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“DO NOT LET THEM” - Rocker Sebastian Bach aus Musical-Produktion “Jesus Christ Superstar” gekickt


Im Branchenfachblatt Playbill liest es sich ziemlich trocken: “Die Produzenten der US-Tourproduktion “Jesus Christ Superstar” haben Sebastian Bach gekündigt. Er wird nicht mehr im Rahmen der Produktion auftreten.” How come, fragt sich da der Musical-Fan.
Sebastian Bach gilt seit Jahren, nach einer erfolgreichen Laufbahn als Leadsänger der Rockgruppe Skid Row, als charismatischer Musical-Darsteller. Als Jekyll & Hyde sorgte er dafür, dass eine ganze neue Publikumsschicht den Broadway stürmte, in der “Rocky Horror Show” und als “Jesus” war er der schillernde Star der Produktion.

Was streckt nun hinter dem plötzlichem Rausschmiss? Die Antwort: “Rock’n'Roll”. Bach ist es zu verdanken, dass Rock’n'Roll-Fans Musicals stürmten und ihn wie ein Rockidol feierten, cause er hatte Flair, … letzen Endes war das den Produzenten und eifersüchtigen Kollegen Bachs zu viel … sie mobbten ihn und kündigten ihn. Sie wollten den Rock’n'Roll aus der Show großteils streichen, vor allem aber die umjubeten Zugaben Bachs am Ende jeder Show. Macht aber nichts, so wird die Produktion im Nirvana des Musicaldurchschnitts verdümpeln, und Sebastian Bach wird im Steilflug einem neuen Karrierehoch entgegenfliegen, wie er in seiner Message an all seine Fans durchaus anklingen lässt. Bis dahin unterschreibe ich Bachs flammende Message:

But if they want to USE my fans & take your money without any consideration of what you are coming to see, then my advice to you is DO NOT LET THEM!

Nick McDonell - Das neue literarische Wunderkind


Es war einmal … Benjamin Lebert (was wurde eigentlich aus ihm?), der als Teenager mit seinem Roman Crazy den Buchmarkt und die Filmbranche in Furore versetzte. Seitdem hat man von Teenager-Bestseller-Autoren nicht mehr viel gehört … bis, ja bis Nick McDonell auftauchte und im Jahre 2002 im Alter von 17 Jahren mit seinem Roman “Twelve” (”Zwölf”) in den USA einen Bestseller landete. Sein Werk verfasste er in den Sommerferien, aber lassen wir ihn selbst schildern:

Part of it was that I only had the summer holidays. It’s hard to write when you’re going to school full-time. Part of it was out of necessity and I wanted to finish it before I had to go back to school and part of it was that it came quickly. The plot came all at once. I still have the paper I had the plot written on before I started the book and it hasn’t changed. The thing was I really wrote this book because I really wanted to do it so that will always be the case. I’m not going to do something just for the sake of doing it if I’m not passionate about it.

McDonells Debüt kommentierte die New York Times einfach so:

So schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid.

Der Playboy meint:

A dramatic debut. . . . An enthralling read about apathetic youth who have everything and nothing. [Patty Lamberti, Playboy]

Und worum gehts in “Zwölf”? Das lassen wir uns mal erzählen:

Paris ist viel besser als New York”, schreibt der heute 18-jährige Nick McDonell im Nachwort zu “Zwölf”. McDonell muss als Jugendlicher enorm an New York gelitten haben. Entsprechend düster ist das Porträt der Stadt, das er in seinem Romandebüt entwirft. Um den Drogendealer White Mike bildet sich eine Gruppe von reichen weissen Highschool-Schülerinnen und -Schülern, die von Party zu Party ziehen und sich unter anderem mit der Droge Zwölf volldröhnen. Höhepunkt ist die Silvesterparty bei Chris, wo es zu einem eigentlichen Feuerwerk kommt. McDonells Buch ist flott geschrieben und mit den zwei Erzählsträngen - da White Mikes Leben, dort die letzten vier Tage vor Silvester - spannend strukturiert. Doch das Werk ist als Verschnitt von Irvine Welshs Bestseller «Trainspotting» und Larry Clarks New-York-Film «Kids» nicht allzu originell. Die Originale überzeugen mehr: «Trainspotting» hat mehr Tiefgang, «Kids» ist realistischer. (net)”

Mittlerweile studiert McDonell in Harvard, “Zwölf” wurde in 11 Sprachen übersetzt, demnächst steht eine Verfilmung an, und das nächste Buch ist bereits in Arbeit - wobei das College für Nick Vorrang hat. Unter das Kapitel “leider zu spät” fällt folgende Veranstaltung: “29. März: Nick McDonell (18, USA) liest zusammen mit Tom Schilling (21, D) aus seinem Bestseller “Twelve”. Türöffnung 20h. Eintritt CHF 25.–. Studierende CHF 20.– Vorverkauf über Ticketcorner. Abendkasse geöffnet ab 20h. Zürich, Säulenhalle, Limmatstrasse 266, (Tram 4 bis Dammweg), 21h” [schade schade]

Mannheim bekommt Pop-Akademie

Mannheim ist nicht eben eine Stadt, die man weit über deutsche Grenzen hinaus kennen würde. Kulturell reiht es sich in keine der deutschen Hochburgen ein. Noch! Aber schon ab dem Wintersemester 2003/04 wird man in Mannheim an einer Pop-Akademie studieren können, wie sie es landesweit kein zweites Mal gibt.

Ob nun Gesang, Management oder Konzertveranstaltung – alles lässt sich für 500 Euro Semestergebühr theoretisch und auch praktisch an der neuen Akademie erlernen. 55 Studenten sollen jährlich nach jeweils drei Jahren Ausbildung ihren Bachelor of Arts machen. Diese 55 Studienplätze stehen schon jetzt 1000 Bewerbern gegenüber.

Als Dozent stellt sich u. a. Xavier Naidoo, Sohn der Stadt Mannheim, zur Verfügung. Er hätte es zu schätzen gewusst, erklärte der Soul-Sänger, hätte er seinerzeit die Möglichkeit gehabt, von Leuten zu lernen, die er respektiere.

Als »Starschmiede« versteht sich die Akademie ausdrücklich nicht. Aber als Sprungbrett in eine vielleicht doch erfolgreiche Zukunft wird sie sicher dem einen oder anderen eine kleine oder auch große Hilfe sein.

DAVID ROTT - das Juwel der “Agenten”

Neben August Diehl ist mir bei meinen Theaterbesuchen in den letzten Jahren ein Schauspieler aufgefallen, der meiner Meinung nach das Zeug hat, ein ganz Großer zu werden: David Rott. Vor ein paar Jahren noch war er wohl nur Wiener Theaterbesuchern ein Begriff, mittlerweile jedoch hat er einen Film gedreht (”Ganz und Gar”), erhielt dafür 2003 den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller auf dem Max Ophüls Festival und ist Ensemblemitglied des renommierten Deutschen Theater Berlin - und wie hieß es lange Zeit so schön: “Wer es ans Deutsche Theater geschafft hat, ist angekommen. Endstation DT - im positiven Sinn”.

David Rott, Jahrgang 1977, absolvierte in Wien das Max Reinhardt Seminar, wo er unter anderem von den Schauspielerlegenden Inge Konradi und Klaus Maria Brandauer unterrichtet wurde. Nach Engagements am Landestheater St. Pölten, in Bregenz, Bremen und Altaussee wurde Rott mit Beginn der Spielzeit 2000 ans Burgtheater Wien engagiert. Er spielte dort unter anderem in Sarah Kanes “Gier” und den Moritz Stiefel in Christina Paulhofers Inszenierung von Frühlings Erwachen.

War er am Wiener Burgtheater in nicht allzu vielen Produktionen zu sehen, so scheint er am Deutschen Theater Berlin gut ausgelastet zu sein. Derzeit ist er als Happy in “Tod eines Handlungsreisenden”, als Haimon in “Antigone”, als Kurt in “Totentanz” und als Orin Mannon in “Trauer muss Elektra tragen” zu erleben. Einer großen Karriere steht nun nichts im Wege. Auch sein Management kann sich sehen lassen. Einer seiner “Kollegen” bei den Agenten ist kein Geringerer als August Diehl.

6 Schriftsteller, 6 Regisseure, 24 Schauspieler und 24 Stunden Zeit


… das sind die wichtigsten Zutaten für die “24 HR. Plays”. Rechnet man die Production Staff dazu, kommt man auf zirka 50 Leute.
Wie entsteht nun so ein “24 HR. Play”? Nun, wenn einmal der Tag der Produktion der 24-Stunden-Schauspiele gekommen ist, treffen sich alle Beteiligten um 22 Uhr am Vorabend der Aufführung zur Initialisierung ihres Rituals. Man bespricht am Ort des Geschehens (also im Theater) die Details und lässt danach die 6 Schriftsteller alleine. Ihre Aufgabe ist es, bis 7 Uhr morgens je ein 10-Minuten-Schauspiel zu verfassen. Punkt 7 Uhr morgens treffen die Regisseure ein und übernehmen. Sie lesen die brandneuen Werke, besprechen sich und beginnen mit dem Casting. Um 8 Uhr morgens stoßen die Schauspieler zur Gruppe, die Proben beginnen um 9 Uhr. Von 17 Uhr bis 19:30 finden die letzten Proben statt, pünktlich um 19:45 wird das Publikum eingelassen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung.
Seit 1995 sind auf diese Art und Weise über 200 10-Minuten-Schauspiele entstanden und zur Aufführung gebracht worden. Keine üble Idee das. Wann steigt Schlingensief ein?

Von “… you” bis “Fuck you” - J. D. Salingers “Der Fänger im Roggen” in neuer Übersetzung erschienen


“Der Fänger im Roggen” dürfte eigentlich jedem ein Begriff sein. Manchen liegt er unangenehm im Magen - auch als Resultat missglückten Englischunterrichts - manchen ist er so etwas wie ein ewiger Begleiter geworden.
Bis dato war der Kultroman in deutscher Sprache
1) in einer Übersetzung von Irene Muehlon aus dem Jahr 1954 (publiziert im Zürcher Diana Verlag) erhältlich;
2) ab 1962 in einer durch die Übersetzungsbrille von Heinrich Böll überarbeiteten Version, (bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht).
Beide Versionen beruhen auf der ersten britischen Ausgabe des Werks, die 1951 durch den Verleger Hamish Hamilton veröffentlicht wurde. 1958 wurde diese Version als Penguin-Ausgabe publiziert und war von da an praktisch 40 Jahre die Referenzausgabe weltweit.
Das Problem: Diese Ausgabe ist ein Torso des wahren Originals. Englischer Prüderie fielen große Teile des Originalslangs, der originellen Vulgärsprache zum Opfer. Erst 1995 erschien eine unzensierte englische Originalversion, und auf der beruht
3) eine Neuübersetzung durch Eike Schönfeld. In der FAZ kann man ein paar nette Gegenüberstellungen von Neuübersetzung und Böll-Version nachlesen. Kaufen!

Und dann kam doch alles anders … “Urban Cowboy” bekommt “letzte Chance”


In allerletzter Minute erhält das Broadway-Musical “Urban Cowboy” noch eine Chance. Am Ende der “letzten” Vorstellung kam Regisseur Lonny Price auf die Bühne und verkündete dem Publikum und der angesichts der vergangenen Ereignisse geschockten und völlig überraschten Cast, dass die Show weiter am Spielplan stehen werde. Wortwörtlich sagte Price:

We have the greatest producers in the world, Chase Mishkin and Leonard Soloway. And they just informed me that we are not going to close tonight!”

Na, wenn das nicht gute Nachrichten sind …

Der traurige “Urban Cowboy” oder wie Broadways Kritiker ein Musical in den Ruin treibe


Am 27. März 2003 feierte das neue Broadway-Musical “Urban Cowboy” seine Premiere. Alle Beteiligten hofften auf einen Triumph - und warteten auf die so gewichtigen Kritiken der New Yorker Kulturjournalisten. Konfrontiert sahen sich am Ende des Tages alle Beteiligten mit den verheerendsten Kritiken dieser Saison. So verheerend, dass die Produzenten beschlossen, die Show bereits am 29. März 2003 wieder abzusetzen, nach insgesamt 4 (in Worten: vier) regulären Vorstellungen.
Es trauern: Lonny Price (Regisseur der Show, verantwortlich unter anderem für Hits wie “A Class Act”), die Choreographin Melinda Roy, Aaron Latham (Book), Chase Mishkin (Produzent), Leonard Soloway (Produzent), Matt Cavenaugh (Hauptdarsteller) sowie die gesamte Cast (Leo Burmester, Marcus Chait, Sally Mayes, Rozz Morehead, Jodi Stevens,Michael Balderrama, Mark Bove, Gerrard Carter, Nicole Foret, Lisa Gadja, Justin Greer, Michelle Kittrell, Brian Letendre, Barrett Martin, Kimberly Dawn Neumann, Tera-Lee Pollin, Chad L. Schiro, Kelleia Sheerin und Paula Wise).
“Urban Cowboy” beruht auf dem gleichnamigen Filmhit, in dem John Travolta und Debra Winger weltweit begeisterten. Musikalisch wurde die Show von Musical-Genie Jason Robert Brown broadwaytauglich gemacht. Nach vielen Jahren der Entwicklung übernahm er im letzten Jahr den letzten Schliff an der Show. Seine Arbeit wurde während der Tryouts in Florida mit einer Reihe ausverkaufter Vorstellungen und wohlwollenden Kritiken belohnt.
Am Broadway hat der Cowboy ausgeritten! [story]

Dumme weiße Menschen


Michael Moore ist schon ein mutiger Mann. Drehte in den Staaten einen Dokumentar-Film über us-amerikanischen Waffenfanatismus. Doch er wurde belohnt, und zwar mit einem Oscar. Und da wurde Michael Moore noch mutiger. Denn anstatt anlässlich der Oscar-Verleihung eine Rede zu halten, wie wir sie schon 1.000x gehört haben – »Ich danke dem Team und meiner Mami« –, schleuderte er harte Worte gen Washington D.C.; also richtig harte Worte und nicht etwa leise Zwischentöne: »Wir sind gegen diesen Krieg! Schande über Sie, Herr Bush, Schande über Sie!”
Schande, das war aber direkt! Doch schon nach ca. 45 Sekunden war Schluss mit lustig, man überspielte Moores Worte mit Musik. Der gab sich geschlagen und zog von der Bühne.
Aber mit einem Lächeln auf den Lippen und wohl wissend, dass man nun in aller Welt über ihn sprechen würde. Und der eine oder andere Journalist, der über ihn berichtet, wird wohl nun auch dezent auf Moores Buch verweisen: Stupid White Men. Erfolgreich war’s schon vorher, aber man kann eigentlich ja auch gar nicht erfolgreich genug sein.
Übrigens wird “Stupid White Men” gleich acht Mal im Rahmen der LitCologne, dem großen Literaturfest, das aus Köln so eine Art “Cannes der Literatur” macht, in einer szenischen Lesung zum Besten gegeben. Und zwar an acht verschiedenen Tagen in acht verschiedenen Veranstaltungsstätten. Los geht’s am Sonntag, 30. März 2003 im Comedia Theater. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Man sieht sich?

Von “Stand by me” zum “Weblogger” des Jahres: “I blog, therefore I am”


Es war einmal … ein Junge, der mit einem Film für lange lange Jahre zum Filmstar per se avancierte. Sein Name: Wil Wheaton. Sein Durchbruch: Stand by me (1986), ein Film von Rob Reiner nach einer literarischen Vorlage von Stephen King. Mittlerweile hat es Wheaton auf bis dato 46 Filme gebracht, auf jede Menge Gastauftritte in bekannten TV-Serien, er ist nach wie vor gut im Geschäft … und er ist einer der prominentesten Blogger dieses Universums.
Wil Wheatons Weblogg bietet einen interessanten Einblick in das tägliche Leben eines “Prominenten”. Wer würde schon annehmen, dass ein Filmstar eine Art Tagebuch öffentlich zugänglich im Netz lanciert. Wheaton macht es, und was er schreibt, kann manchmal auch als wichtige Botschaft an alle seine Leser, vor allem seine amerikanischen Fans, verstanden werden:
“March 20, 2003: A time for war, a time for peace. I don’t support this war. I believe that Mr. Bush’s justifications for it are based on lies. I believe that he has lied to the American people, and to the world. I believe that there is a small group of people within Mr. Bush’s administration who have wanted to invade Iraq since the mid-1990s. The horriffic terrorist attacks on September 11th, which have nothing to do with Iraq and everything to do with Saudi Arabia, have been exploited by this small group of people to justify this invasion. While I believe that Saddam Hussein is a terrible despot, I do not believe that this action is worth one American life, and I hope for the speedy return of all military forces to their families. May Peace Prevail On Earth.”

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