Martin Bruny am Samstag, den
8. März 2008 um 14:15 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2008
Denny Martin Flinn (1947–2008) war Tänzer (»Fiddler on the roof«), Choreograph (»Six«, »Sugar«), Schauspieler und Drehbuch- sowie Sachbuchautor. Er schrieb das Musical »Groucho«, das unter seiner Regie am Off-Broadway und danach als Tourproduktion zwei Jahre lief. Er choreographierte Rock-Videosequenzen für Soaps wie »Another World« oder »Search for Tomorrow« und einige Szenen im Filmblockbuster »Ghost« (1990). Als Drehbuchautor schrieb er an »Star Trek VI: The Undiscovered Country« (1991) mit, als Darsteller tourte er eineinhalb Jahre mit »A Chorus Line«. Sein erstes Sachbuch war eine Making-off-Story ebendieser Show mit dem Titel »What They Did For Love: The Untold Story Behind the Making of A Chorus Line«. Es folgten viele weitere Bücher mit meist werbewirksam formulierten Titeln wie «How Not to Write a Screenplay: 101 Common Mistakes Most Screenwriters Make” (1999), «How Not To Audition: Avoiding the Common Mistakes Most Actors Make†(2003) oder «Little Musicals for Little Theatres: A Reference Guide for Musicals That Don’t Need Chandeliers or Helicopters to Succeed†(2005). 2007 starb Denny Martin Flinn an den Folgen einer Krebserkrankung, seine letzten Bücher, »Ready for My Close-Up!: Great Movie Monologues« und »The Great American Book Musical«, erschienen 2007 beziehungsweise 2008 posthum.
Für das hier besprochene Buch »The Great American Book Musical« hatte Flinn drei Untertitel als Auswahl vorliegen: »A Manifesto«, »A Monograph« und »A Manual«. Dass er sich letztlich dafür entschieden hat, alle drei zu verwenden und damit auch die Ansprüche, die diese Titel stellen, erfüllen zu wollen, mag eine Schwäche des Autors oder des Werks sein, denn zumindest als »Manual«, also quasi als Anleitung, wie man ein Book Musical schreibt, taugt das Buch ganz und gar nicht. Zumal das Book Musical, laut Flinn, längst tot ist, und zwar genauso tot wie »Höhlenmalerei und Impressionismus«, so der Autor. Und zumal es für Flinn extrem schwer scheint, den Begriff Book Musical überhaupt zu fassen beziehungsweise die Kriterien dafür zu erstellen, wann ein Book Musical als gelungen zu bezeichnen ist, und wann nicht. Für Flinn beginnt die Ära der Book Musicals 1944 mit »On the town« und endet 1975 mit »A Chorus Line« beziehungsweise 1981 mit »Dreamgirls«. Dass man den Beginn des modernen Musicals eigentlich 1927 mit »Showboat« ansetzt, spätestens 1943 mit »Oklahoma!«, kümmert ihn nicht besonders, er gibt auch keine Gründe für seine Entscheidung an.
»Cats« beispielsweise ist für Flinn, der besonderen Wert auf das Staging legt, kein »echtes« Book Musical, weil die Choreographie alles andere als originär sei. Was hätte aber daraus werden können, wenn ein Bob Fosse oder Jerome Robbins hier federführend gewesen wären, so der Autor. Es sind letztlich solche Passagen, die das Buch eher zu einer Art riesigen Ideeensammlung machen denn zu einem »Manifest« oder einer »Anleitung«.
Es ist ein durchaus sympathischer Ansatz, den Flinn hier skizziert, wenn er meint, »It’s the songs that carry the musical«, und Ira Gershwin zitiert, der sagte: »Words deliver an idea to the head. Music delivers an emotion to the heart. A song delivers an idea to the heart.« Kaum meint man, eine klare Linie in Flinns Argumentationsreigen gefunden haben, bietet er die folgende Anekdote: »Mrs. Oscar Hammerstein was at a party, and overheard someone say, »I just love Jerome Kern’s ‚Old Man River‘« Mrs. Hammerstein replied, »Jerome Kern didn’t write ‚Old Man River‘. Jerome Kern wrote, dum, dum, dum-dum, dum-dum, dum, dum-dum.« Dass bei einem Musical die Lyrics wichtig sind, das Libretto und die Melodie, das hätten wir wohl auch ohne den Autor gewusst, ob die Betonung des Stagings nun den entscheidenden Schritt zum Book Musical macht, ist die Frage.
Im Kern ist Flinns Werk eine Art Liebeserklärung an die Kunst des Stagings, sozusagen das »Herz« des von ihm sizzierten »guten« Book Musicals, neben dem Libretto. Da wird sein Werk dann zur im Untertitel angesprochenen Monographie, wenn er unter dem Motto »Dance is the hidden language of the soul« (Martha Graham) Minibiographien der großen Broadway-Choreographen ausarbeitet wie Robert Alton, Jack Cole, Agnes de Mille, Jerome Robbins, Michael Kidd, Gower Champion, Bob Fosse und Michael Bennett. Da erweist sich Flinn als blendender Anekdotenerzähler und da bietet er auch einiges an interesanten Einblicken in die Arbeitsweise der Choreographen von Shows wie »West Side Story«, »A Chorus Line«, »Company«, »My Fair Lady« und vielen anderen. Ob es nun notwendig war, ellenlange Listen zu schreiben mit den ursprünglichen Stoffen bekannter Musicals wie »Peter Pan«, »Hello, Dolly!«, »Gypsy« und so weiter, bleibt dahingestellt.
Es macht immer Spaß Flinns Bücher zu lesen, man kann sie zumindest meistens als Sammlung lesenswerter Zitate verwenden. Bei diesem seinem letzten Buch könnte es sein, dass der Autor die tatsächliche Bearbeitung noch nicht abgeschlossen hatte, als er am 24. August 2007 starb. Es wirkt in vielen Zügen unfertig, viele Schlussfolgerungen und Kapiteltitel, die provokant gemeint waren, wie »Nur Choreographen sollten auch Regie führen«, sind nicht wirklich schlüssig mit Material unterfüttert. Und letztlich ist ein unterhaltendes Anekdotenbuch noch keine fundierte Analyse. Flinn bietet gute Materialskizzen, keine Frage, schießt aber manchmal übers Ziel und wird ein wenig geschmäcklerisch, beispielsweise, wenn er gegen Ende des Buches zum Schluss kommt: »You gonna have heart: It may be that in a good production of »Les Misà©rables«, we are applauding the fact that the cast got through all that singing; in »Miss Saigon«, the sets; in »Cats«, the virtuoso singing and dancing. In the great American book musical, an ovation is, well … from the heart.†Das ist dann fast schon … platt.
Denny Martin Flinn: The Great American Book Musical – A Manifesto, A Monograph, A Manual. Limelight Editions, New York 2008, 268 S.; (Softcover) ISBN 978-0-87910-362-0. $ 19,95. www.limelighteditions.com
Martin Bruny am Samstag, den
8. März 2008 um 14:12 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2008
Das Filmmusical ist derzeit wieder angesagt. In den nächsten Monaten wird die Neuverfilmung von »Fame« ebenso in die Kinos kommen wie die Filmversion von Maury Yestons »Nine«, 2010 steht unter anderem eine neue Version von »Footloose« auf dem Programm und »High School Musical 4« (allerdings als »TV-Musical«), 2011 ein Remake von »My Fair Lady« – und auch Steven Soderberghs Cleopatra-3D-Rock’n’Roll-Musical »Cleo« ist im Entstehen.
Ist nun«Fame« ein Filmmusical oder ein Tanzfilm, wann vermischt sich alles mit Genres wie dem Ballettfilm wie beispielsweise in »White Nights« (USA, 1985) oder »Billy Elliot – I Will Dance« (UK, 2003) oder gar in Herbert Ross’ »The Turning Point« (USA 1977) und Robert Altmans »The Company« (USA, 2003). Wie grenzt man Musiker-, Musik- und Konzertfilm voneinander ab? Das sind einige der Themen, mit denen sich Dorothee Ott im Rahmen ihrer Dissertation im Fach Filmwissenschaft der Universität Mainz auseinandergesetzt hat. 2007 promovierte sie mit dem hier vorliegenden Werk, das 2008 als Buch erschienen ist. Derzeit arbeitet Ott beim Hessischen Rundfunk als Redakteurin.
Was die Autorin bietet, ist eine genaue und genau belegte Analyse der Entwicklung des Filmusicals (bleiben wir jetzt mal ungenau und schließen da sämtliche Gattungen ein) nicht nur im amerikanischen Sprachraum, sondern auch mit Abstechern nach Deutschland (»Rhythm is it!«) und Japan (»Shall we dansu?«) oder Australien (»Moulin Rouge!«) – und auch beispielsweise mit einem spannend zu lesenden Kapitel zum Subgenre des Tangofilms mit seinen prominenten Regisseuren wie Carlos Saura (»Bluthochzeit«, 1981, »Carmen«, 1983 und »El Amor Brujo«, 1986) und Fernando E. Solanas (»Tangos – El Exilio de Gardel«, 1985 und »Sur« 1987).
Dorothee Ott beginnt ihre Ausführungen mit einer genauen Untersuchung der Entwicklung des Musical-und Tanzfilms, beginnend bei der ersten Tonfilm-Revue, Harry Beaumonts »The Broadway Melody« (USA, 1929), beschäftigt sich dann mit der Musik im Film generell und erzählendem Gesang im Musicalfilm, um sich schließlich der dramaturgischen Funktion des Tanzes in Musicalfilmen der 1930er, 1940er und 1950er Jahre zu widmen. In kurzen Kapiteln werden daran anschließend die Krisenjahre, die 1950er und 1960er, untersucht, um schließlich in die Gegenwart einzubiegen mit eigenen Kapiteln zur »West Side Story« (USA, 1961) und zum Einfluss der Popmusik auf Musical- und Tanzfilme der letzten Jahre.
Langsam baut die Autorin ihr Instrumentarium auf und festigt die begrifflichen Grundlagen, als Voraussetzung für den Hauptteil des Werkes, die Untersuchung besonders interessanter Werke für das Genre. Für diesen Hauptteil hat Ott »Dirty Dancing« (USA, 1987), »Strictly Ballroom« (Australien, 1991) und den japanischen Film »Shall we dansu?« (1996) von Masayuki Suo ausgesucht, der zum bis dahin erfolgreichsten japanischen Film in den USA wurde.
Nach einem Kapitel, in dem zeitgenössische Musicalfilme wie »Evita« (USA, 1996), »Everyone says: I Love You« (USA, 1996) und »Dancer in the Dark« (Dänemark, 2000), Animationsfilme (»Snow White and the Seven Dwarfs«, USA 1937 – bis hin zu »Corps Bride«, USA 2005) generell sowie das Bollywood-Kino besprochen werden, folgen ausführliche Auseinandersetzungen mit »Moulin Rouge!« (Australien, 2001), »Chicago« (USA, 2002) und »Rhythm is it!« (BRD, 2004). Insgesamt werden 44 Filme ausführlicher behandelt, angefangen bei Filmklassikern wie »The Jazz Singer« (USA, 1927) über »Swing Time« (USA 1936) und »Sweet Charity« (USA, 1968) bis hin zu »Mad Hot Ballroom« (USA, 2005) und »Take the Lead« (USA, 2006).
Interessant, weil auch in den kommenden Monaten wieder aktuell: Otts Vergleich zwischen aktuellem Filmmusical und Bühnenmusical: »Das zeitgnössische Publikum scheint eher nach der authentischen Bühnenerfahrung – nach dem Live-Erlebnis und der Live-Musik – zu verlangen als nach einer gesungenen Filmerzählung, das zeigt sich an der ungebrochenen Popularität der Bühnenmusicals, die Jahr um Jahr ein Massenpublikum ins Theater locken. Hier finden sich auch professionelle, solide ausgebildete Musicaldarsteller, die auf der Leinwand meistens noch fehlen. Denn mit der Rückkehr zur Formtradition geht im Musicalfilm eines leider nicht daher: das Casten echter Musicaldarsteller für den Film. Während es im zeitgenössischen Tanzfilm meist gelingt, professionelle Tänzer mit ausreichend schauspielerischem Talent einzusetzen (siehe Patrick Swayze oder Paul Mercurio), sucht der zeitgenössische Musicalfilm hauptsächlich unter bekannten Filmschauspielern seine Darsteller, was dem Genre nicht immer gerecht wird. (…) Sollte der Trend zur konventionellen Inszenierung von Musicalfilmen fortbestehen, dann bleibt zu hoffen,dass die Produzenten billantere Musicaldarsteller für die nächsten Filme engagieren als bis dato, damit das Publikum, in Ermangelung innovativer Regie-Ideen, zumindest wieder virtuose Gesangs- und Tanzdarbietungen genießen kann (…) Die Zukunft des Musicals wird auch mit dem richtigen Casting entschieden.«
Fazit: Man lasse sich nicht abschrecken von dem Umstand, dass dieses Buch ursprünglich als Dissertation geschrieben wurde. Dafür ist es nämlich sehr leicht lesbar, aber gleichzeitig basierend auf einem gefestigten Boden von Tatsachen und Fakten. Verwendete Fachbegriffe werden erklärt und so sparsam wie möglich eingesetzt. Das Buch ist bebildert, aber zweifellos textzentriert, ein Quellenverzeichnis sowie eine kleine Internetlink-Zusammenstellung bieten einen guten Überblick über bisher erschienene Literatur zum Thema. Trotz einer Konzentration im Hauptteil auf einige wenige Musicals bietet dieses Buch den wohl besten Gesamtüberblick und die beste Analyse zum Genre des Filmmusicals und Tanzfilms auf dem Gebiet der deutschsprachigen Fachliteratur.
Dorothee Ott: Shall we Dance and Sing? Zeitgenössische Musical- und Tanzfilme. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2008, 362 S.; (Softcover) ISBN 978 3 86764 045 9. EUR 39,00 www.uvk.de
Martin Bruny am Freitag, den
7. März 2008 um 15:35 · gespeichert in Literatur
Kürzungen kann man immer wortreich erklären und begründen. Rationalisierungen, Streichungen, Entlassungen, alles eine Frage der Formulierungen. Diesmal trifft es nicht Siemens, Nokia, die Wirtschaft, die Industrie, nein, am Bachmannpreis wird abrationalisiert, was gerade so geht. Man liest nun statt an drei Tagen nur mehr an zwei. Gerade noch kann man die Veranstaltung “Tage der Literatur” nennen, egal, man muss ja froh sein, wenn es nicht bald die Stunden oder die Sekunden der Literatur sind. Hauptsache wir haben die Wochen des Fußballs. Ein Tag weniger, ist ja nur mehr als ein Drittel weniger. Man nennt das dann “Konzentration”, und damit man einen weiteren Aufhänger hat, gibt es einen neuen Vorsitzenden der Jury (Burkhard Spinnen), das lenkt ab, dafür streicht man die Zahl der Jurymitglieder von neun auf sieben zusammen. Irisch Radisch, die bisherige Vorsitzende, scheidet ganz aus der Jury aus. Mit dabei 2008: Andrà© Vladimir Heiz, Ijoma Alexander Mangold, Ursula März, Klaus Nüchtern, Daniela Strigl und Alain Claude Sulzer.
2008 geht alles ruckzuck, so als wollte man möglichst schnell alles über die Bühne gebracht wissen. Gelesen wird am Freitag (27. Juni 2008) und am Samstag (28. Juni 2008), die Preisvergabe findet bereits am Samstag abends statt. Sonntags ist der Preis schon Geschichte, alles darf wieder zum Fußball, am 29. ist doch Finale.
Martin Bruny am Dienstag, den
4. März 2008 um 12:55 · gespeichert in Wien

Am 15. März 1956 feierte »My Fair Lady«, ein Musical von Alan Jay Lerner (Buch und Texte) und Frederick Loewe (Musik), im Mark Hellinger Theatre seine Broadway-Premiere. Rex Harrison und Julie Andrews spielten die Titelrollen und wurden vom Publikum gefeiert. Bis 1962, 2717 Vorstellungen lang, war “My Fair Lady” am Broadway zu sehen, Melodien wie »The Rain In Spain / Es grünt so grün« oder »I Could Have Danced All Night / Ich hätt getanzt heut Nacht« gingen nicht zuletzt dank der Verfilmung (aus dem Jahre 1964) mit Audrey Hepburn und Rex Harrison um die Welt.
Über 350 Mal wurde der Welterfolg in einer wienerischen Fassung an der Volksoper gespielt. Peter Minich, Hans Kraemmer, Kurt Huemer und Michael Heltau sorgten mit ihren Interpreatationen des Henry Higgins für volle Häuser. Als Eliza waren Dagmar Koller, Helga Papouschek, Luzia Nistler, Guggi Löwinger, Julia Stemberger und Martina Dorak im Laufe der Jahre zu sehen.
Im April 2008 wird das populäre Musical nach einer vierjährigen Pause von Robert Herzl mit zahlreichen Volksoperndebütanten neu einstudiert. Die musikalische Leitung hat David Levi inne. Die Besetzung: Von der Josefstadt kommen Louise Martini als Mrs. Higgins und Direktor Herbert Föttinger als grantelnder Phonetik-Professor Henry Higgins an den Währinger Gürtel. Katharina Straßer, Schauspielerin des Volkstheaters, Nestroy-Nachwuchspreisträgerin und Shootingstar, verwandelt sich unter Higgins’ Anleitung vom mittellosen, rotzfrechen Blumenmädchen in eine elegante und geheimnisvolle Schönheit. Alternierend mit ihr wird das beliebte Ensemblemitglied der Volksoper Johanna Arrouas die Eliza geben. Das Burgtheater ist vertreten durch Peter Matic als Higgins’ distinguierter Freund Oberst Pickering und Ulli Fessl als Haushälterin Mrs. Pearce. Musicalstar Lukas Perman kämpft als Freddy um Elizas Gunst. Einziger Nicht-Debütant dieser Neueinstudierung ist Volksoperndirektor Robert Meyer als Elizas trunksüchtiger Vater Alfred P. Doolittle.
Cast
Katharina Straßer / Johanna Arrouas (Eliza Doolittle)
Herbert Föttinger (Henry Higgins)
Peter Matic / Josef Luftensteiner (Oberst Pickering)
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle)
Louise Martini (Mrs. Higgins)
Ulli Fessl (Mrs. Pearce)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill)
Regula Rosin (Mrs. Eynsford-Hill) u. a.
Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 5., 9., 11., 17., 20., 28., 30. April 2008, 1., 3., 11., 12. Mai 2008
Martin Bruny am Dienstag, den
4. März 2008 um 01:35 · gespeichert in Wien, Theater

Wer die Suchwörter “Selbstmord” und “Internet” googelt, kommt auf die erstaunliche Trefferzahl von rund 297.000 Sites. Bei “suicide” & “internet” kommt man schon auf fast 2 Millionen Treffer. “Suicide” und “Chatroom” ergeben 603.000 Treffer. Die jährliche Selbstmordrate (je 100.000 Einwohner, Stand 2005) beträgt in Österreich laut www.who.int bei Männern 26,1, bei Frauen 8,2 (insgesamt: 16,9). In einer europaweiten Statistik liegt Österreich damit auf Rang 14, weit vor Deutschland (Rang 22).
Selbstmord ist nach wie vor ein Tabuthema. Hat das Internet auch nicht dazu geführt, dass es zu einem Anstieg der Selbstmordrate gekommen ist, so hat es doch die Kommunikation von lebensmüden Menschen untereinander wesentlich erleichtert. Es gibt sie, die Selbstmordchatrooms, und sie funktionieren im Wesentlichen nicht anders als normale Chatrooms, nur wird aus einem eventuellen Date meist nicht mehr als eine Verabredung zum gemeinsamen Tod. Kommunikation im Netz ist direkt, oft viel schneller ganz ins Persönliche reichend, als man das im “realen” Leben je zulassen würde. Es ist erwiesen, dass Chatter einander innert kurzer Zeit persönlichste Details anvertrauen, die sie langjährigen Freunden im “realen” Leben nie anvertrauen würden. Aber was ist “real” und was nicht? Was ist Fake und was Leben? Und was passiert, wenn man zwischen Fake und Leben nicht mehr unterscheiden kann? Oder es nie konnte?
Genau das ist das Thema des Theaterstücks “No way to die“, das derzeit in einer der ältesten Kleinkunstbühnen Wiens zu sehen ist, im “Theater Neue Tribüne“, gelegen im Untergeschoss des duchaus bekannteren Cafà© Landtmann.
Julie (20) und August (19) treffen sich in einem Selbstmordchatroom. Sie lernen sich kennen und planen ihren gemeinsamen Tod. Julie zahlt August den Flug zum gemeinsamen Todes-Date. Von einer 600 Meter hohen Felskante wollen sie springen. Ob sie es auch tun? - Das ist, kurzgefasst, die Handlung von “No way to die”, basierend auf Igor Bauersimas Theaterstück “norway.today”, für das der Autor von der Zeitschrift “Theater heute” zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt wurde.
Die beiden Darsteller Jan Hutter und Irà©na Flury, Absolventen der Konservatorium Wien Privatuniversität, haben aus dem Schauspiel “norway.today” gemeinsam mit Regisseur Erhard Pauer, Peter Uwira, der die Musikalische Leitung übernommen hat, sowie Markus Tesch (Choreographie) ein Stück Musiktheater gemacht. Sie reicherten das Schauspiel mit Tanzelementen an und mit Songs, beides Elemente, die das Theatererlebnis zu einem durchaus auch sinnlichen werden lassen. Gleichzeitig nehmen sie damit aus den Dialogen das Tempo und ermöglichen es dem Publikum, das eben Gehörte wirken zu lassen. Durch Musik und Tanz wird der Zuschauer emotionalisiert, empfänglich gemacht. Was auf einen Song folgt, trifft ohne viel Gegenwehr auf das Publikum.
Die Chancen stehen gut, dass man als Zuschauer in “No way to die” öfter lacht als in drögen Musicalblockbustern wie “We Will Rock You”, wobei es durchaus interessant ist, warum man bei “No way to die” lacht. Ist es einfach eine natürliche, gesunde Reaktion, das eben Gehörte, durchaus Schockierende zu verarbeiten beziehungsweise durch lautes Lachen abzuwehren? Zum Teil sicher, denn was man sieht, sind zwei Jugendliche, die sich darauf vorbereiten, Selbstmord zu begehen. Sie inspizieren den Ort der Tat, sie versuchen, sich letzte Zweifel auszureden, nehmen Videogrußbotschaften auf. Aber der Text ist raffiniert gebaut. Er verlockt durchaus auch zum Lachen, dreht dann mit einem Satz die Perspektive von vermeintlich witzig auf todernst, und schon würde das (unangebrachte?) Lachen erfrieren, wenn man so schnell reagieren könnte. Ein Musterbeispiel:
August: Ich hab ernsthafte Versuche unternommen [mich umzubringen]
Ich habe eine Narbe im Gesicht
Ich bin aus dem Bett gefallen
Gleich nach der Geburt
Ich hab mich sozusagen da runtergestürzt
Das war mein erster Reflex
Seit ich denken kann, denk ich daran mich umzubringen
Im Ernst
Julia: Ich hab ne Frage. Wenn du sie mir richtig beantworten kannst, überleg ichs mir.
Vernunft! Was ist das?
August: Was?
Julia: Ja?
August: Ja?
Julia: Das ist die Frage!
August: Achso!
Julia: Lass dir Zeit.
August: Vernunft. Vernuft ist krank. Das weiß doch jeder.
Julia: Ist das alles?
Zum Teil ist es auch Fassungslosigkeit darüber, wie die beiden Lebensmüden sich über ihre Situation lustig machen. Man wird vom Lachen der beiden Todesmüden angesteckt, empfindet sich als Zuschauer mitunter in einer voyeurartigen Situation, ein Lachen beobachtend und aufnehmend, das aus einer Situation heraus entsteht, die eigentlich todernst ist. Was Igor Bauersima in seinem Drama schafft, ist ein sprachlicher Drahtseilakt, stets seine Glaubwürdigkeit bewahrend, nie ins Kalauernde, Aufgesetzte abrutschend.
Jan Hutter und Irà©na Flury beweisen mit “No way to die” ihre Kunst in allen drei Sparten, die ein Musicaldarsteller, durchaus auch jeder Schauspieler, heutzutage idealtypisch beherrschen sollte: Schauspiel, Tanz und Gesang. Sie machen aus “No way to die” Theater, das normalerweise Kultstatus erreichen müsste und eine ganze Zeitlang laufen sollte. Freilich ist das in Wien nicht leicht, Werbung ist teuer, aber wie auch immer. Wenn es ein Stück gibt, das beispielsweise das Theater der Jugend in seinen Spielplan aufnehmen sollte, dann dieses, behandelt es doch ein Thema, das nicht zuletzt auch viele Jugendliche betrifft. Wenn Theater heutzutage vielleicht ein wenig noch verändern kann, dann eventuell so, als Anstoß, als Anregung zur Diskussion und Selbstreflexion.
“No way to die” ist noch am 6. März, am 7. März und am 8. März jeweils um 20 Uhr im Theater Neue Tribüne zu sehen.
Martin Bruny am Montag, den
3. März 2008 um 16:39 · gespeichert in Broadway
Zu 60 Tagen Gefängnis und 3 Jahren Bewährung wurde der amerikanische Musicaldarsteller James Barbour (”Assassins”, “Urinetown”, “Jane Eyre”, “Carousel”, “Cyrano - The Musical” und “Beauty and the Beast”) verurteilt. Barbour hatte sich im Zuge seiner Gerichtsverhandlung schuldig bekannt. Er gab zu, ein 15-jähriges Mädchen unsittlich berührt zu haben, als es ihn im Jahre 2001 nach einer Vorstellung des Musicals “Jane Eyre” backstage besucht hat - und als es ihn danach in seinem New Yorker Apartment aufgesucht hat.
Das Mädchen gab zu Protokoll:
I struggled with complete lack of self-esteem, panic attacks, and put considerable distance between my family and friends for years. I had always blamed myself and felt like I had done something wrong. . . [The sentencing will hopefully] prevent him from even thinking of touching another child again.
Ronald P. Fischetti, Barbours Anwalt, gab während der Verhandlung folgendes Statement ab :
The victim exchanged dozens of friendly e-mails for nearly four years after their last sexual encounter … and thanked Barbour for his mentoring and help in meeting people.
Martin Bruny am Montag, den
3. März 2008 um 14:18 · gespeichert in Broadway
Adam Pascal und Anthony Rapp, Mitglieder der Original-Cast von Jonathan Larsons Musical “Rent”, gehen mit der Show, die sie berühmt gemacht hat, auf US-Tour. Seit 1996 touren diverse “Rent”-Produktionen kreuz und quer durch die USA und spielten bis dato über 330 Millionen Dollar ein.
Die neue US-Tour mit Rapp & Pascal startet im Januar 2009. Nähere Infos über Larsons Kultmusical bietet die offizielle “Rent”-Website. [broadwayworld.com]
Martin Bruny am Sonntag, den
2. März 2008 um 22:29 · gespeichert in Musical, Pop, Tonträger
Am 27. und 28. Februar 2008 gaben Marjan Shaki und Lukas Perman im BILLBOARD LIVE, einem Veranstaltungslokal in Osaka, das sich vor allem auf Jazz-Gigs spezialisiert hat, vier Konzerte vor insgesamt rund 1200 Zuschauern.
Viele japanische Musicalfans haben “Romeo & Julia” einst in Wien besucht, daher war es der Wunsch des Veranstalters, die beiden Musicaldarsteller wieder zusammen auf der Bühne zu sehen.
Während ihrer Autogrammstunden warben Lukas Perman und Marjan Shaki auch für die in Osaka in der Zeit vom 21. bis 28. Mai 2008 stattfindende “Wien Musical Concert”-Serie, bei der in neun Vorstellungen neben den beiden auch Maya Hakvoort, Mate Kamaras und Andre Bauer auftreten werden.
Für ihre Fans bastelten Lukas Perman und Marjan Shaki ein abwechslungsreiches Programm zusammen. In der rund 90-minütigen Show standen folgende Songs auf der Setlist:
Setlist
01. »Anything you can do« (ANNIE GET YOUR GUN)
02. »In der Straße, wo du wohnst« (MY FAIR LADY)
03. »I don’t know how to love him« (JESUS CHRIST SUPERSTAR)
04. »Dunkles Schweigen an den Tischen« (LES MISERABLES)
05. »I dreamed a dream« (LES MISERABLES)
06. »Unehrlichkeiten« (CITY OF ANGELS)
07. »Last night of the world« (MISS SAIGON)
08. »Memory« (CATS)
09. »Balkon« (ROMEO & JULIA)
10. »Was für ein grausames Leben« (MOZART!)
11. »Dich kennen heißt dich lieben« (MOZART!)
12. »I’m not that girl« (WICKED)
13. »This is the moment« (JEKYLL & HYDE)
14. »When I look at you« (THE SCARLET PIMPERNEL)
15. »Good bye morning« (LUKAS PERMAN)
16. »Autumn leaves« (EVA CASSIDY)
17. »Endless love« (LIONEL RICHIE & DIANA ROSS)
18. »Ich gehör nur mur« & »Der letzte Tanz« & »Schatten werden länger« (ELISABETH)
ZUGABEN
- »Ein Mädchen das so lächeln kann« (TANZ DER VAMPIRE)
- »Written in the stars« (AIDA)
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Am 6. Februar 2008 veröffentlichte Yamaha Music mit dem Song “GOOD BY MORNING” die erste japanische Solo-Single von Lukas Perman.
Auf der Single-CD zu hören:
1) Good by Morning
2) Blue Star
3) Good by Morning - Instr.
Vocals: Lukas Perman
Drums: Christer Jansson
Guitars: Esbjorn Ohrwall

Bass: Thomas Lindberg
Grand Piano: Martin Ankelius
Strings Arrangement: Headroom
All Songs Arranged & Sound-Produced by Hitvision
Mixed by Martin Ankelius at Hitvision Studios, Stockholm, Sweden
Vocal Tracks Recorded by Hisao Kemori at aLIVE recording studio, Tokyo, Japan
Assisted by Baoki Iwata & Shinici Takizawa
Project Producer: Yuki Kondo (Blooming Music)
A & R Director: Akira Yoneya
Photographer: Akemi Yoshihara
Artwork: Mayumi Marsumara & Hironobu Suzuki
Artist Management: Takamitsu Kubo (Umeda Arts Theater)
Executive Producer: Machiko Makiyama (Blooming Group)
& Shosuke Hasegawa (Yamaha Music Communications)
Martin Bruny am Freitag, den
29. Februar 2008 um 22:03 · gespeichert in Castingshows
Wer hat das Musical “Tarzan” komponiert:
1) Tokio Hotel
2) Phil Collins
Viel mehr gibt es eigentlich zur ersten Folge der Sat1-”Musical”-Castingshow “Ich Tarzan, Du Jane” nicht zu sagen. 3000 Euro konnte ein Zuschauer bei Beantwortung der Quizfrage gewinnen. So hat wenigstens einer etwas von der Show. Die Unterschiede zu DSDS waren marginal, Musicalfeeling kam keines auf, Hauptziel der Show scheint es zu sein, einen Großteil der Teilnehmer gründlich aufzumischen. Ein paar bekannte Leute wie Mark Seibert wurden als Köder ins Becken geworfen. Wie man hört, konnten sie sich mit einem gewagten Sprung schon nach dieser ersten Runde aus dem Urwald befreien. Kein Wunder, wenn die Sendungsverantwortlichen es nicht mal schaffen, die Vornamen der Kandidaten richtig zu schreiben. Schwamm drüber, kann nur besser werden.
Martin Bruny am Freitag, den
29. Februar 2008 um 10:41 · gespeichert in Tod
Allen Befürwortern des Taser-Einsatzes durch Exekutivbeamte (siehe ORF-Bericht) sollte man jenes YouTube-Video zeigen, das demonstriert, wie der Elektroschocker als Folterinstrument eingesetzt wird. Am 17. September 2007 hielt Senator John Kerry an der Universität von Florida (UF) eine Rede. Andrew Meyer, Publizistik-Student an jener Universität, stellte unangenehme Fragen und wollte sie auch beantwortet wissen. Statt einer Antwort nahm ihn ein halbes Dutzend Polizisten in Gewahrsam, drückte ihn zu Boden, und folterte ihn mit einem Taser. John Kerry hielt währenddessen munter weiter seine Veranstaltung ab.
Im Hörsaal waren Mikrofone aufgebaut, jeder der Anwesenden hatte die Möglichkeit, offen seine Fragen an den Senator zu richten.
Das tat auch der Student Andrew Meyer. Er wollte unter anderem von Kerry wissen, wie es bei den Präsidentschaftswahlen 2004 in Florida zur massiven Einschüchterung von Wählern und zum Wahlbetrug kommen konnte. Immerhin war es John Kerry selbst, der durch die Manipulationen um die Präsidentschaft gebracht worden war. Weiter wollte Meyer wissen, warum es damals keine Bestrebungen gab, ein «Impeachment†(Amtsenthebung) gegen Bush einzuleiten.
Aber er stellt anscheinend die falschen Fragen. Meyer hält ein Buch von Greg Palace hoch und ruft Kerry zu, er hätte die Präsidentschaftswahlen 2004 gewonnen. Warum hat er nichts gegen Bush unternommen?
In diesem Augenblick heißt es, seine Fragezeit sei vorbei. Nachdem der Student auf seine Fragen und vor allem auf eine Antwort von Kerry besteht, stellt man das Mikro ab. Doch Meyer spricht unbeirrt mit erhobener Stimme weiter. Er ruft «Impeach Bush†und stellt die Frage, ob Kerry Mitglied der Geheimloge «Skull and Bones†sei. Plötzlich stürmen Polizisten in den Saal und nehmen ihn fest. «Was habe ich getan?â€, ruft Meyer immer wieder. Er wehrt sich im ersten Moment nicht, als ihm aber klar wird, dass er verhaftet werden soll (‘are you arresting me?’), protestiert er und will sich den Griffen der Polizei entziehen.
Sie packen ihn, schleppen ihn in den hinteren Teil des Hörsaals und überwältigen ihn. Mittlerweile sind 19 Polizisten um ihn herum, Meyer leistet keinen Widerstand. Als er bereits am Boden liegt, stürzen sie sich auf ihn und richten eine Elektroschock-Pistole auf ihn. Wiederholte Male wird er mit Hochspannung (17.500 V bis 50.000 V ) beschossen - «getasertâ€. In dem Video ist nicht zu überhören, welche schrecklichen Schmerzen Meyer dabei zu erleiden hat. [Politblog]
In Amerika sind nach einem Bericht von Amnesty International bisher 220 Menschen durch den Einsatz von Tasern gestorben.
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