Martin Bruny am Freitag, den
16. April 2010 um 01:22 · gespeichert in Musical, Wien, Skurriles
Am 20. April 2009 schrieb DIE PRESSE:
Das Ronacher wurde für 47 Mio. Euro zum zweiten Mal saniert. Es geht trotzdem nicht. Der neue VBW-Geschäftsführer Thomas Drozda, SP-nahe, tüchtig, will sich nicht auf die Wirtschaftskrise ausreden. Das ist löblich.
Das Argument, dass jeden Abend 2000 Plätze zu füllen halt nicht leicht sei, hat Drozda schon als Burgtheater-Geschäftsführer gebracht. Da hatte er aber in Klaus Bachler einen klugen künstlerischen Partner. Der fehlt Drozda jetzt, jedenfalls beim Musical. Dort lebt die Intendantin Kathrin Zechner ihre Ideen von Bildungstheater aus und übersieht, dass Musicals sich heutzutage an TV und Performance anpassen müssen. Die Bildsprache von C.S.I. ist das Vorbild, die Musik sollte z.B. wie Beyoncà© oder Peter Fox klingen. Altmodische, traurige Nummernrevuen sind out, so gut können sie gar nicht gemacht sein. [DIE PRESSE]
12 Monate später haben wir den Salat.
Martin Bruny am Donnerstag, den
15. April 2010 um 20:15 · gespeichert in Netz, Musical, Wien, Ausbildung

«Heart & Musicâ€, die Abschlussshow des 3. Jahrgangs der Performing Arts Studios Vienna, steht noch morgen, am 16. April 2010, ein Mal am Programm des Wiener Akzent Theaters.

Unter der Regie von Rita Sereinig interpretieren Lisa Habermann, Julia Hinteregger, Denise Jastraunig, Hannah Kunz, Tabea Lendi, Rupert Preißler, Christian Schild, Bettina Schurek sowie Lisa Tatzber 34 bekannte Shownummern, von Solos über Duette bis hin zu großen Ensemblenummern.

«Heart & Music†besteht aus acht Sequenzen, die thematisch durch Episoden verbunden sind, in denen die Studenten darstellen, warum sie ihren künstlerischen Weg für sich wählten. Diese Geschichten bilden den künstlerischen Bogen, der Auszüge aus bekannten Musicals wie «Footlooseâ€, «Wickedâ€, «Rentâ€, «Avenue Q†oder «Legally Blonde†umfasst.

Marie Landreth ist für die Musikalische Leitung zuständig, für die Choreografie verantwortlich sind: Sabine Arthold, Blair Darby, Tom Huber und Susi Rietz.

Die Fotografin Isabell Schatz hat sich die Hauptprobe dieser Show angesehen und eine Fotodokumentation erarbeitet, von der einige Aufnahmen in diesem Posting verwendet werden. Wer mehr Fotos von Isabell Schatz sehen möchte: Zu ihrer Website gehts –> hier

Theater Akzent: «Heart & Musicâ€
Termine: 16. 04. 2010, 19.30 Uhr
Preise: Euro 29,-/ 24,-/ 19,-/ 13,-
Kartenvorverkauf: 1040 Wien, Argentinierstraße 37 von Montag bis Freitag von 13.00 bis 18.00 Uhr und Samstag von 14.00 bis 18.00 Uhr Karten Hotline: 01/501 65/3306 www.akzent.at

Rechtzeitig zur Abschlussshow zeigt sich auch eine der Darstellerinnen von “Heart & Music” online per eigener Website: Denise Jastraunig. Ihre Homepage ist unter www.denise-jastraunig.at erreichbar.

Martin Bruny am Mittwoch, den
14. April 2010 um 23:57 · gespeichert in Musical, Wien
Sachbuchautoren, die zum Thema Management publizieren, lieben es, Managementtypen möglichst griffig zu kennzeichnen. Da treffen wir in der Literatur auf den Tiger-Manager, es gibt Managementtypen, die man Aesops Fabeln nachempfunden hat, und viele weitere, durchaus treffende Bezeichnungen. Müsste man das derzeit regierende VBW-Management Marke Drozda mit einer solchen Typenbezeichnung etikettieren, dann wäre “Eichhörnchen-Management” wohl am zutreffendsten. Jetzt, wo weite und neue Publikumsschichten an fahlen Vampiren und seichten Schifferln einen Narren gefressen haben, sollen die Vorräte in der Schatzkammer möglichst hoch aufgetürmt werden, denn irgendwann kommt so sicher wie das fehlende Amen im “Carpe Noctem” ein “Frühling” wieder, und was dann …
Ein probates Mittel, um an ein Mehr an Einnahmen zu kommen, ist es für ein Theaterunternehmen, die Eintrittspreise anzuheben. Oder, wenn das ohnedies in letzter Zeit in immer kürzer werdenden Abständen passiert, die Preisstruktur zu ändern. Das kennt man von Stage Entertainment. Da haben wir dann PK1 so weit das Auge reicht. Nun, Wien hat es nicht besser. Mit September 2010 ändern die VBW wieder einmal massiv ihr Ticketpreisgefüge im Etablissement Ronacher (wobei sich die Nebenfrage auch stellen würde, wodurch sich der Name eines Theaters ergibt: durch die Bezeichnung am Theater selbst, also “Etablissement Ronacher”, oder durch eine einfache Verkürzung auf diversen Papierdrucksorten, aber lassen wir das).
Im folgenden ein Update der letzten Preis- und Preisgefügeänderungen:
Insgesamt hat das Ronacher ab September 2010 in der Vampirausstattung statt 1001 nun 998 Sitzplätze (und 40 Stehplätze).
BIS MÄRZ 2010
Von diesen 1001 Sitzplätzen kosteten bis März 2010 87,05 Prozent 57 Euro (Fr und Sa) / 48 Euro (So, Mo, Di & Do) bis 98 Euro/ 78 Euro.
Nur die 120 Sitzplätze der Kategorie “grün” kosteten weniger, nämlich 35 Euro bzw. 28 Euro.
Für die billigste Kategorie (”rosa”, 8 Plätze) zahlte man 5 Euro.
AB SEPTEMBER 2010
Von den 998 Sitzplätzen kosten 90,5 Prozent 65 Euro (Fr und Sa) / 49 Euro (So, Mo, Di & Do) bis 109 Euro/ 89 Euro.
Nur die 67 Sitzplätze der Kategorie “grün” kosten weniger, nämlich 39 Euro bzw. 29 Euro.
Für die billigste Kategorie (”rosa”, 28 Plätze) zahlt man 10 Euro.
Die genaue Aufschlüsselung (bis März 2010)
Kategorie Gelb: 251 Sitzplätze (98 Euro / 78 Euro)
Kategorie Blau: 245 Sitzplätze (89 Euro / 69 Euro)
Kategorie Rot: 258 Sitzplätze (78 Euro / 62 Euro)
Kategorie Orange: 119 Sitzplätze (57 Euro / 48 Euro)
Kategorie Grün: 120 Sitzplätze (35 Euro / 28 Euro)
Kategorie Rosa: 8 Sitzplätze (5 Euro / 5 Euro)
Die genaue Aufschlüsselung (ab April 2010)
Kategorie Gelb: 251 (109 Euro / 89 Euro)
Kategorie Blau: 245 Sitzplätze (99 Euro / 79 Euro)
Kategorie Rot: 258 Sitzplätze (89 Euro / 69 Euro)
Kategorie Orange: 119 Sitzplätze (65 Euro / 49 Euro)
Kategorie Grün: 120 Sitzplätze (39 Euro / 29 Euro)
Kategorie Rosa: 8 Sitzplätze (10 Euro / 10 Euro)
Die genaue Aufschlüsselung (ab September 2010)
Kategorie Gelb: 240 (109 Euro / 89 Euro)
Kategorie Blau: 264 Sitzplätze (99 Euro / 79 Euro)
Kategorie Rot: 292 Sitzplätze (89 Euro / 69 Euro)
Kategorie Orange: 107 Sitzplätze (65 Euro / 49 Euro)
Kategorie Grün: 67 Sitzplätze (39 Euro / 29 Euro)
Kategorie Rosa: 28 Sitzplätze (10 Euro / 10 Euro)
Die Tendenz ist klar erkennbar: Die Eintrittsschwelle wird Stufe um Stufe erhöht. 90,8 Prozent der Tickets kosten ab September 2010 65 Euro bzw. 49 Euro und mehr, nur 95 Plätze im Theater gibt es um 39 Euro und weniger. Die Kategorie “grün” wurde praktisch halbiert. Einnahmenseitig ergeben diese Änderungen Mehreinnahmen von rund 1000 Euro pro Abend.
Noch ein Hinweis: Die ersten Tickets für die Wiederaufnahme von “Tanz der Vampire” im Herbst 2010 sind bereits erhältlich. Die Vereinigten Bühnen Wien haben allerdings noch nicht bekanntgegeben, wer von der derzeitigen Cast auch im Herbst noch im Ronacher zu sehen sein wird, beispielsweise als Krolock, als Sarah oder Alfred. Das wird aber mit Sicherheit wohl in den nächsten Wochen passieren.
Martin Bruny am Mittwoch, den
14. April 2010 um 21:44 · gespeichert in Musical, Awards
Fast ist es ja doch noch etwas früh, aber verdient ist es allemal: Am 22. April 2010 wird Michael Kunze in Berlin der von der GEMA gestiftete Deutsche Musikautorenpreis in der Kategorie “Lebenswerk” verliehen.
Die Begründung formuliert Moritz Eggert als Sprecher der Jury des Deutschen Musikautorenpreises folgendermaßen:
Michael Kunze ist ein wahres Universaltalent, der ein wahrhaft umfassendes Gesamtwerk vorweisen kannl. Musical, Oper, Schlager, Theater, Literatur, Film und Fernsehen - überall fühlt sich Michael Kunze gleich wohl. Da er der meistgenannte Autor bei ‘Die besten Jahrhundert-Hits’ des ZDF ist, kann man davon ausgehen, dass fast jeder sofort ein paar Zeilen seiner Lieder auswendig aufsagen kann, vielleicht aber dabei leider nicht wissend, von wem diese eigentlich stammen. Dem muss dringend Abhilfe geleistet werden - daher ist es uns als Jury eine besonderes Anliegen, mit dem diesjährigen Preis fürs Lebenswerk der Öffentlichkeit ins Gedächtnis zu rufen, dass nicht nur der Ton, sondern eben auch die Worte die Musik machen, die wir lieben.
Link
- mediabiz.de: GEMA ehrt Michael Kunze
Martin Bruny am Mittwoch, den
14. April 2010 um 19:20 · gespeichert in Musical, Wien
Das Donauinselfest 2010 nähert sich, und damit eines der ganz großen Open-Air-Events in Wien. Traditionellerweise treten die Vereinigten Bühnen Wien beim beliebten “Dif” mit einem “Best of Musical”-Programm auf. Nicht aber 2010. “Dieses Jahr wird “Best of Musical” nicht am Donauinselfest zu sehen sein”, ließ der Veranstalter wissen. Ob die VBW an einer anderen Show für das Donauinselfest arbeiten, ist noch nicht bekannt.
Martin Bruny am Dienstag, den
13. April 2010 um 14:25 · gespeichert in Absurditäten, Ungarn
… und dann sind sie aufgewacht, könnte man fast meinen, wenn man sich das Programm des Wiener Metropol ansieht. Das spielen Matà© Kamaras und Marcus Loeber am 19. Juni 2010 ihr neues Musikprogramm “We thought we were Rockstars”, und nach der Show gibt es ein “Meet & Greet”, für das noch mal Tickets um 15 Euro käuflich zu erwerben sind. Da nimmts, könnte man meinen, wer ganz genau …
Martin Bruny am Dienstag, den
13. April 2010 um 13:59 · gespeichert in Musical, Newcomer
Hunter Ryan Herdlicka (”A Little Night Music”, Broadway 2010) live im Birdland, am 12. April 2010. Er singt “Now” von Scott Alan.
Martin Bruny am Montag, den
12. April 2010 um 20:24 · gespeichert in Literatur, Musical, Theater, Awards
“Next to Normal”, das Rockmusical von Tom Kitt und Brian Yorkey, wurde mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie “Drama” ausgezeichnet und konnte sich damit gegen “The Elaborate Entrance of Chad Deity” von Kristoffer Diaz, “Bengal Tiger at the Baghdad Zoo” von Rajiv Joseph und “In the Next Room or the vibrator play” von Sarah Ruhl durchsetzen.
Die Preisträger erhalten neben all der Ehre eine Anerkennung finanzieller Art in der Höhe von 10.000 Dollar und reihen sich in eine Liste ziemlich bekannter Kollegen ein. Eine Aufstellung der Gewinner der letzten Jahrzehnte würde wie folgt aussehen:
2009: Ruined: Lynn Nottage
2008: August: Osage County: Tracy Letts
2007: Rabbit Hole: David Lindsay-Abaire
2006: Keine Preisverleihung
2004-05: Doubt: John Patrick Shanley
2003-04: I Am My Own Wife: Doug Wright
2002-03: Anna in the Tropics: Nilo Cruz
2001-02: Topdog/Underdog: Suzan-Lori Parks
2000-01: Proof: David Auburn
1999-00: Dinner with Friends: Donald Margulies
1998-99: Wit: Margaret Edson
1997-98: How I Learned To Drive: Paula Vogel
1996-97: Keine Preisverleihung
1995-96: Rent: Jonathan Larson
1994-95: The Young Man From Atlanta: Horton Foote
1993 94: Three Tall Women: Edward Albee
1992-93: Angels in America: Millennium Approaches: Tony Kushner
1991-92: The Kentucky Cycle: Robert Schenkkan
1990-91: Lost in Yonkers: Neil Simon
1989-90: The Piano Lesson: August Wilson
1988-89: The Heidi Chronicles: Wendy Wasserstein
1987 88: Driving Miss Daisy: Alfred Uhry
1986-87: Fences: August Wilson
1985-86: Keine Preisverleihung
1984-85: Sunday in the Park With George: James Lapine und Stephen Sondheim
1983-84: Glengarry Glen Ross: David Mamet
1982-83: ‘night, Mother: Marsha Norman
1981 82: A Soldier’s Play: Charles Fuller
1980-81: Crimes of the Heart: Beth Henley
Link
-Playbill: Next to Normal Wins 2010 Pulitzer Prize for Drama
Martin Bruny am Sonntag, den
11. April 2010 um 20:47 · gespeichert in Theater
Inspiriert von Tolstois Roman “Krieg und Frieden” setzt der Direktor des Wiener Burgtheaters, Matthias Hartmann, mit seinen Schauspielern auf das Theater als Erkenntnisraum und lädt das Publikum ein, an diesem Prozess teilzunehmen. Das Ganze ist ein Abenteuer, das jetzt den Titel trägt »Krieg und Frieden, Teile aus dem ersten Buch von Tolstoi«.
Matthias Hartmann:
Wir werden bis zur Schlacht von Borodino kommen. Im Roman geht es um das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen Zeit und eine alte Generation, die nicht versteht, was mit ihr passiert. Wir leben ja auch in einer Zeit, in der etwas zu Ende geht, und wissen ebenfalls nicht, was auf uns zukommt. Wenn die Genforscher morgen ein Mittel zur Unsterblichkeit finden, wird sich unsere Kultur schlagartig verändern. Es wird eine Art Selektion stattfinden. Wer bekommt das Privileg der Unsterblichkeit? Vielleicht werden die zukünftigen Kriege deshalb ausbrechen. Würmer kann man schon jetzt unendlich altern lassen.
Die ersten öffentlichen Proben sind am 14./15./17. und 19. April 2010 im neu gestalteten Kasino am Schwarzenbergplatz, anschließend wird weitergeprobt, und am 18. und 21. Mai kann sich dann das Publikum die nächste Probenphase ansehen.
Die Karten kosten 15,-Euro. Ermäßigte Karten für Schüler/Studenten/Zivildiener etc um 7 Euro
Kasino, Schwarzenbergplatz 1, 1010 Wien
Die Abendkassa öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn
KRIEG UND FRIEDEN
Teile aus dem Ersten Buch von Leo Tolstoi
Mit Elisabeth Augustin, Stefanie Dvorak, Sabine Haupt, Yohanna Schwertfeger, Mareike Sedl; Franz J. Csencsits , Sven Dolinski, Ignaz Kirchner, Peter Knaack, Fabian Krüger, Oliver Masucci, Rudolf Melichar, Udo Samel, Moritz Vierboom
Regie: Matthias Hartmann
Raum und Kostüm: Johannes Schütz
Musik: Karsten Riedel, Wolfgang Schlögl
Licht: Peter Bandl
Video: Hamid Reza Tavakoli, Moritz Grewenig
Dramaturgie: Amely Joana Haag
Martin Bruny am Sonntag, den
11. April 2010 um 18:01 · gespeichert in Sprache, Skurriles, Theater
— eine ehemals spannende Show — etwas belanglos. Routine lässt Theater manchmal langweilig werden. Wenn Gesten wie runtergespult wirken. Man kann sich noch erinnern, wie andere seinerzeit mit letztem Einsatz gespielt haben .. und jetzt so vergleichsweise wenig Einsatz, dafür aber so vergleichsweise viel Unechtes. Da - ein Ausbruch aus der Routine, also der Ton, puh, der war dann doch recht knapp, aber richtig oder falsch gibt es nicht mehr, hat mir wer unlängst gesagt. Alles nach Madonna ist sozusagen richtig, weil die hat ja immer zu tief gesungen und alle anderen haben sich darauf eingestellt. Klingt absurd, doch vielleicht ist es so? Ein kleines Perlchen Speichel am Kinn eines Hauptdarstellers lenkt beim großen Solo ab. Wird er es sich vor dem großen Schlusston noch abwischen? Wenn er zum Bett im Bühnenhintergrund geht und die Gelegenheit hätte, da er doch mit dem Rücken zum Publikum steht; vielleicht hat er es durch die Schminke gar nicht mitbekommen. Aber seine Tiefen kommen jetzt noch schöner, das ist etwas Positives, dafür ist auch er bei “seinem” Lied Routine pur. Die Highlights eines Abends. Ehemals war packende Naturgewalt auf der Bühne, immer mit sich selbst ringend, glühende Augen der Verzweiflung, mit Wucht alle Sinne, den ganzen Körper einsetzend. Jetzt steht da ein perfekt geschminkter Meister Propper, die schwarzen Linien an den Handkanten exakt gleich lang gezeichnet, wie mit einem Lineal gezogen. Das patentierte, geschützte und mit strengem Fotografierverbot belegte Schminkresultat wirkt, und dieser Wirkung ist sich der drahtige Herr auf der Bühne bewusst. Er weiß, dass ihm in seinem Panzer nicht viel passieren kann. Es sind bestimmte mechanische Bewegungen, die er ausführen muss, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Wenns gut geht. Wenn nicht, dann eben das nächste Mal. Es ist nur eine Vorstellung. Und die Zuschauer heute sind ohnedies nicht gut drauf. Gestern, ja gestern, da haben sie getobt, aber heute. Connection error. Shit happens. Rechts neben mir rauschen die Vampire über die Bühne und durch den Saal ab, am Rand schläft ein Elfjähriger fast ein. Kein Twilight-Effekt. Aber was will man mehr erwarten, hat ihm doch die Mama vor Showbeginn gesagt: “Also die ersten 30 Minuten passiert nichts, gar nichts.” Das Problem in diesem Theater: Wenn man vorne sitzt, hört man gut, aber man sieht zu viel, wenn man hinten sitzt, kann man sich einen Besuch eigentlich ersparen, weil man den Sound wie aus einer zerbeulten Blechdose gequirlt ins Gesicht geworfen bekommt. Also sitzt man vorne, ganz vorne .. und sieht jede aufgesetzte Mimik, dafür riecht man auch den Trockeneisnebel und zumindest hier: ein leichtes Erschauern; war er wirklich kühl oder ist das nur die Vorstellung, dass er kühl gewesen sein müsste. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Nicht alles ist aufgesetzt. Aber zu viel. Musical ist Gesang, Tanz und Schauspiel. Manches kommt zu kurz. Manchmal fehlt es gleich an zwei Disziplinen, aber vielleicht alles nur Tagesverfassung. Keine Frage, wenn man das für sich als Scheitern bezeichnen will, dann ist es ein Scheitern auf angemessenem Niveau. Aber bei den Preisen? Am Ende der Show der Lipsyncing-Overkill. Singt da überhaupt jemand live? Ja, Masken, Tanzen und so weiter, alles bekannt, wie soll man bei der Rumhupferei auch noch singen? Bekannt aber auch die Geschichten, beispielsweise der Dialog zweier Amerikaner: “Hör mal, wieviele Leute hast du eben singen gehört? Und wie viele waren auf der Bühne.” So entstehen Gerüchte. Manche meinen gar, Stimmen zu hören, die sie in den 90er Jahren auf der Bühne gehört haben. Aber da habe ich einen Spezialisten an der Hand. Michael Kunze. Er beantwortet auf seiner Website jede Frage, auch wenn sie noch so blöd ist, Und blöd ist meine ja nicht. Die Antwort ist fast wie erwartet ausgefallen, aber immerhin kaum 24 Stunden später online: “Ganz sicher werden in der Wiener Produktion keine Playbacks einer älteren Aufführung verwendet. Es gibt vereinzelt Zuspielungen von Soundelementen, wie das bei allen großen Produktionen üblich und unerlässlich ist. Ansonsten lege ich auf Live-Musik bei meinen Musicals großen Wert. Gerade in Wien, wo das hervorragende Orchester der Vereinigten Bühnen im Orchestergraben sitzt, wäre eine Playbackeinspielung absurd.”
Wie ebenfalls erwartet pflanzen sich am Ende der Show die PlatzanweiserInnen in den GartenzwergenkostümInnen wie Bajonette auf. Man wartet gespannt auf die ersten Bekloppten, die fotografieren wollen. Hat doch der Graf am Beginn der Vorstellung per Tonband extra gesagt, dass Vampire auf Blitzlicht irgendwie reagieren. Vermutlich würden sie alle auf der Bühne verdampfen. Es ist das alte Thema. Also lassen wir das. Sogar darüber zu lästern wird langweilig. Die Einschulung würde mich nur interessieren. Es sind ja taktische Maßnahmen, die ergriffen werden. Dazu zählen: Blenden, Anbrüllen, Drohen. Passt eigentlich alles nicht ins Theater. Schnellen Schrittes mach ich mich mal zum Ausgang, hol mein Handy raus und schalts wieder ein, nicht ohne das prüfende Auge eines Gartenzwergs … im Vorbeigehen zu bemerken. Habe die Ehre, bis zum nächsten Mal.
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