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Archiv - Musical

2005-Bestenlisten

Das Jahresende rückt näher, und die Listensucht bricht wieder aus. Die besten Platten des Jahres, die besten Bücher des Jahres, die schlechtesten Filme, Unwörter, Modewörter, Stars, Sternchen, Tops, Flops. Unnütze Infos, die manchmal doch ganz unterhaltsam sind. Oft hat man von den “besten Platten” einzelner Redakteure selbst überhaupt noch nie etwas gehört, auch lustig, aber so kann man sich im Nachhinein wenigstens erklären, wie der eine oder andere Verriss eigener Lieblingsplatten möglich wurde. Geschmäcker sind verschieden. Im Folgenden ein paar dieser Listen.

AOLs Search Year in Review:

People Under 21
01. Lindsay Lohan
02. Jesse McCartney
03. Hilary Duff
04. Ashlee Simpson
05. Bow Wow
06. Emma Watson
07. Daniel Radcliffe
08. Avril Lavigne
09. Keira Knightley
10. Mary-Kate & Ashley

People Over 40
01. Oprah Winfrey
02. Howard Stern
03. Johnny Depp
04. Brad Pitt
05. Dr. Phil
06. Michael Jackson
07. Demi Moore
08. Tom Cruise
09. Madonna
10. Ellen DeGeneres

Bands
01. Green Day
02. My Chemical Romance
03. Fall Out Boy
04. The Killers
05. Black Eyed Peas
06. Slipknot
07. G-Unit
08. The Wiggles
09. Pussycat Dolls
10. Good Charlotte


Jinglegram
lässt gerade die guten und bösen Jungs und Mädels des Jahres 2005 wählen. Der aktuelle Zwischenstand:

Who’s nice
01. Barry Manilow 3314 Votes
02. Clay Aiken 2198 Votes
03. Kenny Chesney 423 Votes
04. Josh Groban 301 Votes
05. Kelly Clarkson 137 Votes
06. Oprah Winfrey 75 Votes
07. Ellen Degeneres 68 Votes
08. Bono 66 Votes
09. BackStreet Boys 37 Votes
10. Jennifer Anniston 30 Votes


Who’s naughty

01. George Bush 1489 Votes
02. Paris Hilton 845 Votes
03. Tom Cruise 498 Votes
04. Brad Pitt 271 Votes
05. Angelina Jolie 221 Votes
06. Saddam Hussein 144 Votes
07. Jesica Simpson 67 Votes
08. Michael Jackson 62 Votes
09. Britney Spears 58 Votes
10. Howard Stern 44 Votes

Für Entertainment Weekly listet Horror-King Stephen King unter anderem seine Lieblingsbücher und Lieblingsfilme des Jahres 2005:

Kings Lieblingsbücher 2005
01. CASE HISTORIES, Kate Atkinson
02. THIS BOOK WILL SAVE YOUR LIFE, A.M. Homes
03. SATURDAY, Ian McEwan
04. NO COUNTRY FOR OLD MEN, Cormac McCarthy
05. HARRY POTTER AND THE HALF-BLOOD PRINCE, J.K. Rowling
06. THE HOT KID, Elmore Leonard
07. THE LINCOLN LAWYER, Michael Connelly
08. DRAMA CITY, George Pelecanos
09. THE MAD COOK OF PYMATUNING, Christopher Lehmann-Haupt
10. THE GODFATHER RETURNS, Mark Winegardner

Kings Film Top-10 2005:
01. The Squid and the Whale
02. Capote
03. Downfall
04. Good Night, and Good LuckSure
05. Crash
06. War of the Worlds
07. The Constant Gardener
08. Cinderella
09. The Devil’s Rejects
10. The Jacket

Playbill online bringt das broadwaymäßig Beste des Jahres 2005 in Bildern. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

Das Theater an der Wien - ein Nachruf

Foto: © Martin Bruny
Der 10. Dezember 2005 bedeutete das Aus für die Kunstform Musical im Theater an der Wien. Um 19:30 Uhr dieses Tages hob sich noch ein letztes Mal der Vorhang für “Musical Christmas”. Der Orchestergraben war schon geräumt, faserfrei präsentierte sich die gähnende Leere. Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien war ja, wie immer bei den Weihnachtskonzerten, auf der Bühne platziert. Der Eingangsbereich zum Theater - eine Baustelle. Schnell schnell muss man den Eingangsbereich für W. A. Mozart umgestalten. Ka schöne Leich.
Es ist müßig, all die Musicalproduktionen des Theaterhauses aufzulisten, es ist müßig, darauf hinzuweisen, dass das Haus immer geprägt war von einem gesunden Wechsel von Schauspiel, Oper, später Operette und Musical, nun wird das Theater an der Wien geschlossen, und nur fallweise, ca. 100 Mal im Jahr, für den Monokultur-Opernbetrieb geöffnet. Die Kartenpreise werden in manchen Kategorien mehr als verdoppelt, der Pool an potentiellem Publikum verengt sich auf die Staatsopern-Klientel, die nun einen zusätzlichen Opernabend pro Jahr einplanen darf.
Es stellt sich allerdings die Frage nach dem Sinn. Wo steckt der Sinn dahinter, ein täglich ausverkauftes Haus umzuwidmen? Macht es Sinn, ein technisch bestens ausgerüstetes Haus downzugraden auf den “Opernbedarf”? Macht es Sinn, ein Jahr lang nur Mozart aufzuführen, den armen Kerl endgültig zu Tode zu spielen? Macht es Sinn, ein gut gehendes Musicalhaus umzuwidmen ohne zu versuchen, die entsetzlich schlecht funktionierende Volksoper auf Vordermann zu bringen. Macht es also Sinn, in Wien ein zusätzliches Opernhaus zu installieren, wenn eines der bestehenden ohnedies so gar nicht funktioniert? Fragen über Fragen … Antworten sind müßig, denn das Ergebnis ist keine Folge von logischen Überlegungen. Lassen wir es dabei bewenden.
Musical am Theater an der Wien - das ist eine Geschichte von großen Momenten und so manch vergebener Chance. Nehmen wir Freudiana, die erste große Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien, als Angel- und Endpunkt. Was für ein wunderbarer Score, was für herrliche Lieder - eines der meist unterschätztesten Musicals, die je im Theater an der Wien gespielt wurden. Ein Revival ist längst überfällig, eine baldige konzertante Aufführung ein Muss. “Don’t let the moment pass” mag hier als letzter Tribut an das Theater an der Wien als Musicalhaus stehen. Auf Wiedersehen!

This golden day will be mine
For every moment in time
If time should lose her way

A symphony in the night
Of stars that dance in the light
And music far away

They say that love is but a dance
Don’t let the music fade away
Don’t let the moment pass

Without a reason or rhyme
The sweet bouquet of the wine
Will vanish in the air

The innocence of the rose
She leaves where ever she goes
That all the world may share

Some days when clouds are drifting by
I open my eyes to watch them go
And wonder where they fly

Some nights Orion runs too fast
I look to the stars as if to say
Don’t let the moment pass

But soon a golden age is past
Just when it seemed that miracles
Where not too much to ask

And though the world may turn too fast
If it should seem like paradise
Don’t let the moment pass
[Eric Woolfson/Lida Winiewicz und Brian Brolly]

Hosannah & Freudiana im Winter Wonderland - nie war das Weihnachtsglück so nah wie bei “Musical Christmas 2005″

Musical Christmas 2005 - Ruth Kraus, Kathleen Bauer, Andrà© Bauer, Tina Schöltzke, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Wenn man dieser Tage im Theater an der Wien das Gefühl hat mitten in einem prächtig ausgestatteten Film zu sitzen, wenn man die weihnachtliche Stimmung zwei Stunden lang so deutlich spürt, wie sonst vielleicht nicht mal am 24. Dezember oder das letzte Mal vor Jahren als kleines Kind, wenn alles überecht, aber vielleicht gerade deshalb so authentisch wirkt und Ohs und Ahs aus dem Publikum zu hören sind, weil sich gerade der Vorhang hebt und die gesamte Bühne von einem Riesenorchester besetzt ist, eingetaucht in fast schon magisch inszeniertes Licht - und wenn tatsächlich dann auch noch Theaterschnee auf die Bühne rieselt und Musicalstars eine große Show bieten -, dann sollte man das im Moment des Erlebens nicht groß hinterfragen, nicht drüber nachdenken, ob es nicht zu kitschig ist, sondern einfach die Stimmung genießen, sich fallen lassen.
Musical Christmas 2005, Caroline Vasicek, Fritz Schmid, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Was man gerade erlebt, ist Musical Christmas, ein Adventkonzert des Ensembles des Theaters an der Wien und des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien unter der Musikalischen Leitung von Caspar Richter.
Caspar Richter setzt bei dieser Adventskonzertserie voll auf die Stärke des Elisabeth-Ensembles - ein geniales Team von Künstlern, die zu einer Einheit zusammengewachsen sind, die es woanders in dieser Form, so Richter, überhaupt nicht mehr gibt.
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
“Musical Christmas 2005″ ist eine opulente, gefühlvolle, zärtliche und auch lustige Show - Filmmusik, Musical, Klassik, Tanz, Ballett und Lesung zugleich, wohldosiert und mit echten Highlights, wie zum Beispiel Luzia Nistlers wunderbarer Interpretation der Freudiana-Hymne “Nie war das Glück so nah”, Jacqueline Brauns intensiver Version von Joni Mitchells Lebenslied “Both sides now” oder Andrà© Bauers “Believe”. Ramesh Nair als Choreograph sowie Murray Grant als Dance Captain bringen in diversen Tanzszenen Schwung in die weihnachtliche Inszenierung. Else Ludwig führt durch das Programm und berührt mit Lesungen.
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Das Programm im Detail:
Winter Wonderland (Felix Bernard; 1934; Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
I Remember (Stephen Sondheim; 1966; Kerstin Ibald)
It’s beginning to look like Christmas (Meredith Wilson; 1951; Andrà© Bauer, Tina Schöltzke, Kathleen Bauer, Ruth Kraus)
I’ll be home for Christmas (James Kimball Gannon; 1943; Caroline Vasicek, Fritz Schmid)
Run, Rudolf, Run (Marvin Brodie/Johnny Marks; 1958; Jacqueline Braun, Rob Fowler, Sigrid Brandstetter, Claudia Kraxner, Melanie Gemeiner, Ruth Kraus, Martina Rumpf, Rita Sereinig)
Nie war das Glück so nah (Eric Woolfson/Lida Winiewicz/”Freudiana”; 1990; Luzia Nistler)
Die Heiligen Drei Königinnen (Alexander Wagendristel; 2004; Tina Schöltzke, Kathleen Bauer, Kerstin Ibald)
Who would imagine a King (Mervin Warren/Hallerin Hilton Hill; 1996; Caroline Vasicek)
Winter in New York (nach: “Fiddle Faddle” von Leroy Anderson; 1947; Tanzensemble)
Sleigh Ride (Leroy Anderson/Mitchell Parish; 1948; Jacqueline Braun)
Believe (Alan Silvestri/”The Polar Express”; Andrà© Bauer)
Xmas Rap (Hape Kerkeling; 1992; Luzia Nistler, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, Murray Grant, àkos Tihanyi und Ensemble)
Winter Wonderland (Felix Bernard/Richard B. Smith; 1934; Rob Fowler, Dennis Kozeluh)
White Christmas (Irvin Berlin/”Holiday Inn”, 1942; Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Musical Christmas 2005, Murray Grant, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Murray Grant, Kerstin Ibald, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Murray Grant, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
The Polar Express (Alan Silvestri/”The Polar Express”; 2004; Dennis Kozeluh und Ensemble)
When Christmas Comes to Town (Alan Silvestri/”The Polar Express”; 2004; Caroline Vasicek, Ruth Kraus und Ensemble)
Christmas Waltz (Jule Styne/Sammy Cahn; 1954; Kerstin Ibald mit Murray Grant & àkos Tihanyi)
O Holy night (Adolphe Adam/Chappeau de Roquemaure; 1840; Fritz Schmid, Andrà© Bauer)
Petersburger Schlittenfahrt (Trad./Polka schnell von Richard Eilenberg; Ensemble)
Both Sides Now (Joni Mitchell; 1968; Jacqueline Braun)
Somewhere in my memory (John Williams/”Home Alone I”; 1991; Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Rondeau und Badinerie (J. S. Bach/Ouvertüre Nr. 2, h-moll, BWV 1067; 1717)
Medley (Vom Himmel hoch, da komm ich her/Oh, Du Fröhliche/Fröhliche Weihnacht überall/Es ist ein Ros entsprungen/Oh, Tannenbaum; Tina Schölzke, Luzia Nistler, Andrà© Bauer, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Pastorale (Secret Garden; 1996; Claudia Kraxner, àkos Tihanyi)
Abide with me (Trad.; Fritz Schmid & Ensemble)
Merry Christmas (John Williams/Leslie Bricusse; “Home Alone II”; 1992; Melanie Gemeiner, Rita Sereinig, Murray Grant, àkos Tihanyi, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Stille Nacht (Fr. X. Gruber; 1818; Soli, Ensemble & Orchester der Vereinigten Bühnen Wien)
Weihnachtsgeschichten (Else Ludwig)
Musical Christmas 2005, Andrà© Bauer, Fritz Schmid, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Musical Christmas 2005, Jacqueline Braun, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Solisten:
Jacqueline Braun, Kerstin Ibald, Luzia Nistler, Caroline Vasicek, Andrà© Bauer, Rob Fowler, Dennis Kozeluh, Fritz Schmid
Moderation:
Else Ludwig
Das Ensemble:
Kathleen Bauer, Sigrid Brandstetter, Melanie Gemeiner, Ruth Kraus, Claudia Kraxner, Martina Rumpf, Tina Schöltzke, Rita Sereinig
Murray Grant, Noud Hell, Karsten Kammeier, Henrik Sehnert, Christoph Sommesguter, Lars Stockmann, Roman Straka, àkos Tihanyi
Musical Christmas 2005, àkos Tihanyi, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Bühne: Peter Bouchier, Martin Kindermann
Beleuchtung: Kurt Schöny, Gerhard Landauer
Ton: Alois Horak, Robert Macalik
Inspizienz: Cathrin Hauschildt, Gregory Fuller
Kostüme: Josef Sonnberger
Musical Christmas 2005, Jacqueline Braun, Rob Fowler, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Idee und Konzept: Caspar Richter, Michael Pinkerton, Wolfgang Hülbig
Musikalische Einstudierung: Caspar Richter und Walter Lochmann
Koordination: Elfriede Schrammel, Nadja Galil
Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien
Organisiation: Dieter Hnatek
Musikalische Leitung: Caspar Richter
Staging und Choreographie: Ramesh Nair
Dance Captain: Murray Grant
Musical Christmas 2005, Rob Fowler, Else Ludwig, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Noch bis 10. Dezember ist die Adventshow im Theater an der Wien zu sehen. Danach trennt sich das Elisabeth-Ensemble und Wolferl zieht in das ehraltwürdige Haus ein. Ob es ein Wiedersehen bei “Musical Christmas 2006″ geben kann?

Baba, Sisi

Elisabeth, 4.12.2005; Foto: © Martin Bruny

Der letzte Kuss: Wien ohne “Elisabeth” ab 5.12.2005

Elisabeth, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Am 4.12.2005 ist es soweit: “Elisabeth” geht wieder mal in Musicalrente. Die Derniere geht als “Geschlossene Veranstaltung” pünktlich um 18:00 über die Bühne des Theater an der Wien. Tickets gibt es längst keine mehr. Um die letzten Plätze bangten in der Nacht von Freitag auf Samstag die treuesten Fans in eisiger Kälte.
Elisabeth, 3.12.2005; Foto: © Martin Bruny
Mit “Elisabeth” verlässt auch das Musical an sich das Theater an der Wien. Schon bald wird der Eingangsbereich des Gebäudes demoliert und danach mozarttauglich gemacht. Die Karten im Cercle, erste Reihe, kosten dann statt 95 Euro 190 Euro, es wird weniger Sitzplätze und ab und zu eine Vorstellung geben, freilich wird es weit mehr Schließtage als Spieltage geben; Wien ist anders, wir können uns das leisten.
Das Abenteuer Klassik wird sich im Theater an der Wien aber erstmal beweisen müssen, und die Kaiserin hat Zeit.

“Musical Mamis” - Entertainment & Benefiz

Am 23. November 2005 ging im Wiener Metropol ein Benefiz-Konzert der ganz besonderen Art über die Bühne: “Musical Mamis” - die Show zugunsten des Projekts Babydoll, einer Einrichtung des Krankenhauses Göttlicher Heiland.
“Babydoll” hilft angehenden Müttern und Vätern im Teenager-Alter, ihre Kinder mit Liebe und Verständnis auf die Welt zu bringen. Unbürokratisch, unentgeltlich, und im Bedarfsfall auch anonym. Seit dem Projektstart im Jahre 2003 kamen 135 Babydoll-Babies auf die Welt; über 3600 Jugendliche, meist Mädchen im Alter von 13 bis 20 Jahren, suchten Unterstützung und Hilfe in Beratungsgesprächen.
Durch den Abend führte gut gelaunt Musical-Franzl Dennis Kozeluh, und wenn man den Abend als gelungen werten möchte, was ich persönlich mache, dann hat die Moderation daran wesentlichen Anteil. Die charmant-ironischen Ansagen sorgten für gute Stimmung, bereiteten die Stimmung wohldosiert für den jeweils nächsten Act auf - und, was bei einem “Musical-Benefiz” auch wichtig ist, man hat gemerkt, dass endlich mal jemand moderiert, der für das Theater lebt, vom Fach ist und nicht aus der Volksmusikschublade rekrutiert wurde. Schlimm genug, wenn Musicalstars laufend bei Moik & Co aufkreuzen, um an den Quoten zu naschen.
Dennis Kozeluh, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Herausragend auch, um bei den Nicht-Mamis mal zu bleiben, zwei Tanz-Performances mit Todesengerl Murray Grant und Neo-Choreographie-Wunderwuzzi Ramesh Nair: Akt 1 startete mit einem blendend getanzten und gesungenen “All that Jazz”, im zweiten Teil
folgte ein atemberaubendes “I gotcha” (aus “Fosse”) mit Murray Grant, Rachel Colley und Ramesh Nair.
All that Jazz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Ramesh Nair, Rachel Colley & Murray Grant - I gotcha, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Einen Hauch glitzernden Broadway brachte Mary Illes ins Metropol, die für die erkrankte Kathleen Bauer einsprang und Jerome Kerns “All the things you are” interpretierte. Illes’ Performance sprengte die Kategorien dieses Abends. Keine Frage, wir erlebten an diesem Abend lauter wundervolle Talente, Mary Illes’ Stimme aber, ihre überirdisch stilvolle Performance schickte das Publikum in eine neue Dimension.
Mary Illes; Foto: © Martin Bruny
Grob gesagt lässt sich das restliche Programm in Lustiges und Musicalisches teilen. Für die Lacher sorgten Kathy Tanner (in dem Sketch “Aber!” von Mary Rogers und in der “Riverdance”-Parodie von Anne Weiner, gemeinsam mit Anne Weiner und Dennis Kozeluh), sowie Petra Kreuzer als weiblicher Heintje mit “Mama”.
Kathy Tanner & Anne Weiner, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Dennis Kozeluh & Anne Weiner, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Petra Kreuzer, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny

Musicalisches boten:
Lisa Gray: Somewhere that’s green (”Little Shop of Horrors”)
Lisa Gray, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Andrea Malek: Whistle down the wind (”Whistle down the wind”)
Andrea Malek, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Kudra Owens: Home (The Wiz”)
Kudra Owens, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Suzanne Carey: Anything can happen (Frank Wildhorn) und Conny Zenz: Ease on down the road (”The Wiz”)
Conny Zenz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Weiters zu hören:
Eva Maria Scholz: Baby-Toll-Performance (Eva Maria Scholz)
Eva Maria Scholz, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Vivianne Vogà©: Komm her (Konigswerq)
Vivianne Vogà©, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Die Audition/Let’s hear it for the Boys: Suzanne Carey (Deniece Wiliams)
Suzanne Carey, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Susanne Ten Harmsen: Bauchgefühle (Susanne Ten Harmsen)
Susanne Ten Harmsen, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Sabine Mayer (feat. Rob Fowler, Zoltan Sebastian): Schritt für Schritt
Sabine Mayer, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Rob Fowler, 23.11.2005; Foto: © Martin Bruny
Ensemble: Greatest Love of All (Michael Masser)

“Musical Mamis” war für die Zuschauer Entertainment in Reinkultur, dem Projekt “Babydoll” brachte der Abend insgesamt eine Summe von 5740 Euro.

Verkaufts mei Gwand, i fohr in Himmel oder die “Elisabeth”-Pseudo-Derniere

Dernieren sind für Theaterfans etwas ganz Besonderes. Das gilt nicht nur für das Musical, sondern auch für das Sprechtheater, für das Theater allgemein. In Dernieren, das ist bekannt, findet man zu einem Großteil Theaterverrückte, die die betreffende Produktion viele Male, oft Hunderte Male, gesehen haben. Es ist ein Abschied, der mit Begeisterung gefeiert wird und immer in Wehmut endet, und ja, geweint wird bei Dernieren nicht selten, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Es ist zu einem großen Anteil ein Haufen Irrer, der sich noch einmal versammelt, um gemeinsam die Magie zu erleben, ein Haufen Kunst- und Kulturbegeisterter, der noch einmal zur Gefühlskulisse wird, ohne die die Kulissen der Bühne nur ein Haufen Pappmachà© und Metall blieben.
Gelten Premieren oft als Schickimicki-Events, für die man Prominenz braucht, um in die Schlagzeilen zu kommen, ist das bei Dernieren nicht wirklich der Fall. Hier ist alles gelaufen; sicher, Artikel in der Presse sind immer von Vorteil, aber Kartenvorverkauf muss keiner mehr angekurbelt werden. Namen von Promis sind nicht mehr nötig, um in irgendwelchen Klatschkolumnen Erwähnung zu finden. Es ist ein Abschiedsfest, bei dem man gemeinsam einer doch schönen Zeit “gedenkt”.
Anders im Fall von “Elisabeth”. Hier legt der Veranstalter scheinbar Wert darauf, zur Derniere am 4. Dezember 2005 Prominenz ins Theater an der Wien zu laden und, so vermutet man, große Kartenkontingente en gros & exklusiv zu verkaufen. Der allgemeine Kartenvorverkauf für die letzte Vorstellung von “Elisabeth” wurde nie eröffnet, die Show wurde vielmehr zur “Geschlossenen Veranstaltung” erklärt. Das kann man ganz nüchtern sehen, und vermutlich hat sich der für diese Entscheidung Verantwortliche etwas dabei gedacht. Vielleicht ist es aus buchhalterischen Gründen und zum Wohle des Geschäftsjahrs nötig, Gewinn zu lukrieren, wo es auch nur möglich ist.
Man kann das Ganze auch ein wenig weniger nüchtern sehen, man kann auch die Meinung vertreten, dass hier den Fans die Derniere geraubt wird. Natürlich ist das mit “Fans” immer so eine Sache. Mal liebt man sie, mal würde man sie am liebsten auf den Mond schießen. So manche Show wurde von allzu mitgerissenen Fans zur Farce zerschrien und zerjubelt, von den Exzessen und Gelagen am Bühnentürl gar nicht zu reden. Aber andererseits: Was wären Musicals ohne die hysterischen, ehthusiasmierten Musicalfans, die auch dann für Stimmung sorgen, wenn der Altersdurchschnitt im Saal bei 66 und das Stimmungsbarometer bei “Gähn” liegt. Natürlich verdient man nicht mit Leuten, die um 2,5 Euro die Stehplätze belagern, aber andererseits, wie ätzend leer ist ein Theater, wenn die “Fans” mal nicht da sind.
Ich muss gestehen, ich habe kein Verständnis für das Phänomen “Dernierenraub”. Ich habe keine Lust, um billige Restkarten zu betteln und dann in der Vorstellung zusehen zu müssen, wie in den ersten Reihen Baumeister einschlafen, Direktoren anderer Theater angewidert die Mundwinkel nach unten verziehen und Starlets sich bei ihren Begleitungen erkundigen, wer denn die arme Frau in Weiß eigentlich sei.
“Elisabeth” wird als das Musical in Wiens Theatergeschichte eingehen, das keine Derniere hatte. Das mag traurig sein, aber vielleicht passt es zur Story, denn auch der Habsburgerin blieb keine Zeit, in Würde Abschied von dieser Welt zu nehmen.

Aus für “We Will Rock You”/Las Vegas

Nach rund 500 Vorstellungen fällt Ende November im Paris Las Vegas der letzte Vorhang für das Queen-Musical We Will Rock You. Das böse Wort mit dem großen F und dem kleinen lop nimmt man offiziell nicht zur Kenntnis. Es sei ja immer nur ein “limited engagement” geplant gewesen, und die Show würde nun noch besser und opulenter in Südafrika und der Schweiz inszeniert werden. Wie auch immer, mit dem Smash Mamma Mia! im Mandalay Bay/Las Vegas kann sich die Queen-Show nun mal leider nicht messen. Über einen Nachfolger von “We Will Rock You” kann derzeit nicht mal spekuliert werden.

Andrew Lloyd Webbers Theater-Monopoly

Andrew Lloyd Webber hat ein neues Spiel für sich entdeckt: “Theater-Monopoly”. Ab 30. November ist er alleiniger Herr und Gebieter einiger der schönsten historischen Bühnen Londons, als da wären: London Palladium, Theatre Royal, Drury Lane, Palace Theatre, Gielgud Theatre, Cambridge Theatre und New London Theatre. Beim Adelphi Theatre ist er lediglich Mitbesitzer. Für 87,5 Millionen Pfund erstanden dereinst sein Partner, Bridgepoint, und er diese Theater, nun ist Andrew einmal über Los gegangen. Bridgepoint wurde abgefunden - was diese Spielrunde Andrew gekostet hat, wir werden es wohl nie erfahren. Weitere 10 Millionen Pfund wird der Musical-Master in die Renovierung der Gebäude investieren. Webber im O-Ton:

The West End theatre plays a vital role in London’s life and I am totally committed to its future. I have pledged £ 10 m for the renovation and refurbishment of my theatres over the next five years. I am extremely proud to own such magnificent buildings.

Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg steuern mit “The Pirate Queen” den Broadway an

Lange hat man nichts vom Erfolgsteam Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg gehört, das mit “Les Misà©rables”, “Miss Saigon” und “Martin Guerre” Musicalgeschichte schrieb. “The Pirate Queen” heißt ihr neuestes Opus, und der Kurs scheint fix - der Hafen, den die beiden ansteuern, ist, wie man kaum anders erwarten kann, der Broadway (mit Zwischenstopp in Chicago).
Am 3. Oktober 2006 feiert “The Pirate Queen” in Chicagos Cadillac Palace Theatre Premiere. Frank Galati (”Ragtime” [Regie]) hat die Regie übernommen.
Eine Mischung aus Pop, Rock, Musical und irischer Volksmusik scheint es zu werden, mit der das Leben von Grace O’Malley (eigentlich: Granuaile O’Malley) (*1530 auf Clare Islands im Westen Irlands, ?1603, Todesort unbekannt) erzählt wird.

Grace O´Malley begeisterte sich schon als Kind für das Meer und die Navigation. So lernte sie von ihrem Vater, dem Führer eines irischen Clans, das Handwerk eines Seefahrers. Nach einer gescheiterten Zwangsehe beschloß Grace, das Erbe ihres Vaters anzutreten. Von dem Clan zum Häuptling gewählt, ernährte sie diesen mit gezielter und erfolgreicher Piraterie. Unter ihrem Kommando schuf sie einen einzigartigen Wohlstand für ihre Familie. Ausschlaggebend für ihre bis heute anhaltende Popularität ist nicht nur der Umstand, daß sie erfolgreich Kaperwirtschaft betrieb, sondern auch die Tatsache, daß sie gegenüber den Mannschaften der erbeuteten Schiffe Milde und Großmut walten ließ. Sie genoß schließlich den Status einer Nationalheldin. Das nicht zuletzt auch deshalb, weil sie die irische Sache mutig gegen die englische Krone vertrat. Sie starb im hohen Alter als verehrter Clan-Chief an der Westküste Irlands.

Für die männliche Hauptrolle ist Musicalstar Colm Wilkinson im Gespräch. Nach 15 Jahren Broadway-Abstinenz könnte “The Pirate Queen” sein Comeback werden. Wilkinson kreierte im Jahrhundertmusical “Les Misà©rables” die Rolle des Jean Valjean in der Londoner und Broadway-Inszenierung. In Toronto gab er viereinhalb Jahre das Lloyd Webbersche Phantom, und er war in der “Highlight Album”-Fassung von Frank Wildhorns “Jekyll & Hyde” der Arzt und Dämon.

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