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Frank Wildhorns »Carmen: Viva Amor!« – Premiere 2008 in Prag

CarmenAm 2./3. Oktober 2008 (Einspielvorstellungen ab 24. September) steigt in Prag im Karlin Musical Theatre die Uraufführung des neuen Frank Wildhorn-Musicals “Carmen: Viva Amor!”. Produziert wird die Show von Hudebnà­ Divadlo Karlà­n. Jack Murphy steuert die Texte zur Show bei, Norman Allen zeichnet für das Buch verantwortlich. Er meint zum Inhalt des Wildhorn-Musicals:

[Carmen is] based on the legendary character that is featured in Mà©rimà©e’s novella and Bizet’s opera - but she has been placed in a contemporary setting, in a story-line inspired by the original but also new and innovative. The eternal truth of the character - a courageous and daring woman full of the zest for living - is the driving force behind this new musical. [frankwildhorn.com]

–>Offizielle Website der Produktion<---

Andrew Lloyd Webber - sucht er 2009 den neuen “Jesus”?

In einem Interview mit der englischen Zeitung THE SUN ging Komponist Andrew Lloyd Webber unter anderem auch auf seine TV-Pläne für die nächste Zukunft ein. 2009 erwägt Webber, mittels Casting-Show Darsteller für eine Produktion seines Musicalklassikers “Jesus Christ Superstar” zu suchen. Lloyd Webber [thisisnottingham.co.uk]:

I think I will do two more series and then quit this kind of thing. People get tired, I think. I have an idea to do Jesus Christ Superstar next year and then maybe another all-new show which I’m really excited about.

1,44 Millionen Zuschauer bei “Tarzan”-Peepshow dabei

Wie erwartet konnte die erste Live-Show des Sat.1-Tarzan-Castings leicht zulegen, was die Zuschauerzahlen betrifft. 1,44 Millionen Zuseher waren dabei: Beim Gesamtpublikum kam die Show auf 4,8 Prozent, in der Zielgruppe lockte man 8,5 Prozent an - eine leichte Steigerung im Vergleich zur Sendung vom 21. März, die eine Quote von 7,6 Prozent erreicht hatte. [Quotenmeter]

Die wirkliche Innovation dieser Sendung? Trillerpfeifen. Kaum vorstellbar, aber wahr. Zu Gekreische, Gejohle, zu peinlich übersteigertem Applaus kamen nun auch noch Trillerpfeifen hinzu. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Trillerpfeifen von Sat.1 selbst an ausgewählte Zuschauer ausgegeben wurden, nur um noch mehr vom peinlichen Karaoke der meisten Auftretenden abzulenken, die die meist mediokren Popsongs großteils dementsprechend interpretierten. Es ist absolut lächerlich, von den Kandidaten zu verlangen, peinliche 80er-Hits wie “When the rain begins to fall” (Pia Zadora & Jermaine Jackson) DARZUSTELLEN.

Kommen wir nochmals zum Applaus zurück. Welcher halbwegs normale Mensch würde während eines Songs, ausgerechnet beim Refrain, zu klatschen und johlen beginnen? Es ist diese Unart, die Shows wie “Ich Tarzan, Du Jane” so abstoßend, unehrlich und peinlich wirken lässt. Das Publikum wird vor Beginn der Sendung darauf trainiert, verschiedene “Applausarten” einzusetzen, unter anderem auch jene während der Songs. Echte Emotionen haben da keine Chance.

Der Moderator wälzte sich kalauernd durch die Sendung, es fehlte für ein Musical-Casting fast jeglicher “Musicalbezug”, bis auf eine lächerliche Anfangsperformance und ein schlecht performtes Schlusslied. Ja, aber “Tarzan” besteht doch aus Popsongs. Gegessen, das ist so nicht richtig. “Tarzan” besteht aus Popsongs genau so, wie “We Will Rock You” aus Rocksongs besteht. Innerhalb der Show ist das weder Rock, noch Pop, es ist Musical, alles andere würde auch nicht funktionieren, insofern ist die Ausgangsthese der Show, man suche keinen Musicalsänger, einfach falsch. Was man vielleicht nicht sucht, sind “Operettenstimmen”, Musicalsänger mit Poptimbre sind dagegen nicht mehr die Ausnahme, sondern eher schon die Regel. Whoopie, wie Simon Cowell (Juror bei “American Idol”) sagen würde - in ein paar Wochen ist Sir Andrew Lloyd Webber als Mentor der Kandidaten bei der siebenten Staffel von “American Idol” dabei. Und ich für meinen Teil bin mir sicher, dass diese eine Folge mehr Musical bieten wird als die ganze Sat.1-Castingserie.

Jason Robert Brown - Songs & Snippets online

Seit März 2006 ist Komponist & Texter Jason Robert Brown (”Songs For a New World”, “Parade”, “The Last Five Years”, “Urban Cowboy, “13″) mit seiner offiziellen Website jasonrobertbrown.com im Netz vertreten. Es ist zweifellos eine der interessantesten Sites eines zeitgenössischen Musicalkomponisten und -texters, denn sie wird tatsächlich auch von ihm selbst mit neuen Inhalten gefüllt, und das regelmäßig.

In seinem Blog postet Brown sporadisch Outtakes und Raritäten seiner Musicalproduktionen. In den letzten Monaten hat sich diesbezüglich einiges an interessantem Soundmaterial ergeben. Zu finden ist eine Übersicht (inkl. Downloadmöglichkeit) all dieser Lieder im “Guide to the Music on JRB.com“.

West End: Mr. Bean goes Musical

Rowan Atkinson (”Mr. Bean”) wird in der West End-Produktion des Musicals “Oliver!”, die im Dezember 2008 Premiere feiert, in der Rolle des Fagin zu sehen sein. Das gab Produzent Sir Cameron Mackintosh dieser Tage bekannt, während Sir Andrew Lloyd Webber mittels TV-Castingshow noch geeignete Nancys und Olivers sucht.

Atkinson zu seinen Beweggründen, diese Bühnenrolle anzunehmen:

In the 1980s I enjoyed doing a lot of West End theatre and since then have been distracted very much by Mr. Bean and film-making. I had been thinking for some time about returning to the stage and the idea of the role of Fagin, which has long intrigued me - some time ago I even played the role in a school production - seemed like too good an opportunity to miss. [The Press Association]

“Ich Tarzan, Du Jane” - weiter flaue Einschaltquoten, “Promis” in den Live-Shows

Letzte Woche holte die fast zweistündige Ausgabe der Castingshow “Ich Tarzan, Du Jane” wieder nur eine Million junge Zuschauer zu Sat.1, was einem schlaffen Marktanteil von 7,6 Prozent entsprach. Auch beim Gesamtpublikum gab es im Vergleich zur vorletzten Sendung keine Besserung: 1,35 Millionen Zuschauer entsprachen völlig indiskutablen 4,2 Prozent Marktanteil. [Quotenmeter]

Für die kommenden Live-Shows holt man sich daher einige Gastjuroren, die, ganz ganz sicher, die Einschaltquoten in ungeahnte Höhen pushen werden [satundkabel.de]:

Roger Cicero (28. März)
Jeanette Biedermann (4. April)
Thomas Hermanns (11. April)
Dirk Bach (18. April)
Kim Fisher (25. April)
Phil Collins (2. Mai)

Broadway: “Rent” geht in die Verlängerung

Money, money, money. Da die Nachfrage nach Tickets aufgrund der Bekanntgabe des Dernierentermins (oh Wunder) gerade wieder so richtig stark ist, geht Jonathan Larsons Musical “Rent” in die Verlängerung. Nun ist nicht am 1. Juni 2008 Schluss, sondern erst am 7. September (obwohl, dann ist Weihnachten auch nicht gar so mehr weit, und wer weiß). [Playbill]

“The Phantom of the Opera - Teil II”: Tim Rice textet nicht - Premiere 2009?

UPDATE
Obwohl wir noch nicht den 1. April hatten, war die Meldung, wonach Tim Rice mit Lloyd Webber an einem “Phantom”-Sequel arbeite, offensichtlich eine Falschmeldung. Liz Smith, Kolumnistin der New York Post und Variety, scheint wohl etwas falsch verstanden zu haben. Wie auch immer, am 26. März ließ Andrew Lloyd Webber klarstellen, dass der amerikanische Texte Glenn Slater, und nicht Tim Rice, derzeit an den Texten zum Phantom-Sequel arbeitet [Playbill].

Ursprüngliche Meldung:
Tim Rice (”Jesus Christ Superstar”, “Joseph and the amazing technicolor dreamcoat”, “Evita”) arbeitet als Texter mit Andrew Lloyd Webber am Sequel des Musicals “The Phantom of the Opera”. Jack O’Brien (”Hairspray”, “The Invention of Love”, “The Coast of Utopia”) wird Regie führen, ein Uraufführungstermin wird für 2009 angestrebt. Komponiert hat Sir Andrew angeblich schon, das berichtet Liz Smith, Kolumnistin der New York Post, und zitiert Webber:

Tim is brilliant, but he likes to do whatever comes easily. I’m fond of him, but he’s most irritating. Because really he should be doing the lyrics for the new Phantom. He knows he should phone me. […] It’s a great story and I think I’ve written a fairly strong score. I write quickly and have written it in my head all the way through. So all the building blocks are there; I just need to put it in shape. But this show will be the toughest thing I have ever done. Even if it is the greatest thing ever written artistically, it will never come up to what the first one was commercially.[Playbill]

Jenseits des “Point of no return” oder 4500 Mal “Carlotta” und kein Ende

Musicaldarstellerin Kim Stengel ist Inhaberin eines ganz eigenen Rekords: Sie hat die Rolle der “Carlotta” in Andrew Lloyd Webbers Musical “The Phantom of the Opera” so oft wie niemand anderer gespielt, über 4500 Mal.

Begonnen hat sie ihre Reise 1994 mit einer Tourproduktion der Show, die sie quer durch Kanada und Alaska bis nach Hawaii geführt hat. 1995 tourte sie in Asien mit Aufführungen in Singapur und Hongkong. Ab 1995 war sie vier Jahre Castmitglied der Produktion in Toronto, seit 2002 tourt sie mit dem “Phantom” quer durch die USA.

Am 27. März 2008 wird Kim Stengel ganz offiziell die zwölfte “Carlotta” der New Yorker Version von “The Phantom of the Opera”. Zwei Monate, bis zum 17. Mai, wird sie im Majestic Theatre gastieren. [Playbill]

Was ist ein Musicaldarsteller?

Jüngst erregte ein Beitrag des Kultur-Channels etwas Befremden. Der Grund dafür ist die Frage, ab wann man sich als “Musicaldarsteller” bezeichnen “darf” und wann nicht. Genauer, ab wann man jemanden als Musicaldarsteller bezeichnen darf und wann nicht - und ob man denn die vielen “ausgebildeten” Musicaldarsteller nicht vor den Kopf stoßen würde, wenn man ihre jungen oder auch nicht mehr jungen Kollegen (wenn man sie denn so bezeichnen darf) bezeichnungsmäßig ebenbürtig betitelt(e).
Die ganze Diskussion halte ich persönlich für überzogen. Im Entertainmentbereich ist eine Ausbildung ganz gewiss nicht zu unterschätzen, aber sie ist keineswegs die einzige Voraussetzung beispielsweise dafür, Erfolg zu haben, zu unterhalten. Sie ist auch nicht die einzige Voraussetzung dafür, ob jemand auf der Bühne Leistung erbringen kann oder nicht. Sowohl im Schauspielbereich wie auch im Film, und so auch im Musicalbereich, wird es immer Quereinsteiger geben, und das ist auch gut so, denn Talent wird Wege finden, sich zu zeigen. Die verbeamtete Laufbahn, in der man Zeugnisse, Diplome, was auch immer erwirbt, mag in Deutschland und auch in Österreich eine gängige sein, man merkt das, wenn man das voller Stolz präsentierte DIPLOMDARSTELLER sieht. DIPLOMDARSTELLER, wunderbar, das ist, unbestreitbar, ein Leistungsbefähigungsnachweis.Das mag als Zulassungsvoraussetzung zu vielen Auditions zählen, aber sonst? Ist Robert Stadlober Schauspieler oder nicht, denn eine abgeschlossene Ausbildung hat er nicht. Ist er Musiker, denn eine Musikausbildung hat er nicht. Ab wann war man berechtigt, ihn als Schauspieler zu bezeichnen? Wir reden hier nicht von Mathematikern, Steuerprüfern und Buchhaltern, wir reden von Entertainment, von einem äußerst vielschichtigen Bereich, der von wenig anspruchsvollen Kellermusicals (und auch anspruchsvollen Kellermusicals) bis hin zu Stücken reicht, für die man tatsächlich eine ganz besondere Ausbildung haben muss, um sie souverän zu performen. Aber wem steht es zu, demjenigen, der am Anfang seiner Karriere steht, zu sagen: Nein, mach du erst mal eine Ausbildung, bevor du das, was du machst, auch definieren darfst. Muss ein Schriftsteller erst einmal in einem Verlag ein Buch publiziert haben, um als Schriftsteller zu gelten? Muss er von seinem Buch 100 Stück, 200 Stück oder mehr verkauft haben, um sich eine Berufsbezeichnung zulegen zu dürfen?
Ein Musicaldarsteller ist jemand, der in einem Musical etwas darstellt, so simpel definiert Wikipedia den Begriff “Musicaldarsteller” im Kern. Ja freilich, mag man da einwenden, aber das Musical muss dann schon “professionell” aufgezogen sein. Und wann sprechen wir von einem “professionell” produzierten Musical? Und warum sollte dieses Kriterium gelten?
Mich erinnert diese Definitionsklauberei wenigstens an etwas, was unbestreitbar Kunst ist, in dem Fall Dichtkunst und die Kunst des Definierens:

Gedichte
ein Gedicht ist etwas inmitten einer weißen Ebene,
von sich umzäunt und umschlossen
von den Schalen seiner Zeilen
es hat zwar vergessen, wo und wie es geworden ist,
aber es ist kein verflogener Vogel,
denn es spiegelt, indem es nur sich selber spiegelt,
auch die Gemütsverfassung, aus der es geworden ist,
wider
ein Gedicht ist ein Fenster,
in eine fremde Wirklichkeit geöffnet,
hinter der nur die eines Gedichtes sichtbar wird,
oder eine Mauer mit blinden Fenstern
der Augenblick Schmetterling,
bevor er in Staub zerfällt
ein verletztes Siegel
eine Zeichen- und Bilderschrift aus
einander widersprechenden Bildern und Zeichen
eine Muschelschale ohne Meeresrauschen
die Geisterstunde eines Gegenstandes
ein Apfel an einem Winterbaum,
aber nicht eine von Reif versehrte Rose
etwas, das an etwas erinnert,
woran es keine Erinnerung gibt
das letzte einer Reihe
sich ins Unendliche verkleinernder Bilder
ein Zeichen für etwas,
wofür es nur in Gedichten Zeichen gibt,
die Nachbildung von etwas nicht einmal Geträumtem
etwas, das in unterirdischen Quellen
mit sich redet, Verschubbahnhof spielt,
Mondphasen aneinanderkettet
und Wörter mit Landschaften belehnt
eine Sprachinsel,
eine Spiegelung in einem blinden Spiegel
etwas, das die Wortwörtlichkeit der Wörter
so verkoppelt, daß aus der Verkoppelung
Bildbedeutungen entstehen
eine gefälschte Banknote
ein Sternbild,
das mit seinem Namen nicht übereinstimmt
eine Haustür inmitten einer Wiese,
ein Stück Tapete in einem ausgebrannten Haus
ein Fußballspiel als Vorwand, daß die Spieler
Farben und Linien zusammenführen
die Differenz zwischen einer wirklichen
und einer gezeichneten Taube
eine reine Gegenwart
jedes Gedicht ist die Schale
um einen möglicherweise verglühten Kern
jedes Gedicht ist eine Übersetzung
des einen Gedichtes,
das es nur in Übersetzungen gibt
ein Gedicht ist, was sich als Gedicht erklärt
(Julian Schutting)

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