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Archiv - 2007

Musical Forever, Wiener Museumsquartier, 19. Dezember 2007

Musical Forever

Musical Forever

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Das Märchen vom kohlrabenschwarzen Kaisersemmerl

Es war einmal ein Brötchen. Wir in Österreich sagen ja Semmel dazu. Das Brötchen, von dem wir reden, war keine normale Semmel, es war eine Kaisersemmel, der absolute Star unter den Brötchen. Vor vielen Jahren, als es in einer berühmten Bäckerei mit traditionsreicher Geschichte kreiert wurde, sorgte es Furore. Wenn der Bäcker seine Brötchen aus dem Ofen hob und sie heiß und duftend auf der Palette in den Korb rutschten, warteten die Kunden schon sehnsüchtig auf ihre Kaisersemmeln. Einige hätten sich fast umgebracht, wenn sie nicht mehrmals wöchentlich ihr Semmerl bekommen hätten. Sie schrieben dem Bäcker Briefe, in denen sie damit drohten, sich mit Kandisin das Leben zu nehmen - alles, nur um an ihre Brötchen zu kommen.

Der gute Ruf der Brötchen sprach sich schnell herum, und der Bäcker konnte sich bald aussuchen, wo er seine Backkünste vollbrachte. Schnell wurde seine ganz spezielle Kaisersemmel in Gourmet-Umfragen zur europaweiten Nummer 1 gewählt, und das viele Jahre hintereinander.

Eines Tages passierte dem Bäcker ein Missgeschick. Eine ganze Partie an Brötchen geriet ihm zu dunkel. Die Semmeln waren bestellt, er musste liefern, keine Chance, die Kunden zu vertrösten. Voller Sorge beobachtete er, wie die ganze Lieferung ein wenig zu dunkel geratener Kaisersemmeln an die Kunden verkauft wurde. Und siehe da: Niemand beschwerte sich. Alle waren zufrieden. Niemand wollte sein Geld zurück. Ein schwerer Stein fiel dem Bäcker vom Herzen. Niemals sollte ihm das nochmals passieren, schwor er sich und ließ seinen Backofen generalüberholen.

Lange Zeit ging alles wieder glatt, auch wenn sich der Bäckermeister immer wieder eingestehen musste, nur noch mit viel Glück an seinen ehemaligen Standard heranreichen zu können. Ab und zu kam es vor, dass eine ganze Partie an Brötchen tiefdunkel aus dem Ofen kam. Mittlerweile dachte er freilich nicht mehr daran, die Brötchen etwa wegzuwerfen, nein, er verwendete nun in der Auslage ganz spezielles Licht, um seine Brötchen künstlich heller aussehen zu lassen. Wow, das klappte echt gut. Als das Ganze immer schlimmer wurde und seine Brötchen immer dunkler, engagierte er eine Marketingagentur und präsentierte seine Ware in speziellen designten Körben mit der Aufschrift “Die besten Kaisersemmeln Europas - seit 20 Jahren”. Die Kunden waren begeistert. “Die besten Kaisersemmeln”, das war genau das, was sie wollten. Sie dachten sich zwar manchmal, dass diese Semmeln doch ziemlich verbrannt, zumindest aber zu dunkel waren, aber hey, es waren immerhin “die besten”. Irgendwann begannen sie sich zu fragen, ob nicht die anderen, hellen Brötchen die schlechten, und die dunklen die wirklich guten wären. Wenn sie die Semmeln ihren Freunden servieren wollten, lehnten diese zwar schon lange es ab, so etwas auch nur kosten zu wollen, aber die Fans der “besten Kaisersemmel” blieben ihrem Brötchen treu, selbst auf Kosten so mancher Freundschaft. Sie gründeten Clubs, organisierten Brötchen-Verkostungsabende und luden den Bäcker zu Vorträgen über die Kunst des Brötchenbackens ein.

Eines Tages verbrannten dem Bäcker seine Brötchen völlig. Sie waren nicht mehr dunkel, sie waren kohlrabenschwarz. Was sollte er machen? “Da musst du durch”, sagte er sich, “die fressen doch eh alles, was ich mache.”

Und ist er nicht gestorben, so bäckt der Bäckermeister auch heute noch seine Kaisersemmeln, die besten in ganz Europa.

Dan Fogelberg (1951-2007)

Im Alter von 56 Jahren ist Daniel Grayling “Dan” Fogelberg (* 13. August 1951 in Peoria, Illinois; † 16. Dezember 2007 in Maine) am vergangenen Sonntag in seinem Haus in Maine den Folgen seiner Prostatakrebserkrankung erlegen.

Seine Frau war bei ihm, als Fogelberg um 6 Uhr morgens starb. Als der Sänger 2004 von seinen Ärzten die Diagnose “Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium” erhielt, ließ er seine Fans in einer Presseerklärung wissen:

It is truly overwhelming and humbling to realize how many lives my music has touched so deeply all these years. … I thank you from the very depths of my heart.

Fogelberg erreichte in den 1970er und 1980er Jahren Superstar-Status. Viele seiner Platten erreichten Platin- und Multiplatinstatus, mit Hits wie “The Power of Gold” und “Leader of the Band” toppte er die Charts.

Fogelbergs letztes Album “Full Circle” erschien 2003, im Jahr darauf wurde bei ihm die tödliche Krankheit diagnostiziert.

Musical! Die Show - Folge 4

Würde es auch einen Sieger der vierten Folge von “Musical! Die Show” geben und nicht nur eine Verliererin, dann wäre es für mich Werner Mai. Einfach deswegen, weil er am wenigsten Fehler gemacht hat. Einfach, weil ihm die im Vergleich zu den anderen Kandidaten völlig überzogene Kritik durch die Juroren nichts anhaben kann.

“Gold von den Sternen” aus “Mozart!” musste er performen, ein Lied, das normalerweise eine Frau singt. Zusätzlich hätte man auch gerne noch mehr Körpereinsatz gehabt. Das ist völliger Humbug, denn kaum würde er das geben, käme als Retourkutsche die Anmerkung, unmotivierte Musicalgesten doch zu unterlassen. Werner Mai, das muss jeder bemerkt haben, der dem Auftritt Aufmerksamkeit widmete, hat das Lied dargestellt. Damen und Herren, wir sind im Fernsehen, da bedient man sich anderer Mittel als im Theater, und entweder weiß Werner Mai das gut für sich zu nützen oder er macht es intuitiv richtig. Manche schaffen mit ihren Augen, was andere gar nicht schaffen.

Mai ist der klassische Underdog, den es in den meisten Castingshows gibt. Nicht immer gewinnen sie den Wettbewerb, aber sie machen die Show, und oft auch Karriere. Insofern muss man sich um Mai keine Sorgen machen.

Nazide kopierte Jennifer Holliday (nicht Melanie, wie Alexander Goebel meinte), sie kopierte Gesten, sie kopierte sogar die Art und Weise, wie die legendäre Holliday sich den Song zu eigen machte. Natürlich scheiterte Nazide mehr als deutlich, ihre Stimme, die sonst so ausdrucksstark wirkt, kam bei “And I am telling you” sehr sehr schwach rüber. Wenn jemand tatsächlich mal Jennifer Holliday gehört und gesehen hat, dann weiß er, wie unverwechselbar diese Darstellerin ist. Holliday grunzt vor Verzweiflung, sie schreit, sie ächzt, sie stöhnt, sie LEBT den Song. Kopieren war der falsche Weg. Wer einfach nur kopiert, fühlt nicht.

Ansonsten ist zur Show nicht viel zu sagen. Vincent Bueno kann tanzen, das wissen wir alle, stimmlich schien er indisponiert. Ein Graus waren die Darbietungen von Eva (”Holding out for a hero”) und Gudrun (”Bohemian Rhapsody”).

Alexander, der einen Falco-Song gab, als “wunderbar” zu bezeichnen (Fuhrmann), halte ich für blanken Hohn. Text vergessen, wieder falsch gesungen, klassisches Overacting - DAS ist also Musical?

Entzückend wie immer Caroline Vasicek als Gastjurorin, die am Ende der Show aufgewühlter schien als die Kandidaten selbst.

Raus musste Nazide. “And I am telling you” aus “Dreamgirls” ist eine einsame Song-Liga, die nur ganz wenige Ausnahmekünstlerinnen in Angriff nehmen. Nazide wurde “And I am telling you, I’m not going” zum Verhängnis. Zu 80 Prozent ist diese Entscheidung der Liedwahl durch den ORF zuzuschreiben. Wie auch immer, sie musste gehen.

Golden Globes 2008 - Die Nominierungen aus “Musical”sicht

Seit 1944 kürt die Hollywood Foreign Press, die aus rund 100 internationalen Journalisten besteht, jedes Jahr die besten Kinofilme und Fernsehsendungen. Heute wurden die Nominierungen für diese begehrten Auszeichnungen, die Golden Globes, bekanntgegeben. Auf insgesamt vier Nominierungen brachte es “Sweeney Todd”, John Travolta darf sich für “Hairspray” Chancen auf einen Preis ausrechnen, und mit “Enchanted” konnten Alan Menken und Stephen Schwartz zumindest eine Nominierung ergattern. Verliehen werden die Golden Globes 2008 am 13. Januar 2008 im Beverly Hilton in Hollywood.

Die “musicalrelevanten” Nominierungen:

Sweeney Todd
Best Motion Picture - Musical Or Comedy
Best Performance by an Actress in a Motion Picture - Musical or Comedy (Helena Bonham Carter)
Best Performance by an Actor in a Motion Picture - Musical Or Comedy (Johnny Depp)
Best Director - Motion Picture (Tim Burton)

Hairspray
Best Performance by an Actor In A Supporting Role in a Motion Picture (John Travolta)

Enchanted
Best Original Song - Motion Picture: “That’s How You Know” – Music By: Alan Menken; Lyrics By: Stephen Schwartz

Wiener Urania: Musicalschwerpunkt 2008/09

2008/09 präsentiert die Wiener Urania eine Reihe musicalischer Themenveranstaltungen zu den Lebensbiografien großer Persönlichkeiten aus dem Bereich Musik und Entertainment.

Im Februar 2008 feiert ein Werk René Rumpolds (Sänger in den Sparten Oper, Operette, Musical und Lied sowie Regisseur, Autor und Schauspieler) Wien-Premiere, das den musikalisch-biografischen Weg des Komponisten George Gershwin nachverfolgt. Nach der Uraufführung von “The George Gershwin Story” in Baden bei Wien und vor der englischen Uraufführung in New York und Boston/USA sieht man René Rumpold und Ingrid Habermann wieder - diesmal an der Wiener Urania.

Nach George Gershwin wird im Herbst 2008 ein Werk über Edith Piaf und im Frühling 2009 ein Werk über Marlene Dietrich aufgeführt.

The George Gershwin Story
Wien-Premiere: 14.2.2008, weitere Vorstellungen: 19., 26. und 28.2. und 4.3.2008
Vorstellungsbeginn: 20.00 Uhr / Einlass: 19.30 Uhr

Buch und Regie: René Rumpold
George Gershwin: René Rumpold
Die Frauen in Gershwins Leben: Ingrid Habermann
Musikalischer Leiter: Frizz Fischer
Veranstaltungsort: Wiener Urania - Mittlerer Saal –
Uraniastraße 1 - 1010 Wien

Eintritt: Euro 18,- pro Person Abendkassa / Euro 15,- pro Person im Vorverkauf sowie für Ö1 Club Mitglieder

“Musical! Die Show” präsentiert Werner Mai als Baronin von Waldstätten

Vielleicht muss man es mir erklären, als wäre ich sechs Jahre alt. Kann sein. Also. Im ORF läuft eine Show zum Thema Musical. Die Kandidaten werden von der Jury dieser Show immer wieder dazu ermuntert, die Rollen, die sie mit ihren Liedern transportieren, auch zu spielen. Nun will es der Herr Zufall, oder wer immer dafür verantwortlich ist, dass einer der Kandidaten, Werner Mai, in der nächsten Sendung das Lied “Gold von den Sternen” zu singen hat, aus dem Musical “Mozart!” (ein Lied, das Wolferl singt, wäre ja auch eine zu logische Wahl gewesen, eh kloa). Im Musical singt diesen Song Baronin von Waldstätten. Hm. Ist das eine Umdeutung? War sie eine der ersten Drag Queens der Geschichte und erleben wir mit Werner Mais Interpretation eine wunderbare Neuinterpretation? Fragen über Fragen.

Nazide darf “And I’m telling you” aus “Dreamgirls” singen. Was das Thema Fehlbesetzung betrifft, stellen die Sendungsverantwortlichen damit ohnedies alles in den Schatten. Mehr geht einfach nicht.

Nehmen wir also zur Kenntnis, dass diese Sendung mit Musicals im engeren Sinn nichts zu tun hat. Es ist Starmania mit Musicalsongs, nicht mehr und nicht weniger.

USA/National Board Review: “Sweeney Todd” einer der 10 besten Filme 2007

Alljährlich kürt das National Board Revue die besten Filme des Jahres. Man kann, wenn man möchte, das als ersten Fingerzeig in Richtung Oscars verstehen, interessant ist es allemal. Dieses Jahr findet sich auch eine Musicalverfilmung unter den Top 10 des Jahres: Tim Burtons “Sweeney Todd”. Tim Burton konnte auch die Kategorie “Best Director” mit “Sweeney Todd” für sich entscheiden.

Top Ten Films (In alphabetischer Reihenfolge)
THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES BY THE COWARD ROBERT FORD
ATONEMENT
THE BOURNE ULTIMATUM
THE BUCKET LIST
INTO THE WILD
JUNO
THE KITE RUNNER
LARS AND THE REAL GIRL
MICHAEL CLAYTON
SWEENEY TODD

Off-Broadway: Aus für “Frankenstein”

Dracula, Frankenstein, Vampire - irgendwie keine erfolgversprechenden Themen für New York. Das aktuelle “Frankenstein”-Musical (Musik: Mark Baron, Buch und Text: Jeffrey Jackson), das derzeit Off-Broadway im 37 Arts Theatre läuft, ist fast schon Geschichte. Heute, am 9. Dezember 2007, geht bereits die letzte Vorstellung über die Bühne. Insgesamt wird die Produktion auf 25 Previews und 70 reguläre Aufführungen kommen.

Eine Cast-CD soll in den kommenden Wochen produziert werden, immerhin hat man eine recht attraktive Cast mit Hunter Foster als Victor Frankenstein, Christiane Noll als Elizabeth und Steve Blanchard als The Creature sowie Jim Stanek als Henry und Mandy Bruno als Justine. Das Ensemble: Becky Barta, Nick Cartell, Casey Erin Clark, Struan Erlenborn, Eric Michael Gillett, Leslie Henstock, Patrick Mellen und Aaron Serotsky. Eine US-Tour wird von den Produzenten in Erwägung gezogen.

Musical! Die Show - Folge 3

Geld an sich ist keine Motivation. Geld ist abstrakt. Niemand erbringt Höchstleistungen, um Geld zu erhalten. Das merkt man der Sendung “Musical! Die Show” an. 50.000 Euro bekommt der Sieger. Super. Fragt man die Leute, was sie mit dem Geld machen würden, ist eine der Standardantworten: “Weiß nicht” oder “Mal sehen” oder “Vielleicht auf eine Musicalschule in Deutschland gehen”.

Genau so “klingt” dann auch die Show. Die dritte Folge war uninspiriert, sowohl, was die Performances der Kandidaten, als auch die musikalische Aufbereitung der Songs betrifft. Wildhorns “This is the moment” aus “Jekyll & Hyde” zimmerte man zu einem musikalischen Torso, bewusst ignorierend, dass der Song nichts anderes macht, als auf einen Höhepunkt hinzusteuern. Das wäre das Ziel gewesen, ein sehr konkretes.

Das Finale von “This is the moment” einfach zu kappen, ist andererseits bezeichnend für eine Sendung, in der man einen jungen Sänger, nennen wir ihn Vincent, als Traumtänzer in der Figur des Phantoms der Oper durch die Szenerie tapsen lässt. Das war mehr ein Raoul-Crossover als ein Phantom, da war nichts, aber auch gar nichts von dem da, was diese Rolle definiert, bis auf die Maske.

Hauptsache die Requisitenabteilung ist ausgelastet. Man hat sogar eigens die Songcontest-Abteilung angezapft und für Nazide den berühmt-berüchtigten Ventilator angeworfen. Kein Wunder, dass ihre “Totale Finsternis” dann wie Schlager für Angeschlagene geklungen hat.

Das waren die schlechten Aufritte, der Rest war dann wirklich ganz schlecht, wobei da nur einige der Teilnehmer tatsächlich etwas dafür konnten und es immer wieder interessant ist, wie unterschiedlich die Jury ihre Wertungen handhabt. Es gibt tatsächlich Teilnehmer, die rein vom Gesang her jeden Song in den Sand setzen dürfen und trotzdem von Sendung zu Sendung mehr Lob einsacken, mit dem Argument, dass das Schauspiel ja so toll war.

Andere bekommen Tanznummern, obwohl sie in der Realität nie für solche Rollen vorsingen würden, sie werden gelobt, weil sie sich das “getraut” haben. Leute, die tatsächlich Charisma haben, eine Ausnahmestimme und Potential, landen in dem, was man in den USA bei American Idol “bottom 2″ nennen würde.

Allerliebst die Erklärung von Alice für ihr Ausscheiden. Sie meinte, sinngemäß, das unbekannteste Lied bekommen zu haben - wir reden von “Mackie Messer” aus der Dreigroschenoper. Wow, das ist tatsächlich kreativ. Der wahre Grund liegt meiner Meinung ganz woanders. Die Verantwortlichen für die Arrangements wollten sich wieder mal in der Kunst des Grenzwertigen üben und verpassten der Nummer einen Swing-Rhythmus. Nun ist “Mackie Messer” nicht gerade die einfachste Nummer, und es wäre für Alice schon schwer genug gewesen, sie halbwegs gut über die Bühne zu bekommen. Dann aber das Ganze auch noch zusätzlich als Swing interpretieren zu müssen, ist einfach lächerlich. Wie lautet schnell noch das Motto der Show? Im Übrigen ist auch die Auswahl des Stücks grenzwertig, denn die Dreigroschenoper ist nunmal ein Theaterstück mit Musik, wogegen ja nichts einzuwenden ist, aber gibt es nicht genug “reine” Musicals?

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