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Archiv - Mai, 2010

Schauspielhaus Graz: Enron (Österreichische Erstaufführung)

15. April 2011
19:30bis21:30

Schauspielhaus Graz: Enron (Österreichische Erstaufführung)
Von Lucy Prebble

Premiere: 15. April 2011

Einer der berühmtesten Skandale in der Finanzgeschichte wird zum Theater-Ereignis. Enron, der Energieriese in Texas, verkaufte nicht nur Erdgas, sondern handelte Energie an der Börse, machte fiktive Milliardengewinne durch Bilanzfälschungen mithilfe exotischer Offshore-Firmen, bezeichnete sich in Veröffentlichungen gern als »Die großartigste Firma der Welt« und wurde von den Medien lange Zeit als höchst innovatives Unternehmen ausgezeichnet. Enron beschäftigte etwa 22.000 Mitarbeiter und brach im Jahr 2001, als die Blase der überbewerteten finanztechnischen Luftgebilde platzte, vollständig zusammen. Dies alles war möglich durch Gesetzeslücken, die klug genutzt wurden, und durch politische Protektion seitens der Regierungen von Bush senior und später George W. Bush, in deren Amtszeiten zahllose Kongressabgeordnete und Senatoren auf der Gehaltsliste des Unternehmens standen.

Mit ihrem ambitionierten Stück, das am Londoner West End zum Hit der Saison avancierte und im April 2010 am Broadway herauskam, ist der jungen britischen Autorin Lucy Prebble ein echter Wurf gelungen: Dokumentation trifft auf Reality-Show, surreale Szenen wechseln mit ekstatischen Trader-Choreographien. Die Originalpersonen treten auf: Jack Skilling, Enrons Kopf, Top-Manager und übelster Schurke in einer Person, Firmenchef Kenneth Lay, der vor allem die Augen verschließt, Andy Fastow,
der besessene Finanzjongleur. Und natürlich die heißen Männer auf dem Börsenparkett, die an einem Tag mal eben ein Jahresgehalt verspekulieren und die nur eines im Sinn haben: ganz viel schnelles Geld. Prebble zeigt das Doppelgesicht des Kapitalismus: seine überbordende Energie und seine Selbstüberschätzung.

Regie • Cornelia Crombholz
Bühne • Marcel Keller
Kostüme • Marion Hauer

Zur Autorin
Lucy Prebble wurde 1981 in Surrey, England, geboren und studierte an der Universität von Sheffield. Neben dem Theater arbeitet Prebble auch fürs Fernsehen und adaptierte für die erfolgreiche TV-Serie Secret Diary of a Call Girl die Blog-Texte eines unter Pseudonym schreibenden Callgirls. Ihr Theaterdebüt The Sugar Syndrome wurde 2003 am renommierten Royal Court Theatre in London uraufgeführt, bereits in sieben Sprachen übersetzt und mehrfach prämiert. Ebenso ausgezeichnet wurde Enron, das 2009 am Chichester Festival Theatre uraufgeführt wurde, dann ans Royal Court umzog, bevor es 2010 ans Londoner West End geholt wurde. Im Frühjahr 2010 setzt Prebbles Stück seinen Erfolgskurs am Broadway fort.

Zur Regisseurin
Cornelia Crombholz, geboren in Halle an der Saale, studierte nach dem Schauspielstudium in Potsdam Regie am Max-Reinhardt-Seminar Wien. Es folgten Regiearbeiten an der Baracke des Deutschen Theaters Berlin, am Residenztheater München, Berliner Ensemble, Staatstheater Wiesbaden, Staatstheater Nürnberg, Staatstheater Mainz, Volkstheater Wien, Theater Osnabrück und
am Deutschen Staatstheater Temeswar. Seit 2000 arbeitet sie kontinuierlich am Schauspielhaus Graz. Hier inszenierte sie u. a. Werner Schwabs Der reizende Reigen … und in den letzten beiden Spielzeiten Hebbels Die Nibelungen und Cassavetes’ Opening Night.

Stadttheater Klagenfurt: Blutiger Honig - Das Bienenmusical

28. April 2011
19:30bis21:30

Stadttheater Klagenfurt: Blutiger Honig - Das Bienenmusical

Premiere: 28. April 2011, 19:30 Uhr
Einführungsmatinee: 10. April 2011, 11:00 Uhr; Moderation: Sylvia Brandl (Foyer)

Regie und Choreographie: Ricarda Regina Ludigkeit
Musikalische Leitung: Jeff Frohner
Bühne: Thomas Stingl
Kostüme: Bettina Breitenecker
Dramaturgie: Sylvia Brandl

Darsteller
Dagmar Hellberg, Nadine Zeintl, Livio Cecini, Peter Lesiak, Hannes Muik, Erwin Windegger

Thomas Pigors “Blutiger Honig” ist ein Gesöff aus tierisch geschmeidigem Saft, honigsüß abgeschmeckt. Man muss sich Pigor vorstellen, wie er, ausgerüstet mit einer großen Lupe, forschend durch die Welt streift und mit Vorliebe Oberflächen nach Tiefgründigem untersucht. Alles, was er findet, wird von ihm zu Geschichten, Anekdoten, Chansons eingeköchelt. Und wieder zieht es ihn hinaus, diesmal zum Gräserbüschelentfalten, Ameisenhaufenzerwühlen, Geäst durchforsten.

Und was er dort vor seine Linse kriegt, ist ganz sonderbar und erinnert an die ausgewachsene Spezies Homo Erectus: Drei junge Männer warten ungeduldig auf ihr Essen. Es handelt sich um tierische Drohnen – (der Begriff wird auch für Nichtstuer verwendet und für militärische Geschosse). Die männlichen Honigbienen Olaf, Oskar und Otto, dem Schlürfen von Nektar nicht abgeneigt, beruflich und vom Wesen her Befruchter, sind arbeitslos geworden. Die Königin legt keine Eier mehr und irgendein Lump hat ihr auch noch den Vorrat an Royal gestohlen. Auf der Suche nach Arbeit (und Royal) gehts dann für die drei Os so richtig ab. Angefangen bei der Zentralen Bienenvermittlung ZBV bis zum Nachtlokal im Abflussrohr. Alle, die da im und auf dem Erdenreich kreuchen und fleuchen, sich Schlechtes tun und Gutes wünschen (oder war es umgekehrt?), suchen und fliehen des andern
Nähe: Die scharfe Sachbearbeiterin Zizi »Wespentaille und solche Fühler«, die einsame Eintagsfliege, die keifenden Blattläuse, das Weichtier namens Schnecke, die verführerische Gottesanbeterin, die im Keller hausenden Security-Asseln, der gutmütige Maikäfer Mario und die übereifrigen Ameisen. Tierisch menschlich verhalten sich diese Vier- und Mehrfüssler. Es wird gezankt und (ab-)gestochen, verraten und betrogen, und die Korruption im Insekten-Syndikat treibt farbenprächtige Frühlingsblüten.

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