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Archiv - Mai, 2011

Drama League Awards 2011 - die Gewinner

Am 20. Mai wurden die Gewinner der Drama League Awards 2011 bekannt gegeben. Die Liste der Preisträger liest sich wie folgt:

Distinguished Production of a Play
War Horse | Lincoln Center Theatre

Distinguished Production of a Musical
The Book of Mormon | Eugene O’Neill Theatre

Distinguished Production of a Revival—Play
The Normal Heart | John Golden Theatre

Distinguished Production of a Revival—Musical
Anything Goes | Roundabout Theatre Company

Distinguished Performance Award
Mark Rylance, Jerusalem and La Bête

Broadway: “Memphis”, “Rock of Ages”, “The 39 Steps” - nach wie vor Flops

Auf bisher 700 Vorstellungen brachte es die Broadway-Show “Memphis”. Eine Verfilmung, die auch in den Kinos starten soll, wurde produziert, vier Tony Awards wurden gewonnen und eine US-Tour steht in den Startlöchern. Und dennoch: Die Investoren warten nach wie vor darauf, dass die Show Gewinne macht.

Dieselbe Situation haben wir bei “The Addams Family” (500 Vorstellungen) und “The Million Dollar Quartet” (450 Vorstellungen) - und auch bei “Rock of Ages” (800 Vorstellungen).

Auf dem Sprechtheater-Sektor ist es nicht anders: “The 39 Steps” lief von 2008 bis 2010 am Broadway und hat nie Gewinne gemacht.

Die Wahrheit: Nur 20 bis 30 Prozent aller Broadway-Shows fahren tatsächlich Gewinne ein, und das sind keine Neuigkeiten, das war in den letzten 60 Jahren nie anders. Die Shows, die es schaffen, ihre Produktionskosten einzuspielen, erreichen dieses Ziel oft nur mit Müh und Not.

Richtige Hits, Blockbuster-Shows, gibt es pro Saison maximal zwei bis drei. Jüngstes Beispiel: “The Book of Mormon”.

Was hat sich in den letzten Jahren dennoch verändert? Man spielt Shows länger, versucht eine Trademark aufzubauen. Flops schließen seltener schon nach ein paar Tagen. Wenn es der Businessplan erlaubt, versucht man, auf Umwegen dennoch Geld aus einer Show zu holen. Zum Beispiel im Fall “The Addams Family” - einer Produktion, die bis jetzt zwei Drittel ihrer Kosten eingespielt hat. Produzent Stuart Oken:

Clearly, there are certain shows that do well enough to establish themselves and find an audience but do not to do well enough to clean up and pay back investors as quickly as used to be the case.
It depends on your business plan. In our case, we’re also trying to establish ourselves in the lexicon for years to come.

Oken setzt auf Publicity-Stunts und erwartet hohe Einnahmen, wenn Brooke Shields im Sommer 2011 in der Show mitspielt. Touristen bringen Geld, Touristen wollen Namen sehen.

Und: Man braucht Geduld. Charlotte Church (Broadway League):

I think ‘Memphis’ really is the classic example of that. They had to do a lot of special promotions to find their audience. Clearly they had problems in previews. They had to have the opportunity to overcome the tepid reviews. And now they’ve done that. They knew that if they could just get people to come and see it, they would tell their friends. And they were right.

Fazit: Dieser Tage kann es am Broadway ratsamer sein weiterzuspielen, als vorzeitig zu schließen.

Link
- Variety: Rialto hits still missing a payback

Matthias Bollwerk @”Die Päpstin”: Musicalpromotion mit Pfiff

Wenn man Matthias Bollwerk als Darsteller für ein Musical engagiert, bekommt man, wenn man will, ein Promotionpackage gleich mitgeliefert. Der Musicaldarsteller hat seit seinem Wiener Engagement bei “Frühlings Erwachen” 2009 seinen “Notizblog” am Laufen, in dem er in mittlerweile bereits 226 Folgen nicht nur sein berufliches Leben, aber viele Aspekte des beruflichen “Alltags” eines Musicaldarstellers im Theater, bei Proben, Premieren und Pannen, aber auch außerhalb des Theaters etwa bei Promotionauftritten covert.

Derzeit ist Bollwerk bei der Musicalproduktion “Die Päpstin” in Fulda engagiert, und auch hier bietet er in einigen Folgen seines “Notizblogs” Blicke hinter die Kulissen.

Folge 223: –> Fulda, die Erste
Folge 224: Die ersten Chorproben, Rom
Folge 225: Intro und Pseudo-Akrobatik, Jahrmarkt
Folge 226: Sterben üben
Folge 227: Chorprobe

Cooking Class

Theater Nestroyhof/Hamakom: Neurotic Lounge

28. Juni 2011
21:00bis23:00

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Vom 28. bis 30. Juni 2011 bringt das Theater Nestroyplatz/Hamakom die cross-over Lese-Performance “Neurotic Lounge”.

Juliane Gruner, Jaschka Lämmert, Lucy McEvil, Eduard Wildner und andere lesen Texte amerikanischer jüdischer Autoren wie Philip Roth, Woody Allen, Isaac Bashevis Singer, Maxim Biller, Melvin Jules Bukiet über das Thema Sex.

Es geht um amerikanische, urbane Wirklichkeiten in Slums und sozialen Ghettos oder bekannteren New Yorker Lebenswelten. Die Geschichten beschreiben innere Einsamkeiten wie furiose sinnliche Versuche, aus diesen auszubrechen. Sie erzählen aber auch (einfach) von der „Lust“ als Möglichkeit, sich von seiner Subjektivität zu befreien und die eigene Individualität wiederzufinden.

Die Geschichten sind stilistisch genauso heterogen wie die soziale Prägung ihrer Protagonisten: Vom „Stedtlbewohner“ zum „Stadtneurotiker“, im Spannungsfeld religiöser Tradition, die behindert wie auch beflügelt. Von jüdischen Klischees wie Klischees über Juden. Von der unanständigen „Rückführung“ eines Beschneidungsrituals als moderne Selbstfindung, einem chassidischen, schizophrenen Elvis Presley, von einem schamlosen freien Inzestverhältnis eines Geschwisterpaares in kleinbürgerlichen Milieus mitten in Brooklyn.

„Neurotic Lounge“ versucht der inhaltlichen und stilistischen Heterogenität dieser Geschichten formal gerecht zu werden und überlässt es dem Zuschauer wie viel „jüdische Textur“ er darin entdecken mag.

„Sex ist, wie die Religion, eine versöhnliche Macht, die soziale Ungerechtigkeit ausgleicht. In beiden seiner sinnlichen und fortzeugenden Prozesse schafft der menschliche Verkehr (in beiden seiner großartigsten Verkörperungen: nämlich Ficken und Schreiben) eine Entschädigung dieser Welt für Verlust, Mangel und, vor allem, Sterblichkeit. Sex und Geschichtenerzählen sind die Gaben, die aus einem Schneider einen König, aus einer Näherin eine Königin machen. Das Laken ist, wie das Blatt des Schriftstellers, ein sauberer, weißer Thron, der allen zugänglich und, weil jedes Geschenk seinen Preis hat, auch für alle gefährlich ist.“ [Melvin Jules Bukiet, Autor der Anthologie „Neurotica. Jewish writers on sex.“]

Neurotic Lounge
Eine cross-over Lese-Performance amerikanischer jüdischer Autoren über Sex.
Spieltermine: 28., 29. und 30. Juni 2011, jeweils 21.00 Uhr
Inszenierung: Frederic Lion
Mit: Juliane Gruner, Jaschka Lämmert, Lucy McEvil, Eduard Wildner u.a.
Raum: Andreas Braito
Live-DJ: Sweet Susie

Link
- Theater Nestroyhof/Hamakom

Dancing Stars: Alfons Haider oder der Mann, ders nie kapieren wird

Von Stunde Null an fühlte sich Alfons Haider, der personifizierte Publicity-Stunt in der ORF-Serie “Dancing Stars”, verfolgt. Verfolgt von einigen Promis wie Niki Lauda und Dagmar Koller, verfolgt von Medien und verfolgt von Bloggern. Und warum fühlte er sich verfolgt? Er meinte, man würde nicht goutieren, dass zwei Männer miteinander tanzen.

Das war aber nicht der wirkliche Grund, warum manche Medien so vehement auf das Vorgehen Haiders reagierten. In Wahrheit ging es nicht darum, dass zwei Männer miteinander tanzten, auch nicht darum, dass sie das im TV machten, es ging schlicht und einfach darum, dass damit ein Tanzwettbewerb ad absurdum geführt wurde.

Haiders Standardreflex, diese Kritik auf das Thema Sexualität hin zu interpretieren, spricht Bände und disqualifiziert ihn.

Mein Gott, Herr Haider, dass Männer miteinander tanzen, ist nun wahrlich nichts Neues, Sie sind nun bei Gott nicht der erste Mann, der mit einem Mann die Beinchen am Tanzparkett schwingt.

Könnten Sie bitte endlich zur Kenntnis nehmen, dass Sie bei “Dancing Stars” ausschließlich als Publicity-Stunt am Werke waren? Sie haben es doch schon lange vor Beginn der Show zugegeben.

Wenn diese Show auch nur Entertainment ist, die Jury musste sich regelrecht verarscht vorkommen, dass etwas zu bewerten war, das im Rahmen dieser Show nicht bewertet werden konnte. Zwei Männer tanzen nunmal anders als ein Mann mit einer Frau tanzt und, wie sie selbst ja so trefflich immer bemerkt haben, es gelten andere Regeln. Daher war es letztendlich ein Akt äußerster Unfairness, hier überhaupt anzutreten.

Sie können also gerne weiter das Opferlamm mimen, es wird Ihnen niemand abnehmen. Gehen Sie also in Würde, wie Sie meinten, aber gehen Sie.

Linktipp: Niklas & die Vampire - ein deutscher Miterdenbewohner besucht das Ronacher

… und schildert seine Eindrücke, die er bei einem Besuch von “Tanz der Vampire” gesammelt hat. Nachzulesen –> hier.

Sylvester Levays Internationaler Musikwettbewerb

Derzeit im Gange: Sylvester Levays Internationaler Musikwettbewerb, an dem 300 Interessenten aus acht Ländern teilgenommen haben. Die Vorrunden sind abgeschlossen, vom 29. bis 30. Juni findet mit den verbleibenden 50 Teilnehmern das Semifinale und am 1. Juli 2011 das Finale des Wettbewerbs statt. In einer Gala werden die Preisträger am 4. Juli im Budapester Operettentheater präsentiert.

Infos bietet die Website zum Wettbewerb –> hier.

IHS-Studie belegt einmal mehr Umwegrentabilität der VBW-Subventionen

Die Vereinigten Bühnen Wien präsentierten heute eine IHS-Studie, die beweisen soll, dass sich die Subventionen an die VBW auch rechnen. Per Presseaussendung wird gemeldet:

Pro Jahr investiert die Stadt Wien 37,3 Millionen Euro an Subventionen für die Vereinigten Bühnen Wien. “Mit dem Einsatz dieser Mittel ermöglichen wir nicht nur Musiktheater auf höchstem Niveau, sondern schaffen damit Arbeitsplätze und unterstützen das Wachstum der Wiener Wirtschaft. Jeder Subventionseuro kommt 2,3 Mal an die Stadt zurück. Insgesamt sind das 87,4 Mio. Euro an Wertschöpfung allein für Wien. Dazu kommen 1.529 Arbeitsplätze, die durch die Tätigkeit der VBW gesichert werden”, so Vizebürgermeisterin Brauner bei der Präsentation der IHS-Studie. [ots]

Das wiederum lässt sich die ÖVP nicht so einfach verkaufen, schon im Vorfeld vermutete VP-Kultursprecherin Isabella Leeb, die IHS-Studio würde als wissenschaftliche Unterfütterung für eine geplante Erhöhung der Subventionen an die VBW dienen.

Und glaubt man den Gerüchten im Rathaus, dann soll diese Studie als Argumentationshilfe dienen, um den Musical-Bühnen der Stadt mehr Geld zukommen zu lassen; möglicherweise in Form einer Abgangsdeckung, denn die Bilanz der Vereinigten Bühnen soll heuer nicht besonders rosig ausfallen. “Ein wirtschaftlich komatöser Patient wird mittels Subvention künstlich am Leben erhalten”, meint VP-Kultursprecherin Isabella Leeb. [derstandard.at]

Dem ist - natürlich - nicht so, hat doch die SPÖ in Wien die Grünen im Koalitionsboot, und die würden ohnedies am liebsten Musical im Weltall, gesponsert by NASA, aber keinesfalls aus den Mitteln des Wiener Budgets, sehen. Nur so einfach wirds wohl nicht werden, wenn man in der Küche mitkochen will. Das heißts auch manchmal mitmachen beim Zwiebelschälen.

Link
- orf.at: Nur Täuschung? Studie betont VBW-Erfolg
- Kurier: “Keine Kampfstudie für mehr Geld”
- derstandard.at: Wirtschaftsfaktor Musical
- wienweb.at: Vereinigte Bühnen zahlen sich aus
- ots.at: VP-Leeb: Jegliche Subventionserhöhung für Vereinigte Bühnen ist durch nichts zu rechtfertigen
- wien.gv.at: IHS-Studie belegt: Vereinigte Bühnen Wien rechnen sich
- oevp.at: Keine Subventionserhöhung für Vereinigte Bühnen!
- zukunftswissen.apa.at: Subventionen an Vereinigte Bühnen Wien unter der Lupe
- die presse.com: IHS-Studie zeigt bestens investierte Subvention für Vereinigte Bühnen Wien (VBW)

Die Tony Awards und die Kategorie Das “beste Musical”

Was haben

- “The Light in the Piazza”
- “Grey Gardens”
- “Wicked”
- “Caroline, or Change”
- “Next to Normal”
- “The Drowsey Chaperone”
- “Amour”
- “The Color Purple”
- “A Class Act”
- “The Wild Party”

gemein? Nun, sie waren zwar nominiert, haben aber den Tony Award in der Kategorie “Bestes Musical” nicht gewonnen.

Und was haben:

- “Memphis”
- “Billie Elliot”
- “In the Heights”
- “Spring Awakening”
- “Jersey Boys”
- “Spamalot”
- “Avenue Q”
- “Hairspray”
- “Thoroughly Modern Millie”
- “The Producers”
- “Contact”

gemein? Sie wurden als die jeweils besten Musicals ihres “Jahrgangs” mit dem Tony Award als “Best Musical” gekürt, sie sind die besten Musicals des 21. Jahrhunderts, bis dato, so es nach jener Jury geht, die die Tonys vergibt.

Dieses Jahr sind nominiert: “The Book of Mormon”, “Catch Me If You Can”, “The Scottsboro Boys” und “Sister Act”.

In der New York Times machte Kritiker Ben Brantley dieser Tage auf sich aufmerksam, als er die Show “The Book of Mormon” als das beste Musical des Jahrhunderts, also des 21. Jahrhunderts, bezeichnete (”the show that snared 14 Tony nominations this month and happens to be the best new musical (so far, anyway) of the 21st century”).

Kann man nur hoffen, dass die Tony-Jury sich da an seiner Meinung orientiert, denn fast könnte man anhand der Listen den Eindruck gewinnen, dass “Sister Act” am ehesten “Best Musical”-kompatibel ist.

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