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Archiv - Absurditäten

Der letzte Seufzer der Emanzen

Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass man in jedem Club 2 sämtliche Teilnehmenden mit Genderformeln maßregelt, Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass man Texte mit Genderformulierungen massakriert, und Emanzipation und Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass man einen Text wie die Bundeshymne “ergänzt”.

Wenn die Damen der im Parlament vertretenen Parteien eine gendermäßig “korrekte” Bundeshymne möchten, dann bitte: Erteilen Sie den Auftrag, eine neue Hymne zu texten, vergreifen Sie sich nicht am Werk einer Schriftstellerin. Es hat nichts mit “Gleichberechtigung”, sondern ausschließlich mit barbarischer Kulturlosigkeit zu tun.

Link
orf.at: Töchter kommen in die Bundeshymne

Focus erstellt Liste “der wichtigsten Autoren im deutschen Sprachraum” - ohne Sinn für Kunst und Verstand

Listen zu erstellen, ist eine feine Sache. Man kann das nach gut überlegten Kriterien machen oder gänzlich sinnfrei, als Anregung oder im Sinne eines Rankings. Und man kann es auch so machen wie das deutsche Magazin “Focus”, nämlich völlig sinnfrei. Sinnfrei warum? Sinnfrei aufgrund der Kriterien, die dazu dienen sollten, die “wichtigsten Autoren des deutschen Sprachraums” zu erheben. Es sind dies:

- Buch-Verkaufszahlen (25 Prozent)
- Berichterstattung der Publikumspresse (25 Prozent)
- Präsenz im Fernsehen (20 Prozent)
- Berücksichtigung bei Literaturauszeichnungen (15 Prozent)
- Platzierung in Fachmedien (5 Prozent)
- Platzierung auf Empfehlungslisten (5 Prozent)
- Platzierung im Google-News-Index (5 Prozent)

Ausgewertet wurde der Zeitraum 2005 bis 2010.

Ist es wichtig für die literarische Bedeutung eines Autors, im Fernsehen präsent zu sein? In welche Sendungen wird man Lyriker einladen, wenn sie nicht etwa über Sex mit Ziegen schreiben? Ist es wichtiger, im Fernsehen präsent zu sein als bei literarischen “Wettbewerben” ausgezeichnet zu werden?

Der Focus wundert sich über die Ergebnisse, die man aufgrund dieser Kriterien erhalten hat, und schreibt: “Renommierte Großautoren wie Siegfried Lenz, Christa Wolf oder Botho Strauß kommen nur auf hintere Listenplätze – auch weil die Medien über sie inzwischen weniger berichten als zum Beispiel über die Gewinner des Deutschen Buchpreises, Arno Geiger, Uwe Tellkamp oder Julia Franck.” Ist das ausschlaggebend für die generelle Bedeutung eines Autors?

Sascha Lobo, auf Platz 37 gereiht, wundert sich über die völlige Bedeutungslosigkeit dieses Focus-Rankings in der öffentlichen Wahrnehmung. Er schreibt: “Der Print-Focus ermittelte im Juni die 50 wichtigsten deutschsprachigen Autoren, ich bin auf 37. Irre, aber auch -levant. Das mediale Echo war 0. Es wurde nirgends erwähnt, keiner meiner 2149 Alerts ging los. Vielleicht sollte der Focus an seiner Resonanz feilen.”

Nein, man sollte lieber an der Auswahl der Kriterien feilen!

01 GÜNTER GRASS
02 MARTIN WALSER
03 HERTA MÜLLER
04 CORNELIA FUNK
05 PETER HANDKE
06 ELFRIEDE JELINEK
07 DANIEL KEHLMANN
08 MARTIN MOSEBACH
09 HANS MAGNUS ENZENSBERGER
10 INGO SCHULZE
11 ILIJA TROJANOW
12 RAOUL SCHROTT
13 PETER SCHNEIDER
14 WILHELM GENAZINO
15 ARNO GEIGER
16 GEORG KLEIN
17 FRANK SCHÄTZING
18 HANNS-JOSEF ORTHEIL
19 JULI ZEH
20 UWE TELLKAMP
21 FERDINAND VON SCHIRACH
22 MICHAEL KRÜGER
23 JULIA FRANCK
24 UWE TIMM
25 MORITZ RINKE
26 KAREN DUVE
27 WOLF HAAS
28 PETER STAMM
29 KATJA LANGE-MÜLLER
30 DURS GRÜNBEIN
31 WLADIMIR KAMINER
32 BRIGITTE KRONAUER
33 FERIDUN ZAIMOGLU
34 ELKE HEIDENREICH
35 KATHRIN SCHMIDT
36 JULIA SCHOCH
37 SASCHA LOBO
38 BERNHARD SCHLINK
39 SIBYLLE LEWITSCHAROFF
40 WALTER KAPPACHER
41 MAXIM BILLER
42 ALEXANDER KLUGE
43 CHRISTOPH HEIN
44 SIEGFRIED LENZ
45 CHRISTA WOLF
46 FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS
47 HANS CHRISTOPH BUCH
48 JANA HENSEL
49 BOTHO STRAUß
50 THEA DORN

Link
- Focus: Unsere Besten

Oida? Tanz?

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Und wer gerne mitbieten möchte –> hier gehts zum Schnäppchen.

Tanz der Vampire: Die Konsequenz der “Geheimlisten”

Am 25. Juni 2011 findet im Wiener Ronacher die letzte Vorstellung des Musicals “Tanz der Vampire” statt. Das Unternehmen VBW hat sich dazu entschlossen, die Tickets für diese Vorstellung nicht in den für alle zugänglichen freien Verkauf zu geben, sondern mittels einer geheimen Liste bei der Vergabe vorzugehen.

Die Konsequenz? Die Tickets landen unter anderem bei eBay, wo sie zu abenteuerlichen Preisen versteigert werden. So offeriert der Anbieter “prankenkrater” zwei Karten im 2. Rang (Kategorie rosa). Originalkaufpreis beider Tickets zusammen: 40 Euro. In diesem Kaufpreis ist schon der hundertprozentige Aufschlag inkludiert, den das Unternehmen VBW verrechnet. Derzeitiges Gebot für diese beiden Tickets: 200 Euro. (Zur Auktion gehts –> hier)
Über den virtuellen Ladentisch gingen die Tickets letztendlich um 291 Euro. 251 Euro Gewinn, da kann sich der glückliche Verscherbler 25 Mal “Ich war noch niemals in New York” ansehen um jeweils 10 Euro.
Ist das im Sinne der VBW? War das der Sinn der Geheimlisten-Aktion?

PS: Ein weiterer Hinweis, wie man, typisch für Wien, zu Karten kommt, findet sich –> hier. Aber vielleicht sollte man dieses Schauspiel für die Ewigkeit festhalten:

Spider (Benutzer) 18.06.11 01:24 - “Also, ich habe heute eine Karte für den 25. Juni 2011 im Ronacher bekommen!;) 2. PK und dass für weniger als 100 Euro!;) aber bissi mehr als 70 Euro!;)
Also, wenn man eine haben möchte findet man Wege eine zu bekommen! - freu mich schon!;)

Spider (Benutzer) 18.06.11 11:59 - “ja, weil alle meinten es sei so schwer.
Naja, mann muss hald teilweise die richtigen Leute kennen bzw zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. - leucht wars nicht!”

Und schließlich:

Spider (Benutzer) 18.06.11 13:13 - “Edit: ich habe die Karte weder aus dem Internet noch von einem Mitarbeiter der VBW! nur dass keine falschen Infos in Umlauf kommen.”

Man könnte fast von Karlsplatz-artigen Zuständen ausgehen, bei derartigen Postings.

“The Book of Mormon”: Preiskoller nach Tony-Gewinn

In neun Kategorien konnte das Musical “The Book of Mormon” bei den diesjährigen Tony-Awards Preise gewinnen, in vierzehn Kategorien war die Show nominiert.

Erste Reaktion der Produzenten: Sie erhöhten die Ticketpreise. Das teuerste Ticket in der Non-Premium-Kategorie kostet nun 155 Dollar. Eine Erhöhung um 13 Dollar.

Noch schöner wirds in der Thanksgiving-Woche, da kosten die teuersten Non-Premium-Tickets dann 175 Dollar. Sitze in der Mitte des Saales kosten 182 Dollar und werden nur paarweise verkauft.

Premium-Tickets kosten 302 Dollar unter der Woche und 352 Dollar von Freitag bis Sonntag.

Es ist, das ist Fakt und steht nicht zur Diskussion, Abzocke wie bei Mel Brooks’ “The Producers”. Brooks erhöhte die Ticketpreise allerdings nur um 9 Dollar. “The Book of Mormon” toppte dieses Abzockspiel.

Der Scherz des Tontechnikers

Die Oberösterreichischen Nachrichten berichten über das Linzer Musiktheater, das im April 2013 eröffnet werden soll. Leider steht zu befürchten, dass die Akustik in diesem Theater ein Graus wird, jedenfalls wenn man das folgende Zitat näher durchdenkt:

Tontechniker Robert Doppler will endlich einen Linzer Theaterraum optimal beschallen. So oft musste er sich für die miserable Akustik im Großen Haus entschuldigen. Sein Minimalziel sind „die akustischen Standards des Raimundtheaters und des Ronacher in Wien”.

Ausgerechnet das Ronacher als Qualitätsstandard, ein Haus, das einen Sound hat wie ein Bahnhof? Ein Haus, das in keiner Reihe optimal klingt? Ein Haus, das im 2. Rang eigentlich den Besuchern Schmerzengeld zahlen müsste, statt Eintritt zu verlangen?

Link
- Oberösterreichische Nachrichten: Rohbaustelle Musiktheater: Künstler auf Stipvisite

Und täglich grüßt das Murmeltier: Der ORF sinniert mal wieder über Musicalsubventionen

Als würde es kein anderes Thema geben, bringt der ORF gebetsmühlenartig alle paar Monate das Thema Musicalsubventionen ins Gespräch und macht sich damit zum verlängerten Arm einer eingeschworenen politischen Opposition.

Es sitzen immer nur wenige Menschen an den entscheidenden Stellen, die für die Themenauswahl verantwortlich sind. Wie wärs mit einem Feature über den Background und die Beweggründe jener Redakteure, die sich diesem Thema, das einen Neuigkeitswert wie ein “Österreich” von heute morgen hat, widmen.

Wer also die neuesten Erkenntnisse des ORF dazu hören möchte: –> hier gehts zum “Kulturjournal”: Thema “Wie viel Geld brauchen Musicals”.

Nächstes Thema vielleicht: Wie viel Fett braucht a ordentliche Wurscht oder Wie deppat muas a Voitrottel sein?

Link
ORF: Wie viel Geld brauchen Musicals

Wien: “Tanz der Vampire” - die Dernière

Die Wiener Produktion von “Tanz der Vampire” wird mit der Dernière am 25. Juni 2011 ihr Ende finden. Wie in Wien seit einigen wenigen Jahren bei den VBW üblich, befindet sich diese letzte Vorstellung einer Produktion nicht im Verkauf. Schon öfter gab es, so hört man, den Willen, den letzten Vorhang als reine Marketingparty zu feiern, die Tickets an ausgewählte Gäste und Partner zu vergeben. Hat bis jetzt nicht so wirklich geklappt, aber vielleicht ja diesmal.

Die “Fans” bekommen ihren Anteil heutzutage via Facebook (LINK). Da dürfen sie sich wie infantile Gören ausdenken, was Krolock nach dem letzten Vorhang wohl macht. Manchmal fragt man sich wirklich, wer hier als Zielgruppe definiert wurde. Wie doof muss man sein, um noch ins Musical zu dürfen?

Ein Theater lebt von seinen Besuchern, die VBW leben von ihren Besuchern. Keine Sorge, man wird es schaffen, auch noch den letzten Hardcore-Fan endgültig zu verlieren, denn so viele Megaseller wie “Tanz der Vampire” gibt es nicht, und es wird sich herausstellen, ob singende Nonnen im Zeitalter des Kirchenaustritts die Massen anlocken werden.

Eine Dernière gehört in den Verkauf!

Peter Kern über “Marketing” am Theater

Der österreichische Schauspieler Peter Kern in der FAZ, vor ein paar Wochen:

Seit drei Wochen probe ich in Frank Wedekinds „Lulu“ den Dr. Goll, Lulus ersten Ehemann, am Burgtheater unter der Regie von Jan Bosse. Tagelang warte ich auf den Anruf des Intendanten, dass er sich freut, mich am Burgtheater begrüßen zu können; oder zumindest, dass er es nicht verhindern konnte. Selbst bei der Müllabfuhr kommt einmal der Chef vorbei. Auch ich möchte von seiner Liebe getragen werden. „Das können Sie an diesem Haus nicht erwarten“, hörte ich aus der Direktion. Ich habe mich dann mit einem Werbespot des Intendanten für Meinl-Kaffee getröstet und mir gedacht, ihr sollt euer Marketing haben. Daraufhin stand in meinem Vertrag: „Öffentlichkeitswirksame Stellungnahmen und Äußerungen zur Produktion ,Lulu’ und zum Burgtheater seitens des Vertragspartners (Peter Kern) dürfen erst nach Abstimmung mit dem Regisseur und der Direktion veröffentlicht werden.“ [FAZ]

Der Fokus sollte bei diesem Zitat auf dem letzten Satz liegen, handelt es sich dabei doch um ein Vorgehen am Theater, das alles andere als unüblich ist. Marketing hat konkordiert stattzufinden - oder eben gar nicht. Und was heutzutage nicht alles Marketing ist. Spielt man beispielsweise einen Fischer in einem Stück über was auch immer und meint man in einem nicht abgesegneten Interview, XXXX-Fischstäbchen seien der größte Dreck auf Gottes Erdboden, was könnte da am Ende für wirtschaftlicher Schaden entstehen, wenn XXXX vielleicht gar Sponsor des Theaters ist. Heutzutage muss man Rücksicht nehmen. Armes Theater.

Das Rätsel “Jekyll & Hyde” in Linz

Am 28. Juli 2011 feiert am Landestheater Linz Frank Wildhorns Musical “Jekyll & Hyde” Premiere. Die Tickets dafür sind seit langer Zeit im Verkauf, wer allerdings in dieser oberösterreichischen Erstproduktion auf der Bühne steht? Das scheint niemand zu wissen. Auf der Website des Theaters steht zu lesen:

Und das Musicalfieber geht weiter: Am 28. Juli hebt sich der Vorhang des Großen Hauses für die heimische Musicalproduktion und oberösterreichische Erstproduktion Jekyll & Hyde. Erstmalig kommt es zu einer Zusammenarbeit der OÖ Kultureinrichtungen – Landestheater Linz, Landesmusikschulwerk, Landesmusikdirektion, Anton Bruckner Privatuniversität und MTA (Musical-Theatre Academy). An 16 Abenden wird der gruselige und melodiöse Thriller-Spaß mit arrivierten Solisten und heimischen Publikumslieblingen für wohlige Schauer sorgen.

Wenn Linz tatsächlich demnächst als “Musicalmetropole” durchstarten will, wird man noch ein wenig an der Vermarktung der Shows arbeiten müssen.

Link
- Landestheater Linz

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