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Archiv - 2010

Michael Bublà©: Haven’t met you yet [2009]

Der Videoclip zu einem Song von Michael Bublà© überrascht mit einem völlig überdrehten, hinreißenden Finale. Den Clip gibts –> hier auf YouTube, in Michael Bublà©s eigenem Channel.

Vom Musical-Mainstream, Tenören, einem ach-so-überraschenden Besucher-Plus in Wiens Museen und dem offenen Bücherschrank in Wien

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Ich bin mir immer noch nicht unsicher, dass “Musical Tenors” ein richtig schlechter Name ist für eine Formation von Musicaldarstellern, die Musicalsongs als quasi Quartett interpretieren wollen. Zu sehr ist der Begriff von den “klassischen” Formationen diverser Tenöre besetzt, und warum will man sich stilistisch da unbedingt anhängen? Warum ist schon der Name so unoriginell angelegt? Jan Ammann, Christian Alexander Müller, Mark Seibert und Patrick Stanke - als “Musical Tenors” wollen sie 2010 durchstarten. Wer von ihnen wird den Pavarotti machen? Klischee, o. k. Aber in den Köpfen verwurzelt. Im Herbst wollen die vier Tenöre in Essen, Oberhausen und Stuttgart gastieren, 2011 sind weitere Auftritte geplant. Was erwartet das Publikum? Zuallererst würden mir die schwülstigsten Songs aller Megamusicals einfallen, die x-ten Versionen aus dem Phantom, aus Les Mis, all die konzertanten Belanglosigkeiten, die Tourneen wie “Best of Musical” so “wunderbar” unters Volk bringen. Da folgt dann, wie beispielsweise im aktuellen “Best of Musical”, auf “Er lebt in dir” aus dem “König der Löwen” der Song “Alles im Griff”. Das hat zumindest Sprachwitz auf einer unbeabsichtigten Ebene, aber sonst ist vor allem der Gähnfaktor ein großer. Das “Holiday on Ice”-Publikum ist wohl dankbar dafür, die Fans der Darsteller ebenso, aber all das sind musicalische Unbedeutsamkeiten, in die von den Zuschauern Geld investiert wird, das die Stadttheater derzeit so dringend benötigen würden. Während sie ums Überleben kämpfen, strömen die Musicalfans ins “Best of Musical”.
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“Best of Musical”, allein der Titel ist einigermaßen lächerlich, wenn man sich die Setlist der aktuellen Tournee ansieht: “Dirty Dancing”, “We Will Rock You”, “Ich war noch niemals in New York”, jaja, Musicals kommen dann auch noch: “Hair” beispielsweise oder “Buddy”, und dann Kaumerträglichkeiten wie “Der Schuh des Manitu” oder “Tarzan”, und schließlich sogar ein paar Songs aus großartigen Musicals wie “Brooklyn” oder “Hairspray”. Der eine oder andere Sänger dieser Tour kann Popularitätsgewinne verzeichnen. Patrick Stanke zum Beispiel. Unter dem merkwürdigen Titel “Zwölf Städte – eine Show: Patrick Stanke rockt das Land”, der eher auf eine Solotour des Sängers schließen ließe, wird die “Best of Musical”-Tour mit Metaphern aus den Koch-Shows von Sat 1 etc. abgefeiert, von einem “leicht bekömmlichen Menü” ist die Rede, von Musical-Häppchen. Genau das hat das Musical-Genre in Zeiten von “Ich war noch niemals in New York” gebraucht.
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Lustig auch ein Artikel der Wiener Tageszeitung “Die Presse”, in dem unter dem Titel “Gratis-Eintritt bringt Wiener Museen Besucher-Plus” eine gewisse Verwunderung zum Ausdruck gebracht wird, dass sich der Gratis-Eintritt in die Museen der Stadt Wien für Jugendliche und Kinder deutlich gezeigt hat. Was hat der Redakteur erwartet? Dass bei einem Gratisangebot weniger Besucher kommen werden? Würden die VBW ihre Theater auch allen Jugendlichen und Kindern zum Nulltarif öffnen, kaum vorstellbar wären da die Rekorde, die da purzeln würden. “Rudolf” hätte eine Auslastung wie die erfolgreichsten Broadway-Shows gehabt: + 103 Prozent, mindestens.
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Gratis gibt es in Wien demnächst Bücher. Jeder darf sich bedienen. Jeder darf Bücher nehmen und auch Bücher in den Schrank legen. In der Tat wäre es ganz nett, wenn man sich nicht nur bediente, sondern aktiv beteiligen würde am Geben und Nehmen. “Offener Bücherschrank” nennt sich ein Konzept, das Frank Gassner verwirklicht hat. Angewidert von dem nahezu ausschließlichen Überlassen des öffentlichen Raumes an kommerzielle Nutzungen, hat er sich um die Behördenwege, Entwurf und Bau des Schrankes, Gestaltung der Flyer usw. gekümmert, sowie die gesamte Finanzierung der Material- und Behördenkosten in der Höhe von etwa € 1700 übernommen. Für den Schrank wurden also keinerlei öffentliche Gelder verwendet. Die unmittelbare Umsetzung erfolgte mit Hilfe des Vereins WERKIMPULS, einer selbstverwalteten Werkstatt. Diese geht ebenfalls auf Initiative von Frank Gassner zurück. Der Schrank, der ab 5. Februar 2010, 14.00 Uhr, zugänglich sein wird, ist von zwei Seiten zu öffnen und bietet auf 3 Ebenen Platz für ca. 250 Bücher. Der Kasten steht etwas schief. Das ist Absicht. Dadurch wird ein besserer Witterungsschutz erreicht. Die Bücher fallen nicht um. Die Türen schließen leichter und sicher. Der Korpus besteht aus 24 mm zementgebundenen Holzfaserplatten. Die Türen sind aus kalt brünierten und lackierten Stahlprofilen mit einem bruchsicheren Kunststoffglas als Füllung. Wer diese Aktion, die vorläufig bis 11. Juni 2011 befristet ist, unterstützen will, kann sich –> hier Infos holen.

“We Are the World” 2010 - nicht originell, aber wichtig

Barbra StreisandBarbra Streisand via last.fm

Besonders originell ist es nicht, eine alte Nummer wie “We Are The World” neu aufzunehmen, aber der erwartete Scheck für Haiti heiligt die Mittel, und so fanden sich am 1. Februar 2010 Dutzende Stars zu einer - natürlich - “historischen” Session in den Jim Henson Studios in Hollywood ein, um den Chartbreaker von 1985 noch einmal einzusingen.

“We Are The World” wurde von Lionel Richie und Michael Jackson geschrieben und von Quincy Jones vor rund 25 Jahren produziert. Auch die Version von 2010 kann mit Topstars aufwarten. Als Solisten am Werk: Barbra Streisand, Celine Dion und Jungstar Justin Bieber. Der Kleine ist 15 Jahre alt, singt bei “We Are The World” (2010) die erste Zeile, ist bei Ushers Label unter Vertrag (tanzt auch gerne mal mit Usher live in TV-Shows siehe –> hier) und tweetete während der Session ganz begeistert:

Singing We Are The World right now with Celine Dion next to me!! Everyone is here!! I’m meeting everyone!! This is insane! Ok ok chill

“We are the World” (2010) wird gesungen von: Lady Gaga, Akon, India.Arie, Patti Austin, Tony Bennett, Justin Bieber, Bone Thugs-n-Harmony, Ethan Bortnick, Brandy, Jeff Bridges, Toni Braxton, Zac Brown, Kristian Bush, Natalie Cole, Harry Connick Jr., Kid Cudi, Miley Cyrus, Celine Dion, Snoop Dogg, Drake, Earth Wind & Fire, Faith Evans, Melanie Fiona, Jamie Foxx, Sean Garrett, Tyrese Gibson, Josh Groban, Anthony Hamilton, Keri Hilson, Julianne Hough, Jennifer Hudson, Enrique Iglesias, LL Cool J, Janet Jackson, Randy Jackson, Taj Jackson, Taryll Jackson, TJ Jackson, Al Jardine, Joe Jonas, Kevin Jonas, Nick Jonas, Rashida Jones, Gladys Knight, Adam Levine, Jimmy Jean-Louis, Benji Madden, Joel Madden, Mary Mary, Katharine McPhee, Jason Mraz, Mà½a, Jennifer Nettles, Orianthi, Freda Payne, P!nk, A. R. Rahman, Nicole Richie, Raphael Saadiq, Carlos Santana, Nicole Scherzinger, Isaac Slade, Trey Songz, Musiq Soulchild, Jordin Sparks, Barbra Streisand, T-Pain, Robin Thicke, Rob Thomas, Usher, Vince Vaughn, Lil Wayne, Kanye West, Will.i.am, Ann Wilson, Brian Wilson, Nancy Wilson, BeBe Winans.

Zum ersten Mal wird man den Song am 12. Februar hören. NBC wird ihn im Rahmen der Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele senden.

UPDATE
Den fertigen Clip gibt es –> hier

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Broadway 2.0: Die spektakuläre HAIR “eParty”

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Eine neue Form der Vermarktung haben sich die Produzenten der aktuellen Broadway-Produktion von HAIR einfallen lassen. Nach dem Motto Kundenbindung über alles, wurden im Balkon-Bereich des Al Hirschfeld Theaters High-Definition-Kameras postiert. Der Sinn dahinter? Am Ende der Show, wenn alles tobt und tanzt, holen sich einzelne Mitglieder der Cast Zuschauer auf die Bühne, um mit ihnen gemeinsam ein wenig die Knochen durchzuschütteln. Genau diese Sequenzen werden nun seit Dienstag in HD-Qualität eingefangen und schlummern dann nicht etwa in den großen Archiven des Theaters, sondern werden prompt online gestellt. Und zwar bereits vier Stunden nach der jeweiligen Vorstellung. Abrufbar ist diese “HAIR eParty” –> hier

Per Mail oder Twitter kann man diese Sequenzen gleich selbst weltweit in Umlauf setzen, auch ein Download aufs Facebook ist möglich. Auf der HAIR-Website können alle, die auf dem Video zu sehen sind, sich selbst vertaggen, sodass Freunde genau wissen, wann mit ihrem Auftritt zu rechnen ist.

So genial die Idee ist, die Umsetzung dürfte nicht gar so leicht gewesen sein, musste doch zuvor ein Deal mit den Gewerkschaften der Schauspieler und Musiker abgeschlossen werden. Joe Parnes, Executive Producer von HAIR: “The unions were great in seeing how this could help a show, which means jobs.”

Und ganz ehrlich, wer darauf steht, sich selbst mitten im Geschehen auf der Bühne auf Video in bester Qualität gebannt zu sehen, hat damit ein besseres Erinnerungs-Goodie als mit einem Kaffeehäferl, oder nicht?

Wenn man das mit den “nomalen” Zuständen vergleicht, die dadurch gekennzeichnet sind, dass man nicht mal mit einer lausigen Handy-Kamera Szenen vom Schlussapplaus einfangen darf, ohne gleich von einem wütenden Ticketbehüter attackiert zu werden, kommt man sich bei einer solchen Produktion sicher vor wie nach einem Sprung direkt aus dem Mittelalter in die Neuzeit.

Man kanns auch anders formulieren: Bedenkt man, wieviele “Freunde” jeder Facebook-Nutzer durchschnittlich hat, kommt man zu einem Statement wie jenem von Damian Bazadona, dem Vorsitzenden von Situation Interactive, einer Firma, die das interaktive Marketing vieler Broadway Shows entwickelt: “We’ll be looking for other ways to connect theater to its audience, and get that word out to the larger public. Since the average person has 130 friends on Facebook, I think “Hair” will see huge organic growth from this.”

Links
- The New York Times: ‘Hair’ Has New Way to Spread the Love
- Situation Interactive

stadtTheater walfischgasse: Novocento - Die Legende vom Ozeanpianisten

12. Mai 2010
20:00bis22:00

stadtTheater walfischgasse: Novocento - Die Legende vom Ozeanpianisten
12. Mai und 13. Mai 2010, 20.00 Uhr

Ein Schiff. Menschen kommen, Menschen gehen. Einer bleibt. Für immer.
Sein Leben sind 88 Tasten. Seine Welt ist unendlich. »Du bist noch nicht am Ende, solange du eine gute Geschichte auf Lager hast, und jemanden, dem du sie erzählen kannst«, sagt Novecento dem Freund Tim Tooney — und Novecentos Geschichte lohnt es allemal, erzählt zu werden: Die Geschichte eines ungewöhnlichen Lebens und einer besonderen Freundschaft, die Geschichte von ganz und gar ungewöhnlicher Musik auf einem Ozeandampfer namens VIRGINIAN. Aus dem Erinnern Tim Tooneys wird Novecentos Leben greifbar: Ein namenloses Baby, das, auf dem Luxusdampfer ausgesetzt, schließlich von der Schiffsbesatzung großgezogen wird. Ein Junge, der plötzlich verschwindet, um mit sensationellen Tönen wieder im Tanzsaal der ersten Klasse zu erscheinen; ein musikalisches Duell, das seinesgleichen sucht und Klaviersaiten in Flammen setzt, und schließlich ein Mann, der seine Heimat bis in den Tod nicht verlässt — auch wenn die äußeren Umstände bemerkenswert sind.
Als Erzähler und Pianist in einer Person entführt Sie Thomas Borchert in die Welt des Novecento. Thomas Borchert steht seit nunmehr 20 Jahren erfolgreich auf den Musical-, Schauspiel- und Konzertbühnen Europas. In Wien war er zuletzt in der Titelpartie des Musicals “Jekyll & Hyde” zu sehen und spielt derzeit den Vampirgrafen “von Krolock” in Roman Polanskis “Tanz der Vampire” im Theater Ronacher.

Mit Thomas Borchert
Produktion: Thomas Borchert und Hamburger Kammerspiele
Von Alessandro Baricco
Musik: Thomas Borchert
Regie: Martin Maria Blau

Pressestimmen:

“Gebannt lauschte ihm das Publikum und sprang zur Schlussovation automatisch auf die Beine. Jeder Ton sitzt, jede Nuance und Pause - genau wie am Klavier bei seinen mit Szenenbeifall quittierten jazzigen Improvisationen. An Novecento´s Geschichte wächst auch Borchert über sich hinaus und feiert verdient einen weiteren Erfolg.” Hamburger Abendblatt

“So romantisch entrückt wie die Kammerspiele-Besucher an diesem Abend müssen sich einst die Passagiere auf dem Luxusdampfer “Virginian” gefühlt haben. Angereichert mit eigenen Klavierkompositionen von Thomas Borchert wird der kluge Text zu einer traumhaften Reise in die menschliche Seele.

An den Kammerspielen bringt der Musicalstar “Die Legende vom Ozeanpianisten” derart hinreißend auf die Bühne, dass er am Schluss vom Premierenpublikum mit Standing Ovations gefeiert wurde.” Morgenpost

Alt, aber gut: Drew Sarich im Interview [2009]

Drew SarichImage via Wikipedia

Als Glöckner von Notre Dame wurde er im deutschsprachigen Raum bekannt. Zehn Jahre später mit Broadway- und Westend-Erfahrung im Interview auf der Bayern 1-Showbühne: Drew Sarich.

Bayern 1-Showbühne: Interview mit Drew Sarich vom 29. August 2009 –> Zum Podcast

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Popfest Wien

6. Mai 2010 18:00bis9. Mai 2010 22:00

Mit dem ersten “Popfest Wien” (6.-9. Mai) soll die jüngste “Blüte” der Wiener Popmusik präsentiert werden: Bei zehn Gratis-Konzerten auf einer “Seebühne” am Karlsplatz sowie weiteren Veranstaltungen in benachbarten Kunstinstitutionen wollen die Veranstalter, die Initiative “karlsplatz.org”, “so viele gute Gigs wie möglich” zeigen, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

“Das Popfest Wien ist die Antwort auf die sensationelle Entwicklung der Wiener Musikszene der letzten Jahre. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf die vielen jungen Musikerinnen und Musiker, die hier leben und arbeiten, und stellt sie ins Rampenlicht des öffentlichen Raums. Kulturförderung muss sich an den Bedürfnissen der KünstlerInnen orientieren. In diesem Fall zeigt das Festival die Vielfalt von Popmusik aus Wien in einer Dichte, die es so vorher noch nicht gab - und das bei freiem Eintritt. Ich freue mich sehr, das Popfest im Namen der Stadt Wien unterstützen zu können”, betonte Kulturstadtrat Andreas Mailath- Pokorny am Mittwoch beim entsprechenden Mediengespräch im Wien Museum. Insbesondere am Karlsplatz sei das Festival auch gut aufgehoben. “Neben Musikverein und nah gelegener Staatsoper wird das Popfest ein Zeichen setzen” Und: “Ein miterlebtes Konzerterlebnis passt nicht auf einen ipod”, so Pokorny, der an die erfreuliche Wiederkehr der Live-Konzerte in Zeiten des akkustischen Downloads erinnerte.
Herzstück und Hauptattraktion des Festivals ist die “Seebühne” vor der Karlskirche. Sie wurde bereits vor zwei Jahren beim Kunstzone-Festival während der EURO 08 erfolgreich erprobt. Auf der “Seebühne” finden von 6. bis 9. Mai zwischen 18.00 und 22.00 Uhr zwei bzw. drei, also insgesamt 10 Open-Air-Konzerte bei freiem Eintritt statt. Im Anschluss werden die nächtlichen Festival-Aktivitäten in verschiedene Kunst- und Kulturhäuser des Karlsplatzes verlegt. Zahlreiche Showcases (kleinere Konzerte), KünstlerInnen-Kollaborationen und Präsentationen z. B. von Labels mit Party-Charakter finden dort ab 22.00 Uhr statt.

Weitere Infos –> hier

Die Wiener Volksoper - “in” wie nie

Es gab Zeiten, da führte die Wiener Volksoper in der Musiktheaterlandschaft der Bundeshauptstadt so etwas wie ein Schattendasein. Einziges Thema waren der entsetzlich schlechte Kartenverkauf und der hohe Anteil an Freikarten.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein, seitdem Robert Meyer am Ruder des Währinger Flagschiffs steht. Und ganz ehrlich, wer hätte ihm vor Antritt seines Postens zugetraut, (künstlerische) Führungsqualitäten in allen Bereichen, die das Haus abdeckt, also in Ballett, Oper, Operette und Musical, zu zeigen?

Ein Erfolgsgeheimnis mag der Umstand sein, dass Robert Meyer kein Schreibtischhengst ist, kein Beamter, kein Manager. Meyer ist ein begnadeter Schauspieler und abgesehen davon ein Allroundtalent, einsetzbar in so gut wie jedem der Bereiche des Hauses, grad halt nicht im “Schwanensee”. Die Manager an der Spitze von Theatern, sie sind ein Fluch der Gegenwart. Oft fehlt es einfach am Gespür fürs Theater, etwas, was Robert Meyer allerdings mehr als genug zu bieten hat. Und auch in seiner Funktion als Manager macht er alles wunderbar.

Der Zufall will es, dass heute eine neue Ausgabe des Kundenmagazins der Wiener Volksoper in der Post war. 24 informative Seiten über die Produktionen des Hauses, über Pressereaktionen auf Erfolge wie das “Ballett: Carmen” oder “Antonia und der Reißteufel”, ein Ausblick auf die kommenden Premieren wie Paul Abrahams “Die Blume von Hawaii“. Eine Produktion, in der Eva Maria Marold zu sehen sein wird, an ihrer Seite Gaines Hall. Regie führt Helmut Baumann, Choreographie: Kim Duddy. Ja, wir sprechen nach wie vor von der Wiener Volksoper, auch wenn uns einige der Namen eventuell von den Häusern der Vereinigten Bühnen Wien bekannt vorkommen. Wie angenehm sich die Beiträge in diesem Magazin lesen. Es hat so gar nichts “fanartiges” an sich.

Mit einem solchen Magazin beweist das Haus, dass es sich selbst und auch das Publikum ernstnimmt. Man möchte ansprechend informieren und nicht Seitenblicke auf die flüchtigen Stars bieten. Hintergrundinformationen bereitet Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz auf und er macht das auch in Form von Veranstaltungen auf der Bühne des Hauses, ganz in der Tradition von Marcel Prawy.

Nun ist es ja nicht so, dass es nicht auch bei den Vereinigten Bühnen Wien eine Phase gab, in der man das Musicalgenre mit gebührendem Ernst pflegen wollte. Vor ein paar Jahren fand eine “Bernstein”-Konzertserie statt, und es war ein Einführungsabend dazu geplant. Der Unterschied zur Volksoper? Diesen Einführungsabend in das musicalische Werk von Bernstein hat es letztlich doch nicht gegeben - angeblich wegen akutem Publikumsdesinteresse. Und vielleicht war gerade das der berühmte Turning Point, der Moment, von dem aus mittelfristig aus dem Musicalunternehmen VBW, das eigenständige, interessante MUSICAL-Premieren erarbeitete, ein reiner Zukäufer von Produktionen aller Art wurde. “We Will Rock You”, “Ich war noch niemals in New York”, Revuen wie “Josephine Baker”, die dreitrillionsten Reprisen von “Elisabeth”, “Tanz der Vampire”, “Mozart”, die galoppierende Einfallslosigkeit, die Wiederaufnahmen, die schon stattgefunden haben und noch bevorstehen … “Mozart” mal als Musical, mal konzertant, “Elisabeth” als Musical, konzertant, wieder als Musical, wieder konzertant? Ach, das kommt sicher auch wieder mal, und klar, dann kommt noch mal “Elisabeth” als Musical. Der Unterschied zu Stage Entertainment? Die schicken ihre Shows wenigstens von Stadt zu Stadt, die VBW lassen nur ein paar Jährchen vergehen, bis die nächsten Generation an Bütüs die Kreischreife erreicht hat.

Vielleicht ist die Volksoper für am Musiktheater Interessierte in Wien derzeit einfach die interessantere Wahl - warum nicht!

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Bye bye, »Rudolf«

Frank Wildhorns Musical »Rudolf« ist seit Sonntag Geschichte. Wiener Geschichte. Die Geschichte eines Flops sozusagen. Eines Flops, den die Vereinigten Bühnen Wien auf die eigene Kappe nehmen müssen, denn die Show an sich funktioniert. Das beweist die Budapester, nennen wir sie die Originalversion. Natürlich kann man nun meinen, das Publikum habe diese tolle Show einfach nicht »verstanden«, nein, das war ja bei »The Producers« der Fall, da waren die Besucher freilich zusätzlich noch »nicht reif«. Überhaupt haben »The Producers« und »Rudolf« eine frappante Parallele. Beide Shows haben international bewiesen, dass sie funktionieren, nur die Wiener Produktionen konnten nicht überzeugen.

Bei »The Producers« kann man sich vonseiten der Vereinigten Bühnen Wien eine gewisse Portion Wagemut zuschreiben. Schwieriges Thema, trotzdem wollte man sozusagen eine Art Bildungsauftrag erfüllen. Selten lag man so weit daneben. Eine Nation, die mitten im Verdrängen und Vergessen steckt, und vom Verzeihen noch so weit entfernt ist, sollte mit Klamauk in eine nächste Evolutionsstufe der Verarbeitens gepusht werden. Das konnte nicht funktionieren.

Bei »Rudolf« machten die Wiener leider entscheidende Dinge falsch. Der größte Fehler: Man verzichtete auf den Puppenspieler, die melancholische Version des Lucheni aus »Elisabeth«. Nein, einen zweiten Lucheni, das wollte man nun wirklich nicht. Michael Kunze war ohnedies schon sauer genug, dass man nicht das »Sisi«-Erfolgsteam mit der Erstellung des Habsburger-Spin-offs beautragt hatte. So baute man die Show um und gruppierte entscheidende Teile um Graf Taaffe. Graf Taaffee besetzte man mit einem Wiener Publikumsliebling, und wir werden wohl nie erfahren, wie die Geschichte wirklich gelaufen ist. Wurde die Show wegen des Publikumslieblings umgeschrieben oder wurde sie umgeschrieben und dann ein Publikumsliebling gesucht. Als Glücksgriff hat sich die Besetzung nicht erwiesen, denn die Hauptfigur in »Rudolf« sollte eigentlich Rudolf sein und nicht der Widerling Taaffe. Sicher, als Rudolf engagierte man einen blendenden Sänger, aber wohl auch einen, der auf Selbstpromotion ungefähr so viel Wert legt wie auf eine raucherfreie Zone im Segafredo am Graben. Zwei Auftritte im ORF, das wars dann auch. Man kann ihm keinen Vorwurf machen, den VBW dürfte bekannt gewesen sein, dass hier kein zweiter Uwe Kröger ins Scheinwerferlicht scharwenzeln würde, und andererseits, was machen die VBW schon in puncto Promotion, wenn sie nicht gerade jemanden wie Herrn Kröger an der Hand haben, der gerne strahlen will, und das durchaus auch soll. Promotion für »Frühlings Erwachen«? Null, nada, nicht vorhanden. Zu »Willkommen Österreich« schickte man Julia Stemberger. Die ganze junge Cast, die mehr als nur bereit gewesen wäre für Promotion aller Art, ließ man im Ronacher vermodern. Aber wir driften ab. Ob nun Herr Kröger stimmlich immer in Bestform war oder nicht, daran dürfte »Rudolf« nicht gescheitert sein. Dass man aber die Figur des Puppenspielers gestrichen hat, postuliere ich für meinen Teil als einen der entscheidenden Faktoren.

Ein weiterer Faktor. Larger than life, bigger than life. Nun ja, nicht wirklich. Nicht wirklich in Wien, denn auf Budapest, ja, da trifft das zu. In Wien agierte man in den Arrangements etwas mehr sophisticated. Es ist zwar derzeit Mode, dass in deutschen Foren und neuen deutschen Musicalblogs Frank Wildhorns Shows als Schmonzetten gedisst werden, aber ernstnehmen sollte man das nicht. Musicals leben von starken Melodien, und wenn Frank Wildhorn eines wirklich kann, dann ist es das Komponieren von starken Melodien. Es mag ein Fehler der Wiener Produktion gewesen sein, dass man mit Zucker gespart hat, dass man die Power der Melodien nicht allzu plakativ dem Publikum aufs Aug drücken wollte. Den Ungarn macht das nichts aus. Da wird eine Ballade bis zum Exzess inszeniert und auf eine Zuckerschicht kommt dann noch ein Sahnehäubchen drauf. In Wien wollte man es etwas zurückhaltender und konnte eventuell daher nicht die Kritiker und auch Teile des Publikums nicht überzeugen, man konnte nicht den WOW-Effekt auf die Bühne zaubern, der es schafft, Mundpropaganda für die Show auszulösen. Ganz abgesehen davon, dass man teilweise Baustellen auf der Bühne inszenierte. Man ließ Carin Filipcic ein absolut desaströs übersetztes Lied interpretieren. Filipcic musste Abend für Abend einen Text singen, der unsingbar ist, weil er zu viele Silben in zu kurzer Zeit enthält.

Was man ebenfalls wohl nie dem Publikum erklären wird können, sind die diversen Streichungen und Kürzungen, die völlig unbedeutenden und absolut nichts bringenden Adaptionen, die man im vergangenen Jahr mitten während der Spielzeit an »Rudolf« vorgenommen hat. War es das verzweifelte Ringen um Aufmerksamkeit? Seht her, »Rudolf« geht jetzt in einer neuen Version an den Start? Frank Wildhorn jedenfalls schien die Wiener Version schon lange vor der Premiere nicht wirklich mehr interessiert zu haben. War ursprünglich von einem neuen Lied für Wien die Rede, so konnten sich die VBW das wohl schon recht bald abschminken.

Seit Sonntag ist es nun vorerst Schluss mit Musicals am Raimund Theater. Einzug hält demnächst eine Revue, in der es unter anderem um viel Schlagobers geht, und das ist schon das Positivste, was ich darüber sagen kann, ich mag Schlagobers.

Links
- Musical Awakening: Rudolf Derniere: “Good night, sweet prince…”

Uwe Kröger eröffnet Weihnachtssaison 2010

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Am 22. Januar 2010 als digitaler Download erschienen: “Meine Herzwunschliste” von Uwe Kröger. Nun kann also die diesjährige Weihnachtssaison starten, handelt es sich dabei doch um des Sängers deutsche Fassung von “My Grown-Up Christmas List”. Da das Ganze auf “Anything Goes Records” erschienen ist, macht das Veröffentlichungsdatum gleich wieder viel mehr Sinn. In diesem “Sinn”: Happy Xmas. Zum Download gehts –> hier

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