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Literarisches Quartier: Friederike Mayröcker liest aus “Ich bin in der Anstalt”

17. Juni 2010
19:00bis20:00

Literaturhaus Wien: FRIEDERIKE MAYRÖCKER liest aus ICH BIN IN DER ANSTALT

17. Juni, 19 Uhr, Literarisches Quartier

ich bin in der Anstalt ist der Titel von Friederike Mayröckers neuer Prosaarbeit, die ihre Unmittelbarkeit und Direktheit vor allem aus der Betrachtung der Körperempfindung gewinnt. Diese bildet gleichsam ein zentrales Relais, das Erinnerungen, Wortmomente, Sinnbilder und Gedankenverknüpfungen, Beobachtungen, Erfahrungen und Imaginationen zu einem suggestiven und synkretistischen Sprachstrom verschaltet, der Friederike Mayröckers einzigartigen Schreibstil prägt.
Die Magie ihrer Sprache bringt selbst die einfachsten Dinge zum Leuchten hatte Andrea Winkler 2008 über Mayröckers Paloma geschrieben.

»ich habe die Staubkrankheit, in Eschen laufend, ich wache auf mit dem Wort ZWISCHENGEBIRGE, wir fahren im Lift abwärts und ich ziehe 1 grünes Haar aus dem Ärmel seines schwarzen Mantels, Nixe mit grünen Haaren, der alte grüne Steingutteller mit den grünen Seerosenblättern, vor Wochen auseinandergebrochen, wieder geklebt, aus groszelterlichen Beständen oder weiter zurück, etwas wie Wollust über die Seerosenblätter zu streichen, imaginiere, wie sie, die längst Hingegangenen, ihre Speisen darauf verzehrt hatten, vermutlich Kuchenstücke, Bäckereien, denn es gab kein Leid in der Tiefe ihrer Schritte, ich heize, neige (dazu), überstürzt zu handeln, zu antworten, in Eschen laufend, und trug grünes Reisig unter den Augen, nämlich Rousseau, ›ich liebe es, mich mit Nichtigkeiten zu befassen, 100 Sachen anzufangen und keine zu Ende zu bringen, oder den ganzen Tag wirr und planlos zu vertändeln‹, mit grünen Ziegenblättern, etc.«

Friederike Mayröcker, *1924 in Wien. Ab 1946 Englischlehrerin an Wiener Hauptschulen, seit 1969 beurlaubt. Lebt als freie Schriftstellerin in Wien. 1946 erste Veröffentlichung in der Wiener Zeitschrift Plan. Seit 1954 Freundschaft und Zusammenarbeit mit Ernst Jandl. 1967 bis 1971 vorwiegend Arbeit an Hörspielen, daneben Bücher mit szenischer Prosa, in den 70er Jahren längere und kürzere Prosa, in den 80er Jahren umfangreiche Prosabücher und Gedichtbände. 1970/71 Gast des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) in Westberlin, 1972 (zus. mit E. Jandl) Vortragsreise durch die USA im Auftrag des BMfUK. Gründungsmitglied der „Grazer Autorenversammlung“. – Preise und Auszeichnungen (Auswahl): 1963 Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst; 1964 Ludwig-von-Ficker-Gedächtnispreis; 1968 Hörspielpreis des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, Bonn (gemeinsam mit Ernst Jandl); 1973 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1976 Preis der Stadt Wien; 1977 Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Landes Salzburg; 1981 Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur; 1982 Großer Österreichischer Staatspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur; 1982 Roswitha-von-Gandersheim-Preis Bad Gandersheim; 1985 Preis des Südwestfunk-Literaturmagazins; 1985 Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien; 1985 Literaturpreis des Südwestfunks Baden-Baden; 1987 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst; 1989 Hans Erich Nossack-Preis der Deutschen Industrie; 1993 „Manuskripte“-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark; 1993 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1996 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste; 1996 Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis; 1997 13. Meersburger Drostepreis; 2001 Georg-Büchner-Preis; 2001 Karl-Sczuka-Hörspielpreis, 2003 Premio Internazionale, 2004 Ehrenring der Stadt Wien. – Bücher (Auswahl): Larifari. Ein konfuses Buch. Kurzprosa (1956); Texte. Gedichte (1966); Tod durch Musen. Poetische Texte. Gedichte (1966); Minimonsters Traumlexikon. Texte in Prosa (1968); ABC-thriller (1968); Fantom Fan. Prosa (1971); Sinclair Sofokles der Baby-Saurier. Kinderbuch (1971); Fünf Mann Menschen. Hörspiele (mit Ernst Jandl, 1971); Arie auf tönernen Füszen. Metaphysisches Theater (1972); je ein umwölkter gipfel. Erzählung (1973); Heisze Hunde (mit Ernst Jandl, 1977); Heiligenanstalt (1978); Ausgewählte Gedichte 1944-1978 (1979); Die Abschiede. Prosa (1980); Bocca della Verità. Hörspiel (1981); Ich, der Rabe und der Mond. Kinderbuch (1981); Gute Nacht, guten Morgen. Gedichte 1978-1981 (1982); Magische Blätter. Kurzprosa (1983); Reise durch die Nacht. Prosa (1984); Das Herzzerreißende der Dinge (1985); Magische Blätter II (1986); Winterglück. Gedichte 1981-1985 (1986); Der Donner des Stillhaltens / Larven Schemen Phantome (mit Bodo Hell,1986); mein Herz mein Zimmer mein Name (1988); Gesammelte Prosa 1949-1975 (1989); UMBRA, DER SCHATTEN. Das ungewisse Garten-Werk. Prosa zu Arbeiten von Linde Waber (1989); Magische Blätter III (1991); Das besessene Alter. Gedichte 1986-1991 (1992); Veritas. Lyrik und Prosa 1950-1992 (1993); Lection (1994); Magische Blätter IV (1995); Notizen auf einem Kamel. Gedichte 1991-1996 (1996); das zu Sehende, das zu Hörende (1997); brütt oder Die seufzenden Gärten (1998); Benachbarte Metalle. Ausgewählte Gedichte (1998); blättersitten (mit Manfred Gruber, 1999); Gesammelte Prosa. 5 Bände (2001); Requiem für Ernst Jandl (2001); Magische Blätter I-V (2001); Mein Arbeitstirol. Gedichte (2003); Gesammelte Gedichte. 1939 - 2003. (2004); Und ich schüttelte einen Liebling (2005); Magische Blätter VI (2007); Paloma. Prosa (2008); Scardanelli. Gedichte (2009); Dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif. Gedichte 2004-2009 (2009).

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