der Punkt: Die RonacherMobile-Produktion “Die Habsburgischen” ist kein Musical. Die Vereinigten Bühnen Wien haben im Zusammenhang mit den “Habsburgischen” kein einziges Mal den Begriff “Musical” verwendet, vermutlich wohl wissend, dass das für die Rezeption einfach wurscht ist. Die Konzeption der Marketingkampagne ist ähnlich einem Billardspiel angelegt. Man weiß, dass Musicals in Wien aus reinem Prinzip vernichtet werden, ein Mal ums andere wird das Image des Musicals ein Stück weiter zerstört, also versucht man diesen Imageverlust “über die Bande” wieder wettzumachen, engagiert unter anderem Stars vom Wiener Burgtheater, um ein Stück Musiktheater auf die Bühne zu bringen, das berechtigte Hoffnung aufkommen lässt, in Wien bei der Kritik nicht durchzufallen.

Am Samstag, den 20. Oktober 2007, wird also im Museumsquartier die Premiere des Nicht-Musicals “Die Habsburgischen” über die Bühne gehen, vor den Kritiken muss man sich nicht allzu sehr fürchten. Und es werden Kritiken sein, die von einem “Musical” schreiben werden. Damit kann vielleicht das angeschlagene Image ein wenig aufpoliert werden, aber es dauert nicht lange, und die Tageszeitungen werden sich mit Wonne in “We Will Rock You”, “The Producers” und “Rudolf” verbeißen.

Links
- Die Presse schreibt von einem “Dynastie-Musical”.
- Der ORF berichtet über ein “Satire-Musical” oder wahlweise auch einfach von einem “Musical”.
- Auch die “Wiener Zeitung” kündigt ein “Musical” an.
- Für das Profil sind die Habsburgischen eine “Familiensatire”, aber natürlich selbstverständlich ein “Musical”.

Theater Längenfeldgasse: Maya Hakvoort - In My Life

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny
Am Silvestertag des Jahres 2004 startete Maya Hakvoort im Theater an der Wien, im Anschluss an eine umjubelte “Elisabeth”-Vorstellung, ihre Solo-Karriere. “Maya Goes Solo” hieß ihr erstes Programm, mit dem die Sängerin fast drei Jahre durch die Lande reiste. Am 12. Oktober 2007 feierte die Künstlerin mit ihrem zweiten Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse Premiere.

Wieder erzählt Maya Hakvoort allerlei Biographisches, diesmal bei ihrer Kindheit beginnend. Teils sind es lustige Anekdoten, teils Berührendes.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Maya Goes Solo” ist der Einstieg in die Show nicht wirklich gelungen. Während Aaron Wonesch als Pianist eine fabelhafte Performance hinlegt, ist er als Confà©rencier eher suboptimal und als Sänger, wenn wir mal ehrlich sind, nicht wirklich gut. Das klingt dann schon eher wie Brummen nach Noten als nach Gesang. Das Intro in die Show läuft folgendermaßen ab:

[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier. Ein Handy läutet.]
Aaron Wonesch (ans Publikum gerichtet): “Ah, Handys bitte ausschalten.”
[Ein Telefon läutet. Maya Hakvoort ist dran.]
Aaron Wonesch: Hallo? Ja Maya. Ja, es sind schon alle da. Längenfeldgasse 13-15, wenn du von der Ubahn links - genau.”
[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier, dann nach 5 Sekunden:]
Aaron Wonesch: “Meine Damen und Herren, heute Abend exklusiv für Sie: Maya Hakvoort.”

Das, mit Verlaub, ist kein wirklich showmäßiges Glamour-Intro - besser als bei der ersten Show, aber nicht wirklich optimal. Im Programmheft als erster Song angekündigt: “Jada” von den Pointer Sisters. Dass Maya Hakvoort dieses Lied gar nicht singt, dürfte nicht wirklich jemandem aufgefallen sein, ist “Jada” doch ein Song, der nicht gerade auf jedem iPod zu finden ist. Maya singt stattdessen ein Lied, das “Isn’t it just a beautiful day” heißen könnte [was den genauen Titel und den Originalinterpreten betrifft, muss ich passen].

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Maya Hakvoort startet in den Abend also mit ein paar Patzern, sie setzt ihn fort mit einer berührenden Geschichte aus ihren Kindheitstagen und einem ganz und gar unbekannten Lied: “Schau die an” [”Gut kijk haar”, im Original von Jenny Arean, gesungen in einer deutschen Übersetzung von Thomas Strobl]. Sie macht damit etwas, wovor beispielsweise amerikanische Entertainer immer warnen: Sie singt zu viele Songs, die das Publikum nicht kennt, nicht nur das, sie beginnt ihre Show mit Songs, die nur wenige kennen. Barry Manilow brachte das einmal überspitzt für seine Shows in Las Vegas so auf den Punkt:

Gib den Leuten Lieder, die sie nicht kennen, und sie rennen aufs Klo und kommen nie mehr wieder.

Maya Hakvoort-Fans machen das natürlich nicht, aber die Stimmung am Anfang ist eher flau. Und so ist es überaus spannend, mitzuerleben, ab wann sich das Publikum im Theater Längenfeldgasse auf Maya Hakvoort eintuned. Das als “Kirchenmedley” angekündigte Set aus Liedern von Elton John, Cat Stevens und Stevie Wonder schafft die Basis, und als Hakvoort dann Lieder singt, die tatsächlich jeder kennt, nämlich ein Medley mit Songcontest-Evergreens, ist das Eis, kein Wunder, tatsächlich gebrochen. Ab da hat sie das Publikum in der Hand und kann den Rest des Abends auch großteils wenig bekannte, aber sehr sehr clever gewählte Songs interpretieren.

Trotz des suboptimalen Beginns ist “In My Life” ein ganz hervorragendes Solopogramm geworden und übertrifft “Maya Goes Solo” bei weitem. Was Maya Hakvoort beispielsweise damit schafft, ist das Augenmerk der Konzertbesucher auf einige Küstler zu lenken, die vielleicht nicht jeder kennt, wie zum Beispiel auf Marco Borsato und seine Coverversion der Riccardo Cocciante-Ballade “Margherita”. Cocciante, Borsato und Hakvoort machen sich den Song auf ganz verschiedene Art und Weise zu eigen. Maya Hakvoort liefert in ihrer Show eine geradezu atemberaubende Version. Am Ende des Songs entschließt sich das Publikum - zumindest am Premierenabend - nicht zu klatschen, und vielleicht ist genau diese ohrenbetäubende Stille der lauteste Applaus des Abends. Ein Publikum so betroffen zu machen, dass es im entscheidenden Augenblick geradezu unfähig ist zu klatschen - das kommt ganz selten vor:

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen zu Hause, ganz gemütlich. Die Tür geht auf, Ihr Partner kommt herein und sagt: Wir müssen reden.

Wie von fern spricht eine Stimme
so vertraut von unseren Streiten
und zerstörten Illusionen und den vielen Kleinigkeiten
und ich hör die harte Kälte deiner unterdrückten Wut
doch was kann ich mehr als heulen
denn das hab ich nie vermutet

Wie im Nebel hör ich dir sagen
du willst alles das aufgeben
du willst alles mir verjagen
was ich lieb in diesem Leben

und ich höre wie deine Rede sich langsam zu Sätzen ballt
die mich treffen wie ein Blitz
mit vernichtender Gewalt

Diese Kälte macht mich rasend
und das Gefühl ist angsteinjagend
doch deine Sätze tönen weiter
und meine Augen schauen fragend
warum sagtest du nicht früher
dass du du dich von mir entfernt hast
warum sprachst du je von Liebe
wenn du mich doch nie geliebt hast

ich verlier mich in Verzweiflung
ich fühle meine Tränen brennen
und ich wünsche mir nichts lieber
als den Kopf in deinen Händen

doch was bis vor einer Stunde
noch so heil und sicher schien
ist nur eine große Lüge
und ein Kartenhaus im Wind

Es ist mir, als ob ein anderer
sich in deinen Körper schlich
und ich hab nicht mal bemerkt
dass er da reingeschlichen ist
deine Liebe fortzuwischen
und meine Welt mir zu zerstören
kann denn niemand mir versichern
ich hätt alles nur geträumt
[Margherita: Riccardo Cocciante; Übersetzung: Heidi Klinger]

Ob Maya Hakvoort mit einer solchen Reaktion gerechnet hat, kann man nicht wirklich beantworten. Es sind aber solche Momente, die noch lange in Erinnerung bleiben und Konzerte zu etwas Besonderem machen.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

“In My Life” ist vor allem ein Abend, der melancholischen, veträumten Balladen gewidmet ist. Wunderbar beispielsweise das von Aaron Wonesch und Thomas Strobel geschriebene Lied “Sie atmet schon” oder “This love” von Angela Aki in einer deutschen Übersetzung von Maya Hakvoort. Daneben macht Hakvoort auch wieder einige Abstecher Richtung Jazz, beispielsweise mit “Spain” (Al Jarreau), “Birdland” (Joe Zawinul) oder “Dass du fliegen kannst” (Tuck & Patti). “In My Life” ist eine Show, die man sich durchaus öfter ansehen kann. Die nächsten Termine:

22.11.2007 in Waidhofen a.d. Ybbs / Schloss Center
24.11.2007 Neunkirchen / VAZ
27.01.2008 Orpheum Wien (noch kein Kartenvorverkauf!)
Infos zum Kartenverkauf auf der Website des Maya Hakvoort-Fanclubs.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Setlist
01) Isn’t it just a beautiful day (?)
02) Schau die an (Original: “Gut kijk haar” von Jenny Arean; Übersetzung: Thomas Strobl)
03) Kirchenmedley:
- Border Song (Elton John)
- Morning has broken (Cat Stevens)
- You and I (Stevie Wonder)
04) Michel Fugain-Medley
- Attention Mesdames & Messieurs
- Belle Histoire
05) Song Contest-Medley
- Dinge-Dong: (Teach-In)
- All kinds of everything (Dana Rosemary Scallon)
- Save all your kisses for me (Brotherhood of man)
- Hallelujah (Milk & Honey)
- Diggi-loo, Diggi-ley (Herreys)
06) Ich bin die Frau (Original: “I am the girl” von Roberta Flack; Übersetzung: Thomas Strobl)
07) Dass du fliegen kannst (Tuck & Patti; Übersetzung: Thomas Strobl)
08) It’s oh so quiet (Björk)
09) Tre Uomini (Ornella Vanoni)
10) Sie atmet schon (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
11) Roots and Wings (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
12) Margherita (Marco Borsato; Riccardo Coccianto; Übersetzung: Heidi Klinger)
13) Warum ich so fröhlich bin (Herman van Veen; Übersetzung: T. Woitkewitsch)
14) Spain (Al Jarreau/Chick Corea/A. Maren)
15) This love (Angela Aki)
16) Birdland (Joe Zawinul)

Kreativteam
Übersetzung: Thomas Strobl, Heidi Klinger
Choreographie: Annette Wimmer
Fashion-Design: Thang de Hoo
Lichtdesign: Gerhard Landauer
Ton: Klaus Gruber
Video, Photo: Gerald Berthold
Ausstattung, Merchandising: Andrea Berthold, Regina Huszar

Wikipedia: Der “Rudolf”-Irrtum

Lustig geht es auf wikipedia.de ja immer zu. Früher war es möglich, falsche beziehungsweise veraltete Angaben zu korrigieren, heute herrschen die Mods auf Wikipedia, die so, wie es ihnen beliebt, Artikel zur bearbeitungsfreien Zone erklären. Bestes Beispiel dafür ist jener Artikel, der Frank Wildhorns Musical “Rudolf” gewidmet ist. Er strotzt vor Fehlern und Gerüchten, freilich lässt er sich nicht verbessern. Am lustigsten sind die unter der Überschrift “Wiener Aufführung” angeführten Angaben. Als Quelle wird “Lars Friedrich” genannt, der Autor gibt hier das weit verbreitete Forengerücht weiter, “Rudolf” sei für 26. Oktober 2007 für das “Etablissement Ronacher” geplant gewesen. Wikipedia erweist der Autor des “Rudolf”-Artikels damit keinen guten Dienst, so viel ist sicher.

Cenario: “Ansichtssache Reloaded” mit Hannes Muik & Caroline Frank

Hannes Muik und Caroline Frank
Am 8. November 2006 ging das Wiener Musiklokal “Cenario” mit einem neuen Bespielungskonzept unter der Geschäftsführung von Michael Fischer an den Start. Fischer begann seine Karriere bei den Wiener Sängerknaben, absolvierte die Ballettschule an der Konservatorium Privatuniversität Wien und eine Stepausbildung, studiert derzeit am Konservatorium Jazz-Klavier und leitet seit zwei Jahren einen eigenen Chor. Im April 2008 ist Michael Fischer in “Evita” zu sehen (Wiederaufnahme einer Produktion am Stadttheater Baden), Maya Hakvoort, die gestern zum ersten Mal ihr zweites Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse zeigte, hat ihn für ihre Österreich-Tour als 2. Pianist an Bord geholt.

Michael Fischer machte aus dem Cenario ein gemütliches Etablissement mit Schwerpunkt Jazz, Swing, Soul, aber auch Steptanz und Musical. Eröffnet wurde das Lokal 2006 mit einem Auftritt von Maya Hakvoort. Hannes Muik und Caroline Frank, zwei unter anderem im Musicalbusiness etablierte Künstler, brachten ihre Soloshow “Ansichtssachen” im November und Dezember 2006 im Cenario erstmals zur Aufführung.

Am 10. Oktober 2007 stand “Ansichtssachen Reloaded” auf dem Spielplan des Cenario, ein da capo der ersten Aufführungsserie. Hannes Muik und Caroline Frank texteten für ihre Show 14 Songs, Belush Koreny jun. schrieb zu den meisten der Lyrics angenehme Popmelodien mit Jazz- und Souleinflüssen und begleitete die beiden am Keyboard.

Hannes Muik und Caroline Frank

Herausgekommen ist ein ironisch-witziges Programm, in dem unter anderem die Selbsthilfeliteratur aufs Korn genommen wird. Zitate aus Selbsthilfebüchern wie “Aufwachen! Dein Leben wartet” werden äußerst gekonnt als Über- und Einleitungen zu Songs eingesetzt. So folgt auf einen Ausschnitt aus “Eine Minute Weisheit”

Einer Frau, die ihr Schicksal beklagte, sagte der Meister: “Du machst dir selbst dein Schicksal.”
“Aber ich bin doch wohl nicht verantwortlich, als Frau geboren zu sein.”
“Als Frau geboren zu sein, ist nicht Schicksal. Das ist Bestimmung. Schicksal ist, wie du dein Frausein akzeptierst und was du daraus machst.”

der irrsinnig witzige “Regelblues”, gesungen von Caroline Frank, wobei die Texte der Songs oft auf einer feinen Linie zwischen Witz und Ernsthaftigkeit balancieren und gekonnt mal da und mal dahin abdriften.

Auf einen weiteren besonders “sinnigen” Ausschnitt aus einem Selbsthilfe- und Sprücheklopferbuch:

Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.

folgt Hannes Muik mit “Der Witz” (getextet von Caroline Frank) - ein Song, der exakt so auch Teil eines “Simpl”-Programms früherer Zeiten gewesen hätte sein können und in einer langen Tradition steht. Es ist genau der Stil, den beispielsweise Hugo Wiener mit seiner Frau Cissy Kraner jahrzehntelang gepflegt hat. So ist “Der Witz” auch ein völlig zeitloser Song - innerhalb dieses Programms mit Sicherheit ein Highlight.

Hannes Muik und Caroline Frank

In der Show und auf der winzigen Bühne auch vertreten: Nummern mit mitreißender augenzwinkernder Tanzchoreographie wie “Der Tag, an dem ich Peter Weck traf”. Scheinbar Improvisiertes ist bis ins kleinste Detail durchdacht - Muik mit Altblockflöte zum “Mission Impossible”-Theme, eine irrsinnig witzige Szene, das Lied ein Ohrwurm vor allem durch die Rhythmik des Refrains.

Zum Kreischen kommt Caroline Frank ausführlich in der Irrenhausballade “Mitleidstour”. Sie kreischt aus Verzweiflung, das Publikum vor Lachen.

Hannes Muik und Caroline Frank

Kennst du das Gefühl, wenn dein Spiegelbild nicht will, dass du es ansiehst
- es hat sich an dir satt gesehn
Und kennst du das Gefühl, wenn dein Pudel nicht mehr will, dass du ihn ausführst
- er will alleine Gassi gehn
Und kennst du das Gefühl, wenn deine Mutter nicht mehr will, dass du sie anrufst
- sie hat ja noch ein zweites Kind

Und keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Und kennst du das Gefühl, wenn dein Liebster nicht mehr will, dass du ihn angreifst
- er hat sich um sich selbst gesorgt
Ja ich kenne das Gefühl und ich weiß nur, dass ich will, dass es mal aufhört
und ich weiß, tief in mir drinnen muss ich finden, wer ich bin
dann kann ich zeigen wer ich bin, und spiegle wer ich bin
dann kann ich mich nehmen, wie ich bin, und weiß ungefähr, wie ich bin, und dann ist
alles anders, weil ich weiß, wer ich bin und weiß …
aber schön wärs schon

doch keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Muik (während Frank völlig auszuckt):
Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Frank:
Ich bin so ganz und gar mit mir allein

Fazit: “Ansichtssache Reloaded” ist ein äußerst unterhaltsames Set. Wer die Chance hat, Hannes Muik & Caroline Frank damit zu erleben, sollte sie nicht verpassen.

Setlist:
- Heut ist dein Tag
- Tausend Mal
- Du
- Und es geht
- Der Regelblues
- Der Witz
- Der Tag, an dem ich Peter Weck traf
- Ein Tango zum Beispiel
- Die Mitleidstour
- I can’t get you out of my head/If you go away
- Wann mei Herz mit dir red
- I always stay alive
- Die Suche
- Wann nur?

Hannes Muik hat sich in den letzten Jahren auch als Maler einen Namen gemacht. Ab sofort kann man seinen Kunstkalender für das Jahr 2008 unter der Mailadresse hannes.muik[at]chello.at vorbestellen. Es handelt sich dabei um eine limitierte Auflage mit neuen Bildern und zwei signierten und nummerierten Kunstpostkarten von Hannes Muik. Ein Exemplar des Kalenders kostet 38 Euro. Wer bei der Präsentation dabei sein möchte, kann sich unter hannes.muik[at]chello.at mit Informationen versorgen.

“Musical! Die Show”: Auditions online

Seit 8. Oktober 2007 sind auf “Musical! Die Show” die ersten Auditions für die neue Castingshow des ORF als Stream online. Das meistgebrauchte Wort der Juroren scheint “super” zu sein, auch wenn der/die Kandidat/in ganz offensichtlich völlig falsch singt. Von der ursprünglichen Forderung des ORF, dass nur Kandidaten mit Ausbildung antreten dürfen, hat man sich meilenweit entfernt, zeitweise könnte man fast der Meinung sein, dass bei “Starmania” die besseren Stimmen zu hören waren, freilich ist erst eine erste Tranche der Kandidaten online (ca. 45 Minuten). Die Juroren Jack Poppell, Cedric Lee Bradley und Alexandra Frankmann-Koepp haben im Gegensatz zu “Starmania” nicht die Aufgabe, jedem Kandidaten unmittelbares Feedback zu vermitteln. Das macht ihre Aufgabe leichter und das Streaming langweiliger. Bleibt also das Können der Kandidaten, das unterhalten soll, und da kann man gespannt sein, wer überzeugen oder gnadenlos scheitern wird.

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