Martin Bruny am Samstag, den
21. Juni 2008 um 21:20 · gespeichert in Tonträger, Tonträger
Alexander Klaws’ größtes Problem ist gleichzeitig auch der Grund für seine bisherigen Erfolge: DSDS. Während sich dieses Castingformat beispielsweise in den USA unter dem Titel “American Idol” zu einer ernstzunehmenden Talenteshow entwickelt hat, firmiert DSDS in Deutschland als Dieter Bohlen-Talentwerkstatt. Solange die Gewinner Songs des Jurors interpretieren, können sie Erfolge einfahren, wenn sie sich gegen Songs von Bohlen entscheiden, ist es mit ihrer Karriere vorbei - oder aber sie startet eigentlich nie richtig durch.
Das musste auch Klaws zur Kenntnis nehmen. Seine ersten beiden CDs (”Take your Chance”, 2003, und “Here I Am”, 2004) erreichten jeweils Platz 1 in den deutschen Charts. Der von Bohlen produzierte Soundbrei verkaufte sich auch in Österreich (Platz 4 bzw. 24) und der Schweiz (Platz 11 bzw. 26). 2006 kam mit der dritten CD “Attention” der Absturz. In Deutschland erreichte der bohlenfreie Tonträger nur mehr Platz 20, in Österreich und der Schweiz keine Platzierung mehr.
2008 ging Klaws mit “Was willst du noch?” an den Start, erstmals mit deutschsprachigen Songs, und schaffte es bislang auf Platz 28 der deutschen Charts (keine Platzierungen in Österreich und der Schweiz). Die erste Singleauskopplung “Welt” floppte (Platz 65), am 11. Juli erhält Klaws mit “Sie liebt dich” noch eine Chance, seine Chartstauglichkeit zu demonstrieren und zu beweisen, dass es doch ein kreatives UND erfolgreiches Leben nach Bohlen als DSDS-Gewinner gibt.
Jenseits des Musikbusiness sind die Versuche des Sängers, beispielsweise im Musical, Fuß zu fassen, recht umstritten. Als “Alfred” in “Tanz der Vampire” musste er sich von der Kritik darstellerische und gesangliche Defizite bescheinigen lassen - dass Klaws überhaupt beim Musical landen konnte, ist freilich nur ein Symptom der Misere des deutschsprachigen Musicals an sich. Ab einem gewissen Zeitpunkt jagte man insbesondere in Deutschland bei Open-Run-Produktionen jegliche künstlerische Vorbehalte über Bord und gesellte sich zum kulturellen Trash. Man schickte die Künstler in Megashows wie “Wetten, dass …” und erniedigte sie, indem man sie zu Playbacks anderer Künstler singen ließ, man loggte sich in triefend dümmliche Volksmusiksendungen ein und holte sich dann den Kapitän volkstümlicher Dümmlichkeit als “Tod” ins Theater - all das duldeten nicht nur Produzenten, Komponisten und Autoren, sondern, und somit wurden all diese Publicitystunts im Nachhinein gerechtfertigt, auch das Publikum. Musical an sich wurde spätestens ab da auf einer gewissen Ebene Trash, und wer nicht schon immer der Meinung war, dass Musicals nur für Vollkoffer unterhaltend sind, der war es nach all den Silbereisens auf jeden Fall. Von “Mamma Mia!” ausgehend startete man dann in Sachen Klon-Factory durch. Auf “Ich war noch niemals in New York” folgt “Ich will Spaß”, dem Verlangen nach Dümmlichkeiten kommt man mit “Der Schuh des Manitou” entgegen. Bald wird man es auf diese Weise nicht mal mehr in Volksmusiksendungen schaffen.
Zurück zu Alexander Klaws, der scheinbar erkannt hat, dass er im Musicalbereich aufgrund seiner Limitierungen nicht berühmt werden wird und nun eine neue Karriere ansteuert: Für die Sat.1-Telenovela “Anna und die Liebe” steht er als “Lars Hauschke” in Berlin vor der Kamera, gemeinsam mit Schauspielern/Starlets wie Jeanette Biedermann, Heike Jonca oder Mathieu Carrià¨re - und ist damit imagemäßig am unteren Ende der Entertainmentpyramide angelangt. Vielleicht hat er im Hinterkopf, dass eine solche Telenovela auch eine Titelmelodei benötigt, und das, ja das wäre vielleicht wieder eine Chance, in die Charts zu kommen, oder zumindest auf einen Fixplatz in den Hörercharts von Radio Burgenland.
Dabei hat Klaws mit “Was willst du noch?” eine CD im Rennen, die etwas unter ihrem Wert geschlagen wird. Man kennt das ja: Plattenkritiken sind oft was Ärgerliches. Wovon soll der Rezensent auch ausgehen als von seinem persönlichen Interesse. Legendär, die “We Will Rock You”-Cast-CD-Kritik in der österreichischen Tageszeitung KURIER anlässlich der Wien-Premiere des Queen-Musicals - also Jahre nach der Veröffentlichung der CD. Und natürlich war die KURIER-Kritik vernichtend. Keine Frage, Musical, das geht gar nicht. Da kann man in anderen Rubriken des Blattes noch so viele Features schalten, am Plattenkritiker wirst du scheitern.
Klaws zeigt sich auf seiner CD als guter Studiosänger, es gibt eigentlich keinen Grund, warum er nicht mit etwas besserem Songmaterial auch wieder einen Hit haben sollte. Was ihm und seinem Team allerdings dabei eingefallen ist mit “Zu spät zu früh” einen Song von Lukas Permans erster Solo-CD zu covern, wird eines jener Rätsel bleiben, die wir gar nicht lösen wollen. Das Lied war, gesungen von Lukas Perman, ein ganz guter CD-Track, aber ohne wirkliches Hitpotential. Es gibt also eigentlich keinen Grund, ausgerechnet dieses Lied noch einmal, und leider wesentlich schlechter produziert und nervend eintönig arrangiert, einzuspielen. Gibt es wirklich so wenig gute Songwriter im deutschsprachigen Raum?
Auf “Was willst du noch?” hören wir einerseits eine Ansammlung von Lyrics, die keinen Moment packen. Metaphern bis zum Erbrechen, keine Poesie, Reime, die mit Gewalt in Zeilen gezwängt scheinen. Am Tiefpunkt kommen wir bei “Ich erinner’ mich” an - einem völlig sinnfreien Song, der ungefähr so gebaut ist: ” Nur keine Reue, wer ist programmiert auf ewige Treue. Wir sind doch nie für immer monogam, denn unsere Herzen sind nicht so zahm […] Sie ist’ ne Tramperin schon immer und ewig. Und ich erinner mich so gern an dich, mein Herz ist frei - dein Herz ist frei - viel zu groß für nur zwei.” Das sind Texte, wie man sie in den 80ern von deutschen Schlagerschnulzern gewohnt war, insofern Retro-Nonsens schlimmster Art, Baukastengeschreibsel ohne Seele.
Was diese CD andererseits beweist, ist die stimmliche Ausdrucksarmut von Alexander Klaws. Mag sein, dass es gewollt war, dieselbe leicht melancholische Grundstimmung ein ganzes Album lang zu transportieren, viel eher aber könnte man glauben, dass der Sänger einfach derzeit nicht mehr drauf hat. Die Trübsinnigkeit beginnt spätestens nach dem dritten Lied zu irritieren, da packt nichts nachhaltig, Klaws berührt fast nie.
Und dann ist da doch ein Lied wie “Vor dir”, das zeigen könnte, was aus diesem Album hätte werden können. Es sind nicht unbedingt die Lyrics, die den Song interessant machen - aber wenn man aus dieser CD überhaupt ein Lied auskoppelt, der Song hätte es sein müssen. Und noch ein zweites Lied ist gelungen: “Schönes Leben” - ein wenig Rhythmus im langweiligen Tal der Trübsinnigkeit, auch “Es wird immer Liebe sein” ist von Melodie und Groove her nett, allerdings textmäßig nicht wirklich tragbar (”Du sagst, ich könnt jetzt gehen, du würdest mich verstehen, doch ich seh in dir die Titanic untergehen” - wie bitte?) - letztlich ist das alles jedoch leider zu wenig. Schade, aber vielleicht wird’s was mit der Telenovela-Titelmelodei.
Martin Bruny am Freitag, den
20. Juni 2008 um 18:35 · gespeichert in Broadway
Image via WikipediaAm 27. Juli 2008 fällt für das Broadway-Musical “A Catered Affair”, eine der derzeit mit Abstand meist unterschätzten Shows, der letzte Vorhang. Fast keine “Tony”-Nominierungen, kein Tony Award, da müssen die Produzenten Konsequenzen ziehen. Auf 27 Previews und 166 Vorstellungen wird es die Produktion im Walter Kerr Theatre bringen.
Das 6,5 Millionen Dollar teure Musical war kein Favorit der Kritiken, aber Harvey Fierstein, der das Buch der Show geschrieben hat, sieht eine Zukunft für “A Catered Affair”:
I assume we are going to have a huge life after Broadway. We have genuine interest in foreign markets around the world. … It is a show that can be produced by almost anyone. The show needs very little - or as much as you want to give. It will have a life in universities, regional theaters. Any place where they have a great leading lady, a great leading man. And what theater doesn’t have a man to play the uncle?
I’ve never seen an audience in a musical do what our audience does - the weeping and the crying and the love. A lot of women have come time and time again. It’s becoming the ‘Rent’ of middle-aged women - which they haven’t had since Hugh Jackman shook his tuchas in “The Boy From Oz”.
Was auf alle Fälle bleibt, sind die Songs & Lyrics von John Bucchino. Er mag am Broadway mit seiner ersten Show keinen Erfolg eingefahren haben, aber die Cast-CD ist für viele eine der besten seit langer Zeit.
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Juni 2008 um 19:12 · gespeichert in Broadway
Wie immer nach den Tony Awards kommt es auch in diesem Jahr zu einem Freimachen der Theaterkapazitäten am Broadway. Wer keinen Tony abstauben konnte, bei dem sind die Chancen besonders groß, bald Musicalgeschichte zu sein. Die erste Show, die es trifft, ist “Cry-Baby”, das zweite Musical, das auf einem Film von John Waters beruht.
Ab 23. Juni 2008 ist das Marquis Theatre wieder frei für neue Mieter, denn am 22. Juni fällt für “Cry-Baby” der letzte Vorhang - nach 45 Previews und 68 regulären Vorstellungen. Ein Wiedersehen gibt es eventuell im Herbst 2009, da steht die Premiere einer US-Tour am Plan.
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Juni 2008 um 14:09 · gespeichert in Castingshows
Image via WikipediaTV-Castingshows für Musicals können, wenn man sie halbwegs gescheit aufzieht, durchaus positive Nebenwirkungen auf Musicals haben. Ein Beispiel dafür ist das MTV-Format “Legally Blonde The Musical: The Search for Elle Woods”, das seit 2. Juni 2008 in den USA ausgestrahlt wird.
Mittlerweile konnte Ghostlight Records von der Cast-CD 100.000 Exemplare absetzen, auch die Broadway-Show profitiert vom TV-Casting: Lag die Auslastung am 1. Juni noch bei 58,2 Prozent, kletterte sie bis 15. Juni auf 73,8 Prozent.
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Juni 2008 um 12:01 · gespeichert in Skurriles
Der österreichische Werberat fordert den sofortigen Stopp der Plakatkampagne “Life is a Game!”, die von gantnerundenzi für den Wettenanbieter bet-at-home.com entwickelt wurde. Stein des Anstoßes ist das Zungenspiel zwischen einem Fan der deutschen Nationalmannschaft und einer Österreicherin.
In der Begründung der Jury heißt es, dass das Sujet den “ethischen Grundsätzen der Werbung” widerspreche. Werbung im öffentlichen Raum habe “auf die Zielgruppe der Kinder Rücksicht zu nehmen”. “Ungewollte Nachahmeffekte” könnten hervorgerufen werden, so der Werberat. (via STANDARD)
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Juni 2008 um 11:28 · gespeichert in Sprache
DallasNews berichtet von einem bezeichnenden Vorfall bei einer Parteiversammlung der Republikaner vergangenen Samstag in Texas. Verteilt wurden unter anderem Buttons wie der rechts abgebildete oder auch beispielsweise einer, auf dem zu lesen stand:
Martin Bruny am Montag, den
16. Juni 2008 um 04:04 · gespeichert in Listen, Musical, Awards
In der Nacht zum Montag fand in New York die diesjährige Tony-Awards-Verleihung statt. Wer waren die großen Favoriten? Zur Erinnerung eine kleine Auflistung der nominierten Musicals: “In The Heights” (13), “South Pacific” (11), “Sunday in the Park with George” (9), “Passing Strange” (7), “Gypsy” (7), “Xanadu” (4), “Cry-Baby” (4), “Young Frankenstein” (3), “A Catered Affair” (3), “A Little Mermaid” (2), “Grease” (1).
Der große Sieger der diesjährigen Awards im Bereich “Musical” heißt: REVIVAL - oder auch: “South Pacific” & “Gypsy”. Im Wettstreit der eher konservativen Verehrer des sagen wir mal “klassischen Musicals” und der eher modern orientierten Erneuerer hat sich in diesem Jahr das “Klassische” durchgesetzt. Mit insgesamt 7 Tony Awards ist das “South Pacific”-Revival der überragende Gewinner. Das “Gypsy”-Revival konnte 3 Mal punkten, weiters gingen Preise an “In The Heights”, darunter jener für das “Beste Musical”, und “Passing Strange”.
Die ersten Tony Awards wurden im Jahre 1947 verliehen. Die ersten zehn Musicals, die die seit 1949 bestehende Kategorie “Best Musical” für sich entscheiden konnten, waren: “Kiss Me, Kate” (1949), “South Pacific” (1950), “Guys and Dolls” (1951), “The King and I” (1952), “Wonderful Town” (1953), “Kismet” (1954), “Pajama Game” (1955), “Damn Yankees” (1956), “My Fair Lady” (1957) und “The Music Man” (1958). Es ist fraglich, ob man sich in 50+ Jahren an so manches 2008 nominierte Musical überhaupt noch erinnern wird. Vielleicht war auch das ein nicht zu unterschätzender Grund dafür, eine Show wie “South Pacific”, die schon vor 58 Jahren zu den Gewinnern zählte, erneut mit Preisen zu überhäufen.
Ein wenig sollte sich American Theatre Wing, der Gründer der Tony Awards, Gedanken machen, wie man in Zukunft die Preisverleihung auch online besser zugänglich machen könnte. Per Webcast die Verleihung der weniger prestigeträchtigen Awards zu zeigen und dann während der Livesendung im US-Fernsehen eine Thank-You-Cam (die nur sehr wenige Künstler überhaupt nutzten) ins Netz zu senden, ist eine Art Anfang, aber ein doch recht spärlicher.
Wenn ein Musical so viele Awards für sich entscheiden kann wie “South Pacific”, ist die Enttäuschung bei vielen anderen Mitbewerbern meist groß. So sind die Verlierer dieser Tony Awards jene Produktionen, die ganz leer ausgegangen sind: “Sunday in the Park with George” (9 Nominierungen), “Xanadu” (4 Nominierungen), “Cry-Baby” (4 Nominierungen), “Young Frankenstein” (3 Nominierungen), “A Catered Affair” (3 Nominierungen), “The Litttle Mermaid” (2 Nominierungen) und “Grease” (1 Nominierung).
Die vollständige Liste der Gewinner liest sich wie folgt:
Musicals
South Pacific (7)
- Best Revival of a Musical
- Best Direction of a Musical (Bartlett Sher)
- Best Performance by a Leading Actor in a Musical (Paulo Szot)
- Best Lighting Design of a Musical (Donald Holder)
- Best Sound Design of a Musical (Scott Lehrer)
- Best Costume Design of a Musical (Catherine Zuber)
- Best Scenic Design of a Musical (Michael Yeargan)
In The Heights (4)
- Best Musical
- Best Original Score (Lin-Manuel Miranda)
- Best Choreography (Andy Blankenbuehler)
- Best Orchestrations (Alex Lacamoire, Bill Sherman)
Gypsy (3)
- Best Performance by a Leading Actress in a Musical (Patti Lupone)
- Best Performance by a Featured Actor in a Musical (Boyd Gaines)
- Best Performance by a Featured Actress in a Musical (Laura Benanti)
Passing Strange (1)
- Best Book Of A Musical (Stew)
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Sprechstücke
August: Osage County (5)
- Best Play (Tracy Letts)
- Best Direction of a Play (Anna D. Shapiro)
- Best Performance of a Leading Actress in a Play (Deanna Dunagan)
- Best Scenic Design of a Play (Todd Rosenthal)
- Best Performance by a Featured Actress in a Play (Rondi Reed)
The 39 Steps (2)
- Best Lighting Design of a Play (Kevin Adams)
- Best Sound Design of a Play (Mic Pool)
Boeing-Boeing (2)
- Best Revival of a Play
- Best Performance by a Leading Actor in a Play (Mark Rylance)
Les Liaisons Dangereuses (1)
- Best Costume Design of a Play (Katrina Lindsay)
The Seafarer (1)
- Best Performance by a Featured Actor in a Play (Jim Norton)
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Weitere Gewinner
- Best Regional Theatre Award: Chicago Shakespeare Theater
- Special Tony Award: Robert Russell Bennett (1894-1981)
- Special Tony Award for Lifetime Achievement in the Theatre: Stephen Sondheim
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Wie schon der Titel vermuten lässt, erwartet das Publikum kein Musical-Potpourri der Marke 08/15, sondern eine einmalige Best-of-Musical-Show, die von vier Künstlern auf die Bühne gebracht wird, die eine innige, zum Teil auch langjährige Freundschaft verbindet.
Das Quartett um den Weinviertler Martin Berger bringt nicht nur die größten Hits jener Musical-Produktionen, bei der sie selbst rund um den ganzen Erdball mitgewirkt haben, sondern auch einen eigenen Showblock der Marke “Rat-Pack”, bei dem den legendären Entertainern rund um Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin Tribut gezollt wird.
Martin Bruny am Sonntag, den
15. Juni 2008 um 21:13 · gespeichert in Musical
Ende Mai 2008 gaben Maya Hakvoort, Marjan Shaki, Lukas Perman, Mate Kamaras und Andre Bauer in Osaka einige Konzerte unter dem Motto “Wien Musical”.
Kurze Videoclips der Auftritte im Umeda Arts Theatre bietet die Site umegei.com.